Mittwoch, 19. März 2014

Überleben in der Stadt - Flutkatastrophen II


Bedrohung durch Umwelteinflüße - Der urbane Sumpf Teil 2

In vorherigen Teil habe ich den groben Ablauf einer Flutkatastrophe in einer menschlichen Wohngegend dargelegt. In diesem Teil geht es darum, wie man sich vor soetwas schützen kann.







1. Nicht am Wasser bauen.

Damit könnte das Thema auch schon beendet sein. Nur sind Siedlungen aus denen Städte wurden nunmal oft am Wasser, an einem Fluß, einem großen See oder direkt am Meer gebaut worden, da es hier Nahrungsquellen und Trinkwasser gab.

Bevor man sich irgendwo niederlässt sollte man sich darüber schlau machen, wo Flüße verlaufen und ob das Baugebiet eventuell auf Sumpfboden entstanden ist.

Als Kinder haben wir oft auf den Baustellen eines Neubaugebietes gespielt und im Winter war bei diesen meistens der gesamte Keller unter Wasser gestanden. Das war kein Wasser aus dem aushärtenden Beton und es kann nicht alles durch Regenfälle hinein gekommen sein, es war das Grundwasser was sich hinein gezogen hat. Dieses Baugebiet wurde auf Sumpfboden errichtet und in den noch freiliegenden Brachen bilden sich von Herbst bis Frühling immer wieder Sümpfe. Man spricht hier von "Druckwasserbereichen". Entweder verzichtet man hier ganz auf einen Keller oder es werden Betonwannen hinein gegossen, die das eindringende Grundwasser außen halten sollen.

In älteren Häusern finden sich noch Löcher im Kellerboden, die für den Anschluss einer Tauchpumpe gedacht sind. Man nennt das ganze Pumpensumpf. Hier soll dann eindringendes Wasser abgepumpt und nach außen geleitet werden. Modernere Häuser haben stattdessen ein modernes Drainagesystem was auch oft mit der Abwasserleitung im Haus verbunden ist. Diese Pumpen hängen am Hausstrom, müssen dauerhaft versorgt werden und haben in vielen Fällen auch dazu geführt, dass sie immer wieder Grundwasser anpumpen anstatt nur das gesammelte eingedrungene einmal abzupumpen.

Fällt die Stromversorgung aus, Behörden stellen wie erwähnt bei Überschwemmungen aus Sicherheitsgründen den Strom ab, arbeitet das System nicht mehr.

Wohnt man in einer Reihenhaussiedlung wie ich es die meisten Zeit meines bisherigen Lebens getan habe, so kann es auch passieren, dass das Wasser aus dem Keller des Nachbarn zu einem hineinläuft. Auch wenn es die ganze Reihe hindurch eine Betonwanne ist die den Keller bildet, so sind die Zwischenwände nur hinein gesetzt worden. Es ist bereits vorgekommen, dass bei Rohrbrüchen oder eindringendem Wasser beim Nachbarn auch der eigene Keller unter Wasser steht.


2. Wo liegen Überflutungsgebiete?

In Städten wie Passau oder Nürnberg durch die direkt ein Fluß geht ist bei Überschwemmungen die Innen- bzw. Altstadt betroffen. Die jüngeren Stadtviertel bzw. Vorstadt hat meistens einen gewissen Grünstreifen zwischen sich und einem Fluß, der als Parkanlage oder auch landwirtschaftlich genutzt wird.


Bild: Die Pegnitz überflutet bei Schneeschmelze den Wiesengrund flußaufwärts bei Nürnberg.

Wegen dieser Pufferzonen bekommen die Anwohner von einem überlaufenden Fluß meistens gar nichts mit. Steht das Wasser über einige Zeit, so findet man nachdem es wieder zurück geht in Mulden gelegentlich zurück gebliebene Fische und Laich.

Steht das Wasser nicht nur von Herbst bis Frühling, so werden sumpfige Wiesen zum Brutplatz für  Mücken die eine echte Plage werden können und Krankheiten übertragen. In Deutschland ist beispielsweiße die Asiatische Buschmücke heimisch geworden, welche den West-Nil-Virus übertragen kann der auch schon in Deutschland nachgewiesen wurde.


3. Überschwemmungen sind Barrieren.

Während der alliierten Landung im Juni 1944 in der Normandy haben die deutschen Verteidiger die Schleusentore geöffnet und die Felder geflutet. So sollte verhindert werden, dass Segelgleiter auf den gefluteten Feldern landen können und die Truppenbewegungen der Alliierten sollten verlangsamt bzw. blockiert werden.

 Geflutete Felder in der Normandy

Ende des Jahres wendeten die Deutschen die gleiche Taktik in Teilen von Holland an, indem sie die Deiche zerstörten und den Fluß Maas überfluteten.



Überschwemmungsgebiete stellen für einen selbst genauso eine natürliche Blockade da. Mit einem gewöhnlichen PKW ist hier kein durchkommen mehr, und auch Geländewagen gehen selbst bei geringem Wasserstand in die Knie. Der Ruf der SUV's als Geländewagen, auch wenn viele nur einen Offroad Look haben und nichtmal Allradantrieb, wiegt ihre Benutzer oft in trügerische Zuversichtlichkeit hingänglich ihrer Zuverlässigkeit.

Im Februar 2014 berichtete die britische Automobile Association, dass von den 7.000 Fahrzeugen die sie aus Überschwemmungen gerettet haben, überdurchschnittlich viele SUV's waren.

Informieren sie sich vorher welche Straßen eventuell in einem Überflutungsgebiet liegen bevor sie zu spät merken, dass Straßen nicht mehr passierbar sind. Während des Donau Hochwassers in Bayern 2013 waren beispielsweiße die A8 bei Grabenstätt überflutet genauso wie das Autobahnkreuz der A3 und A92 bei Deggendorf. Suchen sie rechtzeitig nach alternativen Routen, nicht erst wenn es zu spät ist.


4. Schützen sie ihren Besitz.

Wenn sie in einem Gefahrenbereich für Hochwasser leben, dann decken sie sich besser vorher mit Sandsäcken ein, als bei der Verteilungsaktion der Behörden darauf zu hoffen, dass diesen gerade ihre noch nicht abbezahlte Kreditburg am Herzen liegt. Je nachdem wie groß das Grundstück um das Haus herum ist kann auch die Anschaffung einer Hochwasserwand in Betracht gezogen werden. Diese können nicht nur als Blockade gegen Wassermassen dienen.

Sie müssen ihren Besitz im Ernstfall nicht nur gegen eine dreckige Brühe beschützen die ihnen den Wohnzimmerboden ruinieren will, sondern auch gegen Menschen die ihr Wohnzimmer ausräumen wollen. Plünderer sind eigentlich immer eine Folgeerscheinung einer Katastrophe in der die öffentliche Ordnung nichtmehr aufrecht erhalten werden kann.

Überlegen sie sich vorher wo sie eventuell Wertgegenstände verstecken können, sollte jemand es schaffen in ihr Haus einzudringen während sie nicht da sind. Eventuell müssen sie auch ein Versteck für sich selbst haben, sollte jemand eindringen während sie da sind und sich nicht verteidigen können.



Mit Sandsäcken kann man nicht nur Dämme bauen sondern auch Treppenaufgänge blockieren.
Sollte ihre erste Verteidigungslinie brechen und Wasser im Haus stehen, so muss es wenigstens im Erdgeschoss bleiben, genauso wie andere Eindringlinge.


Wenn der Pegel steigt, wollen sie mindestens noch den obersten Stock als Rückzugsraum haben und sich nicht auf dem Hausdach der Sonne, Hitze, Regen und anderen Witterungsbedingungen aussetzen, die viele Leute durch Hitzschlag und Erschöpfung töten.

Fallen und Alarmanlagen sollten auch aufgestellt werden, es ist völlig unabdingbar gerade wenn man alleine ist. Es kann schon reichen ein paar leere Dosen an einen Bindfaden zu hängen die bei Berührung krach machen oder Glasscherben auszustreuen mit dem selben Effekt. Es müssen nicht sofort Punji Sticks und Selbstschussanlagen sein.


5. Kooperieren mit Behörden?

Behörden evakuieren Ortschaften oft ausnahmslos und quartieren die Bewohner auch gegen ihren Willen auf Feldbetten in Schulen oder Turnhallen ein. Im Fall von New Orleans wurden auch Bürger aus nicht betroffenen Stadtteilen von den Behörden aus ihren sicheren Häusern gezerrt und in das Superdome Stadion der Stadt gesteckt. Der Superdome war ein Freilaufgehege wie für Tiere, in dem Menschen eingesperrt wurden. Dort waren nicht nur nette Nachbarn festgesetzt, sondern auch Drogensüchtige, Verbrecher und anderer Abschaum. Diese konsumierten dort Drogen, bestahlen andere, vergewaltigten, begingen Morde und jeder pisste und schiss dorthin wo er gerade stand. Alles unter den Augen der Nationalgarde die mit Sturmgewehren sicherstellte, dass Niemand sich der Fürsorge der Regierung entziehen konnte, die es nichtmal geschafft hatte den Bürgern Wasser bereit zu stellen. Leute wurden durch Erschöpfung und Dehydrierung reihenweiße bewusstlos und vor dem Superdome räumte niemand die Leichen weg. Sie finden online Zeitungs- und Augenzeugenberichte über den Superdome Horror der für vier Tage die Demonstration einer post-apokalyptische Gesellschaft in einer riesigen Petrischale vorgeführt hat.

Sollte es auch mal keine ausreichende Zahl an freiwilligen Helfern und Ordnungskräften geben, so können auch andere Personen zum Bau von Dämmen zwangsverpflichtet werden. Angesichts der Situation in den Auffanglagern werden Leute dieses "Angebot" wohl auch bereitwillig annehmen.

Wenn sie also keine Lust haben Sandsäcke zu befüllen weil die Behörden zuvor gepennt haben oder in eine Miniaturausgabe des Warschauer Ghettos gepfercht zu werden, dann haben sie besser ein Versteck in ihrem Haus.


6. Überleben im eigenen Haus.

Das ist ihr Zuhause und hier ist ihr ganzer Besitz. Geben sie es auf müssen sie damit rechnen es nie wieder zu sehen.

Wenn sie sich auf eine Flut vorbereiten wollen haben sie die erwähnten Möglichkeiten einer Hochwasserwand und von Sandsäcken. Natürlich brauchen sie auch etwas mit dem sie die Sandsäcke befüllen können und hier ist die Gartenerde immer noch besser als gar nichts. Ziehen sie sich einen Graben vor den Sandsäcken, da dieser Wassergraben ihnen eventuell ein paar wichtige Minuten verschaffen kann. Zudem wissen Plünderer nicht, dass vor den Sandsäcken der Boden vielleicht einen halben Meter tiefer ist und es erschwert ihnen das Eindringen auf das Grundstück.
Ausserdem muss man den Aushub für die Sandsäcke dann nicht so weit schleppen.
Wie erwähnt sollten sie auch eine Option dafür haben eventuell die Treppenaufgänge abzusichern.

Vorräte für den Fall einer Flutkatastrophe sollten nicht im Keller gelagert werden. Der Keller ist oft das erste was unter Wasser steht und moderne Langzeitlebensmittel sind meistens vakuumverpackt und gefriergetrocknet. Es gibt keinen Grund diese Dinge im kühlen Keller zu lagern.
Die deutsche Bundesregierung rät jedem Bürger einen Lebensmittelvorrat von mindestens 14 Tagen vorzuhalten, also können sie damit rechnen, dass sie 10mal soviel brauchen werden für überhaupt irgendwas.

Trinkwasser braucht der Mensch mindestens zwei Liter am Tag und auch wenn man einen guten Wasserfilter hat, hat man nicht immer Wasser zum filtern. Moderne Wasserfilter wie die LifeSaver bottle können zwar auch alle Keime und Microben aus menschlichem Urin filtern, einige Salze und das Spurenelement Eisen können aber nicht heraus gefiltert werden. Man kann es im Notfall aber trinken.
Da im Fall einer Überschwemmung die umliegenden Flüße und Bäche mit der Brühe überflutet sind, in der Abwasser, Chemikalien, Öl, Benzin und Leichen schwimmen können, sind diese leider keine Option um frisches Wasser oder welches zum filtern zu besorgen. Sitzt man in seinem Haus wie auf einer Insel muss versucht werden Regenwasser über das Dach zu sammeln.
Zimmerpflanzen werden sowieso nicht mehr gegossen, können aber mit dem eigenen Urin noch bewässert werden bis es an ihre eiserne Reserve geht.
Werden Pflanzen dauerhaft mit Urin gegossen gehen sie aufgrund des Salzgehaltes darin ein. Eine Zimmerpflanze kann als Wasserquelle dienen indem man ihre Blätter mit einer Plastiktüte überzieht. So lassen sich durch Kondensation ein paar Tropfen Wasser abgewinnen, die sich dann in der Tüte sammeln.
Kondensation bei Pflanzen als Trinkwasserquelle

Abwasser und Müll können eine echtes Problem werden wenn neben dem Wasserhahn die Klospülung nicht mehr funktioniert. Die einfache Lösung hierfür sind Frischhaltefolien. Ganz gewöhnliche Frischhaltefolien. Special Forces tragen auf verdeckten Missionen hinter Feindlichen Linien ihre eigene Scheisse in Frischhaltefolien mit sich herum, da sie keine Spuren hinterlassen dürfen. Wer den Luxus seiner heimischen Toilette nicht aufgeben will, der kann mit Maschendraht seine Kloschüssel auskleiden und ein alte Zeitung hineinlegen. Seine Erleichterung wandert dann mit der Zeitung in die Frischhaltefolie oder Mülltüte.
Als Minimallösung bleibt ansonsten der Plastikeimer mit Deckel (z.B. ein Mülleimer) und Sand, Sägespäne oder besser Kalk zum binden der Flüssigkeit und des Duftes. Hierzu kann auch Katzenstreu hilfreich sein.

 Universalwerkzeug Frischhaltefolie

Ein Jäger findet und folgt Beute oft wegen ihrer Scheisse, und hinter ihnen sind eventuell auch Jäger her. Auch wenn in der Brühe vor ihrem Grundstück wahrscheinlich schon alles Mögliche schwimmen wird, widerstehen sie der Versuchung ihren Müll und Stuhlgang einfach aus dem Fenster oder über die Mauer zu werfen wie im Mittelalter. Die Behörden überfliegen Krisengebiete regelmäßig und denen fallen größer werdende Müllberge in einem evakuierten Gebiet auf. Lassen sie durch nichts anmerken, dass das Haus noch bewohnt ist. Durch die wahllose Verteilung von alter Wäsche vor dem Haus und eine eingeschlagene Fensterscheibe kann man es aussehen lassen, als wäre das Haus bereits geplündert worden.


7. Psychologie des Überlebens

Sie sitzen in ihrem Haus umzingelt von einer dreckigen braunen Brühe in der alles mögliche umhertreiben kann und der Gestank davon steht ihnen rund um die Uhr in der Nase. Es gibt nicht wirklich etwas zu tun außer zu überleben und sämtliche Elektronik, auch die zur Unterhaltung, funktioniert nicht mehr. Sie können sich kaum am Fenster blicken lassen, denn eventuell sind Leute hinter ihnen her die sie deportieren, berauben oder sogar töten wollen. Ihre Angehörigen halten sie für vermisst oder vielleicht schon für tot. Sie scheissen in Frischhaltefolie, ernähren sich von Tütensuppe und Aufguss. Diese ganzen Dinge können an der psychischen Substanz zehren. Behalten sie also immer im Hinterkopf wie wichtig es ist was sie tun.

Sie bestimmen ihr Leben und ihre Situation selbst. Flüchtlinge können ihr Schicksal nicht selbst bestimmen.


Lesen sie hier Teil 1.


Kommentare:

  1. Eine Gefahr im PC Szenario stellen nicht nur die klassischen Ueberschwemmungsgebiete zB an Flüssen dar. Ohne Strom für die Pumpen gluggern wohl auch weite Teile des Ruhrgebiets ab.
    Diese Gegend ist ja aus verschiedenen Gründen eh zu meiden.. trotzdem kann man es den Leuten mal als zusätzliches Szenario vor Augen führen. Ewigkeitsaufgabe nennen sie das.

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  2. http://www.fr-online.de/image/view/2011/4/20/8473334,5578201,highRes,763354-01-09.jpg

    Ein Bild aus der Überschwemmung New Orleans von 2011, genauer aus Vicksburg.

    Leider konnte ich den Artikel nicht mehr finden in dem Berichtet wurde, wie sehr die Nachbarn diesen Typ vor der Flut für verrückt gehalten haben.

    jepp, die Nachbarn deren Häuser auf dem Bild nicht mehr zu sehen sind....

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