Samstag, 29. März 2014

Wie nützlich ist Bushcraft wirklich?

Wie nützlich ist Bushcraft und Outdoor Survival wirklich in einer Krise?



Viele Kursangebote im Thema Survival bieten die Erlernung grundlegender Kenntnisse, z.B. was man essen kann, wenn man im Wald ist. Was vor 50 Jahren noch als Armut bekannt war ist heute kommerzialisiertes Survivaltraining.




Bushcraft und Steinzeitsurvival

Überlebenskünstler wie der Brite Raymond Paul Mears demonstrieren in Fernsehformaten Bushcraft und das Überleben in der Natur mit den Fähigkeiten die Dinge des eigenen Bedarfs selbst herzustellen, mit dem was man findet.


Bild: Eine Unterkunft bauen zu können ist immer eine nützliche Fähigkeit

Das geht von Werkzeug über Feuerstellen zu Pfeilspitzen. So nett und nützlich manche dieser Fähigkeiten sein mögen, sie spielen in Überlebenssituationen heute eine untergeordnete Rolle.

In der Krise sieht die Realität dagegen anders aus. Ich gehe von einer Krisensituation in einer mitteleuropäischen Umgebung aus, nicht von einer "Abgeschossener Pilot in Sibirien" Überlebenssituation.

Überleben am Minimum ist für einen selbst bereits ein Niedergang. Ein gut vorbereiteter und deswegen vielleicht weniger harter Niedergang, aber ein Niedergang. Ein Rückzugsgefecht mit Minimalen Ressourcen ist nicht anzustreben, wenn man in Konkurrenz mit anderen Gruppen und Gesellschaften steht.




Bild: Unnützes Wissen. Bilden sie sich nicht ein sie werden in einer Krisensituation zu einem Bogenbauer und Meisterschützen.

Zu viele Leute meinen sie könnten in einer Krisensituation einfach im Wald leben und mit Steinzeitsurvival über die Runden kommen. Das wird nicht passieren.

Ein Prepper bzw. ein Survivalist der sich den Keller voll stellt mit Langzeitlebensmitteln tut dies, damit er in der Krise so lange wie möglich ein normales Leben führen kann. Damit er nicht abhängig ist von einem Arbeitsplatz, dessen Hungerlohn ihm gerade zum Überleben reicht. Nahrungsvorräte dienen auch dazu, dass eigene Spektrum der Notwendigkeiten zu entlasten und sich auf den Erhalt oder den Aufbau der eigenen wirtschaftlichen Existenz zu konzentrieren.

Wenn Mangel herrscht fehlen Produkte an die sich die Konsumenten bereits gewöhnt hatten und die sie weiterhin kaufen möchten. Wer dann die Möglichkeit hat etwas simples wie Zigaretten zu produzieren oder Toilettenpapier, der hat für sich ein solides Einkommen und kann eine wirtschaftliche Existenz auf- oder ausbauen. Pfeilspitzen aus Feuerstein dagegen sind heute nicht gefragt und werden es in Zukunft ebenso wenig sein.

Genauso wenig macht es Sinn sich auf das Feuerbohren zu konzentrieren wenn es noch Feuerzeuge, Feuerstahl und Streichhölzer gibt und die Zeit in die Erlernung sinnvollerer Fähigkeiten investiert werden kann.


Pflanzenkunde

Ein zentrales Elemente der Bushcraft Schulen ist immer Pflanzenkunde. Unbestreitbar ist es wertvolles Wissen, doch kann man genauso die Pflanzen und Kräuter vorher selbst anbauen, bevor man sie unter Gefahr im Wald suchen muss.


Bild: Seifenkraut. Seinen Pflanzensaft verwendet man als Seife.

Viele essbare Pflanzen wurden von den Menschen nicht kultiviert weil sie etwas besseres gefunden hatten. Der Lauch war Anfangs eine Pflanze die in der Natur irgendwo ihre Niesche gefunden hatte, bis Menschen sie kultiviert und verbreitet haben. Im deutschen Kulturraum galt diese aus dem Mittelmeerraum stammende Pflanze in vorchristlicher Zeit schon als heilig, was uns einen Hinweiß darauf gibt, wie die Ernährungssituation auf Grünzeug basierend zu archaischen Zeiten wirklich aussah.
Dazu ist ein Großteil der Pflanzen für den Menschen giftig.


Bild: Sauerklee. In Notsituationen liefert er ein paar nötige Mineralien, enthält dafür aber gesundheitsschädliche Oxalsäure.

Generell ist Pflanzenkunde für den Überlebenskünstler eine wertvolle Fähigkeit, aber vor allem dazu um vorher einen Garten anzulegen. Wenn man bereits die Verwendbarkeit von bestimmten Pflanzen kennt, wieso warten bis man diese aus der freien Wildbahn einsammeln muss?


Bild: Essbare Pilze. 

Wer nicht vorher genau weiß welche Pilzsorten essbar sind und welche nicht, der riskiert in einer Notsituation eine lebensgefährliche Vergiftung. Von spontanem Pilze suchen ist dem Laien abzuraten, da die Ausbeute an Nährwert das Riskio nicht wert ist.


Fallen stellen und Tiere jagen

In dem Eintrag "Warum jagen in der Krise keine Option ist" habe ich bereits die Probleme aufgezählt, die man in einer Krisensituation mit der Jagd haben wird. Es gibt bessere Möglichkeiten sich auf die Jagd vorzubereiten als sie Survival- und Bushcraftschulen zu bieten haben.

Es wird weniger wichtig sein die Spuren von Füchsen und Rothirschen lesen zu können sondern die, die zweibeinige Raubtiere hinterlassen. Bushcraft ist großartig wenn man alleine abseits der Zivilisation im Wald ausgesetzt ist. Für eine Krise wo eines der Probleme ist, dass man eben nicht isoliert ist in der Wildniss, gibt es vorerst wichtigere Prioritäten.


Das Bear Grylls Format

Outdoor Survival wurde in den letzten Jahren vor allem durch Bear Grylls bzw. seine Sendung "Man vs. Wild" bekannt und populär. Allerdings handelt es sich dabei um ein reines Unterhaltungsformat was nicht nur am Thema vorbei geht, sondern dem Zuschauer auch oft falsche Verhaltensweißen vermittelt die in manchen Fällen in Situationen führen würden, die lebensbedrohlich sind.

Bear Grylls ist unnötig am rennen, klettern und Gewässer durchqueren. Er verwendet unnötig seine Schnürsenkel in Situationen die er als "Survival Experte" eher vermeiden könnte und sollte, nur um den Leuten einen scheinbar schlauen Trick in einer beschissenen Situation zu vermitteln. Er frisst Aas und versucht sogar Bienen den Honig zu stehlen, wobei er gestochen wird worauf bei ihm eine allergische Reaktion folgt. 

http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/7304617.stm


Der Hersteller Gerber druckt aber weiterhin Grylls Gesicht und Namen auf seine Produkte, die für den Camper der zuviel Geld hat nette Spielzeuge sein mögen, von den Praktikern aber vernichtende Rezessionen ernten.

Bevor sie meinen, sie könnten aus dem Format von Bear Grylls irgendwas nützliches von ihrem Sofa aus erlernen und dann auch Fröschen den Kopf abbeissen, suchen sie sich professionellen Rat im Bereich Pflanzen- und Pilzkunde.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen