Mittwoch, 9. April 2014

Unruhen und Ausschreitungen

Riot police called in as violent clashes break out across France after far-right National Front win dramatic gains in local elections
- Daily Mail UK

In Frankreich gibt es in zwei Städten Randale, weil in den Lokalwahlen eine Partei gewählt wurde, die diesen Menschen nicht passt. Zudem schrieb die Londoner Zeitschrift Economist Ende letzten Jahres, dass viele europäische Staaten als akkut gefährdet eingestuft werden und man erwarte für 2014 vermehrt Unruhen.




Martin Luther King hat einmal gesagt, dass Randalieren die Sprache der Ungehörten sei. Das mag unter bestimmten Umständen zwar zutreffen, aber sie sind auch oft genug die Sprache derer, die nichts Schlaues zu sagen haben.


Unruhen und Randale gibt es schon seit es Städte gibt und geben wird. In den letzten Monaten wurden vor allem die Unruhen auf dem Maidan Stadtplatz in Kiew bekannt, als Regierungsgegner den Platz besetzten. Die Gründe für Unruhen und Ausschreitungen können variieren. Wenn man sich die Gründe für Unruhen in der Vergangenheit anschaut, erkennt man aber auch bestimmte Muster die einen vorwarnen können, sollten sich derartige Szenen bald in der eigenen Stadt abspielen. Zudem beschäftigen wir uns mit der Psychologie von Ausschreitungen, warum und wie schnell sie eskalieren.


1935 Harlem NYC - Der erste moderne 'Race Riot'

Am Nachmittag des 19. März 1935 ertappte ein Angestellter eines lokalen ,Kess' Billigladens den 16 jährigen Puertoricaner Lino Rivera beim Diebstahl eines 10 Cent Taschenmessers und drohte diesem, ihn in den Keller zu schleifen und zu verprügeln, worauf dieser ihm in die Hand biss. Der Manager schritt ein und rief die Polizei, die Rivera aber wieder gehen ließ.
Währenddessen versammelte sich eine Menge vor dem Laden, wo eine aufgebrachte Frau die Geschichte verbreitete, Lino Rivera wäre von den Angestellten brutal verprügelt worden. Als ein Krankenwagen kam um die blutende Hand des Angestellten zu behandeln, den Rivera gebissen hatte, schien das ihre Geschichte auch noch zu bestätigen. Kurz darauf tauchte dazu noch zufällig ein Leichenwagen in der Straße auf und die Gerüchte verbreiten sich, Rivera wäre tot geschlagen worden. Die Frau welche die Menge anheizte wurde kurz darauf von der Polizei wegen ungebührlichem Verhalten und Ruhestörung festgenommen und der Laden wurde früher geschlossen.

Am frühen Abend tauchte dann eine Gruppe vor dem Laden auf, die sich die "Young Liberators" nannte um eine Demonstration abzuhalten, die bald die Aufmerksamkeit von ein paar tausend Leuten hatte. Flugblätter wurden verteilt mit Aufschriften wie "Kind brutal zusammen geschlagen" und "12 jähriger Junge brutal geschlagen ... für das nehmen von Süßigkeiten". An einem bestimmten Punkt warf eine einzige Person einen Stein in das Schaufenster des Ladens, worauf die Plünderung und Zerstörung begann, die sich schnell auf andere Straßen und Ladengeschäfte ausweitete. Viele der Läden die Weißen gehörten hingen daraufhin hastig Schilder ins Schaufenster wie "Farbige Aushilfe gesucht" und sowas.

Am frühen Morgen wurde Rivera von der Polizei zu Hause bei seiner Mutter aufgesucht und fotografiert, als Beweiß dafür, dass es keine Misshandlungen gegeben hat und um weitere Unruhen zu unterbinden.

Der Bezirksstaatsanwalt William C. Dodge gab kommunistischer Agitation die Schuld an den Ausschreitungen. Der Bürgermeister Fiorello Henry LaGuardia setzte eine multi-ethnische Kommission zusammen die in ihrem Abschlussbericht "The Negro in Harlem: A Report on Social and Economic Conditions Responsible for the Outbreak of March 19, 1935," zu dem Schluss kam, dass die Unruhen ein spontaner Ausbruch waren, aufgrund der Ungerechtigkeit gegenüber schwarzen Amerikanern auf dem Arbeitsmarkt, die Gewalt der Polizei und der Rassentrennung.
Zudem war der Punkt erreicht, an dem Soziologen und Beobachter die Kultur- und Kunstbewegung der Harlem Renaissance, einer kulturellen Neuausrichtung der schwarzen Mittelklasse für tot und gescheitert erklärten. Harlem war ab 1904 von dem schwarzen Immobilenunternehmer Philip Payton aufgebaut worden als Wohnort bevorzugt für schwarze Amerikaner die aus den Südstaaten abwanderten und sollte ursprünglich zum Vorzeigeexperiment der neuen schwarzen Mittelschicht werden.

Die Ausschreitungen 1934 machten diesen Traum letztendlich zunichte, richteten ihre Gewaltanwendung aber ausschließlich gegen Eigentum und nur in vereinzelten Fällen gegen die Polizei.

Die Lektionen daraus waren zudem, dass einzelne Agitatoren mit dem entsprechenden Verhalten im geeigneten Moment die Stimmung zum Kippen bringen können, und Unruhen immer mehr Leute anziehen die einfach Dinge stehlen, als Leute die gewaltsam Dinge zum besseren für sie oder ihre Umwelt verändern wollen.



Im nächsten Teil beschäftigen wir uns mit den einzelnen Typen von Randalierern, warum man unbedingt vermeiden sollte bei Ausschreitungen anwesend zu sein und weiteren Beispielen.






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