Dienstag, 15. April 2014

Wozu überleben?

Die Psychologie des Überlebens und ein klares persönliches Ziel


Eines der wichtigsten Dinge für den Überlebenskünstler ist seine Motivation, sich fokusieren zu können auf ein klares Ziel und seine Moral aufrecht erhalten zu können. Ohne ein persönliches Ziel, ohne Motivation ist sämtliche Vorbereitung sinnlos. Das eigene Überleben muss einen Sinn haben.

Nach nun ein paar Jahren in denen ich mich beschäftige mit Krisenvorsorge und Überlebenstechniken muss ich dazu eine ernüchternde Bilanz ziehen.


Meine Motivation warum ich überleben will ist klar. Für mich ist klar warum ich nicht verhungern, in einem Arbeitslager landen oder von Plünderern erschlagen werden will. Mir ist klar, dass eine Krisensituation, sofern man sich darauf vorbereitet hat, viele Chancen bieten kann. Jemand der sich zu den Überlebenden zählen will muss für sich selbst und am besten in einer Gruppe ein persönliches wie auch gemeinschaftliche Ziele schaffen. Es ist wichtig in einer Post Collapse Situation wieder ein Ziel zu haben. Und das ist genau das, was den meisten Menschen fehlt, die meinen sie würden Krisenvorsorge betreiben.

Vergangene Krisen haben gezeigt, dass in Situationen des Kollaps die Menschen sich in grob drei Gruppen eingeteilt haben:

° Diejenigen die mit dem Zusammenbruch der alten Ordnung den Glauben an alles verloren hatten und sich oft mit der gesamten Familie suizidierten. Sie sind nur noch fatalistisch und hoffnungslos, trotzdem wird ihnen immer noch kalt und sie kriegen Hunger.

° Diejenigen für die in der Notsituation nur die nächste Mahlzeit wichtig ist und auf das existenzielle Niveau eines Tieres zurückfallen. Erwachsene genauso wie Jugendliche und Kinder die sich und eventuell noch eine Familie ernähren müssen werden sehr gefährlich. Wenn es Niemanden mehr gibt der Geld oder Waren gegen Arbeitskraft tauschen kann, dann stehlen und plündern sie. Eventuell kollaborieren sie mit der neuen Ordnung bzw. dem, was dazu werden will.

° Diejenigen mit einer Agenda die sich darauf vorbereitet haben. Sie sind Akteure einer neuen Ordnung oder von dem, was von der alten Ordnung übrig geblieben ist. Je nach ihrer Zahl, Versorgung und Kompetenz können sie ein Machtvakuum in großem oder kleinem Umkreis wieder besetzen.

Das sind die Gruppen in einer Krisensituation. Vor einer Krisensituation wird sich entscheiden wer zu welcher Gruppe dazugehören wird. Und um diejenigen, die meinen Krisenvorsorge zu betreiben, ist es da fast genauso schlecht bestellt wie um diejenigen, die davon nichts wissen wollen.


Der Spielzeug Prepper:
Das ist eine der größten Gruppen in der größeren Gruppe. Er verlässt sich zu sehr auf sein Spielzeug, hat aber keine wirklich Ahnung davon wie er es benutzt oder wie man Dinge benutzt, die er nicht im Sortiment kauft. Leute kaufen sich für mehrere hundert Euro irgendwelche Jacken, Rucksäcke und Messer, haben aber keine Nahrungsmittelvorräte und Wasser.

Fähigkeiten und Wissen sind wichtiger als Ausrüstung, auch wenn diese dicht darauf folgt. Der Spielzeug sammelnde Label Prepper hat sich einlullen lassen von den Verkaufsstrategien für überflüßig teures Spielzeug, welches einem im Ernstfall nicht mehr weiter bringt, als die billigere Version. Beispielsweise gibt es unzähliche 200 Euro Messer, die angepriesen werden als könnten sie irgendwas neues außer schneiden und stechen. Für den Preis von einem super 'Tactical Überlebensmesser' der 200 Euro Klasse, bekommt man bspw. 10 bis 15 billigere Messer die den Zweck genauso erfüllen. Geht eines der Messer verloren oder kaputt, so ist der Verlust absolut überschaubar. Zudem kann man den als so hochwertig angepriesenen neuen Superstahl garnicht mehr selbst schleifen ohne Bandschleifmaschine. Leute lassen sich einlullen von Labels und Bildern in Outdoor Modekatalogen.


Der Hobby Prepper:
Für viele ist es auch einfach nur ein Hobby das man auch nicht wirklich ernst nimmt. Es ist etwas das sich anstellt hinter diversen anderen Hobbies, Freizeitbeschäftigungen und Interessen. Der Hobby Prepper surft ein bisschen im Internet, kauft sich von Geld das übrig bleibt ein paar Konserven und bastelt Notfall Heizbriketts aus Zeitungspapier und will so in seiner bequemen Eigentumswohnung die Krise aussitzen. Ihm fehlt der letztendliche Biss irgendwas richtig ernst zu nehmen. Meiden sie generell die Gesellschaft irgendwelcher Krisenstammtische bei denen die Leute mit ihrem Bierchen darüber herziehen wie schlecht die Politik ist und was man nicht alles machen müsste, es aber nie tun.


Der Geschäftemacher:
Er hat den Trend der medialen Krisenmeldungen für sich erkannt und findet ein Einkommen. Zahllose Bücher gibt es davon, wie man vom Zusammenbruch des Euro profitieren könnte. Warum es gerade dieser Rucksack für die Bug out Bag sein muss. Wie sie sich kleiden und sich damit kompetenter machen, als sie eigentlich sind (und auch noch für Behörden interessant werden). Oder was für tolle Getreidemühlen einen in der Krise beim Brotbacken nützlich sind, auch wenn man diese oft für 1/10 des Preises bei örtlichen Flomärkten findet. Im schlimmsten Fall versucht er ihnen Fantasieprodukte wie virtuelle Währungen, die vom Dollar Zusammenbruch nicht betroffen wären, zu verkaufen.
Was es auch ist, der Geschäftemacher verkauft es ihnen für den richtigen Preis. Jedoch gibt es im nächsten Jahr wieder etwas neues, weil es diesmal eine andere Farbe hat. Es gibt immer etwas neues in der Mode. Kaufen sie sich wirklich nützliche Dinge und nicht die Dinge, mit denen ihnen ein Lebensgefühl verkauft werden soll.

Kaufen sie in der Regel nichts von der selben Person die sie "warnen" will. Jemand der ein Geschäft mit ihnen machen will ist nicht unbedingt der beste Ratgeber, da seine wirtschaftlichen Interessen immer die Sorge um Sie übersteigen werden. Und gerade im Bereich der Krisenvorsorge will jeder mit dem schüren von mal mehr, mal weniger Angst seine Waren an den Kunden bringen. Im englischsprachigen Raum wird das besonders platt auf die Spitze getrieben in Form von "Wir nehmen uns deine Vorräte" oder "Die Regierung will nicht dass du dieses kostenpflichtige Video siehst" Werbebannern. Hören sie sich Warnungen an, analysieren sie diese für sich und wenden sie sich dann an Leute mit mehr Kompetenz in den einzelnen Bereichen, die sie für ihre persönliche Vorsorge als wichtig betrachten. Bevor sie etwas aus einem Onlineshop kaufen informieren sie sich über den Gegenstand und seine Benutzung.

Und bilden sie sich nicht ein, irgendein Geschäftemacher mit Projektor der ihnen in Youtube Vorträgen erzählt, sie könnten von einer Krise profitieren, meint es ernst mit ihnen. Bilden sie sich nicht ein, sie könnten wirklich von einer Krise bspw. an den Finanzmärkten profitieren. Man überlebt Krisen, man gewinnt keine Krisen. Seien sie sehr vorsichtig bei Produktbewerbungen und Kursangeboten und vorallem bei Seminaren und Vorträgen.


Die überschrittenen Altersgrenzen:
Bei vielen Vorträgen und "Krisenstammtischen" sieht man Leute, die bereits jenseits der 60 sind.
Die selben Vorträge werden gehalten von besagten Geschäftemachern, die düstere Szenarien an die Wand malen die schon nächste Woche passieren könnten.

In der Regel hatten diese alten Leute keine Zeit sich auch nur mit irgendwas zu beschäftigen. Sobald man dann in der Rente ist und Zeit hat im Internet unterwegs zu sein, da kommt dann auf einmal das Bewusstsein dafür, irgendwie für schlechte Zeiten in Zukunft vorsorgen zu müssen.

Manche Geschäftemacher verkaufen dann diesen Leuten gar Grundstücke in Ländern wie Kanada, die aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte und der rauen Gegend sicherer sein sollen für Krisenzeiten. Meint eigentlich irgendjemand ernsthaft, dass Leute die heute bereits 60 Jahre alt sind, eine Krise aussitzen die vielleicht in fünf bis zehn Jahren eintritt und im rauen Kanada den Selbstversorger machen? Den Menschen fehlt die Erkenntnis, dass für sie der Zug abgefahren ist und sie sich eher darauf konzentrieren sollten ihre Kinder in deren Vorhaben zu unterstützen. Sind Kinder, oder Verwandschaft oder wirklich gute Freunde jüngeren Alters nicht vorhanden, so ist die Sache eigentlich gelaufen.


Die Dauerwarner und Crashprophet:
Fast so schlimm wie der Geschäftemacher ist der Crashprophet der mit jedem neuen Jahr ankündigt, im darauf folgenden würde die große Katastrophe vom Währungszusammenbruch eintreffen und die neue Währung sei schon gedruckt. Eine Horrormeldung aus den Weltnachrichten jagt die nächste und ein Jahr später stellt man trotzdem noch fest, dass sich an der persönlichen Situation nichts geändert hat und es überhaupt keine Auswirkungen auf das eigene Leben hatte. Eventuell stellen sie sogar fest, dass sie deswegen Edelmetalle auf dem bis dato historischen Höchststand gekauft haben. Man hat zwar bspw. eine Unze Gold sicher, aber für die 300 Euro die sie mehr gekostet hat als zwei Jahre später, hätte man nützlichere Dinge anschaffen können. Mit finanziellen Spielereien kann man in einer Krisensituation nicht viel anfangen. Dinge des täglichen Bedarfs damit zu kaufen ist überflüssig wenn man dies jetzt schon tun kann, wobei man sich auch fragen muss, wer dann noch Dinge zu verkaufen hätte und dafür Silbermünzen annähme?
Wie realistisch ist es zu fantasieren, man könne nach einer Hyperinflation mit einer Unze Gold einen Betrieb kaufen, wenn man diesen weder leiten noch schützen kann?

Wer nicht den finanziellen Spielraum hat sollte von Panikkäufen gerade bei Edelmetallen absehen, besonders wenn man Abfallende Kurse und Deflationsphasen nicht überbrücken kann und der eigene Atmen nicht lang genug ist, weil man sich dem Crash doch schon so sicher war. Zudem ist der Nutzen während des Kollapses und danach sehr eingeschränkt. Es ist ein Wertkonservierungsmittel und nur ein kleiner Teil der eigenen Vorbereitung.


Der, der zum neuen Bigshot werden will:
Es gibt manche Typen, die sind jetzt in der momentanen Gesellschaftsordnung relativ weit unten angesiedelt. Im Grunde schieben sie einen Hass auf jeden der erfolgreicher ist als sie, besser aussieht als sie oder dessen Gesundheit besser ist. Diese Leute freuen sich auf den Zusammenbruch und meinen, sie könnten in der Post Collapse Situation zum Bigshot werden, den alle anderen nach Rat fragen, weil vorher niemand seine Tiraden und Systemkritik hören wollte. Aufgrund der sozialen Isolation und mangelnder Ressourcen wird aus diesen Fantasien allerdings nichts werden. Ich habe es erlebt wie gesundheitlich völlig ruinierte Leute Krisenvorsorge und Landesverteidigung gespielt haben, säckeweiße Reis anschafften aber anschliessend, als Leute auf den Plan traten die gesund und kompetenter waren als sie, komplett davon abgesprungen sind und nur noch damit beschäftigt waren, diese zu hassen und versuchten sie zu demontieren.


Sektenführer:
Es gibt nicht nur Sekten die offen esoterisch oder religiös sind und Leute damit rekrutieren wollen, ihre unsterblichen Seele auf das Eintreffen des vergessenen Planeten, oder Kometen, oder Asteroiden XY, oder die zweite Ankunft von Jesus und Armageddon vorzubereiten.
Es gibt Sekten die sich rational geben wollen und ihre Lehre mit juristischen Schwammigkeiten umrahmen oder der Warnung vom bevorstehenden Zusammenbruch der alten Ordnung. Deren Gurus sammeln dann mit zusammen kopiertem Zeug Anhänger auf Konferenzen und Vorträgen zusammen mit denen sie neue Staaten gründen oder Kommunen aufbauen wollen. Und selbst für mich ist es immer noch schockierend wieviele Leute sich tatsächlich dafür begeistern lassen.
In erster Linie geht es dem Sektenführer aber gar nicht um individuelle Vorbereitung sondern nur darum, sich selbst als die neue Ordnung nach dem Zusammenbruch zu präsentieren. Wirtschaftskrise und Inflation sind nur kleine Werkzeuge im Sortiment seiner Manipulationsmöglichkeiten.
Aber auch viele Händler die ihnen gentechnikfreie Langzeitlebensmittel verkaufen wollen begeistern sich für esoterische Konzepte, sind Mitglied in einer Sekte oder waren es in der Vergangenheit.


Halten sie sich von diesen Leuten fern.

Finden sie ihr eigenes persönliches Ziel. Je nachdem ob sie alleine, mit der engsten Familie oder im Verbund mit Freunden eine Krisenzeit überstehen wollen. Bilden sie sich nicht ein, wenn sie zu irgendwelchen Krisenvorträgen oder Stammtischen gehen von denen sie im Internet erfahren haben, dass sie sich mit den Leuten dort verbrüdern könnten weil es kleine Überschneidungen bei gemeinsamen Interessen gibt. Arbeiten sie nur mit Leuten zusammen die sie wirklich persönlich kennen.
Überfallen sie aber auch nicht ihren Freundeskreis mit dem kommenden Ende der Welt. Wenn es hier bereits Leute gibt, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, dann versuchen sie diese abzuholen und helfen sie dabei, dass sie sich langsam weiter entwickeln. Wahrscheinlich haben sie auch bereits einen gemeinsamen Konsens, eine Weltanschauung oder eine Philosophie, was ihnen dabei helfen kann, persönliche Ziele zu setzen und eine Zusammenarbeit aufzubauen die gebunden ist von Loyalität.

Arbeiten sie alleine oder gemeinsam die wichtigsten Fragen ab die sich ihnen im Falle von Krisen- oder Katastrophensituation stellen werden. Wo werde ich schlafen? Was werde ich essen? Muss ich was ich habe verteidigen? Wie gestaltet sich mein Alltag wenn es keinen Arbeitsplatz mehr gibt zu dem ich gehe? Bin ich auf Dinge angewiesen die Wartung und Reperatur brauchen?

Sind diese Dinge geklärt können sie anfangen Dinge für bestimmte Zwecke zu kaufen.



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