Freitag, 30. Mai 2014

Ernährungspsychologie für schlechte Zeiten II: Was Hungrige alles essen


Wenn die gewohnten Nahrungsmittel knapp werden, dann muss man neue Quellen finden. Unsere gewohnte westliche Ernährungsweise schränkt uns dabei sehr ein, denn Überleben ist auch hier wieder eine Frage der psychischen Verfassung. Während wir heute vor Formschinken und Separatorenfleisch die Nase rümpfen, kann es Morgen schon ganz anders aussehen.



Haustiere
Den ersten Viechern denen es im Zeiten von Hunger an den Kragen geht sind nicht die Rehe im Wald oder die Hasen auf der Wiese, es sind Katzen und Hunde. Niemand wird seine wenige Energie dafür riskieren im Wald den Tieren nachzustellen mit ungewissem Ausgang. Jagen ist in der Krise keine Option. Viele Menschen haben ein Problem damit, etwas zu essen was klein, pelzig und süß ist. Ganz zu schweigen von den eigenen Haustieren, an denen ein großer emotionaler Wert hängen kann. Diese irrationale Sichtweise auf den Konsum von Tieren spiegelt sich auch in den Gesetzen in Deutschland wieder, die es verbieten Katzen- und Hundefleisch zu gewinnen. Dazu haben diese Kreaturen meist eine nervige Lobby aus fetten Weibern hinter sich, die den Gedanken nicht ertragen können, dass jemand die Artgenossen ihres Kinderersatzes verspeisen könnte. Buhuhu die Chinesen essen Katzis und Hundis buhuhuhu.

Knurrt dann aber seit Tagen der Magen geht es denen doch an den Kragen.

Katzenfleisch
Sehr beliebt sind dabei Katzen. Einerseits sind Katzen reichlich vorhanden, da fette, alte Weiber die kleinen Kreaturen halten und es im Deutschland dieser Tage keinen Mangel an fetten, alten Weibern mit Katzen gibt. Katzen sind treulose und verschlagene Viecher die alleine herumstreunen und auch deshalb einfacher mal abgegriffen werden können. Zudem wären sie Konkurrenten für den Menschen um andere Nahrungsquellen wie Vögel oder Ratten.
Der Verzehr von Katzenfleisch ist auch in unserem Kulturkreis nichts neues. Während der Belagerung Wiens soll sich für Katzenfleisch der Begriff des Dachhasen eingebürgert haben. Eine ausgeweidete Katze ohne Kopf, Schwanz, Pfoten und Fell hat durchaus Ähnlichkeiten mit dem ausgeweideten Körper eines Hasen. Passende Rezepte für Katzenfleisch sind aber viel schwieriger zu finden als Crackdealer. Alles was man findet sind empörte Tierschützer und fette Weiber, die für diese pelzigen Kreaturen selbst extra Rezepte zusammenstellen, als ob es die interessieren würde.
Katzen zu essen ist in der Schweiz legal und eventuell sollte man sich dort einmal umhören nach interessanten Rezepten.

 Junger Dachhase

Also, wie erbeutet man Katzenfleisch? Es ist natürlich sinnvoller wild streunende Katzen zu fangen eine eigene Katze, die eventuell Vorräte vor Ungeziefer schützen soll. Extra Katzen zu jagen wäre zu aufwändig und auch wenn viele glauben ein Luftgewehr mit Spitzdiabolos würde bereits ausreichen, so reichen diese meist nicht um die Katze zu erlegen.
Luftgewehre werden zur Jagd auf kleinere Tiere außerhalb von Langweilerland, wo alles verboten ist, mit einer Mindestenergie von 1200 Feet per Secound und einem Kaliber .177 verwendet. Das entspricht ungefähr 6,8 Joule und dem Kaliber 4,5mm. (Luftgewehre in Deutschland dürfen maximal 7,5 Joul besitzen.). Dabei werden spezielle Hunting Pellets aus Metal verwendet, die mehr Masse besitzen als gewöhnliche Diabolos. Diese sind meist aus Blei, damit zu weich und haben nicht die nötige Masse um genug Aufprallenergie bei einem Treffer zu haben. Der kluge Survivalist ist aber ein spontaner Jäger und nimmt eine Gelegenheit war. Es ist dabei anzustreben, die Vitalfunktionen des Tieres auszuschalten, wobei auch direkte Kopfschüsse vor allem auf die Weichstellen wie Augen anzusetzen sind. Das ist aber immer noch umständlicher als die Fallenjagd.



Kleine Räuber lassen sich am besten durch einen Lebendköder in eine Falle locken. Als Falle selbst ist ein Tellereisen geeignet (und natürlich verboten).

Selbst gemachte Falle mit Lebendköder


Hundefleisch
In Deutschland ist es dabei erst ab 1986 verboten Hunde zu schlachten und zu essen und in den dunklen, armen und inzestuösen Ecken Deutschlands, wie der Oberpfalz, konnte man Hundefleisch bis dahin noch im Restaurant bestellen.
Einen Hund zu verzehren kann in einer Krise eine schwierigere Entscheidung werden als bei einer Katze. Ein Hund kann einen gewissen Nutzen bringen in der Funktion als Wachhund.
Hunde die in Krisenzeiten gegessen werden sind meist wild streunende Hunde, die sich aus ihrer Umwelt ernähren.

Tellereisenfalle

Man ist in einer Notsituation natürlich in einem Dilemma, wenn das eigene Haustier ein Fleischfresser ist. Da hat man dann die Wahl Ressourcen die man selbst verwenden könnte mit ihm zu teilen, es frei zu lassen um selbst etwas zu jagen, oder das Tier gleich selbst zu verspeisen. Einfacher ist es, wenn man so etwas wie Meerschweinchen oder Kanninchen hat. Diese können mit Grünzeug gefüttert werden das man selbst nicht essen kann und dann immer noch zu einem späteren Zeitpunkt geschlachtet werden.


Kleine Wildtiere
Da der Aufwand für das jagen von Wildschweinen und Rehen zu groß ist, fokusiert sich der kluge Survivalist auf die Fallenjagd kleiner Tiere. Hierbei bieten sich an Eichhörnchen, Kaninchen, Vögel, Fische aber auch Frösche, Füchse, Biber, Dachse, Igel, Waschbären und Ratten.

Schlingenfalle: Entlang eines Baumstammes werden Drahtschlingen und Köder angebracht.
Gerät ein Eichhörnchen in eine der Schlingen zieht diese das Tier nach unten, 
so dass es keinen Griff mehr hat und stranguliert wird. Funktioniert auch mit Katzen.

In späteren Beiträgen widmen wir uns noch genauer einzelnen Fallen, welche Tiere man damit fängt und wie man diese zubereitet.


Froschschenkel: Früher ein Arme-Leute-essen, dann lange Zeit verpönt,
bis sie wieder ihr Comeback als Delikatesse bekommen haben.


Wildpflanzen
Wildpflanzen aus Wald und Wiese sind alleine keine Ernährungsgrundlage, können allerdings den Speiseplan aufwerten und enthalten wertvolle Mineralien. Es gilt hier sich zu informieren um nicht bei Verwechslung eine Vergiftung zu erleiden. Bärlauch bspw. ist dem giftigen Maiglöckchen sehr ähnlich, unterscheidet sich von diesem aber stark in seinem Knoblauchgeruch, weshalb er auch Waldknoblauch genannt wird.

Bärlauch in der Blütezeit

Wildkräuter können genommen werden die Nahrung zu würzen oder Tee zu machen. Das Nahrung auch in Notzeiten Geschmack behält ist ein wichtiger Psychologischer Faktor. Wie viele von uns würden wohl durch drehen, wenn sie eine Woche lang keine süßen Getränke mehr haben könnten?

Breitwegerich: Idioten sehen die Pflanze als Unkraut, die anderen machen daraus Tee.


Insekten
Es ist ein echtes Klischee geworden, dass der Survivalist im Wald hockt mit seinem 200 Euro Messer und Larven aus Baumstämmen pult. Da wir aber nicht so dumm sind erst in so eine Situation zu kommen zu müssen gehen wir anders an das Thema ran. Viele Völker essen Insekten als ganz normale Snacks und nicht erst kurz vor dem Verhungern. Das hat den Vorteil, dass eine Ess- und Kochkultur für Insekten das Thema auch sehr viel angenehmer macht.
Wenn wir Insekten essen werten wir damit unseren Speiseplan auf.

Maden als Angelköder

Fliegenlarven essen so ziemlich jedes organische Material und oft auch noch lebendes Fleisch. Sie können sich in Wunden lebender Kreaturen festsetzen oder schon auf Blutflecken am Boden. Zudem sind sie eine der besten Proteinquellen die man finden kann um seinen Speiseplan aufzuwerten. In der britischen Armee den 18. Jahrhunderts gehörten Maden auf Brot zur Standartration.
Findet man Maden, nicht unbedingt auf Blutflecken oder Aas, dann packt man sie in ein Gefäß und lässt sie sich einen Tag lang ausscheissen, damit man nicht selbst ihren Mageninhalt aufnimmt.

Man kann sie dann zwar so bereits essen, aber weil wir keine Barbaren sind braten wir sie vorher vielleicht in etwas Öl an. Mit etwas Käse überbacken könnt ihr eurer Frau auch einreden, es handele sich um Spätzle.

Was auch immer super geht sind Heuschrecken und Grashüpfer. Wer Kinder hat und die allgemeine Lage sicher genug ist sie alleine oder eventuell mit einer Knarre wo hin schicken zu können, der kann die Insektensuche an sie abgeben. Damit lernen sie sich mal nützlich zu machen, Verantwortung zu übernehmen und Erfahren in Form von Nahrung auch das direkte Resultat ihrer Leistung.
Mein Vater hatte als Kind noch Kartoffelkäfer eingesammelt und gegen Kleingeld bei Bauern abgeliefert, da diese keine Pestizide gegen diese Schädlinge hatten.


Roadkill
Warum selbst Tiere töten wenn man sie schon so finden kann? Ich habe auf dem Land um November herum relativ oft tote Dachse auf und an den Straßen liegen sehen, bin aber von meiner Verwandtschaft dazu ermahnt worden, mich nicht daran zu vergreifen. Roadkill oder "Wildschaden" anzufassen ist in Langweilerland bereits verboten. Zuständige Behörden müssen eingeschalten werden, damit das tote Tier dann ordnungsgemäß entfernt werden kann. Man könne sich ja Tollwut an dem Tier holen. Hey, ich wollte nur den Kopf abschneiden und als Souvenir behalten und dem toten Vieh keinen Zungenkuss geben. Natürlich hätte ich Einweghandschuhe getragen und den Kopf dann irgendwo in einen Ameisenhaufen gesteckt oder an einen Baum gehängt, wo er abgefressen wird.

Aber man kann Roadkill auch essen. Während der Dust Bowl, eine Zeit der Trockenheit und Staubstürme im Nordwesten der USA und Kanada, blieb vielen nur übrig Roadkill zu essen.
Mittlerweile hat sich aber in Nordamerika mit Roadkill Cuisine eine Sub-Kochkultur gebildet, bei der es darum geht Roadkill zuzubereiten.

Meine Großmutter hat einmal mit ihren nicht als verkehrssicher eingestuften alten Volkswagen Käfer, in dem ich mich als Kind unter einer Decke verstecken musste jedes mal wenn die Polizei vorbeifuhr, ein Reh angefahren. Weil es noch lebte hat sie den Jäger, einen Bekannten natürlich, verständigt der ihm dann den Gnadenschuss gegeben hat. Danach wurde das Tier kurz beschaut ob Darm beschädigt war und als alles Okay war, wurde es eingepackt. Am Sonntag darauf landete was sie davon behalten hatte als Braten auf dem Tisch. Das war vor etwas mehr als 18 Jahren.



Mülltonnen
Aus der Mülltonne essen wird heute oft als Gegenkultur dazu praktiziert, dass Supermärkten abgelaufene aber noch essbare Lebensmittel wegwerfen. Die Anhänger dieser Praxis sind meist irgendwelche Konsumverweigerer, Sozen und anderes Geschmeiß, was daraus eine richtige Ideologie macht die sie dann Freeganismus nennen. Die Praxis selbst bezeichnet man dann als Dumpster Diving(Tonnen Tauchen) und Containern. Als Jugendlicher war für uns "Containern" die Praxis, aus den Müllcontainern Dinge zu nehmen, die man vom achten Stock des Hochhauses neben der Edeka werfen konnte. Egal ob abgelaufene Eier oder kaputte Bürostühle.

In Notzeiten bleibt es aber durchaus eine optionale Überlebensstrategie. Also das mit den Lebensmitteln, nicht das mit dem Bürostuhl. Sich dafür zu desensibilisieren kann sinnvoll sein.

In der Regel sperren Supermärkte ihre Müllcontainer allerdings ab. Auch wenn es Müll ist, bleibt es noch Eigentum des Supermarktes, der mit einem Müllentsorger Verträge laufen hat, der wiederum Verträge laufen hat, um aus den Abfällen Schweinefutter oder sonst was zu machen. Aber du hättest ja sowieso schon längst aufgehört zu lesen, wenn dich das Gesetz interessieren würde.

Ein Warnhinweis dabei! Nicht vor dem Gesetz, aber vor dem Suchtfaktor.
Wenn man mit etwas Risiko etwas umsonst haben kann, dann will man gar nicht mehr dafür zahlen.
Ich selbst habe mal für kurze Zeit mit einem Freund auf einem Festival Essen aus der Mülltonne gesucht und gestohlen. Dabei fühlten wir uns wie die Spartaner, dabei waren wir bloß dreckige Landstreicher. Krank wurde dabei keiner.


Der eigene Garten
Dieser Garten muss nicht unbedingt ein Feld hinter dem Haus sein, er kann sich auch auf mehrere Töpfe verteilt auf der Terrasse, dem Balkon oder im Zimmer befinden. Mit einem großen Eimer und Maschendraht lassen sich Hochbeete bauen wie bspw. ein Kartoffelturm. Kartoffeln wären natürlich das ratsamste, da sie viele Nährstoffe und Stärke enthalten. Kräuter lassen sich genauso in Blumentöpfen anbauen. Das ist auch sehr viel sinnvoller, als in der Zeit des Mangels dann erst in den Wald ziehen zu müssen, um danach zu suchen, was man vorher eigentlich nicht kannte. Machen sie sich aber keine Illusionen über den Ertrag ihres Gartens. Ohne moderne Düngemittel ist der Ertrag geringer. Zwiebeln die groß sind wie eine Faust wie im Supermarkt werden hier sehr viel kleiner ausfallen.



PS: Ich empfehle dazu allen John Witherspoon's Kochsendung "Cooking for Poor People"






Siehe auch:
Ernährungspsychologie für schlechte Zeiten Teil 1 und Teil 3.

Kommentare:

  1. Zur Erinnerung.:
    Supermärkte versuchen alles was an Fleisch für Weihnachtsbraten nicht verkauft wurde zu Aktionspreisen los zu werden. Vieles wird aber trotzdem nicht abgesetzt und weggeworfen. Es ist noch recht kalt draußen und dadurch wird alles was in der Tonne landet gut gekühlt.

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    1. OMG, schon wieder essen.
      Bin doch schon über den Jahreswechsel von Schwiegermutter wie eine Mastgans vollgestopft worden.
      Das reicht jetzt erstmal für 3 Wochen Apokalypse und danach wird das Schwein aus der Gefriertruhe exhumiert.

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  2. ...denke und mache ich auch - wenn möglich so. Aber: wie soll/kann man vorgehen, wenn die Container vor diversen Läden mit Schlösser und so Ihr versteht ? - verschlossen sind.

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    1. Leute die damit konfrontiert werden würden wahrscheinlich Bump Keys bzw. Schlagschlüssel verwenden.

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    2. Danke für den Tipp. Man/n weiß ja nie wann und wo man div. Dinge brauchen kann.

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