Samstag, 10. Mai 2014

MIKE Operations - Wie man einen Protostaat organisiert





Durch platte Filme und Videospiele sowie oberflächliche Dokumentationen glaubt der Normalbürger heute, die Hauptaufgabe von Special Forces ist es in Nacht und Nebelaktionen irgendwo in Dreckslochistan Brücken zu sprengen und in Frischhaltefolie zu scheissen. Die Hauptaufgabe von Special Forces Operationen, vor allem der Green Berets, besteht darin, in ein Konfliktgebiet einzusickern und dort parteiisch einheimische Organisationen aufzubauen. 

Bestimmte Einheiten sind spezifischen Regionen der Welt zugeteilt und verbringen ihre Karriere damit die Sprache und Kultur dieser Region zu erlernen. Sobald sie gebraucht werden können sie dort einsickern und autonom einheimische Kräfte aufbauen und trainieren um dort zu kämpfen. 1952 wurde in Fort Bragg für diesen Zweck die 10th Special Forces Group gegründet, ursprünglich um im Falle eines Sowjetischen Überfalls auf Europa hinter feindlichen Linien abzuspringen und diese Operationen auszuführen.

Während des Vietnamkrieges war es die Aufgabe von den so genannten MIKE Force Einsatzgruppen bereits ab 1961 Kontakt herzustellen zu den unterschiedlichen ethnischen Gruppen in den Grenzgebieten zu Kambodscha und Laos und diese zu motivieren die Westmächte und Südvietnam im Konflikt mit dem Norden zu unterstützen. Diese Operationen wurden als Civilian Irregular Defense Group Program geführt. Kleine Gruppen von Spezialeinheiten mit Dolmetschern suchen Dörfer der Stammesgemeinschaften auf, leisten medizinische Versorgung und verteilen Nahrungsmittel. Durch karitative Arbeit gewinnt man dann Symphatie in der Bevölkerung und bei den Anführern.
Der nächste Schritt war, Konflikte auszunutzen die es zwischen den Volksgruppen schon lange gab. In Vietnam wurden die Bergstämme von den Vietnamesen als Wilde betrachtet und verdrängt, weshalb es leicht war diese Stämme zu motivieren gegen Nordvietnamesen zu kämpfen. Über verschiedene Kanäle wurden dann die Bergstämme bewaffnet und vorort in selbst errichteten Camps und Stützpunkten ausgebildet. Die bspw. Montagnard standen zivilisatorisch gesehen in der Jungsteinzeit und die Angehörigen hätten in keinem zivilisierten Land auch nur die Musterungsprüfung für den Grundwehrdienst bestanden, für eine praxisorientierte Ausbildung zum Guerillakampf hätten die MIKE Force Einsatzgruppen sich dagegen kein besseres Material wünschen können als diese Steinzeitjäger.
Die von den Special Forces aufgebauten CIDG-Guerillas kämpften dann auf heimischen Boden gegen Nordvietnamesische Volksarmee und Vietcong, lieferten kartografische Daten und halfen bei der Koordinierung von Luftangriffen. Diese irregulären einheimischen Verbände aus Stammesangehörigen hatten immer einen höheren militärischen Wert und extrem geringere Kosten für die USA während des Krieges als aus Hubschraubern springende G.I.s deren Mittelstandsmütter zuhause demonstrieren gehen wenn sich ein 20 jähriger Wehrpflichtiger im Reisfeld eine Kugel einfängt. Amerikanische Soldaten gehen massenweiße auf die Straße um gegen den Krieg zu demonstrieren während die Special Forces auf die primitiven Stammesangehörigen Vietnams gewirkt haben wie Götter auf deren Befehl hin es entweder Reis oder Napalm regnet.
(Australischer Militärberater)

Nach diversen Vertragsbrüchen Nordvietnams denen die Niederlage Südvietnams flohen viele Angehörige dieser Gruppen in die USA.
Auch wenn die MIKE Force Operationen Vietnams in Filmen thematisiert wurden wie Apocalypse Now oder Air America mit Mel Gibson, kennt kaum einer ihre Geschichte.


Nachdem 1979 die rote Armee in den afghanischen Bürgerkrieg interveniert und dort die Putischsten entmachtete, begannen pakistanische Geheimdienste damit die religiösen Widerstandsbewegungen zu unterstützen. Die Sowjetunion hatte damals einen ziemlich großen Einfluss auf Indien, was Pakistan in eine eingeschlossene Lage gebracht hätte, würde sich ein stabiles und pro-sowjetisches Afghanistan bilden. Im Verlauf des Konflikt beteiligte sich die CIA mit das saudische Königshaus mit finanzieller Unterstützung über Pakistan an dem Konflikt und Einheiten der pakistanischen Armee trainierten entlang der Grenze zu Afghanistan die Mudschahidin im Umgang mit Waffen. Neu gebaute Koranschulen und Moscheen wurden ein Zentrum für karitative Arbeit, Spendenverteilung und boten kostenlose Koranunterricht, was man in diesem Drecksloch als Bildung versteht, an.
Als die rote Armee sich aus Afghanistan zurückzog dauerte dieser Stellvertreterkrieg zwischen den Stammesgruppen an. Pakistan finanzierte und unterstützte weiterhin die paschtunischen Stämme entlang seiner Nordgrenze während Russland Stämme und Anführer unterstützte, die in der afghanischen Armee gedient haben, die später die Nordallianz bilden sollten.




Als im Oktober 2001 die Koalition mit Militärschlägen gegen das Talibanregime in Afghanistan beginnen wird die Hauptlast der Kämpfe getragen von Verbänden der Nordallianz. Die Nordallianz war ein mehr oder weniger stabiles Bündnis verschiedener Warlords, oft mit hochrangigem militärischem Hintergrund in der afghanischen Armee die nach dem Fall der Regierung mit ganzen Einheiten in die Selbstständigkeit übergegangen sind, welches nur dank der militärischen Expertise seiner Kommandeure noch gegen die Taliban halten konnte. Dies änderte sich mit dem Eintreffen von kleinen mobilen Einheiten amerikanischen Special Forces die Satelitenfunkgeräte mitbrachten, Lasermarkierer, Luftschläge anfordern konnten und Lieferungen russischer Waffen, Munition, Panzer, Hubschrauber, neuer chinesischer Uniformen und Rucksäcke für welches die US Regierung bezahlt hatte. Hauptaufgabe der Special Forces war es allerdings Kontakte zu lokalen Gruppen herzustellen, medizinische Versorgung anzubieten, Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, Informationen zu sammeln und für neu aufgestellte Polizei- und Sicherungseinheiten zu rekrutieren und auszubilden.
Heute sind viele wichtige Stellen im Afghanistans Militär und Polizei mit Leuten besetzt, die eine Vergangenheit bei der Nordallianz haben.




Vor dem Militärschlag gegen den Irak im April 2003 wurden in wenigen Wochen Flugzeugweiße CIA Informanten und Kontaktleute aus dem Nordirak und den Kurdengebieten aus- und Special Forces Gruppen eingeflogen. Diese Special Forces operierten wieder in kleinen mobilen Einheiten zusammen mit kurdischen Peschmerga Kampfverbänden entlang der Grenze des Nordirak um Verkehrsknotenpunkte einzunehmen, Zugänge zu den nördlichen Ölfeldern zu sichern und irakische Streitkräfte im Norden zu binden während die Hauptstreitmacht der Koalition im Süden einmarschiert. Wieder dienen Special Forces Einheiten dazu den Einsatz einheimischer Einheiten zu koordinieren, neue Gerätschaften zu erproben und Luftschläge anzufordern. Genau wie die Nordallianz damit belohnt wurde die führende Kraft hinter dem neuen Afghanischen Militär zu sein überlässt man den Kurden mehr und mehr Autonomiegebiete.


In zukünftigen Szenarios die uns bevorstehen könnten sprechen die Planungsgruppen und Think Thanks amerikanischer Außenpolitik bereits davon, diese Strategie wieder einzusetzen. So heißt es beispielsweiße in einer Checkliste des American Enterprise Institute für ein Venezuela nach Chavez:


Von den USA gestützte Agenturen sollten mit befreundeten Kräften in der Region zusammenarbeiten um Task Forces zu formieren von Repräsentanten des Privatsektors, Ökonomen und Ingenieuren welche die Venezuelaner zur Zusammenabeit zu bewegen vermögen damit wirtschaftliche Reformen, nötige Infrastruktur Investitionen, Sicherheitshilfen und Humanitäre Hilfe ermittelt werden können, welche notwendig sind das Land zu stabilisieren und wieder aufzubauen.



Was kann man daraus lernen?

Brücken sprengen und Türen eintreten kann jeder Idiot, für Vermittlungen und ein freundlich gesonnenes Umfeld zu generieren braucht man mehr Feingefühl. Wer in einer Krise oder am besten vor einer Krise stabile Gemeinschaften aufbauen will sollte sich an die Vorgehensweiße der Special Forces halten.

Durch Karitative Arbeit in einer Gemeinde kann man immer Sympathien sammeln, wobei das in Zeiten von Sicherheit und Überfluss schwieriger sein kann Einfluss zu nehmen. Bei einem Brötchenpreis von 4,10 Euro werden die Leute eine Packung Kompaktweizenriegel ganz anders betrachten als jetzt.
Wer medizinische Versorgung leisten kann wird für eine Gemeinde schnell wichtig. Ich kenne selbst dutzende Fälle in denen Leute bei Verletzungen eher einen befreundeten Veterinär aufsuchen anstatt den Hausarzt.
Man muss die Kultur und vor allem die Konflikte in der Gemeinschaft kennen und diese für sich nutzbar machen. Geberländer wären einfacherer zum Ausscheren aus dem Bund zu bewegen als Empfängerländer.
Wer Kampfverbände aufstellen will braucht selbst genug Expertise und Fachwissen um andere ausbilden und ausrüsten zu können.
Genauso wichtig ist es Menschen einschätzen zu können um zu wissen mit wem man zusammen arbeiten kann damit wirklich etwas dabei entsteht. Mobilität ist von großer Wichtigkeit.



In der Krise werden homogene Gruppen den stärksten Einfluß ausüben und je radikaler sie sind, desto mehr werden Menschen ihre verbliebene Hoffnungen in sie stecken. Muslime werden sich den radikalen in ihrer Gemeinde anschliessen und noch mehr werden einfach abnicken was diese tun. Kommunisten werden versuchen mit Gewalt Räterepubliken aufzubauen und versuchen die Innenstädte zu besetzen. Neonazi Kameradschaften werden wahrscheinlich mit Biker MCs versuchen ländliche Gegenden unter Kontrolle zu bringen und mit verbliebenen Motorrädern von Dorf zu Dorf flitzen, wo immer es noch etwas zu holen gibt um die eigene Gemeindschaft zu erhalten.

In so einem Szenario wird niemand noch darüber nachdenken sich libertären Bücherwürmern anzuschliessen, die lediglich aufwarten können mit "Ich habs euch ja gesagt", "Die Leute werden uns in der Krise wählen" sowie ein paar Fantasietheorien darüber, wie sich schon alles durch Privatrecht in Wohlgefallen auflöst. Wer dann einer hungernden Familie eine 60-Seitige John Galt Rede halten will darüber, dass sie alle selbst Schuld sind an der Misere(was stimmen mag), der wird spätestens bei Seite 17 verspeißt werden.
Genauso wird derjenige, der sich jetzt freut durch Rechtbehalten eine Art Orakelfunktion einzunehmen, zu dem die Leute kommen und nach Rat fragen, ebenfalls unter die Räder kommen.


Kümmern sie sich darum auf solche Situationen vorbereitet zu sein, werden sie zu einem Anführer geistig gesunder Menschen in ihrer Gegend.


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