Dienstag, 24. Juni 2014

Ernährungspsychologie für schlechte Zeiten IV: Friss oder stirb


Viele Menschen werden bei einem Zusammenbruch oder wachsender Ineffizienz der Nahrungsmittelerzeugung zwangsläufig sterben.




Nicht anpassungsfähig
Eine plötzliche Umstellung der Ernährung ist gerade in einer Stresssituation ein ernsthaftes Problem. In der Regel sind Ernährungsumstellungen ein paar Wochen lang von Verdaungsstörungen begleitet die man sich in einer Krisensituation nicht leisten kann. Hat man selbst keine Gemeinschaft die den eigenen Ausfall bei der Aufgabenteilung wieder auffangen kann sieht es schlecht aus. Selbst Durchfallerkrankungen können allein wegen dem Flüßigkeitsverlust lebensbedrohlich werden, wenn eine Versorgung mit sauberem Trinkwasser nicht vorhanden ist. Gegen den Verlust von Flüßigkeit in einem solchen Fall kann man Aktivkohle oder einfach die Holzkohle aus der Feuerstelle essen, doch muss man das auch erst mal wissen.

Stress
Dazu führt der Stress alleine oft zu Leiden die den Magen betreffen. Stresssituationen unter Belagerungszustand ohne Fluchtmöglichkeit führen häufig zu klaustrophobischer Panik. Stresssituationen in denen viel Bewegung stattfindet, ob auf Flucht oder Verlagerung, führen dagegen zu Magenleiden. Im zweiten Weltkrieg war das Problem dieser Magenleiden in der Truppe so rapide, dass man die Betroffenen dafür in eigenen Magenbatallionen zusammen gefasst hat.

Falsche Rationierung
In den Wüsten dieser Welt findet man hin und wieder Leichen die neben einem halb befüllten Wasserkanister liegen. Diese Menschen versuchten offenbar etwas zu rationieren, was nicht rationierbar war. Hat der Mensch Durst so muss er trinken, hat er Hunger muss er essen. Zwar kann der Mensch eine Weile ohne Wasser auskommen und auch ohne Nahrung, viele können diese Zeit selbst allerdings nicht einschätzen, da sie vorher nie in einer solchen Mangelsituation auch nur für mehr als eine Stunde waren. Wer beispielsweise eine Woche lang nur sehr wenig essen wird und dann plötzlich anfangen wird wieder mehr zu essen, der wird einfach eine Magenkolik bekommen mit dem Risiko daran zu sterben. Die Zahl der angeblich unter Anorexia nervosa oder Bulimia leidenden jungen Menschen wird aber schlagartig gegen Null gehen, das verspreche ich ihnen.

Immunsystem nicht vorhanden
Ist eine Behandlung des Essens mit Pestiziden und Antibiotika nicht mehr möglich werden wieder Krankheiten auftauchen die bereits verschwunden waren. Auch haben viele Menschen nicht mehr das nötige Immunsystem um mit Essen vom Boden klarzukommen. Ich weiß noch wie ich mich als Kind geekelt habe vor den Zwetschgen mit den braunen Stellen, von denen mir meine Oma versicherte, diese seien völlig okay und solche hätten sie im Krieg auch gegessen.
Für eine wieder entstehende Post Collapse Wirtschaft wird es ebenfalls schwierig werden. Früher bekamen sogar Bürstenmacher Maul- und Klauenseuche. Dieser unfreiwillige Bio Backlash wird ironischerweiße wahrscheinlich genau jene am härtesten treffen, die heute bei Ketten wie Ebl und Basic mehr für weniger bezahlen. Besserverdiener die von der tatsächlichen natürlichen Situation der Nahrungsmittelproduktion oder der Natur keine Ahnung haben. Mangelernährung schwächt das Immunsystem zusätzlich. Dazu wurden wir in Deutschland die letzten Jahre wieder kulturell mit Krankheiten wie Tuberkulose und Meningokokken bereichert.

Nicht vorhandenes Wissen
Was kann man überhaupt essen? Der Großteil aller Pflanzen ist giftig für den Menschen und der modernisierte Städter ist schon jetzt nicht mehr in der Lage essbare Pflanzen zu erkennen. Welche Arten der Ernährung machen mehr Sinn als andere? Ist es in einem Krisenszenario sinnvoller verstreut Kartoffelpflanzen und Walnussbäume angepflanzt anstatt die Nutzpflanzen auf einem Gartenacker stehen zu haben? Könnte ich selbst sogar eher unbekannte Nutzpflanzen anbauen und nutzen, die vor anderen verborgen bleiben?

Die Welt danach
Auch wenn mal Leute so hungern werden, dass sie sich gegenseitig für verfaultes Gemüße abstechen wird davon die Welt nicht untergehen. Diejenigen die es überleben haben danach aber mit Problemen zu kämpfen. Zeiten von Mangel haben Auswirkungen auf die gesundheitliche, physische wie psychische Entwicklung einer Bevölkerung, sowohl aus den Erlebten selbst resultierend wie auch aus enstandener Traumatisierung. Fehlt einer Bevölkerung das Fachwissen mit dieser Situation umzugehen wird sie die selbe Entwicklung bald wieder durchmachen.



Siehe auch:
Ernährungspsychologie Teil 1 , Teil 2 und Teil 3.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen