Montag, 9. Juni 2014

Psychologie des Überlebens: Luxusentzug


Überleben ist immer eine psychische Angelegenheit deren Motor wieder der Wille zum Selbsterhalt ist. Zwar schaltet unser Gehirn bei Gefahren und Stresssituationen in den Überlebensmodus, in dem es auf einem niedrigeren geistigen Level funktioniert, doch viele zerbrechen an der Belastung durch die Situation. Für den modernen Menschen heute wird, je höher der Zivilisationsstatus geworden ist, die Höhe aus der er auf diesen niedrigen Level zurückfällt immer größer und der Aufschlag immer gefährlicher. Sehen wir uns mal ein Beispiel für einen solchen Luxusentzug an und seine möglichen Folgen.

Diese Dinger auf dem Photo dort kennt ihr alle. Smartphones sieht man heute überall. Wenn ich irgendwo mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, meistens zu Zeiten an denen jüngere Menschen wegen Schulschluss oder ähnlichem anwesend sind, starrt fast die Hälfte der Leute um mich herum auf ihre Smartphones. Man sieht sie so aber auch in der Fußgängerzone oder der Kasse. Die Leute kleben an diesem Ding und das kann psychische Folgen haben.

Unbestreitbar ist es ein technologisches Wunder den Zugang zu allem bekannten Wissen der Menschheit in der Hosentasche tragen zu können, aber dieses Wunder benutzt keiner. Stattdessen spricht das meiste Zeug was konsumiert wird die einfachen Reize an, liefert Unterhaltung, Gesellschaft (oder zumindest das Gefühl davon) und visuelles. Ein Suchtverhalten ist bei den Benutzern erkennbar. Hast du auch so jemanden im Freundeskreis, der dauernd an sein Scheiss iPhone geht und anfängt zu tippen, sobald es einen Ton von sich gibt, weil irgendwas ja so wichtig ist, selbst wenn er sich mit dir in einem Gespräch befindet? Meistens werden Leute abhängig von diesen Geräten, weil sie ein großes Gefühl von Einsamkeit in sich tragen und man sich nicht so einsam fühlt, wenn man permanent auf Facebook und Instagram zugreifen kann, wo andere vereinsamte Idioten den eigenen Scheiss liken und ein Gefühl von Bestätigung liefern.

Der früherer Taliban-Botschafter in Pakistan Mullah Zaif. 
Auch wenn die Taliban Opium widerstehen konnten sind sie machtlos gegen das Smartphone.

Was also wenn dieses Ding verschwindet? Was ist wenn es eines Tages kein Internet mehr gibt? Keinen Strom? Was werden diese Menschen tun? Wie werden sie sich dabei fühlen?
Für viele dieser Leute ist ein Tag ohne Smarthone bereits eine psychische Belastung. Was für eine Belastung muss es dann erst sein das Wissen zu erfahren, dass es nie wieder sowas wie ein Smartphone geben wird? Das es nie wieder etwas wie Internet geben wird? Was werden Menschen für einen Sinn sehen in ihrem Leben wenn alle bequemen Dinge, jeder zivilisatorische Luxus, verschwindet?

Dafür das ich selbst kein iPhone besitze, habe ich schon 
ziemlich viele mit zerbrochenem Bildschirm gesehen.


Die Depression
Wenn Menschen erleben Annehmlichkeiten zu verlieren die für sie immer selbstverständlich waren und es besteht die Möglichkeit, dass diese Dinge nie wieder zurückkommen, dann breitet sich eine extreme Hoffnungslosigkeit aus. Was ist der Grund um weiter zu leben, wenn das Leben selbst nie wieder so angenehm wird, wie es einmal war? Oder vielleicht eine extrem lange Leidenszeit bevorsteht nur mit der Aussicht, dass es vielleicht ein bisschen wieder so wird wie vorher?
Wenn der Luxus aus einer von Luxus verwöhnten Gesellschaft verschwindet werden viele Menschen in Depressionen verfallen.

In dem Film The Road, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Cormac McCarthy, wird die Mutter des Jungen, im Film gespielt von Charlize Theron, als ein solcher, verzweifelter Charakter dargestellt. Von Anfang an ist sie am Verzweifeln und stellt damit den Gegenpol zum Vater da, dessen Überlebenswille ungebrochen der kalten und grausame Realität der Postapokalypse trotzt. Letztendlich, nach mehreren Jahren des lebens in der albtraumhaften Welt der Postapokalypse, überwältigen Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung die Mutter des Jungen und sie begeht Suizid, lässt den Jungen und seinen Vater zurück. Auch wenn McCarthy für seine Darstellung der Frau als schwach und selbstbezogen kritisiert wurde, ist es eine realistische Darstellung von Menschen, die an der neuen Realität verzweifeln werden.

Viele Menschen werden emotional gar nicht in der Lage sein überleben zu wollen. Sie werden verzweifelt sein und ihr Denken wird bestimmt davon was sie verloren haben, anstatt zu wissen, oder zumindest zu überlegen, was sie jetzt tun sollten. Diese Menschen haben auch das Potential zum Spielball zu werden, von sich neu bildenden Feudalherren, Warlords, Banden oder derartiger Gruppierungen, die sich selbst als Staaten bezeichnen. Versklave uns, aber füttere uns.




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