Donnerstag, 5. Juni 2014

Straßensicherheit und Mobilität Teil 1: Fluchtbewegungen


Wir Menschen sind darauf programmiert, bei Gefahr entweder zu kämpfen oder zu flüchten. Da in der modernen Gesellschaft aber immer weniger Menschen bereit oder in der Lage sind zu kämpfen, treten bei Desastern und Kriegen große Flüchtlingsströme auf. Diese verstopfen dann in der Regel die Straßen und selbst derjenige, der sich dachte er kommt schon durch, sieht sich auf einmal gefangen in einem menschlichen Strom, der ihn mit ins Ungewisse reißt.



Als erstes muss sich der einzelne Survivalist überlegen, wo er sich wahrscheinlich befinden wird, wenn eine Desaster Situation eintritt. Wo verbringt er die meiste Zeit? Arbeitet er Zuhause oder in einer Firma? Ist er in seinem Arbeitsalltag viel unterwegs? Wie lange wird er von dort bis nach Hause brauchen? Befindet sich dieses Zuhause nahe oder weit entfernt von dem möglichen Ausgangsort der Katastrophe? Und wie sieht die nächste Entscheidung aus, entweder zu flüchten oder dort zu bleiben, wo man ist?

Das Ziel
Der Survivalist braucht ein klares Ziel wohin er flüchten will. Eine Bugout Location, ein sicheres Versteck, einen Rückzugsort. Ist das nicht vorhanden so ist eine Flucht nur ein unnötiges Risiko und ein Weg ins Ungewisse. Werde niemals zu einem Flüchtling!


Der Fluchtweg
Wenn ich dann doch flüchten muss, welche Route wäre einzunehmen und wie ist der Zeitpunkt gewählt? Riskiere ich es dabei, bei einem plötzlichen Event mit anderen Flüchtlingen eventuell auf der Straße in meinem Auto, zusammen mit meinem Zeug, stecken zu bleiben? Wenn ich zu spät flüchte, werden die Straßen blockiert sein durch Autoleichen oder Checkpoints?

Eine Fluchtroute sollte möglichst im Vorfeld geplant werden. Dabei ist nicht gleich der kürzeste Weg zu nehmen, da dieser wahrscheinlich von anderen ebenfalls benutzt werden wird. Landstraßen sind den Autobahnen vorzuziehen, wenn letztere nicht gleich komplett gemieden werden können. Müssen Behörden erst auf ein plötzliches Ereignis reagieren und sich organisieren, können auch Forstwirtschaftswege in Betracht gezogen werden. In Verbotistan ist das befahren von Forstwirtschaftswegen nämlich verboten.


Fluchtbewegung werden koordiniert
Wenn Behörden auf ein Ereignis reagieren können, dann evakuieren sie eventuell die Bevölkerung eines betroffenen Gebietes oder koordinieren die Flüchtlingsströme hin zu den Auffanglagern und Notunterkünften. Der Survivalist will den Behörden natürlich nicht ausgesetzt sein und es wäre zu überlegen, sich einzugraben bis diese Phase der behördlichen Koordinierung vorbei ist. Wer nämlich erst einmal im Flüchtlingsstrom feststeckt und dann mit seinem Geländewagen meint, er könne jetzt einfach über den Acker fahren und den Stau verlassen, der zieht die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich.


Die Flüchtlinge
Der Flüchtlingsstrom besteht aus Flüchtlingen. Menschen werden in der Regel aus Not zu Flüchtlingen und ihre persönliche Notlage kann zum Problem für den Survivalisten werden. Dieser darf niemals in den Sog eines Flüchtlingsstromes geraten. Die Menschen um ihn herum haben vielleicht alles verloren oder alles zurückgelassen. Wahrscheinlich haben sie nicht mal etwas zu essen dabei und sind darum eher bereit andere zu bestehlen um sich oder ihre Familie zu versorgen. Klar wird es da auch nette Leute unter den Flüchtlingen geben, aber genauso auch allen möglichen Abschaum, die alles tun werden nur um sich selbst zu helfen oder zu bereichern.

 
Vietnam 1975: Konvoi der Tränen

Bedeutung für die Umgebung
Ein Flüchtlingsstrom ist über längere Zeit wie eine Heuschreckenplage. Geht das Trinkwasser und Essen aus, fangen sie an über ihre Umgebung herzufallen. Vielleicht werden sie am Anfang noch für Essen, Benzin und ein paar Versorgungsgüter bezahlen, aber irgendwann werden sie anfangen es zu stehlen. Supermärkte, Tankstellen und dann Bauernhöfe die entlang der Flüchtlingsrouten liegen werden die ersten Ziele sein, sofern die Behörden nicht durch dauerhafte Präsenz so etwas unterbinden.


Flüchtlingslager
Wenn die Behörden rechtzeitig reagieren, dann werden Auffangstellen. Notunterkünfte und Flüchtlingslager eingerichtet. Die Behörden koordinieren die Flüchtlingsströme dann dort hin. Jeder der sich im Trek der Flüchtlinge dann, egal ob mit dem Auto, dem Fahrrad oder sogar zu Fuß befindet wird dann dort hin geschickt. Man wird die Flüchtlinge dort festhalten und nicht gehen lassen, egal wie sehr sie noch bekunden zu Verwandten gehen zu wollen. Das Gepäck wird nach verbotenen Gegenständen durchsucht, Dinge aus dem Besitz beschlagnahmt. Im Falle von Seuchengefahr wahrscheinlich auch mitgebrachtes Essen und Wasser.
Flüchtlingslager selbst werden vermutlich wie der Superdome in New Orleans schnell zu Kloaken voller Gewalt und Horror. Drogensüchtige werden andere Leute bestehlen, Gangs rotten sich zu sammen und werden schwächere Personen zu ihrer Beute machen.


Checkpoints
Wenn die Regierung und ihre Behörden rechtzeitig auf Fluchtbewegungen der Bevölkerung reagieren kann werden eventuell, bei kleineren Flüchtlingsgruppen, Checkpoints entlang der Straßen aufgestellt. Das können feste Kontrollpunkte oder mobile, temporäre Checkpoints aus Fahrzeugen sein. Werden hier Autos durchsucht, so wird der Survivalist mit Notvorräten und eventuell militärischem Gerät garantiert auffallen und wahrscheinlich zur näheren Befragung zur Seite genommen werden. Findet man im Fahrzeug oder an der Person dann Waffen war es das für einen.
Wer für die Kontrolleure am Checkpoint irgendwie martialisch wirkt, weil er in einem Geländewagen mit Tarnanstrich an den Kontrollpunkt fährt, der wird wahrscheinlich in Schwierigkeiten kommen. Man wird sich danach erkundigen wollen wo man so ausgestattet denn hin will.


Zudem ist es für viele Normalbürger unmöglich Checkpoints der Regierungsarmee unterscheiden zu können von irgendwelchen Banditen. Checkpoints von Milizgruppen sind in vielen Bürgerkriegen gang und gäbe. Hier werden dann schon mal Leute ermordet weil sie die falsche Religion haben oder dem falschen Stamm angehören. Wer könnte einen falschen Checkpoint von einem offiziellen unterscheiden anhand der Uniformen und Rangabzeichen der Besatzung, ?


Gefahren auf der Straße
In einem Flüchtlingsstrom ist man vielen Gefahren ausgesetzt. Sowohl durch andere Flüchtlinge wie auch Gefahren von außen. Kolonnen sind immer anfällig für Überfälle. Ein Beispiel wäre hier die Tragödie von Varus Legionen im Teutoburger Wald. Drei Legionen mit ihrem Trek zogen in Kolonne durch unwegsames Gelände und wurden Stellenweise immer wieder von den Barbaren angegriffen. Ein paar hundert Meter aufwärts und abwärts der Stelle die gerade angegriffen wurde, wusste man von dem Angriff allerdings noch gar nichts. Erst als die Angreifer sich wieder zurückgezogen hatten gingen die Nachrichten vom Überfall um und verbreiteten Panik.

Moderne Fahrzeugkolonnen sind dabei noch angreifbarer. Fällt ein Fahrzeug vorne aus, so blockiert es oft den Weg für alle hinteren Fahrzeuge. Wird eines der hinteren Fahrzeuge dann ebenfalls demobilisiert, so sind alle Fahrzeuge dazwischen eingeklemmt.

 

Straßen durch bebautes Gebiet sind deshalb absolut kritisch. Hier gibt es keine Ausweichmöglichkeiten mehr. Flüchtlingskolonnen können auch einfach direkt beschossen werden, egal ob sich in ihnen tatsächlich Militärfahrzeuge und Soldaten befinden oder nicht. Genauso können Flüchtlingskolonnen mit feindlichen Truppenbewegungen verwechselt werden. Straßen auf denen Militärfahrzeuge unterwegs sind, sind auf alle Fälle zu vermeiden. Einerseits weil von diesem Militär direkt Gefahr ausgehen kann, andererseits weil dieses Militär ein Ziel darstellen kann, für ein anderes Militär und man dabei selbst als Kollateralschaden endet.

Basra Road 1991: Highway of Death

April 1999: NATO bombardiert albanische Flüchtlingstrecks.


Lesen sie auch Teil 2 : White-lined Nightmare

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