Samstag, 19. Juli 2014

Ernährungspsychologie für schlechte Zeiten V: Wenn es knapp wird

Über hungrige Nachbarn und falsche Samariter



Wenn die Nahrungsmittel drohen knapp zu werden beginnt meistens, vor dem Betteln und Stehlen, bereits das Hamstern und Horten. Manche Händler werden Produkte zurückhalten um sie später zu einem höheren Preis anbieten zu können. Es wird zu Wucherpreisen kommen. Wucher ist eigentlich ein ganz normales Marktphänomen und signalisiert dem Markt, wo Produkte am meisten benötigt werden. Wird an einem Ort ein Produkt knapp und Händler verlangen Wucherpreise, dann ist das ein Signal für alle anderen Händler, dort dieses knappe Produkt hinzubringen, weil sich damit gut Geld machen lässt. Wiederum werden auch nur die Leute Produkte zu Wucherpreisen kaufen, die dieses Produkt wirklich dringend benötigen.

Der Markt und seine Mechanismen wären so wundervoll und einfach, wenn es da nicht die Regierung gäbe und ihre Heerscharen an gläubigen Vollidioten, die zu allem was sie tut Ja und Amen sagen.

Supermarkt in Venezuela: Nur sechs Dosen Thunfisch pro Person - Danke

In Venezuela hat die Planwirtschaft und Preisintervention der sozialistischen Regierung den Markt derartig verkrüppelt, dass die Produktion zum erliegen kommt und es Nahrungsengpässe gibt. Produkte deren Herstellung sich nun nicht mehr lohnt, weil der Endpreis von der Regierung zu niedrig festgeschrieben wurde, verschwinden vom Markt. Der Schuldige ist dabei wieder der Händler, der Produzent, der Kapitalist, der Horter und Wucherer.

Dieser komische Bericht des rotchinesischen Propagandasenders CCTV, der schon typisch chinesisch das Font von CNN kopiert hat, zeigt die nächste Stufe sozialistischer Planwirtschaft im Niedergang. Elektronische Identifikationskarten sollen dafür sorgen, dass Menschen in den regierungseigenen Supermärkten nicht mehr als einmal pro Woche "einkaufen". Währenddessen berichtet man über den skandalösen Zustand, dass 40% der Lebensmittel illegal ins Land gelangen würden, als ob man es dieser Illegalität nicht verdanken würde, dass die Leute noch kein Unkraut kochen müssen. Und dieses dumme Pack geht immer noch auf die Straße mit roten Fahnen. Venezuela ist ein Verhungernder der seine eigenen Beine über dem Feuer brät und sich selbst kannibalisiert. Das nächste was man in dem Drama wohl sehen wird sind Warteschlangen vor Suppenküchen.


Staatliche Übernahme
In Krisenfällen wie dem Verteidigungsfall, der Krisenfall ist aber für Regierungen Auslegungssache, kann die Lebensmittelproduktion genauso wie der Vertrieb requiriert werden.

In den USA wird die Beschlagnahmung und Requirierung im Krisenfall durch den Defence Production Act von 1950 geregelt. Dies betrifft auch landwirtschaftliche Produktionsmittel.

In Deutschland wird die staatliche Kontrolle über die Nahrungsmittelproduktion und die Preisfestlegung im Krisenfall durch das Ernährungssicherstellungsgesetz geregelt.


Flugblatt der NS-Regierung während des zweiten Weltkrieges: 
Felle sind nach Anordnung der Reichsstelle für Rauchwaren beschlagnahmt.

Die Bundesregierung kann unter §1 Absatz 7 Vorschriften erlassen auch über die Selbstversorgung, was bspw. für dich bedeutet mit ihr teilen oder gleich alles abgeben zu müssen. Es kann also passieren, dass jeder noch so kleine Beamte mobilisiert wird im Krisenfall um mit dem Klemmbrett in Gärten hinein zu schielen, wo es etwas zu holen gibt. Eventuell werden auch eifersüchtige Nachbarn einen verpfeifen, weil man die Frühstückseier der paar Hühner welche man sich hält nicht sozial gerecht mit ihnen teilen wollte.

Lebensmittelverteilungen:
Ich konnte einen Grund sehen wieso unsere Hilfe nicht weiterging. Ich war außerhalb von Safwan, am 28. März, auf dem Dach eines LKW Anhängers des kuwaitischen Roten Halbmond, voll mit Lebensmittelspenden. Unter mir ein paar hundert drängende, schulternde, kniende, tretende irakische Männer und Jungs welche nach den Kartons mit dem Essen griffen. 
Freiwillige vom Roten Halbmond reichten die Kartons, behutsam, an den Mob. Jeder der weißen Kartons wurde von drei, oder vier, oder fünf der Streitlustigen gegriffen und in drei, oder vier, oder fünf Richtungen gezogen.
Jede Person im Mob schien mit jeder anderen Person zu streiten. Sich dem Impuls hingebend, sich selbst weiter vorwärts und andere abzudrängen, zirkulierten brüllende Irakis in Kreisen.
Ein kurzer, dicker, glatzköpfiger Mann versank im Strudel. Ein kleiner Junge, rot angelaufen im Gesicht und schreiend, wurde zwischen zwei schreienden fetten Männern zerquetscht. Ein alter Mann wurde dabei zertrampelt sich ins Getümmel zu stürzen.

Die Irakis schnappten nach dem Essen als ob sie am verhungern wären, aber sie konnten nicht am verhungern sein denn sonst würden sie nicht so gut schnappen können. Die meisten sahen wohlgenährt aus. Einige waren zu fit und aktiv. Jeder von ihnen verausgabte eine Menge Kalorien vor diesem Anhänger an einem 90° Fahrenheit Tag.
- The Backside of War

Seit 1963 bis heute halten die Kreise und Kreisfreien Städte in der Bundesrepublik Lebensmittel- und Milchkarten für den Spannungs- und Verteidigungsfall bereit. Diese sind als Verschlusssache - Vertraulich eingestuft und an sicheren Orten aufzubewahren, um im Bedarfsfall ausgegeben zu werden.
Ich schätze allerdings, dass es in Deutschland mit der Etablierung des Tafelsystems und dem Sozialindustriekomplex Lebensmittelkarten erst ausgegeben werden, wenn es dafür keine Lebensmittel mehr auszugeben gibt, da sich keiner für irgendwas wirklich Zuständig fühlt. Aus den Vorräten der Bundesregierung gäbe es sowieso nicht viel zu verteilen außer Reis und Hafer.

Es gibt zwei Arten von Lebensmittelverteilungen. Die welche gesittet ablaufen und die welche es nicht tun.
Die, welche ungesittet ablaufen, sollte man sowieso meiden und längst weg sein. Man erkennt das Potential für Komplikationen meist daran, dass der Platz der Verteilung ungünstig gewählt ist. Während eine relativ kleine Suppenküche Leute noch dazu anhält in der Warteschlange zu warten, da sowieso kein Platz für Gedränge ist, so läd ein offenes Feld mit einem Brot für die Welt Lastwagen gerade so zum hinströmen ein. Außerdem können die Fahrzeuge von denen herunter und heraus die Verteilungen stattfinden gestohlen werden. Sehr wahrscheinlich taucht auch Landfremdes Volk auf, welches sich vor langer Zeit auf den Weg ins Sozialstaatsparadies gemacht hat und nun partizipieren will am Restwohlstand. Eventuell kreuzt ein bewaffneter Mob dort auf und erklärt dem hungernden Mob einfach, dass diese Vorräte jetzt dem Warlord X gehören.

Wenn der kluge Survivalist doch nicht so klug war frühzeitig abzuhauen, oder die Krise ihn eingeholt hat, dann hat er Nachbarn die keine Vorräte, Selbstversorgung und dergleichen unterhalten. Findet sich der Survivalist in einer solche Situation und seine Vorräte sind noch geheim, dann stellt er sich besser in die Schlange vor der Suppenküche, wenn auch nur um dort gesehen zu werden. Wird er dort nicht gesehen, dann fragen sich die Nachbarn was es bei ihm noch zu essen gibt.

Es kann aber auch sein, dass weder die Regierung, noch die Kirche, noch irgendwelche von diesen Sozialspastikern hier Suppe verteilen, sondern ganz andere Gruppen. Politische Bewegungen die in Krisenzeiten schon Morgenluft wittern und eine Chance zum Umsturz sehen bieten oft auch karitative Arbeit an. Die Kommunisten könnten unter den Sonnenschirmen der Linkspartei mit durch verschleierte SED Gelder finanzierter Brotzeit schnell die versklave mich aber füttere mich-Impulse wecken. Genauso ist es möglich, dass korrupte Beamte requirierte Lebensmittel gegen harte Währung, Drogen, Sex oder Gefälligkeiten an Gruppen verkaufen, welche dann daraus politisches Kapital machen.


Um einen gesitteten Ablauf von Lebensmittelverteilungen zu gewährleisten und den Pöbel auch weiterhin bei der Stange zu halten, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Regierung den Ablauf einfach digitalisieren wird und soetwas wie Electronic Benefit Transfer (EBT) Karten verteilt, welche in den USA bereits gebräuchlich sind als elektronische Zahlungsmethode für Sozialhilfe. Vorrausgesetzt elektronische Infrastruktur funktioniert noch zu diesem Zeitpunkt, wenn diese Methode nicht schon viel früher eingeführt wird.


Siehe auch aus dieser Reihe:
Ernährungspsychologie Teil 1 , Teil 2, Teil 3 und Teil 4.

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