Mittwoch, 23. Juli 2014

Ratgeber über waffenlosen Nahkampf


Ratgeber über universell einsetzbare Selbstverteidigungstechniken, basierend auf Fachliteratur, militärischer Ausbildung und jahrelanger Erfahrung in gewalttätigen Auseinandersetzungen. 

 























Über die Regeln eines Kampfes

 











Die einzige Regel im Kampf ist, dass es keine Regeln gibt. Es gibt kein Startsignal und keinen Unparteiischen. Niemand sorgt sich darum, dass es fair zugeht. Das Problem ist, dass die meisten Menschen das nicht wissen. Sie glauben eine Prügelei sei etwas Harmloses. Etwas, was vielleicht mit einem blauen Auge oder einem schmerzenden Kiefer endet. Wer kämpft, der ist in akuter Lebensgefahr. Immer. Selbst was als harmlose Auseinandersetzung begann, kann ganz schnell zu einem Kampf auf Leben und Tod werden.

Ein früherer Bekannter von mir ließ sich durch ein Mädchen in einen scheinbar banalen Streit verwickeln und wurde während des Abends in Wortgefechte und Schubsereien verwickelt. Es endete damit, dass man sich einigte die Sache "draußen zu klären". Er wird sich nie wieder zu so etwas verleiten lassen können, weil er im Verlauf der Schlägerei erstochen wurde.

Vergesst die schöne Vorstellung von Regeln und Fairness. Wenn man kämpfen muss, wird das Risiko durch jede einzelne Sekunde erhöht. Nur ein schnell entschiedener Kampf ist ein guter Kampf. Vergesst es, einen echten Kampf mit Kampfsportarten wie Boxen zu vergleichen. Es handelt sich dabei um einen Kampf mit Sicherheitsvorkehrungen und einem genau definierten Regelwerk, außerdem gehen beide Kämpfer mit nur minimalen Blessuren nach Hause.

Wenn ihr nach Regeln spielen wollt, euer Gegner aber nicht, dann werdet ihr verlieren, selbst wenn ihr stärker, schneller, größer, härter und obendrein noch schlauer seid. Und das wird selten vorkommen. Wenn ihr angegriffen werdet, dann tut alles, um zu überleben. Versucht am besten zu fliehen. Ist dies aber nicht möglich, dann tut alles, um euren Gegner schnellst möglich kampfunfähig zu machen. Für euch gelten keine Regeln. Wenn ihr angegriffen werdet, wird es um Leben und Tod gehen. Ihr werdet euren Gegner in der Regel nicht kennen. Niemand kann garantieren, dass er aufhört, sobald man am Boden liegt. Er wird wahrscheinlich eher deine bodennahe Position dazu nutzen, seine Elfmeter-Schusstechnik zu verbessern. Direkt ins Gesicht.

Krisensituationen verschlimmern diese Gefahr noch. Selbst der heute scheinbar banale Verlust von Wertgegenständen, kann in einem solchen Szenario entweder schlimmste Entbehrungen, oder gar den Tod bedeuten. Vielleicht tötet dich dein Gegner, um sich die Gefahr um einen neugewonnen Feind zu ersparen, vielleicht klaut er deine Stiefel und Jacke und du erfrierst elendig, vielleicht gerätst du auch an eine Gang, die es ausnutzt ihre perversen Fantasien nun an dir ausleben zu können.

Wer in solchen Situationen verliert, der ist auf Gedeih und Verderb den Launen seines Gegners ausgeliefert. Die Tatsache dass dieser Mensch dich zuerst angegriffen hat, spricht nicht gerade für seine Charakterstärke. Er könnte dich töten oder dir das Gehirn zu Brei treten, sodass du den Rest deiner Zeit sabbernd in einem Rollstuhl hockst. Die einzige Möglichkeit das zu vermeiden ist nicht zu verlieren.

Wer sind meine Gegner?

 













Der gemeine Aggressor hat in der Regel nur ein einziges Ziel im Sinn: Kurzfristige Befriedigung durch den Kick des Machtgefühls. Demzufolge läuft kaum eine Schlägerei heute noch, im Stile eines Zweikampfes ab. Der Schläger sucht sich ein Opfer aus. Er schnappt sich ein paar Kumpels und erklärt diesen, dass der Typ da drüben jetzt dran sei, weil er ihn die ganze Zeit so komisch ansehe. Die Kumpels gehen mit und halten ihm den Rücken frei. In neun von zehn Fällen wird das Opfer ausgeknockt, bevor es überhaupt weiß, dass es Teilnehmer einer Schlägerei geworden ist.

Ich spreche absichtlich von "es", "dem Opfer". Das hat Methode. Genauso sieht nämlich ein Schläger die Menschen die er auserkoren hat. Es interessiert ihn nicht, dass diese Menschen Familie und Freunde haben. Es interessiert ihn nicht, dass sie unter Umständen auch Freunde hätten sein können. Es interessiert ihn nicht, wie Menschen fühlen, denken, hoffen und fürchten. Und es interessiert ihn nicht, dass sein Opfer blind, querschnittsgelähmt oder tot sein könnte. Es ist nicht so, dass er sich keine Gedanken machen würde. Es ist ihm einfach nur egal...

Berufskriminelle werden sich eher für deine finanzielle Situation interessieren. Wie bereits beschrieben in "Verhalten vor, während und nach einem Kampf", bieten sich hier einige Möglichkeiten an, um die Gefahr eines Kampfes zu umgehen.

In einem Krisenszenario ist die Gefahr deutlich höher. Die Verzweiflung und Angst, der unvorbereiteten Menschen, wird in galoppierende Panik übergehen. Letztendlich muss man jede Person als potenzielle Bedrohung wahrnehmen. Es wird schlimm, gezwungen zu sein, gegen solche Menschen zu kämpfen. Aber es hat auch etwas Gutes. Menschen die so vorgehen wie Schläger, halten sich meistens für ungemein hart. Jedoch beruht das auf einem Selbstbetrug. In Wirklichkeit suchen sich diese Feiglinge nur Opfer aus, von denen sie keine Gegenwehr erwarten und verbuchen das dann als "Sieg".

Berufskriminelle wollen etwas auf leichtem Wege erhalten. Sie wollen das was ein Anderer sich hart erarbeitet hat, und das möglichst einfach. In einem Kampf wird ihre Moral immer nur zweitklassig sein, im Gegensatz zu deiner, da du immer darauf aus bist dein Leben mit allen Mitteln zu verteidigen.
Im Post Collapse Szenario wird jeder zum Feind. Die verschiedensten Banden werden versuchen die Situation für sich auszunutzen, Macht über Gebiete zu erlangen und zu halten. Verzweifelte Menschen oder auch Flüchtlinge sind ausgehungert, dehydriert und für sich alleine unterwegs. Der Vorteil hier liegt darin bereits vorgesorgt und geplant zu haben. Auch die mentale Verfassung ist von elementarer Wichtigkeit. Eine Gruppe die jahrelang zusammen trainiert hat, gibt sich gegenseitig Stärke und Sicherheit.

Die Distanzen


- Die sichere Distanz. Dein Gegner kann dich nicht treffen ohne mindestens einen Schritt zu machen.


Sobald dein Gegner die sichere Distanz durchbricht, befindest du dich in Gefahr. Du kannst nun unter Umständen schneller getroffen werden. Mit anderen Worten, du bist gezwungen sofort und ohne Verzögerung anzugreifen. Es ist bemerkenswert, Kämpfe zu beobachten, in denen einer der Kontrahenten, den anderen ohne nennenswerte Reaktion näher kommen lässt. Wenn du an deinem Leben hängst, dann darfst du derartige Situationen niemals zulassen. Du musst ihn sofort platt machen.
Allerdings musst du vorher auch gegenüber dem Publikum geäußert haben, dass du diesen Kampf nicht willst, dich aber verteidigen musst, wenn dein Gegner noch einen weiteren Schritt macht! Es ist deswegen so wichtig, weil du der bist, der zuerst zuschlägt. Nur ein Experte wüsste, dass du so handeln musstest. Was in der Regel die Behörden auch ausschließt. Du musst also das Publikum gewinnen, bevor der Gegner die sichere Distanz durchbricht. In einer Krisensituation kann dies natürlich wesentlich unkomplizierter werden.

Kommt es zum Kampf, unterscheidet man wieder zwischen drei Distanzen:

Fern- (Tritt), Mittelstrecken- (Fäuste), und Nahdistanz (Ellenbogen)

Fairerweise muss ich noch den Bodenkampf erwähnen (igitt). Kein im Nahkampf ausgebildeter Soldat, geht freiwillig zu Boden. Niemand kann sich am Boden liegend gegen mehr als einen Kämpfer gleichzeitig verteidigen. Und da ein echter Kampf nun mal nicht unter Laborbedingungen abläuft, muss jeder gute und vorausschauende Kämpfer, damit rechnen, dass sich Außenstehende einmischen und ihrem Freund "zur Hand gehen". Ich sage Nahdistanz ja! Bodenkampf nein!
Niemand kann voraussagen wie ein Kampf ausgeht. Niemand kann wirklich sagen wie ein Kampf abläuft. Es gibt zu viele Variablen, sowohl was die Situation, als auch die Reaktion und Interpretation betrifft. Wir alle lernen jedes Mal erneut dazu. Mixed Martial Arts (MMA) hat seinen Beitrag dazu geleistet, dass nun eine übereifrige Anhängerschaft wieder einmal verkündet, sie habe eine absolute Errungenschaft im Bereich des waffenloses Kampfes vollbracht. Über verlorene Kämpfe auf der Straße redet kaum jemand.

Über den Umgang mit der Angst


Unter den Möchtegerns gilt es als verpönt Angst zu haben. Sie halten sich für besonders hart, wenn sie behaupten, sich vor Gar nichts zu fürchten. In Wirklichkeit outen sie sich mit solchen Äußerungen nur als dummdreiste Lügner. Jeder Mensch, der kurz vor der körperlichen Auseinandersetzung, mit einem nicht einzuschätzenden oder als stark zu erachtenden Gegner steht, der empfindet Angst. Nicht so eine Angst wie Besorgnis oder ein ungutes Gefühl, sondern nackte Angst, eine Angst, die sämtliche Prozesse im Körper stark beeinflusst.


Nur das Wissen um die, aus der Angst resultierenden Begleiterscheinungen kann dir helfen, mit dieser Angst konstruktiv umzugehen. Stell dir vor du stehst deinem Gegner gegenüber. Du weißt, dass der Zweikampf unmittelbar bevorsteht. Du merkst plötzlich, dass alle Geräusche nur noch wie durch Watte durchdringen. Andere Warnehmungen intensivieren sich hingegen, vielleicht siehst du die Farben viel intensiver und leuchtender. Oder es ist umgekehrt, du siehst alles wie aus großer Entfernung, könntest aber auch eine Stecknadel fallen hören, da jedes noch so kleine Geräusch in deine Ohren dröhnt.


Als nächstes musst du voller Entsetzen feststellen, dass deine Knie und Hände anfangen zu zittern. Dir kann heiß oder kalt werden, am wahrscheinlichsten wirst du aber überhaupt kein Gefühl für die Temperatur haben. Dennoch kannst du in Schweiß ausbrechen. Vielleicht wird dir übel und du hast das Gefühl, dich übergeben zu müssen. Ein verbreitetes Phänomen, ist der Tunnelblick, bei dem die visuelle Wahrnehmung immer enger wird, sodass man nur noch Objekte scharf und hell wahrnehmen kann, die genau mittig vor einem gelegen sind.


Nur die Praxis kann erweisen, welche derartigen Phänomene sich bei dir einstellen. All diese Wahrnehmungen sind eine Folge dessen, was die Angst mit unserem Körper macht. Und was macht die Angst? Sie fährt das System hoch! Durch Ausschüttung von Adrenalin und einigen anderen Stoffen, wird dein Körper auf die sich annähernde Gefahr vorbereitet. Die Leistungsfähigkeit steigt. Die Körpertemperatur wird angehoben, der Herzschlag wird schneller, Muskeln, Sehnen und Bänder werden auf kommende Höchstleistung vorbereitet. Deine Beweglichkeit und Kraft nimmt signifikant zu, gleichzeitig wird das Schmerzempfinden drastisch reduziert (sehr gefährlich).

Die Erkenntnis, die mit diesem Wissen einhergeht ist, dass Angst etwas Gutes ist!

Auch die erschreckenden Folgeerscheinungen, das Zittern, das Zusammenkrampfen des Magens, die Übelkeit, die Veränderung der Warnehmung, all das sind Begleiterscheinungen in unserem Körper, die uns erst ermöglichen, einen Kampf überhaupt mit der Aussicht auf Erfolg führen zu können! Angst ist ein Motor, der stärkste Motor, den wir haben.

Wenn also deine Knie anfangen zu schlottern, deine Stimme bebt, dir der kalte Schweiß ausbricht und du plötzlich wie durch eine Röhre blickst, sind das alles Begleiterscheinungen einer unglaublichen biologischen Reaktion, die deinen Körper und deinen Verstand in die höchstmögliche Leistungsbereitschaft versetzt. Also begrüße die Angst. Sie macht einen Sieger aus dir. Und die meisten Symptome hören auf, sobald der Kampf begonnen hat.

Das Zittern entsteht, durch eine hohe Frequenz winziger Muskelkontraktionen. Dadurch wird die Körpertemperatur erhöht, wiederum mit der Folge, dass deine Muskeln leistungsfähiger und dein Bewegungsapparat weniger verletzungsanfällig wird. Deswegen zittert man auch, wenn es kalt wird.

Fassen wir zusammen, dass der beängstigendste Teil der Angst, in den begleitenden Symptomen entsteht. Da ihr diese aber nun kennt, könnt ihr euch darauf vorbereiten und sie intellektuell verarbeiten, wenn sie dir dann im Ernstfall begegnen.


Was macht den Unterschied zwischen Sieger und Verlierer?


Verlieren ist zwar immer eine Möglichkeit, aber niemals eine Option. Wer verliert, muss damit rechnen, dass der Sieger mit dem Kopf Fußball spielt, oder einem die Kleidung und Rationen klaut. Nur wer siegt, kann dieses Risiko ausschließen. Aber auch emotionale Erwägungen spielen eine Rolle. 

Wer niemals einen Kampf verlieren will, der darf keinerlei Kompromisse eingehen. Er darf nicht versuchen, gewisse Risiken zu meiden. Er darf sich keine Hintertür offen halten. Er muss alles geben, zu jedem Zeitpunkt. Hat er einmal angefangen, darf er nicht nach Auswegen suchen. Er darf keine Pausen einlegen, in denen der Gegner ja vielleicht wegläuft oder anderswie aufgibt. Er darf nicht mehr das Gespräch suchen. Wer mehr Angst vor den Fäusten des Gegners hat, als den Willen, seine eigenen Fäuste ins Ziel zu bringen, der ist schon im Nachteil. Selbst wenn es gelingt, die gegnerische Attacke abzuwehren, ist der eigene Angriff unterbrochen und man befindet sich sofort wieder in der Defensive. Wer sich zuviel Sorgen um das macht, was sein Gegner mit ihm tun könnte, der hat kaum Chancen seine eigene Taktik durchzuziehen. Er wird immer viel zu vorsichtig sein.

Die meisten Menschen glauben immer, man müsste besonders stark sein, um seine Kämpfe zu gewinnen. Sie glauben, man müsste besonders schnell sein. Ebenfalls fallen sie dem Irrglauben anheim, sie müssten tolle Techniken beherrschen und diese zur höchsten Vollendung perfektioniert haben. Ich selbst bin nicht so schnell wie andere. Ich habe auch nicht so viel Kraft wie manch einer meiner Gegner. Und von den traditionellen Kampfsportarten und Kampfkünsten halte ich nicht besonders viel, obwohl einige gute Ansätze haben. Ich kann vielmehr durchaus sagen, dass nicht wenige meiner Gegner sowohl stärker, schneller und technisch versierter waren. Aber darauf kommt es gar nicht an. Entschlossenheit ist der Schlüssel zum Sieg. Das ist das ganze Geheimnis. Gut, zugegeben, natürlich braucht man auch Kraft, Erfahrung und Schnelligkeit. Die Meisten machen alles halbherzig. Sicher, sie schlagen mit all ihrer Kraft zu, aber danach schauen sie sich erst einmal an, welche Wirkung ihr Schlag hinterlassen hat. Dann treten sie vielleicht einmal zu, um sich dann zu sammeln und zu sehen, ob der Gegner vielleicht schon besiegt ist.

Man kann es gut im Boxsport beobachten. Ständig klammern die Gegner. Das ist durchaus verständlich. Sie sind erschöpft, mit ihrer Kondition am Ende und sie wollen eine Auszeit. Ja, es gibt auch Situationen in denen einer klammert, weil der andere einen Lauf hat und kaum zu stoppen ist. Also stören sie mit ihrer Umklammerung seinen Rhythmus und versuchen gleichzeitig, wieder ein klares Bild vor Augen zu bekommen. Meistens kann man jedoch dennoch in den Gesichtern der Kontrahenten lesen: "Warum zum Teufel mache ich hier so einen Schwachsinn? Könnte ich nicht anders Geld verdienen?". Und so läuft es auch bei den meisten Straßenkämpfen ab. Das primäre Ziel der Gegner ist es also nicht, den Kampf zu gewinnen, sondern nicht mehr kämpfen zu müssen. So geht es auch Boxern, obwohl diese ein geringeres Risiko bei dem Kampf haben. Natürlich wollen sie die Börse, den Ruhm und all die anderen Vorzüge des Sieges. Vor allem aber wollen sie, dass der Kampf endlich vorbei ist.

Entschlossenheit bedeutet, dass man dieses Bedürfnis komplett ablegt; und das ist sehr schwer. Wer im Kampf denkt, verliert. Wer im Kampf plant, hofft, oder wünscht, der verliert. Mit anderen Worten, wer an das denkt, was er schon geschafft, gelernt oder geplant hat, nimmt sich selbst die Chancen auf den Sieg, denn er versucht ein Muster auf eine neue, noch ungewisse Situation anzuwenden. Denke daran, dein Gegner kämpft nur, weil er etwas will. Meistens um etwas zu bekommen. Damit ist seine Motivation immer nur zweitklassig. Der Kampf ist nicht wichtig für ihn, nur der Zweck, den er damit verfolgt. Damit ist er ein Amateur und grundsätzlich immer demjenigen unterlegen, der um sein Leben kämpft.

Die etablierten Mainstream-Systeme


Wie bereits angesprochen in "Kampfsport ist Schwachsinn". Die offizielle Techniken haben sich natürlich auch im Laufe der Zeit stark verändert. So enthalten sie fast ausschließlich, nette Übungen zur Körperertüchtigung und Akrobatik, oder dem körperlichen und geistigen Wohlbefinden, nur eben keine wirksamen Kampftechniken mehr. Selbst das Thai Boxen, welches ja als so hart und kompromisslos bekannt ist. Aber kann ein Kampfsystem hart und kompromisslos sein, wenn Kämpfer regelmäßig über mehrere Runden aufeinander einschlagen und treten, ohne dass es Verletzte oder Tote gibt?


Nachdem der Zweikampf in kriegerischen Auseinandersetzungen so gut wie keine Rolle mehr spielt, haben diese Kampfsysteme eben anders definierte Schwerpunkte und Bedeutungen erhalten. Damals sah das nämlich ganz anders aus. Die meisten dieser Kampfsysteme wurden in der Vergangenheit erschaffen. Selbst in Zeiten als der Zweikampf, immer weiter durch den Einsatz von Schusswaffen in den Hintergrund gedrängt wurde, hatte jede Partei ihr effektiven Kampfsysteme. Kampfsysteme entspringen der Kriegskunst. Jeder Beteiligte wusste genau, dass man sich hier nicht prügeln würde, um danach jeder für sich entweder als Sieger oder Verlierer nach Hause zu gehen. Jeder Beteiligte wusste, hier wird auf Leben und Tod gekämpft. Es gibt keine Fairness, keinen zweiten Platz. Es gibt keinen Ring. Jeder wird auf den anderen losgehen und versuchen, ihm schnellstmöglich entscheidende Verletzungen beizubringen.

Kein Kampf durfte zu lange dauern. Je länger man mit einem Gegner beschäftigt war, desto größer war die Wahrscheinlichkeit von hinten die Kehle durchgeschnitten oder den Schädel eingeschlagen zu bekommen. Dies sind die Voraussetzungen, unter denen nicht nur in Asien, sondern weltweit Nahkampftechniken entwickelt wurden. Und auch wenn Selbstverteidigungssysteme heute versuchen einen gewissen Grad an Realismus aufzubringen, so haben sie doch einen ganz anderen Stellenwert als jene Techniken, die kriegserprobt, ohne Kompromiss, für nichts anderes geschaffen wurde, als das eigene Leben um jeden Preis und mit allen nur möglichen Mitteln zu erhalten.

Aber machen wir uns nichts vor. Einen allumfassenden, perfekten Schutz kann es nie geben. Niemand, egal was er kann oder weiß, kann davon ausgehen, mit Sicherheit jeden Kampf zu gewinnen. Niemand kann sich gegen eine Übermacht von von Gegner verteidigen. Niemand ist gegen einen Schuss aus dem Hinterhalt gefeit. Was aber jeder Mensch tun kann und das in ganz erheblichem Maße, ist die Wahrscheinlichkeit zu seinen Gunsten zu verschieben. Es geht darum ein Risiko zu verkleinern und für einen vielleicht auftretenden Konflikt gewappnet zu sein. So ist das auch mit der Krisenvorsorge.

Ich persönlich, halte nichts von Kampfsport. Aber das liegt an meiner persönlichen Erfahrung und dem Beruf beim Militär. Wenn man betrachtet wie die Gewalt in der Welt gerade zu explodiert und immer schlimmere Formen annimmt. Die Täter werden immer brutaler und rücksichtsloser. Während ein Kampf früher meist zuende war, wenn einer der Gegner am Boden lag, fängt jetzt für viele der Spaß erst richtig an. Tritte zum Gesicht des am Boden liegenden, das Herausschneiden von "Trophäen", wie beispielsweise Ohren oder Nasen. "Die Experten" verhindern wirksam die Möglichkeit, sich einen dauernden Feind geschaffen zu haben, indem dem am Boden liegenden, sicherheitshalber prophylaktisch die Kehle durchschneiden.

Kämpfen ist kein Spaß. Es ist auch kein Sport. Es ist Krieg. Und wie im Krieg zwischen zwei Nationen gibt es Opfer und Todesopfer.

Die meisten Menschen verstehen das nicht, weil sie die Ereignisse, die sie in Fernsehen und Zeitung sehen, nie auf sich selbst projezieren. Es sind ja immer nur die Anderen. "Realistische Selbstverteidigung" ist ein regelrechtes Modewort geworden. Genau das ist das Problem. Die Anbieter solcher "Kurse" sehen "Selbstverteidigung" nur als Werbeargument, um sich auch einen Teil des Kuchens abschneiden zu können. Meiner Ansicht nach, kommt es aber einem Verbrechen oder einer Körperverletzung gleich, Menschen mit "Techniken" zu versehen, die im Ernstfall unzureichend funktionieren.

Am meisten werben damit diverse Anbieter der Wing Chun Stile (diverse Schreibweisen: Wing Tsun etc.) damit, realistische Selbstverteidigung anzubieten. Und in der Tat gibt es zwei Bestandteile bei diesem System, über die jeder Mensch verfügen sollte, wenn er sich effektiv verteidigen will. Hierbei handelt es sich um die sogenannten klebenden Arme und den Kettenfauststoß. Ist Win Chun damit ein effektives Selbstverteidigungssystem? Nein. Es fehlen schlichtweg die vernichtenden Techniken. Auch mit dem Kettenfauststoß kann man ganz schnell verlieren, wenn das Gegenüber über die gewissen Nehmerqualitäten verfügt und trotz Treffer, fleißig austeilt.

Allgemein als außerordentlich realistisch gelten die Käfig-Fights (UFC, MMA etc.). Fast ohne Regeln werden hier Vertreter der verschiedenen Systeme, in einer eingezäunten Arena aufeinander losgelassen. Sehr gut schneiden hier vorallem die brasilianischen Jiu Jitsu Stile ab. Aber handelt es sich dabei um realistische Kämpfe? Man sieht dort nie, wie jemand plötzlich ein Messer zieht oder eine Bierflasche greift. Außerdem greift dort nie ein Dritter in den Kampf ein. Es gibt ein klares Startsignal, nachdem beide Kämpfer wissen, dass es jetzt los geht. Wer auf der Straße, auf solch ein Signal wartet, der wird meist erst wieder im Krankenhaus wach. Weiterhin wählen die Kämpfer ihre optimale Kleidung und verfügen über eine tadellose Bodenbeschaffenheit.

Noch eine kleine Hitlist mit Fehlern, was "effektive" Methoden betrifft, den Gegner schnell und effizient in einen Zustand zu befördern, in dem er keine Bedrohung mehr darstellt:

- Tritt in die "Eier": Klingt gut, funktioniert aber nur bei der Minderheit. Fast jeder Gegner rechnet heute mit solch einer Attacke und wird sich mit einem richtigen Stand vor dieser Bedrohung schützen. Mit der gewissen Selbstbeherrschung und genügend Adrenalin lässt sich sogar so ein Tritt wegstecken.

- Stich in die Augen bzw. Kehlkopf: Hänge doch mal eine Walnuss an einem Faden auf. Führe dann so schnell es geht, Stiche mit Zeige- und Mittelfinger dagegen aus. Jetzt versuch' das noch zu erschweren in dem du die Walnuss anstößt, da sich ja das Auge des Gegners auch in Bewegung befindet. Selbst das ist aber noch nicht realistisch, denn das gegnerische Auge ist kleiner und der Gegner verfügt über Reflexe die es schließen. Das gleiche gilt für den Kehlkopf, der ja noch zudem noch wirksam durch das Kinn geschützt wird.

- Hohe Tritte: Kosten Zeit, sind leicht abzuwehren und eröffnen dem Gegner jede Menge ungedeckte Angriffsziele. Zudem befindet man sich nicht mehr im Gleichgewicht und ist dadurch massiv gefährdet, da man nun leicht zu Boden gehen kann.

- Blocken: Man sollte auf seine Deckung achten. Aber man kann keinesfalls des Angriff blocken, wie man es immer bei Action-Filmen sieht. Der Versuch des Blockens öffnet in Wahrheit die Deckung. Die Reaktionszeit die unser Gehirn für den Einsatz eines Blocks benötigt, ist erheblich länger als die Zeit, welche die gegnerische Faust braucht um ihr Ziel zu treffen. Selbst eine Boxer-Deckung bringt nicht immer einen verlässlichen Erfolg, da der unglaublich harte Schlag eines Schlägers sie einfach durchschlägt oder zur Seite fegt.

Verlässliche Techniken kommen aus dem Krieg. Der Krieg hat schon seit Menschengedenken auf vielen Gebieten für sprunghafte Fortschritte gesorgt. Die Chirurgie beispielsweise machte vor allen Dingen in Kriegszeiten große Fortschritte. Hier musste der Arzt einfach seinem Handwerk nachgehen, ohne sich um Kunstfehler oder eventuelle Spätfolgen Gedanken zu machen. Viele starben, aber bei denen die überlebten, hatte man oft eine neue und effizientere Methode gefunden, vor der man profitierte.

Eine Selbstverteidigung oder auch Schießtechnik muss relativ schnell und leicht erlernbar sein. Selbst als ich noch an Kampfkünste und Kampfsportarten "glaubte" und diese praktizierte, störte mich immer daran, wie viele Bewegungen gelernt werden müssen. Man muss dazu auch sagen, dass es mindestens eintausend Wiederholungen bedarf, um eine Bewegung wirklich so zu verinnerlichen, dass sie präzise und ohne nachzudenken richtig ausgeführt werden kann. Wenn also ein System eintausend Bewegungen hat und diese noch variieren mit tiefer, mittlerer, hoher und rechter bzw. linker Ausführung, dann bedeutet dies, dass es einer Million Wiederholungen oder etwa 10.000 Trainingsstunden bedarf, um diese Bewegung korrekt ausführen zu können.

Aber wer diese Bewegung ausführen kann, der ist deshalb noch lange nicht dazu in der Lage, die auch im Kampf anzuwenden. Je mehr Bewegungen bekannt sind, desto länger braucht unser Gehirn natürlich um sich für eine der Möglichkeiten zu entscheiden.

Es ist auch wenig sinnvoll zu den Top-Techniken noch weniger wirkungsvolle Alternativen zu erlernen. Wozu soll das gut sein? Muss ich zwanzig verschiedene Arten kennen, um mich aus einer Umklammerung zu befreien oder reicht nicht eine aus? Es gibt nur zwei Gründe für dieses Verhalten: Der eine ist Show; es sieht natürlich toll aus wenn ich dem Gegner auf 97 verschiedene Arten die Nase brechen kann. Der andere Grund ist, dass sich die meisten Kampfsysteme nur noch über die Vielfalt und Art ihrer Bewegungen definieren. Würde jetzt ein ehrlicher Trainer sagen, "so, jetzt bringe ich dir diese 10 Sachen bei, das dauert etwa einen Monat, dann kannst du die nächsten 10 Jahre damit verbringen, die Ausführung immer weiter zu verbessern", dann hätte er vermutlich nicht viele Schüler. Wie bei dem ganzen Markt an "Tactical" Equipment, geht es den Leuten gar nicht mehr darum, etwas Besseres zu entwickeln, sondern einfach etwas Neues und mehr davon rauszubringen.

Man muss es also ganz klar sagen, die Menschen wollen auch betrogen werden. Sie wollen die Pille kaufen, mit deren Hilfe man abnehmen kann, sie wollen Bitcoins um reich zu werden, sie wollen ein Handy mit noch mehr Funktionen haben, obwohl sie nicht einmal die Bisherigen ansatzweise kennen. Sie wollen sich dem ganzen esoterischen Flimm-Flamm aussetzen und über Grenzwissenschaften fachsimpeln.

Jeder weiß dass man von Pillen nicht abnehmen kann, sie wissen die Wahrheit über Bitcoins, sie hören alles über Esoterik und Grenzwissenschaften, aber machen es trotzdem. Genauso wollen die Menschen auch mit der Kampfkunst betrogen werden. Sie wollen Muskelkater bekommen, jede Woche zwei bis sieben neue Bewegungen mit nach Hause nehmen und sich selbst auf die Schulter klopfen, weil sie es so schwer haben und dennoch durchhalten. Bu-hu.

Wir stellen sehr hohe Anforderungen an unsere Technik, die wir für unsere Selbstverteidigung wählen. Ihre Zahl wird schon alleine dadurch begrenzt, da jede noch so kleine Veränderung zu Schwachstellen führen könnte. Somit entfällt die Möglichkeit von Alternativen, was auf die schnelle Erlernbarkeit sowieso Reaktionsgeschwindigkeit ausschließlich positive Auswirkungen hat.


Der Schlag


Es ist nicht so dass Schlag gleich Schlag wäre; im Gegenteil. Es hilft nichts, wenn du einen Dampfhammer in der Faust hast, der einen Baum spalten würde, wenn du dafür einen breiten, stabilen Stand und zuviel Vorbereitungszeit brauchst, oder du damit zu langsam und nicht treffsicher genug bist. Generell kann man sagen:

- Ein Schlag, für den du stabil stehen musst, ist Mist.
- Ein Schlag, für den du dich erst konzentrieren musst, ist Mist.
- Ein Schlag, bei dem du weit ausholen musst, ist Mist.
- Ein Schlag, der dich aus dem Gleichgewicht reißt, ist Mist.
- Ein Schlag, der schwingend von außen kommt, ist Mist.
- Ein Schlag, der im Ansatz erkennbar ist, ist Mist.
- Ein Schlag, der zu langsam ist, ist Mist.
- Ein Schlag, der deinen Arm zum Ziel eines Hebels werden lässt, ist Mist.
- Und ein Schlag, der nicht treffsicher da landet, wo er soll, ist natürlich auch Mist.

Also... Halten wir mal fest was unser idealer Schlag leisten muss. Er muss schnell und ansatzlos geschlagen werden können, sodass er nicht erkennbar ist und auch in kurzer Zeit häufig abgefeuert werden kann. Er darf uns nicht aus dem Gleichgewicht bringen und muss kontrollierbar bleiben, auch wenn wir unser Ziel verfehlen. Er muss in gerader Linie von uns zum Gegner verlaufen, da er ansonsten unsere Deckung öffnet, zu viel Zeit benötigt und leichter abwehrbar ist. Er muss unabhängig vom Stand und Position abgefeuert werden können, also auch im Fallen oder Liegen. Und er muss mit lockerem Arm geschlagen werden, damit dieser Arm bei der Ausführung weder gebrochen, noch gehebelt werden kann.

Außerdem kommt meines Erachtens nach der wichtigste Punkt hinzu:

- Ein Schlag, der in seiner Wirkung nicht gewandelt werden kann, ist Mist.

Das heißt, ein optimaler Schlag, darf nicht mit der Faust durchgeführt werden. Vielleicht würde solch ein Schlag in's Leere stoßen, direkt neben den Kopf des Gegners. Wäre es nicht schade, wenn wir das nicht ausnutzen könnten, nur weil uns die Zeit fehlt, die Faust noch zu öffnen, um dann weitere Techniken einsetzen zu können?

Der einzige Schlag, der all das bietet, ist der Handflächenstoß, der auf einer geraden Linie von uns zum Gegner "hinübergeworfen" wird. Du musst mit der offenen Hand zuschlagen, genauer gesagt, mit dem Handballen, weil diese offene Hand vielfältige Gelegenheiten finden wird, am Gegner Schaden zu verursachen. Zu dieser Technik komme ich später. Abgesehen von der Option, die sich bei jedem Schlag ergibt, solltest du auch wissen, dass der Handballen wesentlich mehr Druck ausüben kann, als die Faust. Und zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass das Risiko die Hand zu brechen, bei einem Schlag mit der offenen Hand, gegen Null tendiert und damit viel geringer ist, als bei einem Schlag mit der geballten Faust. Der einzige Nachteil, der überhaupt an diesem Schlag ermittelt wurde, ist dass man eine paar Zentimeter an Reichweite verliert. Jedoch ist das in Anbetracht der Vorteile zu verkraften. In fast allen militärischen Nahkampftechniken, wird mittlerweile nur noch der Schlag mit der Handfläche ausgeführt.

Die Ausführung beginnt da, wo deine Hand sich in der Regel befindet, optimaler Weise direkt vor oder irgendwo an deinem Körper. Du schlägst ansatzlos mit dem offenen Handballen zu. Du zielst dabei mit dem Punkt deines Handballens, der bei oben geknickter Hand die direkte Verlängerung des Unterarms darstellt, genau auf die Stelle die du treffen möchtest. Du darfst nicht ausholen und auch keine verräterische Bewegung mit der Schulter machen. Dies ist sehr schwer, da uns in jedem Film das Gegenteil demonstriert wird. Alles bleibt, so wie es ist, nur deine Hand rast plötzlich auf ihr Ziel zu.

Übe das vor einem Spiegel. Dieser ansatzlose Schlag erreicht in Bruchteilen einer Sekunde sein Ziel. Beachte in jedem Fall, dass sich die Hand nicht kreisförmig bewegt. Eine Gerade ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten. Je geradliniger dein Schlag ist, desto schneller wird er sein Ziel erreichen. Weiterhin musst du lernen, deine Hand nach vorne zu werfen. Ist dein Arm hart oder steif, lässt er sich brechen oder als Hebel verwenden.

Stell dir beim Training anfangs vor, du hieltest eine schwere Kugel in der Hand. Du streckst also die Hand nach vorne, um die Kugel (ansatzlos) so weit zu werfen, wie es dir möglich ist. Bei dieser Vorstellung wirst du fast von alleine deinen Arm locker lassen. Dies alles klingt komplizierter als es ist. Probier es einfach immer wieder ganz langsam vor dem Spiegel aus, dann wirst du am besten deine Fehler nach und nach bemerken und ausmerzen. Steigere einfach nach und nach die Schlaggeschwindigkeit und lasse dich dabei nach Möglichkeit von einem Trainingspartner kontrollieren.

Wenn du den Schlag in dieser Form halbwegs beherrschst, machst du es noch komplizierter. Von nun an musst du im letzten Moment vor der vollständigen Armstreckung die Hand und das zugehörige Handgelenk fest anspannen. Zum einen wird deine Hand dadurch stärker, richtet also mehr Schaden an, zum anderen entsteht dadurch auch ein "Schnalzeffekt", ähnlich einer Peitsche. Hierdurch wird deine Schlaghärte nochmals deutlich erhöht. Das Timing ist entscheidend. Beachte auch, dass sich deine Hand nur für einen kurzen Moment anspannt, unmittelbar bevor sie auftrifft. Sofort danach ist dein ganzer Arm wieder völlig entspannt.

Nochmals die komplette Ausführung:

Du hältst deine Hand am oder vor dem Körper. Du stößt mit dem Teil des Handballens nach vorne, der die gedachte Verlängerung deines Unterarmes darstellt. Dein ganzer Körper ist ruhig, nur der ausführende Arm bewegt sich. Dein Arm ist beim Schlag locker und entspannt, da du eine Wurfbewegung ausführst. Deine Hand bewegt sich dabei auf einer geraden Strecke, von dir zum Ziel. Im letzten Moment, vor dem Auftreffen der Handfläche spannst du alle Muskeln in der Hand und im Unterarm an, um somit einen peitschenden Effekt zu erzielen. Unmittelbar vor dem Treffer ist dein Arm wieder völlig entspannt. Übe dies, bist du es schließlich schnell genug und ohne Spiegel beherrschst.

Der eben beschriebene Schlag ist das A und O der Selbstverteidigung. Er hält mir Gegner vom Leibe, wenn ich das will und öffnet mir Tür und Tor, um weitere vernichtende Techniken anzuwenden. Ich selbst habe diesen Schlag gelernt und geübt bis er mir zu den Ohren rauskam. Anfangs war ich es nur gewohnt mit der Faust zu zu schlagen, jedoch wurde ich schon bald eines Besseren belehrt. Dieser Schlag ist in seiner Wirkung verheerend. Er kann Nasen, Kiefer, Zähne und Jochbeine zersplittern lassen. Im Gegensatz zum Schlag mit der Faust, hat er eine extreme mannstoppende Wirkung und kann durch einen einzigen Treffer schwere Gehirnerschütterungen verursachen. Direkte Treffer auf Kinn, Kehlkopf, Halsschlagader, Hinterkopf, Schläfen, Nieren, Leber oder Genitalien werden in der Regel Bewusstlosigkeit oder Tod verursachen.

Ist der Gegner zu nah, um noch ordentliche Handflächenstöße durchzuführen, wandeln sie sich um in Schläge mit dem Ellenbogen (Nahdistanz). Das sieht so aus, dass du mit der Handfläche nach unten oder auf den Gegner zeigend, mit dem Ellenbogen in seine Richtung schlägst. Ein Schlag mit dem Ellenbogen hat selbst ohne langes Training und selbst mit geringer Körperkraft, vernichtende Resultate.


Der Kettenhandflächenstoß


Diese Technik nennt sich Kettenhandflächenstoß, oder auch in vielen "Hardcore-Kreisen" Machine Gun Punch genannt. Es handelt sich um eine schier endlose lückenlose Aneinanderreihung von immer wieder dem gleichen Schlag im Wechsel von rechts und links. Diese Technik ist vernichtend. Mit etwas Übung lassen sich sechs, sieben oder sogar bis zu zehn Schläge pro Sekunde abfeuern. Die Verteidigung des Gegners ist völlig überlastet, vielleicht mag es ihm mit viel Glück gelingen, die ersten zwei oder drei Schläge abzublocken, aber die folgenden finden ihr Ziel.

Kein Gegner kann es lange aushalten, jede Sekunde fünf oder sechs oder noch mehr Treffer zu kassieren. Auch wenn es nicht gut läuft und du "nur" drei Treffer pro Sekunde anbringen kannst, sind dies fast einhundert Treffer in einer halben Minute. Aber so lange wird der Kampf gar nicht dauern.

Es gibt verschiedene Auffassungen über die Durchführung eines Kettenfaustschlags/stoßes. Im Wing Chun ist man der Auffassung, dass der Schlag entlang der vertikalen Zentrallinie, also genau von der Mitte deines Körpers aus auf die Mitte des gegnerischen Körpers verlaufen muss. Dies bedingt, dass deine Arme sich beim Zuschlagen immer wieder überkreuzen. Das kann gefährlich sein, wenn man nicht nachgiebig genug in der Armmuskulatur ist. So können nämlich beide Arme, mit nur deine Hand gegen deinen Körper gedrückt und so demobilisiert werden.

Wenn du entlang der vertikalen Linie schlägst heißt das, dass deine Hand etwa vor deinem Solar Plexus beginnt und gerade nach vorne zuschlägt. Da dann der Schlag der anderen Hand folgen soll, muss diese den gleichen weg nehmen wie die erste. Dort ist aber eben noch der andere Arm vom ersten Schlag. Wenn du jetzt also wieder exakt auf der Zentrallinie zuschlagen willst, musst du den neuen Schlag genau oberhalb des ausgestreckten Armes beginnen und diesen kreuzen, während der schon zurückgezogen wird. Wenn jetzt die Hand des Gegners auf den oberen Arm drückt, können zwei Dinge passieren. Entweder du bist die nachgiebig genug, dann "fließt" dein heruntergedrückter Arm einfach um den Druck herum. Oder aber dein Arm ist zu angespannt, dann wird die gegnerische Hand deinen oberen Arm und dieser wiederum deinen unteren Arm herunterdrücken, was dazu führt, dass der Gegner für einen kurzen Zeitraum deine beiden Hauptverteidigungs- und Angriffswaffen außer Funktion setzt. Mit der anderen Hand kann er dir in diesem Moment ganz furchtbar eins überbraten.

Die Alternative besteht darin, dass du auf die Eroberung der Zentrallinie verzichtest und deine wechselseitigen Schläge nebeneinander ablaufen lässt. Dies hat Vor- wie Nachteile. Sicherlich günstig daran ist, dass deine Arme nicht mehr so einfach immobilisiert werden können. Weniger günstig ist, dass sich dabei eine kleine Öffnung in der Deckung auftut, die durch deinen Schlaghagel besteht. Signifikant an dieser Lücke ist vor allem, dass sie direkt zu deinen empfindlichen Körperteilen führt, also zum Beispiel zum Kehlkopf und den Augen.

Ich selbst empfehle diese Variante mit den Armen nebeneinander. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Gegner diese Lücke findet, während mein Schlaghagel auf ihn prasselt. Weiterhin kann man sich Reflexe antrainieren, die diese Lücke automatisch schließen werden, sobald ein Berührungsreiz an den Armen (und der wird nicht ausbleiben) diesen Reflex auslöst.

Natürlich kann auch der Ellenbogenstoß als Kette geschlagen werden, wenn man erstmal nah genug am Gegner ist.


Die vernichtenden Techniken


Vernichtende Techniken sind genau das was der Name sagt. Diese sind der Grund weshalb ich primär den Handflächenstoß als Schlagtechnik gewählt habe. Es handelt sich bei den vernichtenden Techniken um Griffe, mit denen du Körperteile aus deinem Gegner herausreißt oder innerhalb des Gegners zerquetschst. Hierfür sind folgende Körperteile mögliche Ziele:

- Ohren

- Augen

- Hoden

- Kehlkopf

Ohren lassen sich sehr leicht und ohne großes Training vom Körper abreißen. Sie sind nur durch eine Knorpelschicht und etwas Haut mit deinem Körper verbunden. Dementsprechend könnte man auch keinen Gegner, dem gerade ein Ohr abgerissen wurde, als kampfunfähig bezeichnen, wäre da nicht der ungeheure Schockeffekt.

Stellen wir uns die Situation vor. In Verteidigung deines Lebens feuerst du einen Handflächenstoß auf deinen Gegner ab. Die Nachgiebigkeit deiner Hände und Arme lässt dich mühelos an der Deckung des Gegners vorbeigleiten und plötzlich fühlst du da ein Ohr. Du greifst zu und reißt es mit einem kurzen Ruck vom Kopf ab. Dann trittst du einen Schritt zurück. Der Gegner hat nur einen kurzen, stechenden Schmerz gespürt und fühlt das warme Blut an seinem Hals herunterlaufen, während du mit einem Lächeln das Ohr zwischen deinem Daumen und Zeigefinger wippen lässt. Gehe davon aus, dass der Kampf an dieser Stelle beendet ist. Die meisten Menschen, denen so etwas widerfährt, kippen bewusstlos um. Andere rennen in Trance oder panisch davon. Nur ein verschwindend geringer Bruchteil selbst der hartgesottensten Schläger würde dann voller Todesverachtung und aggressiver auf dich losgehen. Dies sind dann jedoch allerdings auch außerordentlich gefährliche Gegner, denn ihr Adrenalinspiegel macht sie völlig schmerzunempfindlich und lässt sie wie wild auf dich einprügeln.

Sofern der Kampf nicht weitergeht, hast du so merkwürdig es klingt, ein gutes Werk getan. Dein Gegenüber mag ein Ohr verloren haben, aber er ist quasi nicht ernsthaft verletzt worden. Er kann sein Leben fast normal weiterführen, und sogar das kosmetische Problem ist durchaus in den Griff zu bekommen. Ein relativ geringer Preis für die "Teilnahme" an einem Kampf auf Leben und Tod. Eigentlich kann er dir dankbar sein, denn indem du sein Ohr genommen hast, hast du ihm noch den Rest seiner Gesundheit bewahrt.

Etwas anders sieht die Sache schon aus, wenn du dich an den Augen "vergreifst". Aber auch wenn man denkt, ein Auge sei viel empfindlicher als ein Ohr, so bedarf es doch deutlich mehr Kraft und Training, um ein Auge des Gegners zu zerquetschen. Der Grund ist, dass der Glaskörper des Auges sehr flexibel ist, sodass auch großer Druck oft durch Verformung zur Seite aufgefangen werden kann. Um das Auge des Gegners anzugreifen, werden in vielen Kampfkünsten Stiche zum Auge gelehrt. Dies ist aber nicht sehr realitätsnah, denn selbst wenn die Treffsicherheit des Angreifers ausreichen würde, einen schnellen präzisen Stich dieser Art ausführen zu können, würden die Reflexe des Angegriffenen in den meisten Fällen für eine ausreichend schnelle Ausweichbewegung sorgen.

Anders verhält es sich, wenn dein Schlag den gegnerischen Kopf trifft und dort dann zu einem Griff der trainierten Finger, ins gegnerische Auge gewandelt wird. Durch die Kontrolle deines Griffes und die bereits vorhandene Nähe deiner Finger zum Ziel, wird ein Ausweichen in der Regel effektiv verhindert. All dies - Zuschlagen, Kontrollieren und mit dem nächstgelegenen Finger in das Auge greifen und zudrücken - geht schon nach kurzer Zeit, rasend schnell. Sodass Außenstehende nur deinen Schlag und ein leicht verzögertes Zurückziehen der Hand erkennen, während die andere Hand schon wieder den Gegner trifft.

Grausam und meist tödlich ist der Griff in den Kehlkopf des Gegners. Auch diese Variante entsteht meist daraus, dass der Schlag irgendwo in der Nähe des Halses sein Ziel gefunden hat und die stets suchende Hand nur noch zugreifen muss. Wer den Kehlkopf des Gegners greifen will, sollte nicht zu eng fassen, sonst wird er seinem Gegenüber vermutlich nur kurz die Luft nehmen und einige Schmerzen bereiten. Die suchende Hand muss sich weit um die ganze vordere Halspartie legen und dann zusammenziehen. Nur so ist sichergestellt, dass der Griff tief genug in den Hals eindringt, um wirklich Schaden hervorzurufen. Übe dies - VORSICHTIG - an dir selbst (niemals an anderen), um ein Gefühl für den Griff zu bekommen.


Nur eingeschränkt zu empfehlen ist der Griff zu den Hoden. Wenn der Gegner beispielsweise eine Lederhose oder Jeans trägt, wird die Effektivität durch diese Hosen so stark eingeschränkt, dass es selbstmörderisch wäre, hier so viel Zeit im Kampf zu verschwenden. Trägt der Gegner eine weit geschnittene Anzughose, sieht das natürlich anders aus. In diesem Fall kann dein Griff die Hoden irreparabel zerquetschen. Der damit einhergehende Schmerz wird deinen Kontrahenten sofort kampfunfähig machen. Wirklich interessant ist dieser Griff aber erst bei einem Vergewaltigungsversuch. Es bedarf selbstverständlich einer gewissen Kaltblütigkeit, bis zu diesem Moment zu warten, aber der günstigste Zeitpunkt für eine Selbstverteidigung ist sicher dann, wenn der Vergewaltiger schon gar nicht mehr mit einer Gegenwehr rechnet und voller Vorfreude die Hose runter lässt. Dann ist genau der richtige Moment, mit geübtem Griff den ganzen Hodensack mit einem kurzen Ruck vom Körper zu trennen.


Das Training


Was musst du trainieren?

- Schlagkraft

- Griffkraft

- Schnapp-Reflex

- Gleichzeitigkeit

- Nachgiebigkeit

- Die richtige Stellung

Der Griff. Wenn Menschen ihre Griffkraft trainieren, dann trainieren sie in der Regel den Griff ihrer ganzen Hand. Sie quetschen kleine Säckchen oder Spiralen zusammen und erzielen damit auch schnell sehr gute Ergebnisse. Natürlich können diese Ergebnisse reichen. Bei den vernichtenden Techniken greifst du eben vielmehr mit den Fingern und meist nur damit. Aus diesem Grund solltest du auch die Finger trainieren und nicht nur die ganze Hand.

Der Schnapp-Reflex. In der Theorie kannst du natürlich planen, dem Gegner ein Ohr abzureißen, dann danach greifen und es schließlich dauerhaft vom Kopf des Kontrahenten entfernen. In der Praxis funktioniert das jedoch nicht so ganz. Du hast in der Regel gar nicht die Zeit, eine solche Aktion zu planen. Und wenn du es doch tust und dieses Vorhaben misslingt, dann hast du das, was man beim Schach einen Tempo-Verlust nennt; mit anderen Worten, du hast Zeit verschwendet und deinem Gegner die Möglichkeit überlassen, die Initative zu ergreifen. Außerdem schränkst du deine Möglichkeiten ein, wenn du einen bestimmten Angriff vorausplanst, anstatt einfach das zu tun, was sich aus dem Ablauf des Kampfes von selbst ergibt. Der Schnapp-Reflex wird dafür sorgen, dass deine Hände selbstständig kurz um alles schließen, dessen sie habhaft werden können, um dieses dann zu zerquetschen oder abzureißen. Oder falls beides nicht möglich war, schnell genug wieder loszulassen.

Gleichzeitigkeit. Alle Techniken die hier beschrieben werden, sind Handtechniken. Das liegt daran, dass Tritte großer Mist sind. Hohe Tritte solltest du dir in jedem Fall aus dem Kopf schlagen. Aber auch niedrige Tritte haben zahlreiche Nachteile: Du stehst für kurze Zeit nur auf einem Bein, dadurch geht deine Mobilität verloren und das Standbein ist extrem anfällig für gegnerische Konter. Weiterhin gerät man schnell aus dem Gleichgewicht, wenn der Gegner möglicherweise anders reagiert als gedacht.

Aus all den Gründen ist ein Tritt als Angriffstechnik nicht zu empfehlen. Jedenfalls meiner Meinung nach. Tritte sind aber sehr gute Begleitangriffe. Unter Gleichzeitigkeit versteht man, dass man nicht einen Angriff durchführt und dann den nächsten folgen lässt, beispielsweise Schlag rechts, dann Tritt links und dann Tritt rechts usw., sondern dass zwei oder sogar drei Aktionen gleichzeitig erfolgen. Hier fangen Tritte an, ihre besondere Qualität auszuspielen. Allerdings rede ich hier auch nur ausschließlich von niedrigen Tritten, also in der Regel Kniehöhe, höchstenfalls Unterleibshöhe. Stell dir vor, dass du eine Hand schützend in Halshöhe vor deinem Körper behältst und die andere Handfläche in Richtung Gegner abfeuerst. Während dieser gerade alle Hände voll damit zu tun hat, diesen Schlag irgendwie von seinem Gesicht fern zu halten, kann er kaum mehr den Tritt bemerken, der im nächsten Augenblick sein Knie bricht. Gleichzeitigkeit lässt sich in hohem Maße trainieren.


Ich bin ein Nahkämpfer. Wie du erfahren hast, hat der Handflächenstoß eine Menge zahlreicher Vorteile. Ich finde mich gerne damit ab, dass er eine etwas geringere Reichweite aufweist als der Faustschlag. Denn ich bin ein Nahkämpfer und nicht auf Reichweite angewiesen. Du möchtest lieber aus der Distanz kämpfen weil das viel cooler aussieht? Viel Glück. Vielleicht ändern ja die nächsten Beispiele deine Meinung.

Für mich gilt, dass ich so eng wie nur möglich am Gegner kämpfe, ohne mich jedoch fassen und auf den Boden bringen zu lassen. Das heißt im Klartext, ich durchbreche sofort die gegnerische Distanz und folge, sofern der Gegner sich zurückzuziehen versucht. Die Vorteile:

- Je näher du am Gegner dran bist, desto schwerer fällt es Dritten, sich in den Kampf einzumischen. Es ist nicht so leicht, sich dem Getümmel zu nähern, da der Eindringling auch Angst hat, versehentlich von den Schlägen deines Gegners getroffen zu werden. Auch fällt es schwerer, dich von außen mit einem Baseballschläger zu schlagen.

- Da fast alle Kampfsportler lieber aus der Distanz kämpfen, wirst du ständig vorwärts gehen, während dein Kontrahent rückwärts gedrängt wird, mit allen daraus entstehenden Nachteilen.

- Nahkämpfer sind unabhängiger von äußeren Begebenheiten. Denk an einen Kick-Spezialisten in der Disco. Den Nahkämpfer juckt es nicht, ob Hindernisse im Weg stehen und wie die räumlichen Verhältnisse beschaffen sind.

- Der Nahkämpfer hat immer Kontakt zu seinem Gegner. Das heißt auch dass er fühlt was der Gegner gerade tut. Selbst wenn du also, nach einem Treffer auf die Nase, Tränen in die Augen bekommst, hast du immernoch Chancen den Kampf zu gewinnen, da du sehr eng am Gegner kämpfst.

- Wenn du nah genug am Gegner bist, hat dieser kaum eine Gelegenheit eine Waffe zu ziehen. Egal, ob es sich um ein Messer oder eine Schusswaffe handelt, wenn du in zwei oder drei Metern Entfernung um deinen Gegner herumtänzelst, kann dieser sich doch noch überlegen die verborgene Waffe zu ziehen und dir das Leben ziemlich schwer zu machen. Wenn du eng an ihm dran bist und ihm mit deinen Schlägen keinerlei Luft lässt, zudem auch noch folgst, sobald er sich zurückzuziehen bemüht, dann lässt du solch unerwünschten Aktivitäten keine Chance.

Bei all diesen Vorteilen des Nahkampfes, gibt es auch wieder nur einen Nachteil. Dieser liegt in der Gefahr gegriffen und zu Boden gezerrt zu werden. Daher musst du lernen kraftvoll und schnell den Kettenfaust- oder Handflächenstoß zu schlagen. Wer versucht dich zu greifen, muss dabei zwangsläufig seine Deckung aufgeben. Somit kannst du ihm ganz schnell den Spaß an der Sache vermasseln. Vielleicht nutzt du auch die Gelegenheit eines seiner Ohren mitzunehmen.


Zur Stellung


Halte den Kopf hinten und das Kinn unten. Immer. Immer. Immer. Gewöhne dir eine Haltung an, bei der dein Oberkörper gerade ist. Wenn jemand deinen Kehlkopf trifft, dann kann dir ein qualvoller Tod durch ersticken bevorstehen. Halte stets deine Arme oben. Viel zu viele Menschen nehmen die Hände runter, wenn sie sich gerade auf einen Schlag oder Tritt konzentrieren. Die Deckung muss oben bleiben. Also, deine Hand muss immer etwa 20 Zentimeter vor dir auf Halshöhe gehalten werden, um gefährliche Angriffe, die den vorderen Arm passiert haben, doch noch abzustoppen bzw. zu bremsen.
Halte beide Schultern auf gleicher Höhe. Die meisten Menschen stehen seitlich zum Gegner, das heißt dass sie ihren Gegner nur mit der vorderen Hand treffen können. Oder aber sie müssen ihren ganzen Körper weit herumdrehen, so dass ihr Kontrahent schon lange weiß, was sie vorhaben, noch bevor der Schlag kommt. Wenn du schlägst, dann aus der Kraft deiner Trizeps und deiner vorderen Schultern. Wer aus der Drehung des Rumpfes schlägt, der ist zu langsam. Erfahrene Kämpfer werden immer auf die Bewegung der Schultern achten, allerdings sollte man es dem Gegner auch nicht zu einfach machen, indem nur eine Schulter vorne ist. Die Schultern sollten immer parallel gehalten werden.

Lass das vordere Bein unbelastet. Jeder kaltblütige, erfahrene Schläger wird, sobald er sieht dass oben deine Deckung steht, als erstes einen Angriff auf dein vorderes Knie starten. Wenn dein Gewicht dabei auch nur zu einem Drittel auf dem vorderen Bein ruht, dann hast du dich hoffentlich mit genug Lesestoff eingedeckt, denn die Tage im Krankenhaus können sehr lange werden. Das Gewicht gehört immer auf das hintere Bein. Das vordere Bein berührt zwar den Boden, um dein Gewicht zu unterstützen, wird aber nicht belastet. Es dient vor allem zum Schutz vor Angriffen auf deine Genitalien, und natürlich auch zu Angriffen auf das gegnerische Knie, jedoch nur in Gleichzeitigkeit mit dem Angriff der Hände.


Gehe immer nur vorwärts, weiche keinesfalls zurück. Dies gilt natürlich NUR für den unbewaffneten Zweikampf und ich meine auch nur Zweikampf. Sobald du gezwungen bist gegen mehrere Gegner zu kämpfen, ist deine einzige Chance in Bewegung zu bleiben, wozu zwangsläufig auch der Rückzug gehört. Obwohl Seitwärtsbewegungen sicher auch vorzuziehen sind. Am Anfang, vor dem Kampf, solltest du durch zurückgehen und eine Defensivhaltung klar machen, dass du keinen Kampf willst. Vor allem gegenüber Zeugen musst du eine klare Ansage machen. Jedoch hört das auf, sobald der Kampf losgeht. Wenn der Kampf begonnen hat, darfst du keinesfalls zurückgehen. Der Gegner wird damit rechnen, dass du zurückgehst, wenn er plötzlich einen aggressiven Vorstoß startet. Dementsprechend wird er auch seine Schlagweite darauf einstellen, dich dann noch zu treffen. Gehst du jedoch immer vor, stehst du "in" einem völlig überraschten Gegner und kannst ihn nach Herzenslust auseinandernehmen. Auch aus psychologischer Sicht ist es keinesfalls sinnvoll, nach hinten zu gehen. Mit jedem Schritt den du zurückweichst, fühlt sich dein Gegner stärker und du schwächer. Nicht zu vergessen das Risiko, dass du leicht fallen kannst. Außerdem kann sich der Gegner viel schneller vorwärtsbewegen, als du rückwärts.

Sparring!

 

Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem viele Menschen, allem voran Frauen, aber auch die meisten Männer, Probleme bekommen. Die vorherrschende Meinung der meisten Anwender asiatischer Kampfkünste ist nämlich, dass man zwar gerne trainiert, aber keinesfalls echte Schläge einstecken möchte, wie dies beispielsweise beim Boxen der Fall wäre. Leider muss ich dir sagen, dass du um das Sparring nicht herum kommst, wenn du wirklich in der Lage sein willst, dich zu verteidigen. Es geht hierbei auch nicht um das Training irgendwelcher Techniken! Die hier gelernten Fähigkeiten dürftest du in einem Trainingskampf sowieso keinesfalls anwenden! Es geht einfach nur darum im Kampf Schläge einzustecken und auch auszuteilen. Es fällt vielen ambitionierten Draufgängern schwer ihren "Stolz" zu vergessen und sich kräftig vermöbeln zu lassen. Aber dieser Narzissmus bringt dich nicht weiter. Nur so wirst du wachsen können.
Der Grund liegt darin, dass ein echter Schlag eine vollkommen andere Sache ist, als sich viele das aus der Theorie vorstellen. Ein einziger Treffer zum Kopf oder in das Gesicht kann mörderisch sein. Besonders Frauen sind anfangs völlig überrascht und überfordert, wenn sie feststellen, wie unglaublich hart Männer zuschlagen können. Aber auch Männer müssen erleben, dass all das was in der Theorie um im Kopf Kino zuvor so gut funktionierte, plötzlich nicht mehr viel Wert hat, wenn man sich der realen Gewalt eines echten Angriffs gegenüber sieht.


Ich verstehe, dass man die Kopfschmerzen, das Risiko kleinerer Verletzungen und andere mögliche Folgen des Sparring-Trainings vermeiden möchte. Leider ist es so, dass egal wie gut du die hier beschriebenen Techniken lernst, und egal wie hart du trainiert hast, wenn du nicht schon einige Male an einem Sparring teilgenommen hast, wirst du im realen Kampf überfordert sein. Hierbei spielt vor allem die physische Komponente eine große Rolle. Man muss erst lernen, verteidigungsbereit zu bleiben, auch wenn man bereits ein oder zwei Treffer zum Kopf hinnehmen musste. Man muss wissen, wie sich ein Schlag in das Gesicht anfühlt, damit man sich im ersten Kampf nicht unbekannten Erfahrungen stellen muss. Du solltest wenigstens schon ein paar Mal gefühlt haben, was beim Schlagen und getroffen werden passiert. Der zweite Grund, warum du unbedingt Sparren musst, ist der Umgang mit der Angst.

Dieses Thema hatte ich bereits angesprochen. Sparren ist eine Methode, das hier erklärte Phänomen real zu verarbeiten. Natürlich wirst du einen Trainingskampf nicht so intensiv erleben, aber du bekommst zumindest einen Eindruck. Je mehr Erfahrungen du im Vorfeld machst, desto stärker wirst du mental und bist besser vorbereitet.

Kommentare:

  1. Danke für diesen Beitrag!! Uneingeschränkte Zustimmung. Hinzufügen mochte ich 2 Leseempfehlungen: 2 Bücher von Geoff Thompson, zum Einen das Buch "Die Tür" und "Die Angst" als weiteres.
    Noch etwas zum Kopfkino bei Angriffen. Sehr oft stellt sich der angegriffenen die Frage warum gerade er das Opfer ist, welche Gründe dafür vorliegen. Und während man sich das fragt und noch versucht zu verhandeln oder den Grund dafür zu erfahren, hat man schon auf die Fresse bekommen.
    Es ist völlig gleichgültig, warum. WEHR DICH.

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  2. Sehr interessant, danke für die Tipps!

    Ergänzende Frage: was hälst du von "Schlagverstärkern" wie z.B. Kubotan, oder einfach ein Handy, oder dergleichen?

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  4. Mich würde ja noch interessieren wie man sich gegen jemanden wehrt der größer ist als man selbst. Und mit größer meine ich mindestens einen Kopf größer.

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  5. Dieser Artikel ist klasse geschrieben und ich kann ihn nur bestätigen. Als Ordner in einem Club (früher) kenne ich solche Situationen. Das mit dem Handballenstoss ist eine sehr gute Empfehlung, ich selbst habe mir bei einem Faustschlag den Daumenknöchel angebrochen, zwar erst stunden später bemerkt aber dann richtig. Auch die Technik mit den schnellen harten schlägen kann ich nur bestätigen, ich habe auf diese Weise einmal, nach der Ankündigung vom Gegner er werde mir jetzt mal was beibringen, als erster hart und kompromisslos viele Schläge ausgeführt und ihn so letztendlich innerhalb von Sekunden besiegt, zu erwähnen wäre noch ich kannte ihn, er war Kreismeister im Bankdrücken, wahrscheinlich hatte ich soviel Angst das ich zuerst zuschlug.

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