Freitag, 25. Juli 2014

Schattenwirtschaft 3: Auf dem Marktplatz

Der Schwarzmarkt als Ort an dem schwarz, also ohne Registrierung und Besteuerung, gehandelt wird.
Wie er sich organisiert und worauf sie achten sollten um in Krisenzeiten dort tätig zu sein.




Der Marktplatz
Ein physischer Austausch von Waren macht einen Platz notwendig, wo dies geschehen kann. In Krisenzeiten ist auf etwas wie einen Onlinehandel, sollte das Internet noch existieren, kein Verlass.
Oft bilden sich solche Marktplätze von alleine, indem man einfach dort hin geht, weil einer den ich kenne jemanden kennt, der gehört hat, dass es da was gibt.

Solche organisch entstandenen Schwarzmärkte sind ein Gewusel aus Menschen und es ist niemanden auf dem ersten Blick klar, wo welche Waren angeboten werden. Wenn man hindurch streift, dann wird geflüstert, wer etwas anzubieten hat. Nur nicht offen Dinge anbieten, es lauert Gefahr von Seiten der Polizei.

Diese Märkte sind aber beschissen. Wir wollen etwas anderes.


Schwarzmarkt in Syrien

Die lukrativeren Schwarzmärkte sind jene, bei denen ein Handel offen stattfinden kann. Das beschleunigt nicht nur den Ablauf selbst und macht es einfacher Verkäufer und Käufer zusammen finden zu lassen, es hat auch eine gewisse Transparenz und erlaubt dem Käufer sich vorher umzusehen.

Diese Art von Schwarzmarkt setzt voraus, dass die Polizei keine direkte Gefahr mehr darstellt. Zu diesem Faktor später mehr. Man kann keine Warenmengen dort hin bringen, wo man ständig auf der Hut sein muss.

Als erstes braucht man einen geeigneten Ort der sich als Marktplatz eignet.
Hier ein Beispiel anhand eines fiktiven Stadtplans.

Ein Markt könnte sich beispielsweise einfach entlang eines Straßenzuges aufbauen, was allerdings das Problem mit sich bringt, dass es im Zweifelsfall nur zwei Ein- und Ausgänge gibt. Blockiert die Polizei, oder sonst eine räuberhafte Gruppierung, diese beiden Zufahrten, wird es problematisch.
Besser geeignet sind freie Flächen, welche nicht eingeriegelt sind.

Auf dem Plan sehen wir ein Kleingartengebiet, Straßenbahnlinien, Supermärkte und Hinterhöfe.

Hinterhöfe fallen als Austragungsort eines Schwarzmarktes aus. Straßenhändler welche einen Kunden gefunden haben lassen die Übergabe, sofern sie das Gefühl haben beobachtet zu werden, allerdings unbeobachtet in Hinterhöfen oder Treppenhäuser geschehen.

Straßenbahnlinien könnten, sofern noch Straßenbahnen fahren, Käufer bringen. Früher war die Eisenbahn zu Zeiten des Scharzmarktes eine wichtige Verbindung zwischen den Produzenten gefragter Güter auf dem Land und Käufern aus der Stadt. Auch wenn Straßenbahnen nicht mehr fahren sollten, so dienen die Linien als Orientierungsmittel.

Supermärkte können noch etwas im Sortiment führen oder bereits geschlossen sein. Güter könnten von hier ihren Weg auf den Schwarzmarkt finden. Sind die Supermärkte bereits geschlossen und leergeräumt, so könnte sich der Kundenparkplatz immer noch als Marktplatz anbieten.

Die Kleingartenanlagen bieten sich, sollten sie noch nicht genutzt werden um dort Essen anzubauen, ebenfalls als Marktplatz an.

Es gibt genug Straßenecken an denen Wachposten die Zufahrtswege überblicken können.


Angebot und Nachfrage an Waren

We threw away things people kill each other for now.  - The Book of Eli

Je nach Krise kann die Nachfrage etwas variieren. Ist aber der Punkt erreicht, an dem es bereits offene Schwarzmärkte gibt, kann man davon ausgehen, dass einfach alles knapp sein wird.

In letzterem Fall werden die Lebenserhaltenden Dinge wie Lebensmittel, Kleidung, Heizmittel und Medikamente eine hohe Nachfrage haben. Ist der Strom weg gibt es Nachts kein Licht mehr. Taschenlampen, Kerzen und Batterien werden nachgefragt. Gibt es "soziale Unruhen", also die Habenichtse wollen mit Gewalt von den Habenden umverteilen, dann werden Waffen und andere Dinge zur Aufrechterhaltung der Sicherheit nachgefragt. Verbrauchsgegenstände wie bspw. Socken, Schuhwerk und Werkzeug werden auch gefragt sein.

Schwarzmarkt in Syrien: Ein Händler bietet an seinem Stand Pistolen an. Ein Gefühl von Bazaar kommt auf.

Es kann auch sein dass ganz unspektakuläre Dinge nachgefragt werden, auf denen eine hohe Steuer liegt. Bei einer Mehrwertsteuer von mittlerweile 19%, fast einem fünftel des Produktpreises, kann sich auch ein Schwarzmarkt entwickeln.


Organisation

Wer selbst Käufer auf dem Schwarzmarkt ist, der soll sich für diesen Fall extra von mir einen Einweghandschuh zurecht legen, diesen mit Kies befüllen und sich selbst um die Ohren hauen. Der hätte es nämlich besser wissen sollen.
Der Schwarzmarkt ist als Käufer in Krisenzeiten nicht zuverlässig. Die Qualität der Waren ist nicht sicher und dabei hätte man diese Waren selbst bereits einlagern können. Lebensmittel dort zu kaufen ist zu riskant, genauso wie Medikamente zu riskant sind. Dinge könnten einfach gestreckt sein. Das Brot kann innen nur aus Sägespänen bestehen und das Penicillin bis zur Wirkungslosigkeit verwässert sein.

Als Verkäufer ist man schon besser dran. Wer bereits eine Untergrundwirtschaft am Laufen hat welche Dinge produziert, der kann hier profitieren. Als Verkäufer sollte man aber auch nicht alleine sein, aus Gründen der Sicherheit. Der Verkäufer hat auch ein Interesse am Schutz seiner Kunden.
Reputation ist wichtig. Wer gestreckte Medikamente verkauft, der hat es vielleicht irgendwann mit einem Lynchmob zu tun, die durch das Panschen einen geliebten Menschen verloren haben.



Zahlungsmittel

Generell gilt, dass alles ein Zahlungsmittel ist, was der Verkäufer im Tausch für seine Ware akzeptiert. Ausländisches Papiergeld, andere Waren, Dienstleistungen. Klassiker sind Zigaretten und Alkohol.


Mit Gold und Silber kommt man auf dem Schwarzmarkt nicht weiter. Erstens ist kein Produkt auf dem Schwarzmarkt das eigene Gold und Silber wert, da man sich selbst damit eingedeckt haben könnte. Zweitens nimmt kaum ein Händler Gold und Silber als Zahlungsmittel an. Es macht für ihn keinen wirklichen Sinn. Auch bei aller geschäftsmännischen Finesse ist ein Schwarzmarkthändler kein Edelmetall-Experte. Er kann nicht sicher gehen von welchem Wert das Material ist und wie er es selbst wieder nutzen kann. Es selbst wieder zu Geld zu machen, oder gegen für ihn nützliche Waren einzutauschen, bedeutet nur mehr Aufwand.

https://www.youtube.com/watch?v=XxumsOQMxLE

Das Magazin VICE hat illegale Waffenhändler und Endverbraucher in Libanon getroffen. Einer der Waffenhändler sagte, manch einer verkaufe den Goldschmuck seiner Frau, um dafür Waffen zu kaufen. Im Nachbarland Syrien ist weiterhin das inflationierende Papiergeld der Regierung Standardzahlungsmittel, auch auf dem Schwarzmarkt. Es kommt darauf an, ob es noch aktive Wirtschaftsräume gibt, auf denen dieses Geld etwas wert ist.

Eventuell werden Menschen sogar in Patronen, Schrauben und Kronkorken bezahlen. Kupfer hat auch Potential sich in Münzform als Währung zu etablieren. Schrauben und Muttern sowie kleine Ersatzteile für Motoren und Maschinen herzustellen ist ein hoher technischer Aufwand. Gibt es keine Produktion mehr, sind Ersatzteile rar. Was Ersatzteile angeht, so gibt es die Daumenregel, dass alles was jemals von der Armee verwendet wurde, Ersatzteile für 100 Jahre hat.



Sicherheit

Die Abwesenheit von Gesetzen bedeutet nicht automatisch die Abwesenheit von Sicherheit. Der Schwarzhändler, sofern er ein Profi ist und kein schmieriger Abzocker, hat ein Interesse an der Sicherheit seiner Kunden und natürlich an der Sicherheit von seinem Business. Orte die gefährlich sind werden irgendwann nicht mehr von Kunden aufgesucht.

Der Underground Economist kann für Sicherheit sorgen, indem er bspw. Wachen aufstellt, die vor Polizei warnen und potentielle Diebe abschrecken. Werden Schwarzmärkte organisiert, so werden sich Organisatoren wahrscheinlich um Sicherheit kümmern, wofür sie von den Händlern etwas verlangen werden.

Kreuzen die Bullen auf, dann werden sie tun, was sie jetzt schon machen. Opferlose Verbrechen verfolgen und allen auf den Sack gehen. Dem Bullen auf dem Bild von einer Schwarzmarktrazzia, dem sie wahrscheinlich gerade erst das Hakenkreuz vom Tschako entfernt haben, hat offenbar erfolgreich einen Schwarzmarkthandel verhindert, indem er das die Allgemeinheit gefährdende Tauschobjekt in Form einer Flasche Wein gefunden hat. Ein nicht versteuerter Tausch wurde gerade noch verhindert.

Um sich als Schwarzmarkthändler gegen die Polizei zu schützen gibt es ein paar Möglichkeiten. Die simpelste und am wenigsten Erfolgversprechende ist natürlich Notwehr unter Einsatz von Gewalt. Das kann von Kindern gehen, die aus oberen Stockwerken Steine auf Polizeiautos schmeißen, bis zu Schiessereien. Im Nachkriegsberlin sind erst wieder Schusswaffen an Polizisten ausgegeben worden, als ein Polizist von einem Schwarzhändler erschossen wurde. In Brasilien ist es üblich, dass Kinder als Wachposten Pyrotechnik als Warnsignale zünden, wenn Polizei anrückt.

Die mehr Erfolg versprechende Methode ist die Korrumpierung der Polizei. Bei einem Allgemeinen Mangel werden auch Polizisten darunter leiden, was sie Anfällig macht für Bestechung. Sollte man diese Methode wählen, dann gibt es ein paar Dinge zu beachten.
Ist der Polizist offen für Korruption, dann wird er von einem Schwarzhändler eine Genehmigung verlangen, was im Grunde nur ein Stück Papier mit ein paar Scheinen darin ist. Ist er nicht offen dafür, so ist man besser daran zu verhandeln. Hierbei sollte man sich größer machen als man tatsächlich ist, ein paar Handlanger auf seiner Seite haben und die Verhandlungen auch Abseits des Geschehens führen. Eine Kleingartenlaube bspw. ist für so etwas besser geeignet, wo die Szene nicht jeder mitbekommt. Zudem sollte man sich vielleicht absichern gegenüber der Polizei, indem man bspw. Fälle von Korruption Dokumentiert. Das kann die Annahme von Bestechungsgeld sein, der Konsum von Drogen durch den Polizisten oder sonst was. Wollen die korrupten Bullen dann mehr Bestechungsgeld sehen, so lässt man ihnen kompromittierende Bilder zukommen. Man selbst sollte immer eine Person des Vertrauens haben, die eine Kopie dieses Bildmaterials besitzt und veröffentlichen bzw. weiterleiten kann, sollte der Schwarzhändler selbst in Haft behalten werden oder ähnliches. Im günstigsten Fall lässt sich das Material auch später in Friedenszeiten nutzen, indem man korrupte Polizeibeamte erpresst. Schon heute lässt sich die Polizei von Kriminellen einschüchtern, die einfach raus gefunden haben, wo der Polizist wohnt. Diese Polizisten rühren diese Kriminellen dann meist nicht mehr an.



Aus der Reihe ,,Schattenwirtschaft":
Schattenwirtschaft Teil 1
Schattenwirtschaft Teil 2

Siehe auch:
Post Collapse Economy: Neustart
Wie sinnvoll ist Gold und Silber zur Krisenvorsorge?
Edelmetallpreise fallen
Post Collapse Zahlungsmittel


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