Sonntag, 17. August 2014

Die Unterschätzung und die Verfügbarkeit alter Schusswaffen

Die Unterschätzung und die Verfügbarkeit alter Schusswaffen für Krisenzeiten



Gelegentlich sieht man in Videoaufnahmen und auf Bildern aus Krisengebieten geradezu antik wirkende Waffen aus dem zweiten Weltkrieg oder sogar noch älter. Oft stehen diese Waffen nur herum da es an dem benötigten Kaliber mangelt oder man sie nicht bedienen kann.




Womit Kriege geführt werden

Im September 2010 erschien auf dem "at War" Blog der New York Times ein Artikel über die Bewaffnung der Taliban. "What's inside a Taliban Gunlocker?" offenbarte einen Einblick in den teilweisen Zustand und das Alter der Waffen, mit denen die Taliban den modernen Streitkräften der ISAF das Leben schwer machten. Über 50 Jahre alte und verrostete AK-47 Sturmgewehre genauso wie ein fast 100 Jahre altes, notorisch für die Region, britisches Enfield Gewehr.

Dennoch wären selbst diese Waffen mit etwas Pflege wieder in einen guten und zuverlässigen Zustand zu bringen.
 
Die Erscheinung der Bewaffnung der somalischen Piraten welche beim BKA gelagert werden ist ähnlich, alle Waffen können aber immer noch schießen. Es ist fast immer das gleiche Bild, egal in welchem Konflikt in der dritten Welt. Empfindliche Visiereinrichtungen und Zielfernrohre sind nach zwei Jahr meistens verbraucht, Holzschäfte splittern und brechen, Flugrost setzt sich an und es verrostet gerade die beweglichen Teile, wie Klappschaft und Sicherungshebel. Waffen sind heute zwangsläufig Verbrauchsgegenstände und keine kostbaren Familienerbstücke mehr. Pflege, Sachwissen und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, oder die Fähigkeiten und Mittel diese selbst anzufertigen, bestimmen darüber, wie schnell die Waffe verbraucht wird.


Ordonanzwaffen

Am weitesten verbreitet sind Ordonanzwaffen welche für Regierungsarmeen produziert wurden. Im Ernstfall werden sich seltene Sammlerwaffen und exotische Sonderanfertigungen nicht lange halten wenn es am passenden Kaliber oder Ersatzteilen fehlt, oder nur einen Nischenplatz einnehmen der im großen Ganzen eine untergeordnete Rolle spielt.

Ich habe Aufnahmen aus Syrien gesehen auf denen ein MG34 zu sehen war, welches ohne Gurt oder Trommel nur herumstand und aus Mangel an Material und Wissen nicht genutzt werden konnte. Eine wertvolle militärische Ressource wie ein leichtes Maschinengewehr kann nicht genutzt werden, wenn es an Dingen fehlt, die jetzt noch Kleinigkeiten sind.


Handbücher für solche Handfeuerwaffen sind heute noch virtuell und kostenlos zu erhalten. Später einmal, sollte eventuell der Luxus des Internets nicht mehr existieren, ist ein Handbuch etwas sehr wertvolles. 

Bild: Auch im Arsenal des Rentners Kurt Alfred N. ,,Pulver Kurt'' aus Rheinland-Pfalz fand sich das MG34

Nur weil einmal eine Waffe für die Armee gebaut wurde bedeutet das nicht, dass sie dort auch bleibt.


Waffensammler

Es gibt selbst in Deutschland und Österreich jede Menge cooler alter Leute die Waffen bunkern wie ein Hamster seine Körner. Der Inhalt ihrer Arsenale und Waffenlager wird in Krisenzeiten die entscheidenden ersten Monate bestimmen in denen Machtverhältnisse neu geordnet werden.
Enthusiastische Waffensammler, die es mit dem Gesetz nicht so genau nehmen, können ein wertvoller Asset in der eigenen Krisenvorbereitung sein. Vorausgesetzt natürlich alle halten ihre Schnauze.



Kastrierte Waffen

Dekowaffen sind Original-Waffen welche nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz unbrauchbar gemacht wurden. Dies bedeutet der Abzugsmechanismus wurde deaktiviert, Lauf sechsfach zum Kaliber groß gebohrt, ein Stahlstift im vorderen Drittel, Patronenlager verschweißt und solche Sachen.

Ein Sammler für historische Uniformen antwortete auf meine Frage, ob er denn auch historische Waffen in Form von deaktivierten Original-Waffen sammeln würde, dass diese "kastrierten Waffen" nie über 100 Euro kosten sollten und er dies nicht tue. Unter echten Sammlern ist die Praxis Waffen zu "deaktivieren" verpönt, weil es eine Verschwendung und absichtliche Zerstörung von Geschichte und Technik ist. Ich bin übrigens der selben Meinung.

Trotzdem steigen die Preise für solche Dekowaffen und ich teile dieselbe Einschätzung wie viele andere Leute, die hier keinen spontanen Ausbruch von Sammlerwut sehen.

Das Innenleben einer Waffe und gerade der Lauf können mit einer halbwegs anständigen Werkstatt und einer Drehbank schnell wieder hergestellt werden. Man kann sogar Stahlstangen aus welchen der Lauf entstehen soll nach Maß kaufen. Kauft man im Grunde nur die Hülle für das Innenleben einer Waffe, so spart man sich zumindest die Zeitintensive Fräsarbeit und das Blechprägeverfahren für die äußeren Teile.

Staatsnahe Institutionen wie der öffentlich-rechtliche WDR und die Gewerkschaft der Polizei haben in den letzten Jahren damit angefangen, gegen den Besitz von Dekowaffen Stimmung zu machen und wider der Wahrheit falsche Versionen von der Leichtigkeit der Wiederherstellung solcher Dekowaffen verbreitet. Auch wenn GdP und Staatsfunk wieder einmal durch Amateueraussagen und Tatsachenverzerrung auffallen, so bleibt das Recyceln gerade für Krisenzeiten eine Option, wenn nicht sogar die einzige Möglichkeit.


Alte Waffen modernisieren

Der technologische Stand der meisten Sammlerwaffen und Sportwaffen in Deutschland liegt unter dem moderner Kriegswaffen. Wenn man in einer Krisensituation mit ruchlosen Autoritäten, Amok laufenden Deserteuren oder Plünderern mit erbeuteten Polizei- und Armeewaffen konfrontiert ist, so ist man in Sachen Feuerkraft unterlegen. Deswegen ist es ratsam, dass man sich vorher darüber Gedanken macht, wie man veraltetes Gerät möglichst Aufwerten kann. Bspw. können für die weit verbreiteten K98 Karabiner die schweren Holzschäfte durch Synthetische Schäfte ersetzt werden, Leuchtkimme und Leuchtkorn die Zieloptik aufwerten. Grabenmagazine erhöhen die Magazinkapazität von fünf auf 25 Schuss und können auch für Waffen im Kaliber .308 wie andere weit verbreitete K98 Varianten oder die spanische FR-8 genutzt werden.

Das G43 ist ebenfalls beliebt bei Waffensammlern, wie auch Pulver Kurt. Zudem wird die Waffe in Deutschland von Sport-Systeme Dittrich wieder gebaut. Magazine für diese Waffe sind aber sehr teuer, weshalb viele Nutzer sich lieber günstigere Magazine für das MG13 beschaffen, welche zudem eine viel höhere Kapazität fassen. Diese Magazine müssen dafür leicht umgearbeitet werden.




Kommentare:

  1. Dem stimme ich durchaus zu, wenn ich auch nicht ganz zustimmen kann bei der Bewertung der Feuerkraft, denn alleine wenn man in der Lage ist 1.000 Schuss/min. raus zu bringen bedeutet das nicht, daß mein Gegenüber mit "nur" 500 Schuss/min. nicht doch der Sieger wird.

    Es existieren im Netz Zeichnungen zur englischen "Sten MK II", einer äußerst einfachen, aber trotzdem recht zuverlässigen Maschinenpistole im Kaliber 9x19 (9mm Para).
    Diese MP kann man durchaus mit einer halbwegs tauglichen Hobby-Werkstatt bauen.
    Die Magazine und selbst Deko-Waffen aus original WKII-Waffen (Lauf verschweißt/verbohrt, Verschluß abgeschliffen, aber sonst VOLL funktionsfähig) kann man davon noch erhalten.
    Die Laufherstellung, besonders das Einbringen der Zäge ist zwar etwas tricky, aber auch hierzu gibt Tante Google und Youtube unter "barrel rifling" oder "cut rifling" gerne Auskunft.

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    1. 9mm Teile sind bei Lauf und Verschluss gerade so noch ok. Gewehre fänd ich wg hoher Drücke nicht empfehlenswert-

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  2. Also da sehe ich kein Problem.
    Ob nun 2.800bar oder 3.500bar ist nicht das Problem.
    Wandstärken kann man problemlos berechnen und wenn man eine Vorlage hat muß man nicht mal rechnen.
    Kein Mensch mir ein wenig Metaller-Gehirn wird hier einfache Baustähle nehmen.
    Vorvergütete Stähle (wie sie auch von Sig, H&K, S&W genommen werden) kann man als Halbzeug problemlos kaufen.

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  3. Basteleien aus Tschetschenien : http://englishrussia.com/2007/06/04/chechen-self-made-weapons/ +f, Beispiele...
    Fürs "Rohr" nimmste was für Hochdruck-Hydraulik, rechneste Deinen Durchmesser in Zoll (3/8 oder 1/2) und kaufste im Baumarkt...

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  4. Gott, was für´n gräßlicher Murks aus Tschetschenien.
    Rohre für Hochdruck-Hydraulik reichen da bei weitem nicht aus.
    Bei um die 3000bar wird das ´ne Bombe und keine Schusswaffe.
    Für ´ne Flinte (Schrot) könnte das aber gehen...ICH würde es trotzdem nicht versuchen.

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  5. Jajaa - Ästhetik-motz +Treffgenauigkeit-igitt, +3kbar-blabla..
    1. HABEN die Dinger funktioniert + 2. möcht ich sowas nicht von vorne sehen + 3. gehn die 3kbar Gasdruck tlw seitlich vorbei.
    +Grüßles...

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    1. Dummes Gesülze!
      Die 2600-2800bar sind im Lauf gemessen, mit allem Blowby, dem zurückweichned Verschluß usw.

      Und die dort gezeigten Gruselteile sind sicher nicht mit Hydraulikrohr aus´m Baumarkt gebaut worden.

      Bevor Du hier Lebensgefährliche Tips gibst, die jeder Grundlage entbehren...einfach mal die Fresse halten!

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    2. Es gibt Fotos im Internet von Gesichtern nach Durchgang eines Verschlusses. Und das mit Gewehren eines renommierten Herstellers.
      Wenn überhaupt würde ich allenfalls an 22lr und Masseverschluss basteln, aber wirklich niemals an 223 rem oder gar 308 Win Waffen.

      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass post collapse Munition das Problem sein wird und nicht Waffen

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  6. 1. Hochdruck-Hydraulik..., +eben die sehe ich samt Verschraubung auf diesen Bildern, 2. frag die damit "beschäftigt" gewesenen Russen, 3. gehts nicht um 223 oder 308, sondern wohl um KK bis zur 9mm Para, +evtl Schrot,
    -das Argument Munitionsbeschaffung ist richtig :
    Nimmst soone Bastelei, +beschaffste Waffe+Muni .. vom Feind.

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  7. Das am weitesten entwickelte Gewehr, das zur Zeit noch ohne Registrierung ab 18 Jahre gekauft werden kann, ist das Sharps in den alten einschüssigen Perkussionsausführungen.

    Es sind bereits Hinterlader mit Fallblockverschluss und tauglich für Mineè Geschosse.

    Zum Fallblockverschluss. Durch das Abklappen des Unterhebels wird der Lauf freigegeben, sodass im Gegensatz zu Vorderladern ein Laden auch im Liegen erfolgen kann.

    Dies ist ein wichtiger taktischer Vorteil, der neben dem Minee Geschossen die Kriegführung revolutionierte und zum ersten Mal im US Bürgerkrieg deutlich wurde.

    Zum Minee Geschoss. Im Krimkrieg trafen die alte Waffentechnologie mit simpler Rundkugel und glattem Lauf der russischen Truppen auf die neuen mineetauglichen Gewehre der westlich/türkischen Koalition. Dies entschied den Krieg zugunsten der Koalition.
    Grund: Während die alten Rundkugel/Glattlaufwaffen maximal auf 70 Meter wirksam waren, waren die neuen Waffen mit gezogenem Lauf und Mineegeschoss bis 800 Meter tödlich.

    Grund: Durch eine halbkugelförmige Aussparung am Geschossende wurde das Geschoss mit Führungsringen durch den Gasdruck an die Laufwandung gepresst, nutzte die Energie der Treibladung damit völlig aus und konnte durch Züge und Felder in einen stabilisierenden Drall versetzt werden.

    Fazit: Sharps Gewehre sind wirksame und weitreichende Waffen, selbst in den freien Ausführungen.

    Das 45er Civilian Modell kann zur Not auch die Derringer Liegi 44er Kugeln per Schusspflaster verschiessen.
    http://www.frankonia.de/Sharps+Carbine+Civilian+Model/Davide+Pedersoli/Ansicht.html?Artikelnummer=161813&lastSelected=f_s_kaliber&f_s_kaliber=.45&navCategoryId=7360

    Die Waffe kann auch mit Ladehülse ohne Stossboden geschossen werden

    Mit Kugelzange mit der sich zur Not aus Autoakku-Blei Kugeln giessen lassen die mit Abstand beste freie Lösung für eine SHTF Waffe

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    1. Eine ganze Menge Unwahrheiten in diesm Beitrag:
      Mit einer Sharps ohne Stoßboden machst du mit der Verwendung einer Ladehülse genau einen Schuss.
      Danach bist du ca. einen halben Tag lang damit beschäftigt, um die verklemmte Ladehülse wieder aus dem System raus zu bekommen. Viel Spaß dabei.
      Also entweder Ladehülse UND Stoßboden, oder Papierpatrone ohne Stoßboden. Alles andere ist Quatsch.
      Bei der Verwendung von Akkublei in eine Waffe sieht es ähnlich aus: Es ist nämlich viel zu hart und macht den gezogenen Lauf kaputt. Es sei denn, man verwendet überaus dicke Schusspflaster, aber dann könnte man genauso gut Stahlkugeln aus einem Kugellager vewenden.
      Ideal wäre eine Härte von hb4, was genau der Härte von Druckerblei entspricht. Man kann aber auch Wuchtblei von Kfz-Auswuchtgewichten verwenden oder Altblei aus Luftgewehrkugeln vom Schießstand. Das hat ebenfalls die richtige Härte 4.
      Dachdeckerblei hingegen ist viel zu weich und verschmiert den Lauf.

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    2. Die Info mit dem Stossboden hab ich von diesem Anbieter:
      http://egun.de/market/item.php?id=5361155
      Er meint, dass die Pedersoli Modelle keinen benötigen.
      Kannst Du mir Infos zu Deiner Version geben. Möglichst auch Bezugsquellen für passende Stossböden für die Pedersoli..
      Ausprobiert hab ichs ohnehin noch nicht, von daher danke für den Hinweis. Musste erst meinen Pulverschein machen. Hab ich seit zwei Wochen.

      Mit Akkublei/Schrotflinte haben bei uns die Russen zu DDR Zeiten gewildert. Aber ok, klingt logisch wenn es zu hart ist. THX

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    3. Schau mal, das mit der Hülseneignung für die Pedersoli Sharps Sporting schreibt auch Frankonia:
      http://www.frankonia.de/Sharps+Modell+1863+%22Sporting%22/Davide+Pedersoli/Ansicht.html?Artikelnummer=98255&lsn=RECOMM_ENG_ADS_KUNDEN

      Hier allerdings für die 54er. Ich hab die 45er

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