Donnerstag, 28. August 2014

Krieger

Welche Typen von Menschen formen Kriegergesellschaften und schließen sich in Kriegshaufen zusammen? Überraschende Einblicke in die Geschichte.


Wenn eine Gesellschaft zu ihrer eigenen Sicherheit ein Militär braucht, was für Leute werden rekrutiert und was bedeutet dies für die Sicherheitslage in einer Post Collapse Situation?

Militärs rekrutieren gezielt junge, ledige Männer ab siebzehn Jahren. Ab siebzehn Jahren kann man der US Army sowie der Bundeswehr beitreten, braucht allerdings ein elterliches Einverständnis.
Sie sind die brauchbarste Ressource für eine Armee. Verheiratete Männer die eine Familie zu versorgen haben stürzen sich in der Regel nicht in irgendwelche militärischen Abenteuer. Dies würde zudem die Gemeinschaft belasten, sollte er dabei umkommen und seine Familie nicht mehr versorgen können. Sesshaftigkeit ist zudem eine Einschränkung.


Jungen Männern wird beim Eintritt in Spezialeinheiten nahe gelegt, ihre Beziehungen zur Partnerin zu beenden sowie sich auf eine allgemeine Entfremdung vom sozialen Umfeld einzustellen. Auch viele Beziehungen gewöhnlicher Soldaten halten Auslandseinsätzen und langes Fernbleiben von der Partnerin nicht lange stand.

Das Militär will Männer die komplett für das Kriegshandwerk leben.


Warband
Bei vielen germanischen Stämmen waren die überzähligen, nicht erbberechtigten Söhne in Kriegergesellschaften organisiert. Diese Männerbünde waren streng von der restlichen Gesellschaft getrennt und von einer Aura des Geheimnisvollen umgeben. Aus ihren Reihen kamen die gefürchteten Krieger, die sich in Wolfs- oder Bärenfelle gekleidet mit Hilfe schamaistischer Riten in reißende Tiere verwandelten. Normalerweise lebten diese Kriegerbünde von der Jagd und vom Raub und waren bei jedem Kriegszug als erste dabei. Der Umgang mit Frauen war nicht nur untersagt, sondern fast alles, was damit zu tun hatte wurde als weibisch und unkriegerisch verachtet. - Kriegsreisende.de

Bis in Europa der Ritterstand aufkam waren zur Verteidigung des jeweiligen Gebietes die freien Männer mit Landbesitz in Milizen organisiert. Diese besaßen ihre eigenen Waffen, trainierten aber nur sporadisch. Eines der größten Probleme war hierbei, dass sie nicht einsetzbar waren über größere Entfernungen und längere Zeit. In dieser Zeit würde die Arbeit zuhause liegen bleiben und die Ernte auf den Feldern vergammeln. Harald Godwinson, letzter angelsächsischer König von England, hatte 1066 genau dieses Problem mit seiner Armee.







Ernst Röhm - „Ich bin noch heute Soldat und nur Soldat“

Geboren in eine bayerische Beamtenfamilie trat Röhm 1906, gleich nach seinem Abitur, der bayerischen Armee bei. Später schrieb er in seinen Memoiren, dass es seit Kindertagen sein Wunsch gewesen sei, Soldat zu werden. Im ersten Weltkrieg wurde er dreimal verwundet, meldete sich aber immer wieder rasch zurück an die Front. Bei seiner ersten Verwundung wurde ihm sein Nasenbein weggeschossen. Der Versuch, die Verletzung durch plastische Chirurgie zu retuschieren, gelang nur unvollständig und das Nasenbei konnte nicht wieder hergestellt werden. Während des Rückzuges erwies er sich als äußert geschickter Organisator.

Nach seinem Ausscheiden aus der Armee 1919 trat er dem Freikorps "Ritter von Epp" bei und war beteiligt an der Niederschlagung der kommunistischen Aufstandsbewegung in Bayern im selben Jahr. Mitte des Jahres wurde das Korps in die Bayerische 7. Division der Reichswehr eingegliedert, wo er zusammen mit anderen rechtsgerichteten Offizieren die Gesellschaft "Eiserne Faust" gründete. Noch im selben Jahr wurde er zudem Mitglied der Deutschen Arbeiterpartei.

Ab 1924 zog er sich aus dem politischen Leben größten Teils zurück, arbeitete Zeitweise als Buchhändler und Vertreter. Im Zivilleben fand er sich absolut nicht zurecht. Er veröffentlichte in diesen Jahren auch seine Autobiografie mit dem Titel "Die Geschichte eines Hochverräters".

1929 ging er auf Empfehlung von General Hans Kundt nach Bolivien, wo er zusammen mit diesem als Militärberater für die bolivianische Armee arbeitete. Von dort aus schrieb er Briefe nach Deutschland, in denen er sein Leben in Bolivien beschreibt und den Mangel an Toleranz gegenüber seiner Homosexualität in der Deutschen Gesellschaft beklagt. Einige dieser Briefe fielen der Presse in die Hände, wurden publiziert und vom Großteil der deutschen Bevölkerung als skandalös empfunden. Nach der Niederlage Boliviens gegen Paraguay verließen beide das Land.

Später leitete er als Waffenreferent der Reichswehr in Bayern schwarze Operationen, welche es sich zur Aufgabe machte nach der offiziellen Auflösung der Einwohnerwehren Waffen vor den alliierten Kontrolleuren zu verstecken. Ein Netzwerk von geheimen Waffenlagern brachte Röhm den Titel "Maschinengewehrkönig von Bayern" ein. Die Reichswehr wusste vom doppelten Spiel Röhms und den Freikorps.

Ernst Röhm setzte seine Berufung Soldat zu sein über alles andere. Er führte keine festen Beziehungen, umgab sich aber mit einer Homosexuellenclique. Von Zeitzeugen wurde er beschrieben als engstirniger, einfach gestrickter Abenteurer und typischer Freibeuter Charakter.


John Boyd - Ein Kampfpilot der die Kriegsführung veränderte

Colonel John Richard Boyd ist wohl eine der bedeutendsten und gleichzeitig am wenigsten bekanntesten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Er war nicht nur ein überragender Kampfpilot, er war auch ein ausgezeichneter Militärtheoretiker und Stratege. Nachdem die ersten Zahlen über die Abschussquoten der F-4 Kampfflugzeuge im Vietnamkrieg bekannt wurden, ein Verhältnis von eins zu vier, gründete er auf reine Eigeninitiative hin die Fighter Mafia, einen Expertenkreis der neue Konzepte für Kampfflugzeuge erarbeitete. Die Zulieferer und Vertragspartner des Militärs hatten der US Airforce mit dem F-4 ein absolut untaugliches Flugzeug verkauft, welches nicht mal über Bordkanonen bzw. Maschinengewehre verfügte. Man war der Ansicht, dass Raketen im Luftkampf überwiegen würden, was viele amerikanische Piloten mit ihrem Leben bezahlt haben. Mit seinem Team aus Designern entwarf Boyd dann das F-15 Kampfflugzeug, welches bis heute kein einziges mal von einem anderen Flugzeug abgeschossen wurde, sowie das A-10 Schlachtflugzeug, was im Grunde um eine Kanone in der Größte eines Kleinbusses gebaut ist.

Er begründete die U.S. Navy Fighter Weapons School, auch "Top gun" genannt. Er war ein so hervorragender Pilot, dass er jeden anderen Piloten zu einer Wette herausfordern konnte. Diese besagte, dass jeder in einem Flugzeug hinter dem seinen Fliegen konnte, in Abschussposition, und er sie trotzdem vorher abschießen würde. Er verlor nie diese Wette und brauchte für einen eigenen Abschuss, natürlich nur simuliert, nie mehr als 40 Sekunden. 

Der "Mad Mayor" Boyd legte sich mit vielen hochrangigen Militärs im Pentagon an, aufgrund deren Beschaffungspraxis für Militärgerät. Dies ging soweit, dass Generäle, welche im Ruhestand einen gut bezahlten Beraterposten in der Rüstungsindustrie haben wollten, Tests manipulierten um untaugliches Kriegsgerät durchzuwinken.

Boyd lies sich nie befördern. Seine Familie hat ihn sein Leben lang gehasst, da er seine Berufung über ihre Bedürfnisse stellte und einen sehr spartanischen Lebensstil führte, wofür er auch spöttisch der "Ghetto Colonel" genannt wurde.

Der inspirierte andere in seinem Umfeld dazu, ebenfalls die Entscheidungen des Pentagons kritisch zu hinterfragen, was am Ende viele Leben amerikanischer Soldaten gerettet hat.


Krieger
Von 100 Männern sollten zehn gar nicht hier sein, 80 sind nur Zielscheiben, neun sind echte Kämpfer, und wir haben großes Glück, sie auf unserer Seite zu wissen, weil sie es sind, die die Schlacht austragen. Nur einer aber ist ein Krieger, und er ist es, der die anderen sicher nach Hause bringt. - Heraklit von Ephesos
Die meisten Menschen sind wie Schafe und das meine ich nicht einmal so abwertend, wie es vielleicht klingt. Sie sind unschuldige, zahme, produktive Kreaturen die sich gegenseitig höchstens aus versehen verletzen können. Es gibt auch Wölfe die Schafe reißen. Und dann gibt es die Wachhunde, die Schäferhunde, welche um die Herde kreisen. Sie sehen dem Wolf recht ähnlich. Die Schafe mögen die Schäferhunde nicht sonderlich, denn sie sind laut, aggressiv, schnell und sie machen ihnen Angst. Manche denken auch, der Hund muss weg, denn er schränkt sie ein. Aber sobald der Wolf auftaucht, da versammeln sich alle Schäfchen hinter dem Schäferhund und hoffen, dass er doch stärker, schneller und brutaler ist als der Wolf.

Kriegerpoeten
Diese Krieger, diese Schäferhunde, brauchten immer einen Ethos, einen Kodex, etwas Höheres als sie selbst, das ihnen eine moralische Bedeutung gibt. Denn ohne einen Kodex wären sie nur wie der Wolf und würden sich durch Gewalt an den Schafen bedienen.


Hooligans
Ob in Ägypten, der Ukraine oder sonst wo, wo Revolutionen stattfinden: Hooligans sind ganz vorne mit dabei. Wer eine Revolution machen will, der braucht hierfür Ganoven und Schläger, keine Facebook Kids und verklemmte Intellektuelle. Wo es knallt sind Männer gesucht die sich gerne dort hin begeben, die eine Konfrontation suchen. Die dorthin gehen wollen und das tun wollen, wovor andere Angst haben. Hooligan Gruppen sind etwas Komplexeres als einfach nur Raufbolde. In der Regel sind sie gut organisiert, gute Kämpfer sind es sowieso und eine Feindaufklärung, die teilweise bis in die Behörden reicht, gibt es auch. Es ist eine moderne, urbane Warband, es sind moderne Kriegergesellschaften.


Kindersoldaten
Die Todesrate von jungen Männern ist sechsmal höher als die von Frauen, nur durch Gewalt und Unfälle. Junge Männer halten sich für unverwundbar und verhalten sich oft, im wahrsten Sinne des Wortes, waghalsig. Dieses Verhalten ist hormonell bedingt und daher macht es ja gerade solchen Spaß. 

Wir kennen Kindersoldaten hauptsächlich aus Afrika, wo sie alle nur Entführungsopfer sind die man zum kämpfen zwingt. Doch das ist in der Regel nicht der Fall. In der Regel melden sich Jungs im Teenageralter freiwillig für den Krieg und viele Rituale, von denen einige noch heute erhalten sind, markieren im Alter von um die vierzehn Jahre, ab wann ein Junge in der Gesellschaft zum Mann wird. In der jüdischen Religion liest ein Junge mit vierzehn Jahren zum ersten Mal aus der Tora, im europäischen Mittelalter begleitete ein Knappe ab vierzehn Jahren seinen Herren in die Schlacht.
Teenager gehören mit zu den besten Kämpfern, denn sie haben noch keinen so stark ausgeprägten Selbsterhaltungstrieb. Es ist ihnen egal was passieren kann. Egal ob es der Knappe vor 500 Jahren war, der Hitlerjunge der mit der Panzerfaust Panzer gesprengt hat, oder der iranische Junge auf diesem Bild.

Es ist was Jungs immer getan haben. Die Idee, dass sie doch eher in die Schule gehören, ist total neu in der Geschichte und beschränkt auf einen kleinen Teil der Menschheit.



Kommentare:

  1. Sehr interessanter Artikel. Aus so einer Sicht wird heutzutage nur noch selten in den Medien berichtet.

    Das Gegenteil ist der Fall.

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  2. In ihrem Artikel über John Boyd haben sich kleine Fehler eingeschlichen. Die F15 flog nie in Vietnam da diese erst 1974 in den Dienst gestellt wurde. Das Flugzeug ohne Bordkanone war die McDonnell F4 Phantom II die neben der Northrop F-5 in Vietnam eingesetzt wurde. Die schlechte Abschussquote hatte aber die F5. Ab der Vision E wurde bei der F4 eine 20mm M61 Vulcain Gatling Kanone in die Verlängerte Nase nachgerüstet. Eine israelische F16 wurde 1982 von einer syrischen MIG abgeschossen.
    lg
    Christian

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  3. Es gibt wohl einen grundlegenden Unterschied zwischen Krieger und Soldat:
    Der Soldat befolgt Befehle, greift jene an, die anzugreifen ihm befohlen wird.
    Der Krieger kämpft aus freiem Willen, um das seinige zu schützen.

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    1. Das eine macht das andere nicht moralisch höherwertiger. Das was du da sagst, das dient nur deiner eigenen Anästhesie.

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