Montag, 25. August 2014

Psychologie: Töten in einem Kampf


Jeder Mensch hat eine instinktive Hemmung davor, seine eigenen Artgenossen zu töten. Kämpfe in der Vergangenheit zwischen Menschen ähnelten sehr dem Kampfverhalten von Tieren, welche um Territorium und Paarungsanspruch kämpfen. Diese Tiere versuchen nicht sich gegenseitig zu töten und kämpfen anders miteinander, als wie sie gegen Beute- oder Raubtiere kämpfen.



Die Schlachten der Antike und des Mittelalters waren in ihren Kampfhandlungen weniger blutig, als Menschen es sich heute vorstellen. Das eigentliche Töten fand meistens erst dann statt, wenn der Kampfeswillen der einen Armee gebrochen war, diese sich in Auflösung befand und die andere Armee sie auf der Flucht niedermachte. Es war für Menschen immer sehr schwierig von Angesicht zu Angesicht zu töten. Schlachten waren eher die Ausnahme im Mittealter, unblutige Belagerungen überwiegten.

Menschen haben aber auch einen Jagdinstinkt, der sie dazu bringt Tiere zu erlegen und als Nahrung zu verwerten. Das Gefühl dabei, sein erstes Tier erlegt zu haben, ist etwas Euphorisches. Es bedeutet Nahrung zu haben für sich und den Stamm. Doch dann tritt ein Gefühl der Empathie mit dem getöteten Tier ein. Viele Völker haben diese Gefühlsphase ritualisiert und haben ihr in der Vergangenheit religiöse Bedeutung gegeben.

Genauso haben sich Rituale um den Krieg, um das Töten entwickelt. Sie sollen den Soldaten dabei helfen, die Tat vor sich selbst Rechtfertigen zu können, da viele von ihnen sonst letztendlich nicht funktionieren werden. Von den über 27.000 Musketen die auf dem Schlachtfeld von Gettysburg gefunden wurden, waren über 24.000 geladen und nicht abgefeuert worden. Viele Musketen hatten sogar mehrere Kugeln im Lauf, da sie nur immer wieder geladen, aber nicht abgefeuert wurden. Eine Muskete wurde mit 24 Kugeln im Lauf gefunden.


Killerinstinkte wecken und Hemmungen abbauen
Eine uralte Methode den eigenen Soldaten das töten des Feindes zu erleichtern ist den Feind zu entmenschlichen. Früher wurde das dadurch gemacht, den Feind zum Barbaren zu erklären. In der Neuzeit spielt Rassismus hier eine wichtige Rolle. Während des zweiten Weltkriegs gab es eine Umfrage von Army Psychologen unter den Soldaten mit Fragen wie "würden sie folgender Aussage zustimmen: Ich würde gerne einen Japaner töten.", wobei immer um die 38 bis 48% der Soldaten zustimmten, verglichen mit nur 5 bis 9% wenn die Frage mit Deutschen gestellt wurde. Siehe hierfür The GI War Against Japan Seite 218.

In seinem Buch Men Against Fire: The Problem of Battle Command beschreibt der Militärhistoriker Samuel Marshall, dass weniger als ein Viertel der Soldaten im zweiten Weltkrieg ihre Waffen gezielt auf den Feind abgefeuert haben, mit der Absicht diesen zu treffen. Die meisten schossen absichtlich daneben. Die Polizeibehörden hatten lange Zeit das gleiche Problem.

Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts begann das Human Resources Research Office der US Army damit, die traditionellen Zielscheiben für das Übungsschießen zu ersetzen mit Schützenscheiben, also aufklappenden Zielscheiben in einer menschlichen Silhouette. Wenn ein richtiges Training stattfindet, dann wird auf plötzlich auftauchende Ziele in menschlicher Silhouette immer wieder geschossen, bis die Handlung selbst ein Reflex wird und in das Muskelgedächtnis übergeht. In Deutschland ist das benutzen solcher Zielscheiben für Privatpersonen verboten.

Ebenso wird durch moderne Unterhaltungsmittel Gewalt zu einem Vergnügen gemacht. Männer haben hormonell bedingt den Hang dazu gerne zu kämpfen. Viele Soldaten nach einem Krieg fangen an diesen Krieg zu vermissen. Gerade in einer Gruppe sinkt der Selbsterhaltungstrieb junger Männer herab. Die Sterberate für junge Männer ist um die sechs mal höher als die gleichaltriger Frauen. Viele Todesursachen sind Unfälle bei waghalsigen Unternehmungen.
Ebenso sinkt das Empfinden etwas Schlechtes zu tun innerhalb der Gruppe.





Siehe auch in der Reihe Killologie :

Mein Feind
Das Töten lernen
Der Horror



Kommentare:

  1. Ich glaube das die Entmenschlichung des Menschen noch nie so weit ausgeprägt war wie in der heutigen Zeit, da alles nur noch eine Frage der ökonomischen Nutzbarkeit darstellt. (Stichwort: Humane Ressourcen). Das macht Krisenvorsorge natürlich zu einer besonderen Herausforderung, dazu zählt soziale Hygiene, Datenschutz feste und krisensichere soziale Beziehungen und so weiter....

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    1. Früher war es schlimmer. Menschen denken immer nur alles wird schlechter und schlechter, aber das stimmt nicht. Und im Vergleich waren bspw. unter den europäischen Nationen die prozentuelle Zahl der Menschen die durch Gewalt umgekommen sind viel geringer als bei amerikanischen Ureinwohnern.

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  2. Schlimmer? Na ja - eher ist es gleich schlimm geblieben. Womöglich hat einmal eine Bewusstseinssteigerung eingesetzt zum rationalen Menschen, doch mittlerweile ist eine starke Rückentwicklung zu beobachten. Viele Menschen vermissen heute nicht weniger als eine ganze Existenz, als ihre existenzielle Freiheit, auch wenn sie nicht direkt mit ihrer Hinrichtung bedroht werden. Das ist schon an der äußersten Schmerzgrenze.

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  3. Nachtrag: Nimmt man die technologischen Möglichkeiten (äußeren Entwicklungen) als einen Maßstab, sind die Verhältnisse heute fürwahr noch sehr viel unzeitgemässer und deshalb schrecklicher als zu den allermeisten früheren Zeitpunkten in der menschlichen Geschichte, möchte ich sagen. Relativ gesehen ist das so.
    Wir leben heute noch sehr weit in der Vergangenheit, sind in der Gegenwart nicht angekommen (im kollektiven Durchschnitt des Bewusstseins.) Auf der einen Seite ultrascharfe 4k-Fernseher, die nahezu die Wirklichkeit verblassen lassen und auf der anderen Seite Stammesdenken in den Jobcentern (und eine bestenfalls mythische Ordnung in der Politik) - da geht ein solcher Riß zwischen diesen Dingen hindurch, dass der Wahnsinn brüllt und tobt!

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  4. Jepp. So habe ich das bei dem Maler Wolfgang Willrich gelesen, der Portraits von russischen wie deutschen Soldaten im Feld (WK I) zeichnete und die Hemmungen vieler deutscher Soldaten beschrieb.

    Rassismus ermöglicht nicht nur, er hemmt auch. Das ist auch der Grund, warum so viele Nazis an Putins Kimme nuckeln, weil die Leute glauben, der würde irgendwie sein Land reinhalten (was nicht stimmt).

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