Sonntag, 7. September 2014

Kapitulieren

Warum Armeen kapitulieren und warum dies die bessere Entscheidung für sie sein kann
 

Am Morgen des 9. April 1865 erreichten die Unionstruppen von Philip Sheridan den Bahnhof Appomattox Station und erbeuteten Züge voller Versorgungsgüter des Feindes. Die Rebellen waren jetzt eingeschlossen. Die Truppen von General Robert E. Lee waren in einer Aussichtslosen Situation eingekesselt. Als Kundschafter ihm die Lage mitteilten informierte Lee seinen Stab: ,,Dann gibt es nichts mehr das ich tun kann außer General Grant zu treffen. Und ich würde lieber tausend Tode sterben.''

Einer von Lees Stabsoffizieren entgegnete, die Armee der Konföderation solle sich verteilen, Guerrillaeinheiten bilden und die Yankee Bastarde aus Hügeln und Wäldern heraus bekämpfen. Aber General Lee verwarf diese Idee ausdrücklich. Auch wenn es ein Albtraumszenario von Lincoln und anderen Führungsfiguren der Union war, dass die Armee im Süden in einen asymmethrischen Krieg verwickelt werden könnte, da genau solche Konflikte in Missouri und Kansas erst zum Bürgerkrieg geführt hatten. Lee entgegnete, er werde diese ehrenhaften Männer der Armee der Konföderation nicht zu Banditen machen, die plündern und rauben müssten nur um etwas zu essen zu haben, während sie von Gesetzeshütern wie gemeine Kriminelle gejagt und gehängt werden würden. Außerdem sei er selbst schon zu alt um Bushwhacking zu gehen.

Eine Kapitulation sah Lee als die beste Option, auch für ein Nachkriegsamerika. Ein Guerrillakrieg im Süden würde eine Besatzung der Unionstruppen nach sich ziehen, welche zu extremen Maßnahmen und Kollektivbestrafungen gegen die Bevölkerung greifen würden. General Sherman und Sheridan hatten bereits demonstriert, dass die Union zu einem gnadenlosen Durchgreifen entschlossen war. Im Jahr zuvor hatten Unionstruppen Atlanta niedergebrannt, im Februar des Folgejahres brannte Columbia nieder, auch wenn letzteres unabsichtlich in Brand geraten war. Eine Fortsetzung der Kampfhandlungen würde Generationen des Hasses nach sich ziehen und das Land für Jahrhunderte spalten.

Der Offizier, der gegenüber Lee geäußert hatte den Kampf irregulär fortsetzen zu wollen, schrieb später: "General Lee konnte die Dinge von einer Ebene erklären die ich bisher nicht zu erreichen vermochte".

Zwei Jahre später befand sich Edward Johnson, ein eher unbekannter General der Konföderation der bis zu seiner Verwundung und Ablösung durch Lee im aktiven Dienst war, auf einer Dampferfahrt auf dem Mississippi. Der Wiederaufbau war gerade so angelaufen und ein sehr viel jüngerer Offizier in der Gesellschaft der Passagiere empörte sich über das Vorgehen des Nordens während des Krieges und dass der Süden ja gar nicht wirklich besiegt worden wäre und der Süden wird wieder kommen und so weiter. Johnson entgegnete dem jungen Mann dann damit, dass ER ganz sicher besiegt wurde.




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