Montag, 22. September 2014

Taktik: Die Schützengruppe

Grundlegendes über die Taktik kleiner Einheiten




Sieht man sich Videoaufnahmen diverser Rebellengruppen in Krisengebieten an, so fällt neben ihrer amateurhaften Art zu kämpfen auch auf, dass es in ihren Einheiten keine Struktur oder Aufgabenteilung gibt. Kommt es dann hart auf hart sind Einheiten nur sehr begrenzt handlungsfähig und brechen schnell zusammen. Hier also ein paar Grundlagen über den Aufbau und die Taktik kleiner Einheiten anhand von Beispielen.


Verfügbarkeit von Material und vorherrschende Situation
Wie eine Post Collapse Survivalist Community eine Schützengruppe aufstellt hängt von ihren Möglichkeiten ab. Sind bspw. keine Funkgeräte vorhanden, so muss man zur Kommunikation nicht nur Hand- und Lichtzeichen einplanen, sondern auch Meldegänger verfügbar halten. Sind keine Maschinengewehre verfügbar, so muss die Einheit ihre Taktik danach ausrichten.

Auftragslage
Was wird die Aufgabe der Einheit sein? Muss sie einen Rückzugsraum sichern und patrouillieren, oder sind ihre Aufgaben offensiver Art? Soll die Einheit blocken oder ist sie ein Stoßtruppunternehmen? Gerade mit begrenzten Ressourcen wäre es angebracht Aufgaben und Prioritäten vorher durchzuplanen.


Die Schützengruppe:
Die Schützengruppe wie sie im US Army Field Manual 3-21.8 beschrieben wird besteht aus einem Truppführer, in der Regel ein Offizier, dem zwei Feuerteams mit jeweils vier Mann unterstehen. Jedes Feuerteam wird befehligt von einem Unteroffizier im Rang eines Feldwebel oder Obergefreiten. Jeder Mann in dieser Einheit hat eine bestimmte Aufgabe.


Der Squadleader
Der Squadleader befehligt seine Feuerteams und muss daher immer den Überblick über die Situation wahren. Wenn er auf den Feind schießt, dann macht er seine Arbeit nicht. Er muss zudem in der Lage sein mit seinen Feuerteams über Funk zu kommunizieren, wenn das nicht möglich ist über Handzeichen, Lichtsignale oder Meldegänger.


Feuerteamleiter
Der Feuerteamleiter führt das Team nach dem "Tut einfach was ich auch tue"-Prinzip. Er muss trotzdem einen gewissen Überblick bewahren können und in der Lage sein mit dem Squadleader zu kommunizieren.


Maschinengewehrschütze
Das leichte oder mittlere Maschinengewehr ist das eigentliche Herzstück der Schützengruppe und das Squad ist um dieses taktische Element herum aufgebaut. Die Anforderungen an den Schützen sind relativ hoch. Er muss sowohl körperlich in der Lage sein die schwere Waffe zu transportieren als auch seine Schutzausrüstung. Ist Schützausrüstung auch nur begrenzt verfügbar, so sollte der MG-Schütze Vorrang bei der Vergabe haben. Ein Feind wird versuchen das für ihn gefährliche Maschinengewehr schnell auszuschalten und sein Feuer darauf verlegen. Es ist auch, selbst als leichtes MG, weniger mobil und kann schnell ausgemacht werden.


Die Aufgabe des MG-Schützen ist Sperrfeuer zu geben, Unterdrückungsfeuer, Feuerschutz und das Sichern. Sperrfeuer bedeutet den Feind aus Bereichen auf dem Gefechtsfeld auszusperren, so das dieser Raum nicht mehr betreten kann ohne unter Beschuss zu geraten. Unterdrückungsfeuer dagegen soll den Feind in seiner eigenen Stellung festnageln und es dem eigenen Team so ermöglich, sich dieser zu nähern. Feuerschutz ist das gezielte Schiessen auf den Feind um ihn direkt zu bekämpfen oder zu zwingen sich eine Deckung zu suchen, in welcher er dann festgesetzt werden kann. Der MG-Schütze ist aber nicht die Speerspitze der Einheit und hält sich nach Möglichkeit im Hintergrund, von wo aus er sichern kann. Je nach der zur Verfügung stehenden Technik kann der MG-Schütze größtenteils alleine operieren oder benötigt Unterstützung durch einen Ladeschützen.


Grenadier
Der Grenadier ist ausgestattet mit einem Gewehrgranatgerät und soll damit Feinde welche in Deckung liegen bekämpfen können. Armeen der ersten Welt haben den leichten Granatwerfer komplett ersetzt durch Gewehrgranatgeräte. In der Regel verwendet man hier Granatwerfer, die unter einem Sturmgewehr angebracht werden. Länder mit älteren Arsenalen oder irreguläre Truppen verwenden aber noch Gewehrgranaten die auf ein Gewehrgranatgerät aufgeschoben oder mittels eines Schiessbechers abgefeuert werden. Gewehrgranatgeräte sieht man heute noch recht häufig bei Waffen jugoslawischer Bauart. Rebellengruppen fertigen dabei auch eigene Granatwerfer an.

Aus Der totale Widerstand

Schütze
Jeder Soldat ist als erstes ein Gewehrschütze. Die Aufgabe des einfachen Gewehrschützen in dem Feuerteam sind zu spähen, Meldegänge, den MG-Schützen zu unterstützen und zu verhindern, dass das MG flankiert wird. Wie viele man letztendlich von ihnen mitnimmt hängt von der Auftragslage und den eigenen Ressourcen ab.


Unterstützungseinheiten:

Panzerabwehr
Soldaten mit Panzerabwehrwaffen zählen zu den Unterstützungseinheiten. Sie können in das Squad eingegliedert werden oder als selbstständiger Unterstützungstrupp oder Team operieren. Gelegentlich wird in einem Squad auch die Rolle des Grenadiers einem Soldaten mit Raketenwerfer wie einer RPG übertragen. Unterschiedliche Munition für Raketenwerfer macht hier einen breiteren Aufgabenbereich möglich. Im Kampf gegen Fahrzeuge werden Hohladungsgeschosse verwendet, im Kampf gegen Infanterie und ihre befestigten Positionen kommen Splittergranaten, Brandgeschosse oder thermobarische Geschosse zum Einsatz.
Vermutlich eine iranische Al-Quds Einheit in Syrien: Auf der RPG-7 ist ein thermobarischer Sprengkopf angebracht.


Designated Marksman
Der Designated Marksman im Squad ist kein Scharfschütze, verfügt aber über ein Präzisionsgewehr bzw. ein Gewehr mit Zieloptik. Dies kann eine Waffe sein wie sie auch das übrige Squad verwendet, dies kann eine Waffe mit größerem Kaliber sein. Aufgabe des Marksman ist es Einzelziele zu bekämpfen wie feindliche MG-Schützen, Offiziere und Scharfschützen. Alles was höher ist als das einfache Kanonenfutter.


Sanitäter
Der Medic ist in der Regel nicht einem Squad fest zugeteilt, sondern soll mobil sein um immer schnell dort hin zu können wo er gebraucht wird. Seine Aufgabe wird so damit erleichtert, dass jeder Soldat selbst Verbandszeug bei sich trägt und der Medic somit weniger zu tragen hat.
Nach dem Genfer Abkommen sind markierte, unbewaffnete Sanitäter als Angehörige der Armee ohne Kampfauftrag geschützt. Tragen sie eine Waffe ist das ein Missbrauch ihrer Kennzeichnung, wenn vorhanden, und theoretisch ein Kriegsverbrechen. Als ob Krieg selbst nicht das Verbrechen wäre. Für PC Situationen dürfte das ganze wenig bedeutend sein.


Schwere Waffen
Züge mit schweren Waffen zählen alle als Unterstützungseinheiten. Also schwere MGs auf Lafetten, leichte und schwere Mörser, Flammenwerfer und so weiter.




Siehe auch:
Wie man eine Miliz organisiert
Die Killologie Reihe auf diesem Blog
Das US Army Feldhandbuch FM 3 21-8 Infantry Rifle Platoon and Squad
Kampforientierte Fitness
The Small Unit Tactics Smartbook
Die Unterschätzung und die Verfügbarkeit alter Schusswaffen


Kommentare:

  1. Der Kommandant einer Gruppe ist ein niedriger Unteroffizier, der Trupp (hier als Feuerteam bezeichnet) wird von einem höheren Mannschaftsdienstgrad geführt. Der Zug(3-5 Gruppen) wird, je nach Nation und Verfügbarkeit, von einem hohen Unteroffizier oder einem Subalteroffizier ( Leutnant oder Oberleutnant) geführt.

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  2. Die zentrale Rolle des MG Schützen innerhalb der Gruppe ist letztlich Wehrmachtsdoktrien und für Situationen richtig, in der ein MG zur Verfügung steht und die anderen Gewehre Repetierer, 7,62x51 Nato Kaliber (G3, M14) oder Halbautomaten sind.

    Ihre Grenze findet diese Taktik da, wo eine solche Gruppe mit Mittelpatronenwaffen (AK47 oder moderne 223Rem AR`s)konfrontiert wird, da bei solchen Gegnern quasi jeder ein (s)MG Schütze ist und wie in Vietnam das Feuer zunächst auf das MG konzentriert wird.

    Den Kugelhagel haben nur selten die US MG Schützen überlebt und was blieb war das sporadische Feuer der M14.

    Wer diese Krise der Nato Gewehre vs AK 47 genauer nachlesen möchte:
    C.J.Shivers "The Gun"

    Die beste Adaption der Mittelpatronenwaffen ist übrigens die Steyr AUG mit ihrem schnellen Wechsel der Läufe.
    Leider ist diese Funktion bei den zivilen Varianten (Z3) kastriert und nur sehr schwer wieder in Gang zu setzen.

    Aber sie erlaubt Variationen, die bei den AKs nur mit 2 Waffen realisiert werden können.

    Für den Survival Situationen sind allerdings AK und deren Derivate als realistisch anzusehen.

    Offene Grenzen und das, was die Russen in den 90ern im Osten noch schnell vertickt haben sind schon eine wuchtige Basis.

    Für die Vorbereitung dürfte es nicht verkehrt sein sich als Jäger oder Sportschütze entsprechende Munition zu besorgen.

    Und wer schon mal die AK als Halbautomat legal kennenlernen will,sollte sich mit den bulgarischen "Arsenal Derivaten" anfreunden.
    Geschmiedete Verschlüsse und gefräste Gehäuse sind fast für die Ewigkeit.

    Interessant für Survival Taktiken sind imho auch die Bücher von Jeff Cooper und seinem Scout Konzept, also einer leichten, zuverlässigen aber dennoch starken 308 Win Repetierwaffe, die auf Erkundungsmissionen im Notfall Distanz herstellt.

    Da für Jäger oder Sportschützen mal die Steyr Scout anschauen. Mein einziges Problem dort ist, dass durch den dünnen Lauf kein Mündungsfeuerdämpfer möglich ist.

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    1. Deshalb verwenden das Squad pro Feuerteam auch einen Automatic Rifleman, was ein leichter MG-Schütze ist. Leichte MGs sind die mit den Mittelpatronen wie RPKs, SAWs und so. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass der Survivalist bzw. seine Gruppe sowas wie ausgebildete Offiziere zur Verfügung hat.

      Aber mehr dazu in Zukunft. Das sind wie gesagt nur die absoluten Basics.

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