Mittwoch, 3. September 2014

Über Hosen

Welche Hosen passen für mich in welcher Auftragslage?

Für den Anfänger sind Hosen einfach Hosen. Aber alle Hosen in einem Kontext mit einem Zweck entwickelt worden. Welche Kriterien sind für den Survivalisten in welcher Situation entscheidend?



Auftragslage

Welche Auftragslage hat der Survivalist? Ist sein Auftrag an Kampfhandlungen teilzunehmen, oder ist sein Auftrag das Scheunendach zu reparieren?


Arbeithosen

Es ist wahrscheinlicher, dass der Survivalist Arbeiten an seiner eigenen Behausung oder im Tausch für andere erledigen wird, als sich auf dem Schlachtfeld ins Getümmel zu stürzen. Für solche Aufgaben gibt es andere Anforderungen an Kleidung als an Felddienstuniformen. Welches Werkzeug verwende ich ständig? Wie trage ich es am besten bei mir? Welche Taschen brauche ich hierfür?

Meine Erfahrungen mit traditioneller Arbeitskleidung bei soetwas sind aber nicht sonderlich positiv. Zimmererhosen aus Deutschleder bspw. sind schwer, unbequem, nicht sonderlich praktisch und für ihren Nutzen völlig überteuert. Das Zeug ist outdated und wird hauptsächlich durch Gewohnheit und Tradition am Leben gehalten.

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es besser wäre sich bequeme Felddiensthosen zu kaufen und die nötigen Taschen für Dinge wie ein Metermaß selbst anzubringen, welche sich am besten mit einem Klettverschluss sichern lassen. Man kann sich aber auch einen Handwerkergürtel zulegen oder selbst basteln, womit die Anforderungen an eine Hose auf Dinge wie Kniepolster reduziert werden.

Eine für den Mechaniker interessante Linie sind hierbei auch die so genannten taktischen Hosen, welche über Magazintaschen für Pistolen verfügen in denen kleine Werkzeuge wie ein Multitool Platz finden. Einschubfächer an den Knien sind vorgesehen für Kniepolster, welche ebenfalls sehr praktisch sein können.


Freizeithosen

Es gibt ein großes Angebot an Freizeithosen wie Cargo Pants (engl.: cargo, deutsch: Frachtgut) und nachgemachten Feldhosen aus billigem Material. Ich hab als Teenager beim Airsoft oft nachgemachte BDUs getragen, die alle besser gehalten haben als die Sachen der Kids, die sich gebrauchte Sachen von der Bundeswehr gekauft haben. Für eine PC Situation ist das allerdings zu wenig und mittlerweile sehe ich bei einigen dieser Freizeithosen wie sich Löcher im Polyester bilden.

Cargo Hosen werden generell alle diese Freizeithosen oder Outdoorhosen genannt die über Beintaschen verfügen. Schnitt und Größe oder Anordnung dieser Taschen sind dabei völlig unterschiedlich.  Die Qualität kann genauso unterschiedlich sein.


Jagdkleidung

Das Zeug ist sau Teuer und bringt dir keinen Vorteil. Es verschleißt ziemlich schnell und ist eher fürs rumsitzen konzipiert worden als für Bewegung. Mehr hab ich dazu nicht zu sagen.


Felddiensthosen

Für den Laien sind das alles irgendwie Armee- oder Tarnhosen. Jede von ihnen ist allerdings im Kontext von Auftragslage, Klima und der restlichen Ausrüstung entwickelt worden.

Modernere Feldhosen verfügen in der Regel über zwei Einschubtaschen, zwei Gesäßtaschen und zwei Beintaschen. Es gibt aber einige Ausnahmen. Dieses Design hat nur relativ langsam durchgesetzt und die US Army bspw. führte erst ab dem Vietnamkrieg eine moderne Uniform ein. Die "Jungle Fatigues" lösten langsam die simplere OG-107 ab, welche eher für das Klima von Nordamerika und Europa designt war und über weniger Taschen verfügte. Bei verbesserten Ausführungen der neuen Uniformen waren zudem die Knöpfe verdeckt. Offene Knöpfe neigen dazu leichter abzureißen. Zudem sind Stellen an Knie, Gesäß und Ellenbogen doppelt vernäht.

Die französische F2 Feldhose bspw. verfügt über zwei Einschubtaschen sowie zwei Beintaschen mit Druckknöpfen und Gummibänder an den Hosenbeinen, womit die Hose auch kurz getragen werden kann und von alleine hält.

Gesäßtaschen sind eigentlich weniger wichtig, Beintaschen sind es dagegen umso mehr. In den Beintaschen wird leichtere Ausrüstung aufgehoben, wie Verbandspäckchen, Mückenschleier, Bindfaden/Paracord und Esbitkocher. Es macht hierbei natürlich Sinn, dass jeder in einer Gruppe sein Verbandszeug in der gleichen Tasche trägt, da der Medic bei einem Verwundeten so sofort weiß wo das Verbandszeug ist.

Schnitt einer russischen Kampfhose für Spezialeinheiten. Hier liegen die Beintaschen frontal auf den Oberschenkeln, etwas das für Kampfhosen eher unüblich und eher bei der Kleidung für Piloten und Fahrer zu sehen ist.


Das BDU Muster ist eines der am weitesten verbreiteten Muster für Armeeuniformen, vermutlich auch das am weitesten verbreitetste. Die Battle Dress Uniform wurde ab 1984 bei der US Army eingeführt und wurde auch an viele Verbündete Nationen geliefert. Die Hose verfügt über zwei Einschubtaschen, zwei Gesäßtaschen und zwei Beintaschen. Die Bundweite kann verstellt werden durch Metalschlaufen, was mich persönlich bei Flughafenkontrollen immer besonders angekotzt hat. Also nicht das Metal, sondern die Arschlöcher die einem auf den Sack gehen bei nutzlosen Sicherheitskontrollen nur um irgendwo unterzukommen, weil ihre hässlichen Fressen sonst keiner einstellen würde. Die Hosenbeinenden können mit einer Kordel zugezogen werden, die ich aber immer recht schnell entfernt habe. Militärhosen sind nicht gerade als Freizeithosen designt worden und normalerweise trägt der Soldat dauernd Stiefel.

Die meisten Freizeithosen sind in dem Muster designt. Alle Taschen und der Hosenlatz werden mit Knöpfen geschlossen, wobei die Knopfleisten alle verdeckt sind. Bei einigen Freizeitmodellen verfügt der Hosenlatz allerdings über einen Reisverschluss. Das Material ist je nach Model absolut unterschiedlich. Von billigem Polyester bis Anti-Infrarot und Anti-Insekten behandelte Baumwolle.

Die aktuelle Felddienstuniform der US Army ist die Army Combat Uniform kurz ACU. Sie verfügt über ganze acht Taschen und alle mit Klettverschluss. Die Bundweite wird durch eine Kordel im Bund angepasst. Die Beintaschen liegen nun etwas schräg auf und verfügen zusätzlich über Kordeln, zudem verfügen sie noch über eine Innentasche. Klettverschluss ist etwas praktischer als Knöpfe was das Öffnen angeht, ist aber nicht gerade geräuscharm. Ist eine sehr praktische Hose und klar ein Fortschritt zur alten BDU. Als Freizeithose ist sie sehr bequem und man muss sich keine Gedanken machen um den Klettverschluss. Dieser reduziert allerdings extrem das taktische Element, gerade in einer asymmetrischen Kriegslage, die wohl die Post Collapse Konflikte bestimmen werden. Ist generell auch ein Problem mit Munitions- und Ausrüstungstaschen der neueren Art.


Taktische Kleidung

Seitdem sich die Contractor Modeindustrie entwickelt hat gibt es einen ganzen Haufen tactical Hosen auf dem Markt, die alle die krassen Anforderungen bedienen sollen, die ein Contractor im Krisenherd so hat. Um sich in dem ganzen Angebot etwas zurecht zu finden gibt es die Seite The Tactical Pants Style Guide mit detaillierten Angaben nach Hersteller und Model. Das taktische Element ist für den Survivalisten hier ironischerweise ziemlich eingeschränkt. Die Hosen gibt es nur in matten Naturfarben, da der Contractor nicht zu martialisch aussehen will wenn er VIPs beschützt, können aber natürlich auch angemalt werden. Die meisten sind auch nicht behandelt gegen Infrarot und leuchten unter der Nachtsichtkamera wie ein Weihnachtsbaum. Die Vorteile zum verdeckten Tragen einer Waffe wie Magazintaschen für Pistolen sind auch komplett für die Katz, da man in Deutschland als Privatperson keine verdeckte Waffe tragen darf, wenn man nicht zu einem winzigen Kreis von Begünstigten gehört.
In Krisenzeiten damit auch irgendwie unauffällig und bewaffnet zu sein kann man sich komplett abschminken, da Sicherheitskräfte sofort taktische Kleidung erkennen und solche Personen überprüfen. Die Walther ist im Hosenbund einer alten Jeans die sagt "ich hab mich heute Morgen nicht geduscht" dann sogar noch besser aufgehoben, als in einer Hose die sagt "Yeah ich bin voll der tactical Pro und will das jedem zeigen!".
Sollte es zu Kampfhandlungen kommen, so hat solche eher einfarbige Kleidung gegenüber anderen Personen den Vorteil, nicht so einschüchternd und eher etwas ziviler zu wirken. Zumindest solange diese nicht bereits ein Rightwing Guns for hire Feindbild in ihrem Kopf haben, aber diese Leute sind dann sowieso egal.


Eigenbau und Modifikationen

Was nicht passt wird passend gemacht. Egal ob man sich eine Arbeitshose zusammen näht oder eine Kampfhose. Früher wurden noch Stellen an den Knien und Ellenbogen mit Leder übernäht, heute kann man dafür stabileren Stoff für Ausrüstungsgegenstände wie bspw. Cordura oder Nylon benutzen.

Wenn die Metalschlaufen im Bund der BDU Hosen stören, dann nimmt man eine Zange und entfernt diese. Sie werden dann ersetzt durch eine Plastikschlaufe und einen Klettverschluss.

Nähte reißen an kritischen Stellen zu leicht? Dann ersetzt sie mit besseren Fäden. Ich nehme hierfür Gütermann Polyesterfäden. Wenn die Hosenbeine zu lang sind, dann schlag sie um und mach sie kürzer.


Verbrauch


Hosen werden verbraucht wenn sie benutzt werden, das ist einfach so. Der Survivalist muss hier seine Balance finden zwischen Kostenaufwand, Nutzen, Material und Bequemlichkeit. Beispielsweise hält Moleskin Gewebe eine Ewigkeit, ist dafür aber recht schwer. Tropenuniformen sind generell leichter und bequemer, halten aber meistens nur halb so lange. Zudem sollte man sich darauf einstellen Dinge wie Kleidung selbst flicken, ausbessern und auch selbst herstellen zu können.





Kommentare:

  1. Gürtel: Neben den robusten und dauerhaften Armeekoppeln hat sich bei mir ein unauffälliger Jack Wolfskin Geldgürtel bewährt.
    Das Geld dort und Fake Geld/Kreditkarten im Billig- Brustbeutel kann einem den Tag retten.
    Auch Innentaschen am Bein bei Cargohosen mit flachem Messer/Kleintool sollte man sich schon jetzt etwa bei Reisen in Länder antun, in denen der Skalp eines Europäers einen gewissen Wert hat.
    (An den eigentlichen Kommentarschreiber: Ich kann Kommentare nicht editieren, nur freischalten. Entweder Du postest eben anonym, oder mit Nick. Dies ist eine Ausnahme.)

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    1. Das mit dem Geldgürtel finde ich grundsätzlich eine gute Idee, auch der Tipp, ein Messer oder sonst ein Tool mit sich rumzutragen. Ich habe IMMER ein Taschenmesser dabei, wirklich immer. Wenn das irgendwo nicht erlaubt ist, findet ihr mich dort auch nicht.
      Das ist aber ein Werkzeug und keine Waffe, oder habe ich das was missverstanden? Was willst du mit einem flachen Messer oder "Kleintool" machen, wenn dich irgendwelche Gangster, Rebellen, Guerilleros, etc. gefangen nehmen wollen?

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  2. Zum Gürtel: Ich habe ihn auch genannt, weil er sich mit einem Griff schnell verstellen lässt.

    Zum Messer:
    Ich hab mal aus beruflichen Gründen in etwas problematischen Ländern zu tun gehabt. Bei der Vorbereitungsschulung wurde auch auf Geiselnahmesituationen eingegangen.

    Dort wurde gesagt, dass bei Fesselungen meist Kabelbinder benutzt werden.

    Daraufhin habe ich mir eine Lösung ausgesucht, wie ich auch mit auf dem Rücken gefesselten Händen an ein Messer kommen kann und bin dann auf den Gedanken Innentasche mit Klettverschluss und diesem flachen Messer gekommen:

    Böker Plus Subcom Folder
    http://www.boker.de/taschenmesser/boeker-plus/innovative-taschenmesser/01BO589.html

    Wenn man intensiv durchsucht wird ist man natürlich gebissen. Ebenso, wenn man irgendwo unglücklich angebunden wird.
    Aber der Versuch ist nicht strafbar :)

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  3. Noch ein Sachse:

    Habe mir Latzhosen (Handwerker) gekauft.Qualität,Preis,viele Taschen und zivile Optik
    waren ausschlaggebend.Mit einigen kleinen Änderungen(Nähmaschine) perfekt . Waffe und Messer
    kann ich unauffällig führen.Im Winter sind die Nieren geschützt.Den üblichen Uniformgrößen bin ich leider entwachsen.Ergänzt habe ich das ganze mit einer
    gebrauchten Gorotex Jacke(Bundesgrenzschutz).Schriftzug wurde mit Stoff abgenäht
    In der zusätzlichen Tasche steckt ein Wasserbag .

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