Dienstag, 14. Oktober 2014

Insurgency: Der Protostaat


Das Protostaatskonstrukt der Insurgentenbewegung. Ein Beispiel anhand der Volksrepublik Donetsk.


Vor kurzem hat das Magazin VICE einen Report über die Volksrepublik Donetsk veröffentlicht, den von Russland gestützten Insurgentenstaat im Osten der Ukraine. Es ist im Grunde genau so abgelaufen wie ich mir gedacht habe und wie es die Strategie der Kommunisten bereits in anderen Konflikten war.


Russland hatte erst die Ukraine destabilisiert, da ihr Günstling Wiktor Janukowytsch immer eigenwilliger wurde. Er ging Verträge mit Royal Dutch Shell ein um in der Ukraine durch Fracking Schiefergas abzubauen, was den ineffizienten Gazprom nicht nur aus dem Geschäft geworfen hätte, sondern Russland auch sein Gas-Druckmittel gegenüber Europa genommen hätte. Dazu verpachtete die Ukraine 2013 100.000 Hektar Agrarland an die Volksrepublik China. Russland und China mögen zwar als sozialistische Staaten gemeinsame Sachen machen, doch Paranoia und gegenseitige Sabotage läuft unter allen tyrannischen Supermächten, auch wenn diese irgendwelche Hitler-Stalin Pakt ähnlichen Abkommen untereinander haben. In Russlands Ostprovinzen leben um die 90.000 Chinesen, vermutlich aber noch mehr. Die haben übrigens kein Recht auf ein Referendum oder sowas. Russland kann eine Einkreisung durch chinesischen Einfluss nicht erlauben. Janukowytsch ist wohl eher nach Russland entführt worden als geflohen, während es nur der russische Einfluss auf die Berkut Spezialpolizei gewesen sein kann, der deren Rückzug befahl um die Demonstranten auf dem Maidan Platz gewinnen zu lassen.

Das Magazin VICE lieferte im Ukrainekonflikt sehr viel Material, das einen sehr viel besseren Eindruck von der Situation am Boden vermitteln konnten, als die großen Nachrichtenagenturen, die sich trotz enormen Budget darauf beschränken, von anderen Agenturen Material zu übernehmen und abzuschreiben. Auch so in diesem Videobeitrag.

Die Stimmung vorerst in Donetsk war absolut typisch für den Ostblock. Ein paar alte Deppen, ihr Leben lang gedemütigt durch die sozialistische Regierung und psychologisch in die Unterwerfung geprügelt, sehnen sich zurück in die Zeit, in der sie unfrei waren aber irgendwie sicher zu sein glaubten, denn medizinische Versorgung und Bildung waren ja umsonst. Sie haben eine tribale, irrationale Loyalität zu Russland und ziehen alle jüngeren Menschen, die ohne viele der psychischen Schäden durch die damalige Staatsdoktrin aufwachsen konnten, mit zu sich runter und in das Verderben. Pack und Pöbel lässt sich leicht mobilisieren von emotional aufgeladenen Inhalten der sozialistischen Ideologie. Die Unterstützer der russischen Agenda sind ältere Menschen ohne Bildung, junge Arbeitslose und russisch stämmige Wehrbauern bzw. ihre Nachfahren aus der Sowjetzeit. Das ganze wird vermischt mit einer Pan-slawischen, nationalistischen, orthodoxen Hybrid-Ideologie, die Russland schon seit hunderten Jahren seinen Vasallenvölkern einflößt um sich als Beschützer aller Slawen anzubieten, genau wie sich ein Zuhälter einer Prostituierten als ihr Beschützer anbietet. Menschen die bereits psychologisch gebrochen sind und unter Minderwertigkeitskomplexen leiden springen auf so etwas an. Menschen wie mir ist so etwas unwürdig.


Die Unterminierung
Ein paar Agitatoren haben im Vorfeld und im Nachwirken der Krim Annexion diese Unzufriedenen rekrutiert um den Osten der Ukraine zu unterminieren. Diese bestehen aus jungen Trotteln die ihre eigenen Parolen nicht richtig schreiben können und Kleinkriminellen, die für Grobheiten zuständig sind wie Polizeistationen zu stürmen. Die Regierung in Kiew, immer noch stark beeinflusst vom alten Sowjet Establishment, hat dies zugelassen. In den Osten wurden keine Spezialeinheiten geschickt und auch das Militär blieb tatenlos als Männer mit Masken die Waffenkammern der örtlichen Polizeistationen gestürmt haben. Korrupte Kleinunternehmer und niedere Beamte unterdessen übernehmen die Rolle der Organisatoren und hoffen damit im neuen Revolutionsstaat in die besseren Posten zu gelangen.

Veranstaltungen werden abgehalten, Zeitungen mit Lenin Konterfei übernehmen die Deutungshoheit. Europa ist Dekadenz und in Kiew hockt der Faschismus. Diese Leute sind aber alle nicht besonders clever und die Parolen auf dem typischen Niveau russischer Propaganda. Platt genug um leicht verständlich zu sein. Der Kampf gegen den Faschismus ist eine relativ neue russische Lebenslüge im Vergleich zum Beschützer des Slawentums. Dazu trifft die Darstellung von einem Europa der Dekadenz wieder den russischen Nerv, etwas zu hassen was man selbst nicht sein und nicht haben kann. Sozialisten sind generell chronische Neider und reden oft genug von der moralischen Überlegenheit Wohlstand und Vergnügen abzulehnen, aber nur bis zur ersten Gelegenheit bei der sie sich diese Dinge selbst durch Diebstahl oder Gewalt aneignen können. Begleitet wird das von der üblichen Paranoia, das sich überall Revolutionsfeinde befinden, die für die Revolutionäre die Rechtfertigung für das harte vorgehen gegen vermeintliche oder tatsächliche Gegner darstellen und auch ein Wutablassventil und Ablenkungsmöglichkeit für Pack und Pöbel darstellen.
Zum Faschismus später noch mehr.

Wenn dann die alte Staatsmacht vertrieben ist geht das Postengeschachere los. Jeder der kleinen Gangster will einen bequemen Platz in der neuen Ordnung, doch der Strippenzieher Russland hat andere Pläne. Sobald ein Vakuum geschaffen wurde kommen Spezialeinheiten aus Russland um dieses auszufüllen. Hierbei soll es sich um das Vostok Bataillon handeln, welches in der Ostukraine nach Anweisungen des Russen Igor Girkin operieren soll. Die kleinen Gauner welche Regierung spielen und sich in den administrativen Gebäuden eingenistet haben werden vertrieben, ihre Karriereträume platzen. Sie müssen auf die unangenehme Art feststellen, dass ihnen ihre bisherigen Erfolge überlassen wurden und sie in Konfrontationen mit anderen Schlägertypen letztendlich doch das Nachsehen haben.


Die Ragtag Aktivistengruppen in ihren bunt zusammengewürfelten Tarnanzügen, die jedoch in der Regel nicht über Schusswaffen verfügen, werden schnell verdrängt von anderen Gruppierungen. Statt Aktivisten mit übernommener Polizeiausrüstung sah man dann andere maskierte Gestallten vor den Verwaltungsgebäuden in neuen russischen DKS Spectre Tarnanzügen mit AK-74M Sturmgewehren. Russland hat kein Interesse daran kleine Demagogen und Gauner an der Beute zu beteiligen, sondern verwendet diese lediglich als Spaltkeil. Meine persönliche Vermutung ist, dass die Kämpfer welche die dummen Aktivisten, Naivlinge und plündernden Opportunisten der ersten Stunde ersetzt haben aus Russland und kossakischen Wehrsportlagern nahe der Krim kommen.

Die Funktionsposten werden dann nicht etwa mit kleinen Gangstern wie Roma oder Lenin besetzt, sondern mit russischen Bürgern aus Russland, welche in großer Zahl Verbindungen zu faschistischen Bewegungen haben und sich auch untereinander um Einfluss zanken.


Personen
Bild: Pavel Gubarev (m.) ist einer der Gründerväter der Volksrepublik

Der Russe Gubarev war einer der ersten Agitatoren vor Ort der Pack und Pöbel anstachelte bis die unmotivierte Aufruhrpolizei sich aus dem Administrationsgebäude Donetsk zurückzog. Kurz darauf wurde er von ukrainischen Sicherheitskräften bei einer Razzia allerdings verhaftet und blieb bis zu einem "Gefangenenaustausch" in Haft. Als er nach Donetsk zurückkehrte hatten aber bereits andere kleine Räuber seinen Platz eingenommen und die Revolution ging ohne ihn weiter. Letztendlich wurden auch seine wenigen verbliebenen Anhänger von russischen Spezialeinheiten aus dem Administrationsgebäude vertrieben.

Pavel Gubarev ist Mitglied der russischen Neonazi Organisation Russische Nationale Einigkeit. Der Kugelfang links neben ihm ist Aleksandr Proselkov, der seit seiner Jugend Mitglied der "Eurasischen Jugend Union" ist. Alle diese Anführerfiguren der Aufständischen in der Ukraine sind Neonazis und/oder Assets des russischen Geheimdienstes. Neben seinen Tätigkeiten für Insurgentenbewegungen ist Gubarev zudem professioneller Miet-Weihnachtsmann. Momentan liegt er in einem Krankenhaus, nachdem sein PKW von Unbekannten beschossen wurde.


Bild: Igor Wsewolodowitsch Girkin alias Igor Iwanowitsch Strelkow. Er ist ebenfalls russischer Staatsbürger, soll eine Vergangenheit im russischen Militärgeheimdienst GRU haben und bereits als Freiwilliger auf serbischer Seite im Bosnienkrieg teilgenommen haben. Während der Jugoslawienkriege haben sich viele orthodoxe Russen und Griechen den serbischen Verbänden angeschlossen.

Girkin ist seit etwas mehr als vier Jahren in einem russischen Reenactment Forum aktiv, in dem er sich auf Bildern auch in allen möglichen Uniformen von der Römerzeit bis zum zweiten Weltkrieg zeigt. Er scheint ein Militärenthusiast zu sein und ich halte es für möglich, dass es sich bei ihm weniger um einen tatsächlichen Geheimdienstoffizier, als eher um einen talentierten Autodidakten handelt, der organisatorisches Talent bewiesen hat und so schnell in den Rängen der Insurgenten aufgestiegen ist. Der militärische Führer des Viet-Minh General Giáp war auch nur Geschichtslehrer ohne irgendeine militärische Ausbildung.
Ich denke auch das es Girkins Aufgabe ist mit Hilfe russischer Spezialeinheiten die anderen Aufständischenführer, Möchtegern-Warlords und ihre Gaunereien unter Kontrolle zu halten. Russland will die ukrainische Kriegsbeute komplett für sich alleine und hat wie gesagt kein Interesse daran, mit seinen Spaltkeilen zu teilen. Die Ostukraine soll ausgeplündert, die für Russland kritische Schwerindustrie demontiert und verlegt werden. Ukrainischen Kollaborateuren wird dies nicht zugetraut.


Das Fazit:
Russlands Geheimpolitik ist extrem komplex und verschachtelt auf der einen Seite, richtet sich ironischerweise auf der anderen Seite an geistig recht beschränkte Menschen. Genau genommen ist der Unterstützerkreis entweder psychophatisch und will sich selbst bereichern, oder er ist so dumm, dass man ihm alles und das Gegenteil davon erzählen kann.
Für Leute die sich darauf einlassen gibt es keine Zukunft. Niemand der für eine fremde Macht seine Mitmenschen verkauft wird jemals dafür belohnt werden. Nicht mit einem Posten, nicht als neuer Propagandaminister, nicht mit bevorzugten Regierungsverträgen oder sonst irgendwie.


Siehe auch:

Counter Insurgency und Konterrevolution
Der Unterstützerkreis


1 Kommentar:

  1. Sehr infomative Artikelreihe
    Man lebt in spannenden Zeiten....
    Konterrevolution gegen das sozigesindel!

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