Freitag, 7. November 2014

Psychologie: Mentalitäten

Warum die Menschen sind wie sie sind




Manche von euch werden das kennen, dass man in irgendeinem Gespräch am Abend nach ein paar Gläsern einen Satz raus lässt wie "scheiss Gruppe XY". Daraufhin findet sich immer jemand, in 9 von 10 Fällen junge Frauen, die sich darüber empören wollen was man gerade gesagt hat. Woher kommt das?

Menschliches Bewusstsein ist eine Ausnahmeerscheinung in der Evolution. Das menschliche Gehirn wurde so komplex, dass es in Verbindung mit dem Grundtrieb der Selbsterhaltung angefangen hat die Illusion einer Persönlichkeit zu entwickeln. Der Mensch ist eine Kreatur, die nach natürlichen Maßstäben nicht existieren sollte.

Eine dieser Ausprägungen, die ihr Denken kategorisiert hat und Labels dafür in Form von Philosophien erfand, ist der durchschnittliche Mensch der in einer westlich geprägten Umwelt aufwächst. Er ist so reizüberladen von den anormalen Philosophien und Bewusstseinsklassifizierungen seiner nahen Artgenossen, dass er dabei völlig vergisst, was für eine Ausnahmeerscheinung er ist.

Der Rest der Welt denkt aber nicht so. Andere Menschen mit den gleichen Maßstäben bewerten zu wollen wie die meisten von uns sie haben ist absurd. Andere Menschen haben andere evolutionsbiologische Programme in ihrem Kopf ablaufen und die meisten scheitern bereits daran die unterschiedlichen Interessen die daraus resultieren bei Mann und Frau erkennen zu können.

Mensch
Zurück zu meinem Beispiel. In diesem Fall ging es um die Gruppe von Menschen, die Frauen die Schamlippen, den männlichen Nachkommen die Vorhaut und Andersgläubigen den Kopf abschneidet. Ich benutze einen kollektivierenden Begriff für diese um eine kollektive Handlung zu beschreiben, nicht weil ich nicht in der Lage wäre sie als Individuen zu betrachten, genau so wie ich mich kollektiv verächtlich über sie geäußert hatte.

Die Reaktionen folgen bei emotionalen Menschen sehr abrupt und beginnen oft mit "Wie kannst du sowas sagen" gefolgt von "das sind auch Menschen", ohne dabei selbst überhaupt zu begreifen, was für einen Maßstab man hier verwendet und das dieser im Rest der Welt so gut wie nicht existiert.

Ein Mensch der in der theistisch geprägten Kultur des Westens aufgewachsen ist hat aktiv oder passiv durch seine Erziehung vermittelt bekommen, dass Menschenleben generell einen Wert haben und vielleicht noch, dass es so etwas wie Rechte gibt, die nicht verliehen werden müssen sondern einfach bestehen. Diese Art von Philosophie ist aber vielleicht 300 Jahre alt und existiert anderswo kaum bis gar nicht. Unsere Wahrnehmung, dass alle Menschen gleich erschaffen werden und ihr Leben einen Grundwert besitzt, das ist alles christlich, theistisches Gedankengut aus der Zeit der Aufklärung oder wie man im englischen sagen würde "The Age of Enlightenment"(Das Zeitalter der Erleuchtung). Dieses Zeitalter hat Gutes und Schlechtes hervorgebracht, zu wissen was war ist aber Grundvoraussetzung dafür, dass man die westliche Mentalität versteht und sie von anderen unterscheiden kann.

In der islamischen Welt bspw. gab es so etwas nicht. Die Religion des Islam lässt das nicht zu, weder eine friedliche Reformation des bisherigen, noch die Innovation etwas neuem. In der islamischen Lehre ist das alles Bid'ah, Ketzerei, ähnlich wie Martin Luthers Bibelübersetzungen vom Status Quo der Gesellschaftsschicht, den Intellektuellen denen es Monopol war zu interpretieren, als Ketzerei behandelt wurden. Es ist ähnlich, aber nicht ganz.

Vor Luthers Reformation gab es auch die Mentalität in der christlichen Welt, dass zwar Langobarden, Burgunder und Franken nun alle Christenmenschen waren die nach Gott geschaffen wurden, für Sarazenen und Heiden gilt dies allerdings nicht. Die waren anders, die passten nicht in die Definition und darüber gab es keine Diskussionen. Es gab aber auch keine solchen völkischen Ressentiments bei denen sich Menschen nach Abstammung einer Stammesgruppe definiert hatten. Schon alleine deshalb, weil bspw. Lehnsherren und dergleichen aus anderen Volksgruppen stammten als die Menschen, die sie beherrschten. Die Menschen die beherrscht wurden hatten wenig übrig dafür ob der neue Fürst jetzt deutsch oder französisch spricht, sondern ob er ein guter Herrscher war oder ein schlechter. Nationalstaaten und Völker, das kam erst später alles.

Unsere Wahrnehmung hat sich geändert, die der anderen nicht. Für einen gläubigen Moslem, der überhaupt irgendwas in seinen heiligen Büchern glaubt, ist ein Atheist kein Mensch, sondern eher so etwas wie ein Tier. Für den Westler lässt sich das so vergleichen, als ob Jemand einen abartigen sexuellen Fetisch hätte, der wirklich so abartig ist, dass Pornoseiten dafür keine Kategorie angelegt haben. Der Gottlose ist ein Tier und darf vielleicht noch die Gnade erfahren dem Gläubigen zu dienen.

Dinge wie Political Correctness, das Erklären von emotionaler Richtigkeit was faktisch nicht richtig sein kann, Islamophobie, Homophobie und der ganze Rest dieser neuen Philosophien die nicht auf den angewendet werden der sie sich ausdenkt, sondern nur auf alle anderen, existieren anderswo nicht. Es gibt keine Political Correctness in Russland, es gibt keine Christophobie in Saudi Arabien, es gibt nur die übergeordnete Doktrin und Selbsterhaltungsphilosophie der Gruppe, des Kollektivs. Überall sind Philosophien die nicht im Kontext der Gruppenpsychologie Anklang finden bedeutungslos. Einen Rassisten einen Rassist zu nennen ist bedeutungslos wenn die Gemeinschaft rassistisch denkt. Es macht nur Sinn ihn einen Rassisten zu nennen, wenn der Begriff innerhalb der Gemeinschaft negativ besetzt und mit negativen Dingen assoziiert wird. Überhaupt ist es bedeutungslos geworden jemanden einen Rassisten zu nennen, es sei denn er ist es nicht.

Die eigenen Leute
Wenn man von irgendwelchen Verbechen eines Diktators gegen die Bevölkerung seines Landes liest oder diesen Dingen, dann findet sich bei vielen Menschen die Reaktion "Wie konnte XY das nur seinen eigenen Leuten antun", da sie nicht verstehen, dass dies in Wirklichkeit nur für sehr, sehr wenige Menschen irgendeine Bedeutung hat. Wird man in einer friedlichen, wattierten Umgebung aufgezogen in der einen vermittelt wird, dass alle Menschen die so aussehen wie man selbst oder die gleiche Sprache sprechen eine große Familie sind, dann vielleicht. Ist man in der Lage Menschen als Individuen zu begreifen, ihre Motive und Bedürfnisse zu verstehen, dann macht das keinen Sinn. Die eigenen Leute sind dann beliebig austauschbar, wenn man den kleinsten gemeinsamen Nenner findet.
Auf der anderen Seite haben schwarze Schreiner, lesbische Schreiner und jüdische Schreiner wahrscheinlich mehr miteinander gemeinsam indem sie Schreiner sind, als mit ihrer jeweiligen Gruppe von "eigenen Leuten" an Schwarzen, Lesben oder Juden. Wir definieren uns nicht über Aussehen, Sprache oder Pass.

Gesellschaftsingeneure
Das ironische an den Problemen einer Gesellschaft ist, dass es in der Regel nicht die ganz normalen Leute sind die sie verursachen, sondern jene intellektuelle Klasse, die das Leben aller anderen regulieren und kontrollieren möchte um weniger problematische Probleme zu lösen.
Es sind nicht die BILD Zeitung lesenden Konsumenten, die nur ihrem Vergnügen nachjagen wollen, welche Regulierungen über Plastikflaschen und Glühbirnen erlassen. Es sind jene Besserwisser, die Regierung und Regulierung benutzen wollen, weil sie im freien Wettbewerb abgelehnt werden würden. Es sind auch die selben Leute die Gruppendenken voran treiben wollen indem sie kollektive Bedrohungen beschwören um Individuen in miteinander kämpfende Fraktionen von den 99%ern, der Arbeiterklasse, den Ausbeutern und so weiter aufzuteilen.

Ein Nebenprodukt dieser Betrachtungsweise ist, dass individuelle Tragödien zu Statistiken zusammengefasst werden und die eigentliche Problembehandlung in Form von diesen Statistiken, der Sprache von Kollektiven, Interpretationssache der intellektuellen Klasse von Akademikern und Gesellschaftsingeneuren wird. Und hier sind wir wieder an genau dem Punkt, an dem die linke, emotionale Kunststudentin dazu übergeht, in Kollektivnormen wie "Dann könnte ja jeder..." zu sprechen, worin sie meine kollektive Aussage über ein bewusst getätigtes Verhalten einer dadurch definierten Gruppe anklagt.


Siehe auch:
Wir sind die Ausnahme



Kommentare:

  1. Gut auf den Punkt gebracht. Sehr guter Artikel !

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  2. Das Problem ist wirklich dass, das "Wir, die nach westlichen Vorstellungen Erzogenen" in all unserer Verblendetheit und jenseits der Realität unseren Wertekanon auf die übrige Welt übertragen wollen ohne dabei zu erkennen das der weder gewünscht noch verlangt wurde oder überhaupt respektiert wird. Die "Anderen" lachen sich schlapp über "Uns" und unsere Lebensmaximen. Sie holen was zu holen ist und es wird ignoriert dass es so ist wie es ist. Erst das Verständniss das "Andere" eben anders sind als wir, wird das ändern. Dafür sehe ich aber schwarz denn wir sind zwischenzeitlich schon viel zu sehr am Arsch als das diese Erkenntnis noch was ändern könnte. Idiotie nehme deinen Lauf, mehr fällt mir dazu nicht ein.

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  3. Ich stimme dir zu!
    Besonders interessant finde ich die These:
    "Menschliches Bewusstsein ist eine Ausnahmeerscheinung in der Evolution. Das menschliche Gehirn wurde so komplex, dass es in Verbindung mit dem Grundtrieb der Selbsterhaltung angefangen hat die Illusion einer Persönlichkeit zu entwickeln. Der Mensch ist eine Kreatur, die nach natürlichen Maßstäben nicht existieren sollte."
    Ist die von dir, oder hast du das mal gelesen? Falls ja, mich würde es interessieren, wo?:-) Dann könnte ich auch mal reinschauen...

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  4. Ist bei Euch noch alles i.O.? Es vergeht immer mehr Zeit bis neue Artikel erscheinen und ich bin ehrlich gesagt schon ein bisschen süchtig danach! Irgendwie hab ich das Gefühl, zur Zeit ist Funkstille...?!?!

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    1. Also finde ich auch. Irgendwie geht das gar nicht.

      Wenn das hier ein VeganerInnen Blog wäre könnte man das ja noch ertragen...

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    2. Hey, ich bin doch kein Berufsblogger. Ich schalte hier ja nicht mal Werbung, also muss ich halt hustlen um hin und wieder an Kohle zu kommen. Als ob ich nicht auf genug Sachen verweisen würde womit ihr euch beschäftigen könnt.

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  5. Jetzt beschwer Dich halt nicht gleich, manchmal ist man gerade Nicht Verfügbar ;-)

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