Dienstag, 4. November 2014

Schwarzpulver für Survival

Eine Buchrezension von Schwarzpulver für Survival - Band 1 Improvisation von Schwarzpulver und ähnlichen Mischungen von Manuel Baetz in der fünften Auflage von 2010




Ich habe dieses Buch jetzt schon eine ganze Weile in meinem Besitz und mittlerweile auch viel themenverwandte Literatur gelesen, die mir vielleicht hilft das ganze etwas in einen Kontext zu setzen.

Das Buch beginnt nach einer kurzen Einleitung damit die Werkzeuge vorzustellen und die absoluten Grundressourcen für klassisches Schwarzpulver aus Salpeter, Holzkohle und Schwefel. Mit gelegentliche Seitenhiebe gegen Staat und seine Gesetze.

Manche Methoden, wie die Herstellung von Alkohol mit Hilfe eines Fruchtentsafters und Calciumoxid, würde ich aber nicht machen. Für den Herstellungsprozess ist hochprozentiger Alkohol nicht notwendig. Ich würde es als sinnvoller erachten selbst eine Destille zu unterhalten um primär Alkohol für den Konsum oder Tausch herzustellen, und dann Abfallprodukte wie Vorlauf für die Schwarzpulverproduktion zu nützen. Auch die Schwefelgewinnung aus Gips, bei der giftiges Schwefelwasserstoff Gas entsteht, kann man sich eigentlich sparen, da man hier auf Ersatzprodukte zurückgreifen kann. Diese Methode wurde in der fünften Auflage deswegen auch verkürzt.

Es gibt am Ende des Buches eine Aufzählung und Beschreibung für Schwarzpulver ähnliche Pulver, die teilweise einfacher und mit weniger Ressourcen herzustellen sind. Wenn bereits beschrieben wird wie man Ammoniumnitrat aus Dünger gewinnt und Ammonpulver herstellt, wozu dann noch das ganze Schwarzpulver Zeug und mittelalterliche Kupferstiche? Die überwiegen nämlich die technischen Zeichnungen in dem Buch. Eventuell ist das auch nur die Cover, damit dieses Buch zur "informellen Weiterbildung" durchgeht.


Anwendungsbereich Schwarzpulver

Auch wenn es "für Survival" heißt, so ist der Anwendungsbereich für Schwarzpulver in einer Survivalistuation extrem beschränkt. Ammonpulver brennt sauberer ab und ist als Treibladungspulver für Schrotflinten bspw. viel besser geeignet als Schwarzpulver. Überhaupt wird es schwieriger werden Zündhütchen zu improvisieren, als Treibladungspulver. Bei Schrotpatronen kann man aber 22er Randzünderpatronen dafür nehmen.
Zündhütchen für Vorderladerpistolen kann man in Deutschland noch legal ab 18 Jahren kaufen. Solche Zündhütchen sind meistens gefüllt mit rotem Phosphor oder anderen Initialzündern, die Schlagempfindlich reagieren. Hab ich dieses Zündhütchen nicht, spielt es keine Rolle welches Schwarzpulver ich habe. Eventuell würde ein Perkussionsrevolver noch am ehsten etwas hermachen für den Selbstschutz. Diese sind in Frankreich bspw. ab 18 Jahren zu erwerben.

Zudem würde ich in einer Survivalsituation wohl eher dazu tendieren Sprengfallen anzufertigen, anstatt mich primär mit einer Vorderladerpistole verteidigen zu wollen.
Hierfür sind die ganzen Pulver aber nicht geeignet, da sie zu langsam abbrennen. Für einen Claymore Sprengsatz benötigt man bereits einen Sekundärsprengstoff mit einer Abbrenngeschwindigkeit von mindestens 21.000 Feet per Second (fps) oder 6400 Metern pro Sekunde. Schwarzpulver hat in seinen günstigsten Mischverhältnissen aber nur eine Abbrenngeschwindigkeit von 600 Metern pro Sekunde, was sich auch mit Aluminiumpulvermischungen nicht viel weiter steigern lässt.

Was soll man damit bauen?

Nail Bomb Rekonstruktion aus The Last of Us

Schwarzpulver ist kein brisanter Sprengstoff, der seine Umgebung zertrümmert, sondern ein verdrängender. Das Schwarzpulver sucht sich, wenn es in eine Form gepackt wurde, wie bspw. ein Rohr, nur die schwächste Stelle in dieser Form aus und bricht diese auf, wenn es gezündet wird. Es entsteht keine Splitterwirkung.

Explodierte schwarzpulvergefüllte Rohrbombe aus einem FBI-Versuchsaufbau


Fazit

Vermutlich ist das Buch so hoch nachgefragt, weil es von Rotznasen gekauft wird, die kein Englisch sprechen und Dummfug damit machen wollen. Für eine Survivalsituation ist der Arbeitsaufwand für ein geringwertiges Produkt wie Schwarzpulver für geringwertige Waffen wie Vorderladerpistolen einfach zu hoch und damit ungeeignet. Das Buch hilft einem nicht wirklich weiter bei irgendwas. Es gibt im amerikanischen Raum längst bessere Sachen.
Wenn ich die Ressourcen habe um so etwas in einer "Survival Situation" zu tun, dann kann ich auch was Besseres machen. Es sind auch keine Fotos in dem Buch, die mir die Herstellungsprozesse näher bringen und mir das Gefühl geben könnten, der Autor hat das wirklich gemacht was da steht. Für eine Post Collapse Survival Situation wäre das ganze Buch zu wenig und zu spät. Für mich wirkt das alles wie von gestern, auch weil die wichtigsten Informationen längst umsonst zu bekommen sind.



Kommentare:

  1. Wenn es richtig Wumms machen würde wäre das Buch schon verboten. Vielleicht ist es ja von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgebracht worden um die Leute von der weiteren Suche nach brauchbaren Anleitungen abzuhalten.

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    1. Nein, ist von Survival Press herausgegeben worden. Steht doch drauf.
      Ich kann ja die Motivation des Autors verstehen sowas zu schreiben "Weil es soetwas in Deutschland noch nicht gibt"(gleicher Grund für diesen Blog) und vermutlich hatte er vor noch mehr in dieser Reihe zu machen, weil das Buch auch "Band 1" genannt wurde, aber das ganze ist für Survival zu wenig.

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  2. Wenn man nix anderes zur Verfügung hat, ist Schwarzpulver schon nicht zuverachten.
    Die SP-Bombe oben im Artikel senkrecht in einen Eimer gestellt drumherum Nägel,Schrauben,Schrott randvoll gemacht.
    Gegen weiche Ziele sicher bis 10m schwer verletzend oder tötlich .
    Man hat keine "echten Splitter" aber Schrauben ,Nägel,etc werden durch den Druck schön verteilt.
    Die Frage ist nur wenn ich schon Salpeter habe was kann ich noch damit anstellen?
    BKS wäre die antwort, zu dem Salpeter einfach dunkles Alu oder Mg extrem fein gepulvert
    (könnte man selbst in der Not herstellen)
    Damit sieht die Sache schon anderes aus als mit SP ,allein der helle Blitz könnte von vorteil sein (FlashBang)

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    1. Die Zutaten zu haben oder zu wissen wie man Schwarzpulver herstellt schaden natürlich nicht. Man kann natürlich viel basteln. Schwarzpulver selbst würde ich, nach meiner bisherigen Bewertung, allenfalls in Springminen verwenden. Da braucht man eine Schwarzpulverladung um sie hüpfen zu lassen.

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  3. Da ich komplett neu auf DIESEM gebiet bin. welche offenen quelle gäbe es denn. will das runterladen und für den fall der fälle verfügbar haben wie so was gemacht wird. und dann soll es aber möglichst gefahrlos und präzise nachgemacht werden können. danke!

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    1. Lern Englisch dann findest dus alleine. Auch wenn ich denke dass das keine gute Idee ist.

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    2. Schwarzpulver= Hand verbrand
      BKS= Finger weg
      Ammonpulver + INI = Arm+Schulter weg

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    3. Wie scheisse dämlich muss man denn dafür sein... Immer diese Horrorgeschichten.

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