Mittwoch, 17. Dezember 2014

Trageausrüstung Teil 1

Ist man längere Zeit draußen unterwegs empfiehlt es sich ein paar Dinge mitzunehmen. Ist man in einer Post Collapse Situation wird man situationsbedingt bei soetwas auch bewaffnet sein. Hierfür sollte man sich vorher mit verschiedenen Arten von Trageausrüstung beschäftigen und sich damit ausstatten.

Wenn ich Leute sehe wie sie so ihren Fluchtrucksack oder ihre Bug-out Bag herumzeigen, dann muss ich dabei oft grinsen was Leute für Vorstellungen haben und welche Prioritäten sie setzen. Ein riesiger 100 Liter Rucksack, voll mit Trekking Food und einem Gewicht das der Besitzer nicht mal selbst kennt, weil er ihn nie auch nur über 100 Schritt getragen hat.

Soldaten machen die Erfahrungen, die jeder dumme Urlauber immer wieder aufs neue macht, aber nur einmal und stellen schnell fest, was sie alles gar nicht brauchen und nur unnötigerweise mit sich herumschleppen. Ein Rucksack ist kein mobiles Zuhause.
Der historische Vergleich spiegelt auch wieder, wie sich Strategien in der Kriegsführung verändert haben.

Während es im Mittelalter noch üblich war, dass alles von Maultieren transportiert wurde ging man während und nach den napoleonischen Kriegen dazu über, dass jeder Soldat selbst einen Tornister mit seinem Magazin tragen musste. Während des ersten Weltkrieges zeichnete sich dann ab, dass Soldaten keine langen Einsätze mehr durchführen wo sie in der Zeit alles Mögliche mit sich herumtragen, sondern kurzfristige Ziele verfolgen bei denen nur das nötigste mitgenommen wird. Ebenso im zweiten Weltkrieg, als Support und Logistik in Kombination mit der Taktik kleiner Einheiten sich soweit durchgesetzt hatten, dass es nicht mehr nötig war im Einsatz alles bei sich zu haben. Mit dem Beginn der heutigen Moderne kommen neue Ausrüstungsgegenstände wie Nachtsichtgeräte und Bodyarmor hinzu, die alle noch mal mehr wiegen.


Für den Survivalist

Für den Einsatz in einer Post Collapse Situation sind für den Survivalist entscheidend die Auftragslage, die Umgebung und die angewendeten Waffensysteme.

Die Anforderungen an die die Trageausrüstung oder "Loadout" sind Munition, Wasser, Nahrung, Wärme/Schutz vor der Umwelt, Werkzeug und Medizinisches in dieser Reihenfolge.


Munition

Magazintaschen sind dank der breiten Kommerzialisierung des Krieges nicht mehr irgendwie exklusiv von Regierungsarmeen oder seltene Nischenprodukte. Generell gibt es drei Maßstäbe nach denen Magazintaschen gehandelt werden: M-16 für 5.56, AK-47 für 7.62 und M14/G3 in .308. Was die Passgenauigkeit angeht gibt es ein paar Ausnahmen, wie bspw. manche M-16 Magazintaschen die auch AK-47 30-Schuß-Magazine aufnehmen, die Regel ist das aber nicht. In der Regel sind AK-47 Magazine zu hoch für M-16 Magazintaschen und M-16 Magazine zu breit um AK-47 Magazintaschen platzeffektiv zu nutzen. Für Waffensysteme die keine Magazine benutzen, wie bspw. Zylinderverschlüsse und Schrotflinten, empfiehlt es sich auch auf ältere Modelle zurückgreifen oder sich selbst Taschen dafür anzufertigen.



Wasser
Durch körperliche Belastung und Stress in einer Konfliktsituation wird selbst in kühlem Klima und regnerischem Wetter ein starker Durst erzeugt. Wird dann nicht genug Flüssigkeit zugeführt können Leute ohnmächtig werden.
Was man mindestens dabei haben sollte sind zwei Liter pro Person. Bei längeren Geschichten auch Wasserfilter oder Wasseraufbereitungstabletten. Ich selbst nehme die 1q Nalgene Feldflaschen nach US Muster und verzichte vollkommen auf Camelbaks. Ich finde die einfach ekelhaft. Das Wasser schmeckt mies und man fühlt sich man hängt an so einer Plastiktitte. Es soll aber auch Leute geben die diese Dinger mit warmer Milch füllen und ins Bett nehmen. Wahlweise werden sie auch mit Vodka befüllt und in Nachtclubs geschmuggelt, weil die Männer dort sich den Spaß eigentlich nicht leisten können.
Für heißes Wetter bzw. tropische Bedingungen werden bei der Army quadratische zwei Liter Flaschen mitgeführt. Für Special Forces wurden dazu Trinkbeutel entwickelt, da halb leere Trinkflaschen Geräusche durch das schwappende Wasser machen können. Bei modernen Plastikflaschen ist das aber weniger dramatisch als bei Aluminium.

Die Taschen nach dem alten Muster mit denen Feldflaschen transportiert wurden sind oft unter Kritik geraten, dass Feldflaschen zu oft verloren gehen würden damit. Zu Beginn des Jahrtausends hat die Army deshalb eine Mehrzwecktasche hierfür eingeführt. Siehe Lost Canteens, lost Magazines, lost Victories?. Ich habe diese Erfahrung selbst nie gemacht. Mehr dazu in Zukunft.

Wenn Leute kein Wasser bei sich haben ist die Moral schnell am Boden. Dann Wasser heranschaffen dauert lange und ist gefährlich. Mögliche Wasserstellen werden aller Wahrscheinlichkeit bereits vom Feind kontrolliert und dort werden Hinterhalte gelegt.





Nahrung
Menschen können sehr viel länger ohne Nahrung auskommen als ohne Wasser. Besonders in Stresssituationen fährt das Gehirn die üblichen Bedürfnisse herunter und die wenigsten werden überhaupt Hunger verspüren. Oft hat man sowieso keine Zeit zu essen.
Stellt sich dann aber eine ruhige Phase ein kommt der Hunger, was zwar nicht wirklich irgendwie gefährlich wird für den einzelnen, dafür aber auf die Moral schlägt. Etwas Warmes zu essen hebt wieder die Moral.

Bei modernen Militärs werden in der Regel Meal ready to eat Packete verwendet bzw. in Deutschland Ein-Mann Packungen. Sie beinhalten viel Fett und Kohlenhydrate. Amerikanische Gerichte kann man mit etwas Wasser in den Vorgesehenen Tütchen selbst erhitzen. Diese MREs sind für den Survivalist aber eigentlich ungeeignet, da sie recht teuer und nicht sonderlich lange haltbar sind. Wenn sie richtig gelagert werden, dann halten sie 3 bis vielleicht 5 Jahre, was für den Preis einfach zu kurz ist. Dazu sind die Packungen recht groß und nehmen viel Platz ein.

Trekking Food ist ebenfalls problematisch, da es auch recht teuer ist und nur eine kurze Haltbarkeitszeit von wenigen Jahren hat.


Für den Survivalist bzw. eine Milizgruppe in einer Post Collapse Situation empfehlen sich eher die Klassiker wie Kommiss- und Dosenbrot, Pökel- und Dosenfleisch, Reis, Nudeln und zusätzliches Wissen sich aus der Umgebung ernähren zu können. In Trinkbechern für die Feldflaschen kann genug Wasser heiß gekocht werden um mit Brühwürfeln und was man so findet eine warme Suppe oder ein Eintopf aus allem gekocht zu werden.


Wärme
Kälte zieht an der Moral und wenn man gerade keine Bewegung hat, dann spürt man sie noch deutlicher. Man kann eine Weile auskommen ohne Wasser und ohne Nahrung, aber man kann in einer einzigen kalten Nacht erfrieren.

Was sich hier im gemäßigten Klima empfiehlt sind neben Ersatzsocken die US Kälteschutz-Unterbekleidung der dritten Generation und eine Zeltplane die auch als Tarnmaterial verwendet werden kann. In der Nacht zieht man sich zusätzlich die Unterbekleidung an und schläft in der Zeltplane. Zwecks Wärmespende schlafen die Leute dann jeweils Rücken an Rücken. Bei kälteren Temperaturen wird erst ein Schlafsack mitgenommen, wobei man hier auch in der Regel die Grenze bei der Trageausrüstung erreicht und sich zum Rucksack hin bewegt.
Ein Survival-Shelter zu bauen ist für Einzelpersonen bereits relativ Zeitaufwendig, in einer Gruppe wird dies zudem verkompliziert, dass diese allein schon in einem größeren Bereich Baumaterial zusammen kratzen muss, wobei sie Entdeckung riskiert.

- Schutz vor der Umwelt
Hierzu zählen Nässeschutzkleidung, Regenponchos aber auch ABC Schutz. Es muss dabei nicht mal ein Biowaffeneinsatz sein, denn bereits der Einsatz von CS Gas auf breiter Fläche kann problematisch werden für denjenigen, der sich nicht schützen kann. In Vietnam wurde nicht nur Agent Orange über den Dschungeln ausgeschüttet, sondern auch Tränengas. Special Forces trugen während des Einsatzes im Dschungel die spezielle XM28E4 Gasmaske bei sich, die nur für den Einsatz gegen solche Riot Control Agends konzipiert war.


Werkzeug
Es macht keinen Sinn eine Axt oder eine Machete mit sich herum zu schleppen, weil man Holz hacken könnte, oder eine Tür einschlagen könnte. Wenn ich vorher meine Auftragslage kenne, dann kann ich danach Werkzeuge einplanen. Es macht hier natürlich wieder Sinn eine Aufgabenteilung auszuarbeiten, dass jeweils einzelne Trupps bestimmte Aufgaben haben und die Werkzeuge über die Mitglieder verteilt werden. In urbanem Gebiet werde ich vermutlich weniger wahrscheinlich einen Klappspaten verwenden können, genauso wie ich im Wald vermutlich kein Brecheisen verwenden werde.


Medizinisches
Für den Einzelnen der kein Sanitäter, oder Medic, oder wie man das nennen will, ist, für den hat dies eine untergeordnete Rolle und mitgeführtes medizinisches Material ist in erster Linie für den Sanitäter da, damit dieser beim Verarzten des Trägers gleich Arbeitsmaterial hat. Verbandspäckchen passen in die Beintaschen oder kleine Koppeltaschen. Ist kein Sanitäter da, so sollte man eine Erstversorgung mit Verband und Tourniquet als Selbst- und Kameradenhilfe zwar durchführen können, eine Apotheke mit sich herum zu tragen bringt aber nichts. Ein, zwei Israeli Bandages und Tourniquet nehmen kaum Platz weg. In der Ukraine sieht man auch oft, dass Tourniquets um Gewehrschäfte gewickelt werden. X-stat Spritzen bieten sich zudem an.



Ausrüstung zusammenstellen

Bevor man damit anfängt sich irgendwas zusammen zu kaufen lohnt es sich, wenn man sich vorher mit dem Material auseinandergesetzt hat. Die wenigsten Händler in dieser ganzen Outdoor Branche wissen wirklich was jetzt was ist und orientieren sich sowieso eher am Campingmarkt. Dazu sieht man nur sehr selten Händler die wirklich alles haben um überhaupt ein System zufriedenstellend zusammenstellen zu können.


Generell gilt aber: das beste Gear ist das, welches du gerade hast.
Man muss einordnen können in welcher Preisklasse man sich beweget, ob man Ersatz braucht und ob man eventuell andere mitversorgen muss.

Hier würde sich ältere Ausrüstung der US Army und der Bundeswehr anbieten, da diese zumal auch recht billig zu haben ist. Was die Army verwendet wird von dutzenden Armeen auf der ganzen Welt auch verwendet. Was die Bundeswehr verwendet, damit wäre ich vorsichtig. Abschreiben kann man generell alle Systeme die von irgendeinem popeligen europäischen Land nur für dieses popelige europäische Land entwickelt wurde. Man kauft nichts um es sich dann mal anzuschauen, sondern weiß bereits vorher was wozu benutzt wird.
Auswahlkriterien sind eine hohe Verbreitung, Verfügbarkeit aller wichtigen Teile und die Kombinierbarkeit von Dingen.

Das ALICE Trageset wird noch von Bodeneinheiten der Airforce und der Navy, sowie von Trainingseinheiten der US Army und des Marine Corps verwendet.


Fortsetzung im zweiten Teil.



Siehe auch:

The Modern Warrior’s Combat Load Dismounted Operations in Afghanistan April - May 2003 
Loads carried by Soldiers: historical, physiological, biomechanical and medical aspects
"Combat Light" - Soldier's Load Solution for the 21st century

Kommentare:

  1. Erfahrungen mit dem SMERSH Tragsystem?

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  2. Hol dir lieber einen Battle Belt mit MOLLE Taschen.

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