Montag, 26. Januar 2015

Die wirkliche Asymmetrie in der Kriegsführung



Wenn man von asymmetrischer Kriegsführung spricht im Bezug auf Widerstandsbewegungen in der dritten Welt und dergleichen, dann denken Leute oft, dass damit lediglich Partisanentaktiken gemeint sind wie Hinterhalte und Bomben legen und sowas.
Das ganze ist ein bisschen komplizierter. Es ist eher das ungleiche Verhältnis einer modernen Zivilisation gegenüber einer weniger modernen Zivilisation gemeint, die einen längeren Atem hat wenn es darum geht Sterben und Leid zu ertragen.

Stellen wir uns mal folgenden Fall vor:
Irgendwo in Afghanistan fliegt ein Apache Helicopter rum der den US Steuerzahler bei seiner Anschaffung vor fünf Jahren 65 Millionen US Dollar gekostet hat. Er wird bedient von Piloten und Schütze, die beide den Offiziersdienstgrad und Universitätsabschlüsse haben, was ihre Zivilisation jeweils noch mal 800.000 bis 1,4 Millionen USD gekostet haben könnte. Der Pilot ist ein Einzelkind, der Schütze der älteste Sohn von drei Kindern und ist gerade dadurch abgelenkt, dass er versucht über eMail seinen Sohn zu erziehen.
Am Boden steht Achmed. Achmed ist eines von 15 Geschwistern aus einem Slum in Bagram, wo es Unterernährung, Typhus, Tetanus und Polio gibt. Während sich westliche Nationen verschulden um auch den unproduktivsten Leuten ihrer Gesellschaft eine Krankenversicherung zu finanzieren, hat Achmed noch nie im Leben einen westlichen Arzt gesehen. Um die Überlebenschancen der restlichen Kinder zu erhöhen hat Achmeds Vater 500 US Dollar von den Taliban genommen und Achmed gesagt, er muss jetzt gegen die Ungläubigen kämpfen gehen. Achmed hat einen alten RPG-7 Raketenwerfer von dem er nicht weiß wie er wirklich funktioniert, zumindest aber wie man damit zielt und den Abzug drückt. Damit schießt er auf den Apache der gerade vorbei fliegt, landet einen Glückstreffer, der Apache saust brennend zu Boden, landet auf Achmed und zerquetscht ihn.
Zuhause in den Staaten gibt es für die beiden jungen Männer der Apache Besatzung eine große Beerdigung, die Frau des Schützen bekommt seine Flagge überreicht im Namen einer dankbaren Nation, alle heulen und in der Zeitung steht was davon, dass erneut US Soldaten in Afghanistan getötet wurden.
Währenddessen steigt in einem Slum in Bagram eine große Party. Achmed ist jetzt Märtyrer und hat 70 Mitgliedern seiner Familie den Eintritt ins Paradies erkauft während im irdischen Leben die 500 US Dollar nicht nur für eine Feier reichen, sondern auch die Familie eine Weile versorgen können.

Von einer moralischen Sichtweise her gibt es hier keinen Unterschied. Achmed ist genau so ein menschliches Wesen wie die beiden Amerikaner in dem Apache Hubschrauber, oder nicht?
Tatsächlich macht es sehr wohl einen Unterschied.

Generation after generation must suffer and die. We are prepared for that. Are you?

-  Whatever it takes.

Really? With your pension plans and organic foods, your beach houses and sports clubs? Do you have the perseverance, the tenacity, the faith? Because we do.
You can bomb us, starve us, occupy our holy places, but we will never lose our faith.
We carry God in our hearts, our souls.To die is to join him.
It may take a century, two centuries, three centuries, but we will exterminate you.

Warum können westliche Zivilisationen, auch wenn sie über mehr Menschen verfügen, nur so einen geringen Blutzoll aufbringen?

In den USA wird vieles was das Militär außenpolitisch unternimmt begleitet vom Vietnam Trauma, als viele junge Amerikaner getötet wurden und kein Sieg absehbar war. Auch wenn 2/3 dieser jungen Amerikaner Freiwillige waren die auch im Nachhinein überwiegend positive Erinnerungen an den Krieg haben, während es im zweiten Weltkrieg nur 1/3 Freiwillige waren. Die Nordvietnamesen und ihre Verbündeten im Süden haben den längeren Atem bewiesen und von 1950 bis heute blieb der Anteil der über 65 Jährigen in der Bevölkerung immer unter fünf Prozent. Als die israelische Armee 2006 im Südlibanon gegen die Hezbollah losgeschlagen hat war die Kill Ratio am Ende 5 zu 1 für die Israelis und die Hezbollah feierte dies als großen Sieg. Warum feiert die Hezbollah bei solchen Verlusten einen großen Sieg? Für die ist dieses Verhältnis völlig hinnehmbar, genau wie für einen General Giap es völlig hinnehmbar war Massen seiner eigenen Landsleute zu opfern.

Es geht nicht darum dass die Nordvietnamesen, oder die Taliban, oder sonst irgendein Feind den der Westen hat diesen militärisch besiegen, sie müssen nur länger bluten können als dieser. Im Westen bzw. in freien Gesellschaften muss sich das Militär am Ende immer vor einer Mittelschicht rechtfertigen, die ganz andere Werte hat als dieses. William Westmoorland merkte einmal völlig zurecht an, dass die Methoden von Giap grausam und mitleidslos sind und jeder westliche Befehlshaber bei solchen Verlusten nach einem Monat entlassen worden wäre.


Für die Zukunft
Für die Zukunft bedeutet dieses Verhältnis für europäische Militärs, dass sie sich irgendwelche Kriegsspielchen auf der Weltbühne eigentlich nicht leisten können. Frankreichs Militär hat eigentlich keine menschlichen Ressourcen um in Mali, Zentralafrika und sonst wo wirklich zu intervenieren. Das meiste wird ohnehin schon der Fremdenlegion überlassen.
Deutschland kommt mit seinen Kapazitäten bereits mit einem popeligen kleinen Krieg wie Afghanistan an seine Limits und die Abwehrbereitschaft ist aus einer Vielzahl von Gründen nicht gegeben.
Die Amerikaner werden auch nicht lange damit weiter machen wollen ihre besten und teuersten Soldaten in Kriegen zu verheizen, die sie nicht betreffen. Besonders wenn in diesen Konflikten auf einen Navy SEAL mit seiner teueren Ausrüstung zwanzig Achmeds kommen.

What do you think you're going to achieve with this interview? You think somebody in the Pentagon is going to read it and come after me? Shit no! I'm a necessary evil. They want me here. They're glad I'm here. Because if I wasn't, they might have to come try to stem the tide. It would be thankless and worthless, and once the bodies start coming home in bags, they're screwed. A dead 23-year-old from Iowa gets more airtime than the deaths of 50.000 people he gave his life to protect. So even if they did give a shit, their own media prevents them from taking action.
- The Jackal
Die Doktrin westlicher Militärs wird sich deshalb von konventioneller Kriegsführung entfernen und Kriege eher zu Bürgerkriegen machen, damit eventuelle Aggressoren und Problemmacher mit sich selbst beschäftigt sind.

Ich denke deswegen auch, dass die Kurden, die nicht mal ein Staat sind aber sich auf vier andere Staaten erstrecken, all diese Unterstützung nur kriegen um dann wieder selbst dezimiert zu werden. Die Geburtenrate ihrer Frauen ist höher, die Lebenshaltungskosten geringer und wenn die dann die Leichensäcke füllen muss man sich vor der westlichen Mittelschicht nicht dafür rechtfertigen, weil das denen egal ist. Jeder in den deutschen Sicherheitsbehörden müsste eigentlich wissen, dass die Kurden Deutschland als Feindesland betrachten und dort ihre kriminellen Netzwerke aufgebaut haben. Vermutlich wird beabsichtigt innerhalb der verschiedenen kurdisch-kommunistischen Gruppen einen Verteilerkampf um westliches Geld und Equipment zu starten, bis diese irgendwann aufeinander schießen, jeder irgendwie als Abweichler gilt und am Ende wird der Teppich auf dem sie alles aufgebaut haben weggezogen.


Was bedeutet das für eine PC Situation?
Sollte es irgendwann mal in Deutschland zu einem Krieg kommen, dann wird sich die asymmetrische Kriegsführung von eventuellen Widerständlern darauf konzentrieren müssen, dass einzelne Leute sehr fähig sein müssen und als einsame Wölfe operieren können. Einen Bürgerkrieg wird es so lange nicht geben, solange noch jeder irgendwo Bafög abstauben oder aus der Schule raus in Hartz4 gehen kann. Erst wenn es klar ist, dass sowas nicht mehr geht, dann fängt die Suche nach einem Ort und einer Organisation an wo man unterkommen kann. Dies war immer eine stärkere Motivation als irgendein Idealismus. Das problematische wird hier dann sein, dass diese Idealisten die irgendwelche Organisationen formen mit Leuten arbeiten müssen, die nicht wissen dass Schnitzel vom Schwein kommt und es eine blutige Sauerei ist an dieses Stück Fleisch zu kommen, und die bisher eine recht bequeme Vorstellung vom Leben hatten.

Vermutlich wird es auch ziemlich übel werden für die ganzen Tactical-Spielzeug-Sammler in den amerikanischen Bundesstaaten die an Mexiko grenzen. Es ist zwar keine Selbstverständlichkeit für die nächsten Jahre, das weiterhin Mexikaner die Grenze Richtung Norden überqueren werden, aber das Aufgebot was hier im Kriegs- und Krisenfall mobilisiert werden kann würde die Amerikaner dort schnell in Schwierigkeiten bringen. Ein amerikanischer Ex-Militär der sich für tausende Dollar Zielfernrohre, einen Geländewagen und Kleidung mit Klettflächen gekauft hat sieht sich, zusammen mit den paar Freunden die er vielleicht hat, dann zehn bis zwanzig armen Tagelöhnern aus Mexiko, Honduras, El Salvador und Guatemala gegenüber, die ein extrem entbehrungsreiches Leben gewöhnt sind und von irgendeinem Akteur mit billigen AKs ausgestattet wurden, damit sie die Südstaaten der USA von den Gringos zurück zu erobern und Beute machen.

Auch auf die Gefahr hin dass ich mich bei diesem Punkt wiederhole: Stärke liegt in der Zahl.



Kommentare:

  1. wiedereinmal ein richtiger "Aufsteller" ;-)
    nein, im Ernst: interessanter und fundierter Artikel, der sehr wahrscheinlich zutrifft.
    Dazu möchte ich aber noch zwei Fragen in den Raum stellen:
    1. Nach der Einschätzung des Autors oder anderer Leser: was glaub ihr, wo ist der "Break even point" ab welchem die technologische Überlegenheit nicht mehr auszuspielen ist? Z.b. ritten doch im 2. Weltkrieg ein paar (ja, wirklich nicht alle, nur ein paar!) Polen gegen die Panzer der Wehrmacht an. Ein Beispiel vom Mut der Verzweiflung. Die hatten aber keine Chance! Wieviele Reiter braucht es denn, um einen Panzer fertig zu machen (unter normalen Umständen, ohne unwahrscheinliches Glück).
    2. Wozu machen wir eigentlich diese Scheisse? Wozu soll man sich als "lonely Wolf" durchschlagen? Die Parole "lieber stehend sterben, als kniend leben" habe ich zwar verinnerlicht, aber abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass ich und alle anderen heute wirklich nach dieser leben, frage ich mich, warum man sich "vorbereitet" und sich nicht dem Hedonismus einfach hingibt, Defätist und Pazifist wird um einfach nur rumvögelt, statt sich mit Messern, Schusswaffen, Nahrungsdepots, Ortsverteidigung etc. beschäftigt. Wirklich nur Stolz oder die Hoffnung, doch etwas bewegen zu können?

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    1. 1. Keine Ahnung was für technologische Errungenschaften das Verhältnis kippen werden wie Schusswaffen das Verhältnis von Europäern gegen Steinzeitvölker gekippt hat.
      2. Wenn du keinen Bock drauf hast dann mach halt was anderes. Ich brauch hier keinen überzeugen. Ich mach das weil mir dabei einer ab geht.

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    2. Specktator. Es geht da drum wenn alles am Arsch ist trotzdem weiter zu machen und nicht irgendwas zu ändern oder zu bewegen. Nenn es Überlebenswille oder mach es zum Spas, ist am Ende egal wenn du es verreist. Du kannst dich natürlich auch kampflos auf einer Schnalle schlachten lassen, ist dein Problem.

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    3. I like that:
      "Nenn es Überlebenswille oder mach es zum Spas[s], ist am Ende egal wenn du es verreist". Ja, am Ende sind wir alle kaputt und es geht nur darum wer es in die nächste Runde geschafft hat. Num83er5 "x Kampfkraft"!

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    4. zu 1.: Äh, Atombombe? Klar, damit kann man nicht in Ländern operieren wo es gilt nur bestimmte Gruppen von Feinden auszuschalten, aber gegen ein anrennendes Millionenheer sollten diese Waffen doch ganz wirksam sein.

      zu 2.: Wenn es einem keinen Spass macht, muss man es ja nicht übertreiben. Wenn keine Zeit/Geld mehr zum rumvögeln bleibt, übertreibt man es bereits. Da 90% der Menschen sich gar nicht vorbereiten ist man schon besser dran als der Rest, wenn man n bischen was macht. Am Ende des Tages X muss man sich eh mit anderen zusammen tun, da muss dann nicht jeder alles können.

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  2. "Stärke liegt in der Zahl"
    Nicht nur...
    Stärke = Zahl x Kampfkraft

    Sieht nicht so aus als ob wir hier aus dem Odenwald oder Schwarzwald hunderttausende Söhne haben die nicht wissen wo hin mit Ihrer Kraft. Deshalb muss jeder den man hat eine ordentliche Ausbildung erfahren, die die Kampfkraft steigert...Schon klar das ein Kurs bei MagPul und eine leaf Jacke einen Krieger machen. Trotzdem muss man kämpfen LERNEN. Es reicht nicht den Willen dazu zu haben. Wer keine Masse hat muss die Qualität steigern um seinen Faktor zu erhöhen. Klar ist auch das irgendwann Schluß ist und die Deiche brechen. Bei allem Geschimpfe über "Tactical". Klar geht einem die Modeschiene gerade auf die Eier. Trotzdem nicht vergessen...Ohne militärische Grundkenntnisse braucht man gar nicht seinen Bunker verlassen...

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  3. Masse allein ist nicht alles. Wie im anderen Artikel beschrieben ist auch technische Überlegenheit entscheidend, die man aber nur pre collapse und nur im tatsächlichen Verteidigungsfall voll ausspielen wird.

    Noch ein Aspekt:

    Es ist für mich durchaus verständlich, dass man im Westen nicht einsieht, warum man die eigene Sicherheit am Hindukusch verteidigen soll. Israel ist auch stark westlich geprägt und dort ist die Opferbereitschaft deutlich höher weil die Gefahr real sichtbar ist und direkt vor der Haustür steht.

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  4. Wenns asymmetrisch wird muss Distanz hergestellt werden. Früher Gewehre/Artillerie . ...heute Drohnen.
    Man muss nicht in jedem Müllhaufen herumstochern.

    Und Drohnen geht mittlerweile durchaus auch privat.

    Also: Verlassen Sie die unmittelbare Gefahrenzone und erledigen Sie die Honks aus der Distanz !

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