Samstag, 21. Februar 2015

Bug-out Location 3: Geografie


Wenn man seine Bug-out Location in Friedenszeiten sucht hat man noch den Luxus zwischen verschiedenen geografischen Lagen auszuwählen. Hierbei kommt es natürlich darauf an wie schnell man im Ernstfall den eigenen Zufluchtsort erreichen könnte, ob man bereits dort wohnt, eine kleine Ortschaft über Landstraßen verlassen kann, oder in einem Flüchtlingsstrom der sich aus der Großstadt bewegt stecken bleibt.


Höhen

Militärische Geländebezeichnungen betreffend Höhen teilen sich auf in 
- eben mit 0-5 Meter,
- wellig mit 5-20,
- hügelig mit 20-100,
- bergig mit 100-1000,
- alpin mit über 1000,

Diese verschiedenen Arten von Geländewellungen haben alle ihre Vor- und Nachteile.


Ebenen lassen einen viel Bewegungsfreiheit und hier lässt sich auch im größeren Stil Landwirtschaft betreiben. Ackerflächen in den neuen Bundesländern sind oft für die Hälfte von dem zu haben, was man in Westdeutschland dafür verlangt.
Allerdings kann diese Bewegungsfreiheit auch ein Feind ausnutzen, der einen auf Ebenen auch schnell erspähen kann wenn nichts seine Sicht blockiert, wie bspw. ein Wald. Im Konfliktfall können Feinde hier ihre großen Waffen ausspielen und Flugzeuge finden recht einfach ihre Ziele. Ausnahmen bilden hier von Hindernissen wie Hecken durchzogene Gebiete, wie die französische Bocage. Diese Barrieren aus Geröll und Wallhecken wurden von den Bauern über Jahrhunderte angehäuft um ihre Feldfrüchte vor den kalten Windböen der Nordsee zu schützen.
Auch können Orkanwinde und Kaltwetterfronten sich in der nördlichen Tiefebene richtig austoben. Der Jahrhundertwinter 1962/63 hat Norddeutschland getroffen, nicht den Süden.


Hügellandschaften - Run to the Hills, run for your lives

Hügel sind meiner Ansicht nach die beste geografische Lage für einen Zufluchtsort. Die Täler bieten guten Sichtschutz und auch von einer Hochebene aus ist das Land herum deshalb nur bis zur nächsten Anhöhe einsehbar.

Auf Plateaus finden sich oft kleine Waldstücke und Gärten. Kleinwirtschaft ist hier gut nutzbar und auch gut vor Entdeckung und Plünderung zu verbergen.

Größere Felder können allerdings nur im Tal angelegt werden. Dazu erschwert der für solche Gegenden oft typische steinige Boden den Ackerbau, besonders wenn in einer Post Collapse Situation modernes Gerät und Düngemittel Mangel sind.

Auch Wasser ist hier leicht zu finden. Man erkennt Wasserquellen im Waldboden am Hang recht einfach durch die dunkel verfärbte Erde und oft treten sie auch einfach spontan aus. Der Rinsal auf dem Bild trat einfach aus dem Hügel aus und bahnte sich seinen Weg über einen Feldweg und einige Felder über das Plateau hinab ins Tal. Man kann solche natürlichen Wasserläufe nutzen um Fischteiche anzulegen oder um Schwarzbrennerei zu betreiben. Auch zur Energiegewinnung können Gefälle im Wasserlauf durch Flussturbinen genutzt werden.

Straßen sind in den meisten Tälern recht übersichtlich, was bedeutet das ein Weg in das Tal hinein und einer hinausgeht. Im Winter sind Straßen über die Hügel oft nur von geeigneten Geländefahrzeugen passierbar und daher in der Regel eigentlich gesperrt. Viele dieser Straßen waren während des kalten Krieges entsprechend präpariert worden um sie im V-Fall schnell sprengen und damit unnutzbar machen zu können. Mittlerweile werden diese Sprengschächte und Panzersperren unter hohem Kostenaufwand wieder beseitigt.


Wald
Oft ist im Krisenfall die erste Idee in den Wald zu flüchten und sich zu verstecken, da dies in der Vergangenheit von Menschen auch oft getan wurde. Hier gibt es gute Sichtdeckung und man findet Waldstücke auch in flachen Gegenden mit dichter Nutzung von Landwirtschaft.

Eine passable Bug-out Location mit Hütte und Wasserquelle im eigenen Waldstück ist in Deutschland, zumindest legal, so gut wie unmöglich zu errichten. Aber eine echte, sichere Bug-out Location verlässt in Deutschland ohnehin schnell den Boden der Legalität. Man kann allerdings auch gleich Waldstücke erwerben die bspw. über ein Dammwildgehege verfügen und Bauten als Fütterhütten oder ähnliches deklarieren, was die Bedingung von wirtschaftlichem Nutzen erfüllt.

Was die Vegetation des Waldes angeht gibt es hier einige Besonderheiten. Nadelwälder bieten das ganze Jahr hindurch gute Sichtdeckung, Laubwälder verlieren im Herbst ihre Blätter und geben eventuell den eigenen Standort frei.

Durch Wälder ohne Unterholz können größere Gruppen von Menschen hindurchlaufen als wären sie ein freies Feld. In Wäldern mit dichtem Unterholz kann man dieses zusätzlich als Deckung nutzen und leicht Fallen auslegen.
In Wäldern wachsen einige nutzbare Pflanzen und Kräuter, wobei man sich bewusst sein sollte, dass man davon allein nicht satt wird. Von Pilzen würde ich ohne Fachkenntnis absolut abraten, da das Risiko einer Vergiftung den geringen Nährwert übersteigt. Im Krisenfall können selbst leichtere Vergiftungen die nur zu Durchfall führen durch den Flüssigkeitsverlust tödlich enden.

Nutzpflanzenzucht zu betreiben kann im Wald extrem schwierig werden, da es hier durch die Bäume vergleichsweise weniger Sonnenlicht als auf freien Flächen gibt und einen hier lebende Viecher einfach alles wegfressen könnten. Es empfiehlt sich Kartoffeltürme und andere Arten von Hochbeeten anzulegen.
Hin und wieder findet man aber auf Lichtungen auch Kleinwirtschaft in Form von Gärten oder kleine Felder. Diese Parzellen betragen meist weniger als einen Hektar und sind auch meist nur noch Nebenprojekte, die nicht aus finanziellen Gründen bewirtschaftet werden.

Allerdings sind diese meist mit recht auffälligen Forstwirtschaftswegen bzw. Kieswegen verbunden die auf amtlichen Karten eingezeichnet sind und die man nur schwer tarnen oder verschwinden lassen kann.


Gebirge
Das Gebirge ist ein karger Ort und das Leben hier war seit jeher entbehrungsreich. Ressourcenknappheit führt zu stärkerem Konkurrenzdruck und daher haben Bergvölker den Ruf besonders raue Gesellen zu sein. Auch in Deutschland halten sich in den bayerischen Alpen noch hartnäckige bayerische Bergstämme, die es mit dem Gesetz nicht so genau nehmen, sehr traditionell und clanish sind. Die Mentalität der Bergstämme ist zu berücksichtigen, wenn man plant als Fremder an einen solchen Ort zu ziehen. Diverse Kurorte die mit einem Bad- beginnen sind hier bedingt durch die Gäste etwas offener, aber auch teurer.

Wälder und Seen sind nicht unbedingt schwierig zu finden, geeignetes Farmland hingegen schon. Almwirtschaft basiert überwiegend auf Nutztierhaltung von Kühen, welche im Sommer auf die Weiden oberhalb der Baumgrenze getrieben werden um die Weiden im Tal zu entlasten. Die trockene, dünnere Luft sorgt dafür, dass Winter hier kälter und schneereicher sind. Für Ski-Touristen, die sich auf Krankenkassenkosten die Beine brechen wollen, werden heute zwar die Schneekanonen angeworfen um Kunstschnee über den Pisten auszuschütten, aber dieser Zustand kann sich auch wieder ändern. Zudem gibt es im Gebirge die Gefahr durch Lawinen und Erdrutsche, die im ungünstigsten Fall den eigenen Zufluchtsort einfach verschlingen. Zum Lawinenschutz werden aber seit Jahren standardmäßig Schneezäune aufgestellt und andere Maßnahmen wie Betonsperren getroffen. Ältere Berghütten wurden früher noch teilweise in den Hang gebaut oder in ihrer Längsachse zum Berg gebaut und befestigt, dass sie einer Lawine wie ein Keil entgegenstehen.

Gebirge sind auch natürliche Barrieren. Auch kann man bei günstigem Wetter von dort aus sehr weit sehen.

Sich oberhalb der alpinen Baumgrenze aufzuhalten ist ungeeignet als dauerhafter Standort. Es gibt hier einfach nichts. Hier wächst nichts, es gibt kaum Viecher, es ist kalt und windig, kein Heizmaterial, kaum Unterschlupf und man wäre wohl gezwungen nomadenhaft herumzuziehen, immer auf der Suche nach Heizmaterial und Nahrung. Irgendwann endet man dann so wie Ötzi.

Generell ist gerade das Mittelgebirge aber ein guter Rückzugsort der sich auch empfiehlt, wenn man im Voralpenland lebt und arbeitet.




Dies ist der letzte Teil der in der Reihe Bug-out veröffentlicht wird.

Die bisherigen Teile werden überarbeitet mit viel neuem Material, Bildern, Anleitungen und Themen demnächst in einem Handbuch veröffentlicht.


Um alle Fragen vorweg zunehmen wann es denn erhältlich ist: Wenn es fertig ist.


Siehe auch:
Bug-out Location Teil 1 und Teil 2
Fluchtrucksack
Straßensicherheit und Mobilität


Kommentare:

  1. Wann isn das Buch endlich fertig ?? ;)

    ah und "Autorenkollektiv" klingt irgendwie sehr sozialistisch-Kommiehaft...

    (ich weiß ist Euch vmtl.scheißegal wie das auf mich wirkt :)

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    1. Bist nicht der erste der mir das sagt und dir sag ich auch, dass das nur ein Preview ist. Wahrscheinlich wird das Buch am Ende einfach unter Pseudonym erscheinen.

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