Donnerstag, 12. Februar 2015

Fremde Heere Teil 2


Pseudo-Operationen, Feinde terrorisieren, Misstrauen schüren und Ärger machen



Informationsbeschaffung:
Bevor ich gegen einen Gegner vorgehen kann muss ich möglichst alles über ihn wissen. Wir behandeln hier als Beispiel wieder die sowjetischen Proxygruppen in der Ostukraine.

Diese setzen sich zusammen als vergleichsweise wenigen lokalen Kräften, zugereisten Freiwilligen aus Russland und Einheiten welche die russische Regierung aus ihrem riesigen Reich zusammen zieht, wie bspw. tschetschenische Gruppen.

Wenn man eine Pseudo-Operation und Angriffe unter falscher Flagge starten will, dann muss man eine Lücke in der Struktur des Feindes finden, in die man schlagen kann. Die lokalen Kräfte von ortsansässigen Leuten zu imitieren ist zu riskant, da diese sich untereinander wahrscheinlich zu gut kennen werden. Die russischen Kräfte bieten sich eher an, wobei man hier allerdings fließende Russisch Kenntnisse braucht. Was sich am ehesten anbietet sind hier die tschetschenischen Kämpfer, da diese wieder eine eigene Sprache sprechen und von den lokalen sowie russischen Kräften relativ isoliert sind.

Kämpfer aus Tschetschenien finden sich in diesem Konflikt auf beiden Seiten. Die Einheit auf dem Bild steht auf Seite der Separatisten und hat sich in einer Ferieneinlage außerhalb von Donetsk einquartiert, die sie auch als Trainingsanlage nutzt. So sehen dann Putins Elitetruppen aus die sich den Oberlippenbart rasieren und Allahu Akbar schreiend europäische und slawische Werte vor Homosexualität und Dekadenz retten sollen. Sie müssen alle sterben.

- Organisation
Habe ich einen passenden Wirtskörper gefunden der als Hülle für Pseudo-Operationen dient muss ich meine Feindaufklärung in diese Richtung verstärken. In diesem Falle kann es hilfreich sein Literatur aus dem Tschetschenienkrieg zu Rate zu ziehen wie bspw. Fangs of the lone Wolf oder Forschungsarbeiten wie David Slays Goliath: A Chechen Perspective on the War in Chechnya. Dies kann einen Einblick geben in die Operationsmuster und das Vorgehen dieser Gruppen die man imitieren will. Auch von erbeuteten Dokumenten und Überläufern kann Gebrauch gemacht werden.

https://www.youtube.com/watch?v=eYpB-uuE638#t=0m17s
Dieser Screenshot aus einem Video des ukrainischen Militär Senders(ungefähre Übersetzung) zeigt ein Schriftstück über die Aufstellung und die Ausrüstung einer typischen Rebelleneinheit, in diesem Fall die Gruppe "Romanshka", was "Gänseblümchen" bedeutet.

Übersetzung und Auflistung aus dem ARES Research Report No.3. Die Einheiten sind im Stoßtruppverfahren organisiert und bestehen aus dem Angriffstrupp und einer Deckungsgruppe. Daher muss man davon ausgehen, dass wenn eine Gruppe Rebellen irgendwo auftaucht, eine andere ganz in der Nähe ist. Die Angriffsgruppe bzw. das Stoßelement ist leicht bewaffnet mit Sturmgewehren und einem DMR, in der Deckungsgruppe finden sich mittlere Maschinengewehre für Unterdrückungsfeuer und die Assistant Gunner. Alle Mitglieder haben Pseudonyme bzw. Rufnamen.

- Verkleidung
Ist das geklärt sollte man sich an die eigene Verkleidung machen. Die tschetschenischen Kämpfer hier tragen eine Mischung aus verschiedenen Tarnanzügen, wobei aber die neuen Shark Skin Softshell Anzüge im HDT Tarnmuster überwiegen. Dieses HDT ist eine Kopie von A-Tacs und wie dieses in einer grau/braunen(AU) und in einer grünen(FG) Ausführung zu haben. Die Jacke gibt es in der Ukraine für rund 2021 ukrainische Griwna, umgerechnet 70 Euro. Sie wird allerdings auch auf dem größten chinesischen Außenhandelsportal angeboten. Am Ende sind es echt nur noch die Chinesen die an irgendwas verdienen. Russische Gorkas bzw. Gebirgsjägeranzüge sind weit verbreitet und eignen sich auch immer. Auch sind die Separatisten oft Maskiert, was das ganze noch einfacher macht und man sich nicht mal einen falschen Bart ankleben muss.

- Aufstellung der Pseudo-Operationsgruppe
Um hinter feindlichen Linien zu operieren braucht man Leute die dafür echt Mut haben. Keine Selbstmordkandidaten, denn dies ist keine Selbstmordmission. Kamikazepiloten die in ihre Cockpits eingeschraubt wurden gingen auf Selbstmordmissionen, wir machen sowas nicht. Die Leute müssen Todesmutig sein und sich nicht gefangen nehmen lassen dürfen.

Wenn man solche Kandidaten gefunden hat muss man die Pseudo-Operationsgruppe unterteilen in zwei Untergruppen. Die Pseudo-Terroristen und die Überwachungsgruppe, welche ungefähr 24 Stunden vorher in das Operationsgebiet einsickern und die Lage ausspähen wird. Diese kann nach dem Long-range reconnaissance patrol (LRRP) Prinzip organisiert sein und fungiert als Rückendeckung.

- Russisch lernen
Ja, da graust es einem. Zumindest sollte man die Kommandos verstehen und genug, dass Ortsschilder gelesen, der Funk mitgehört und Parolen notiert werden können.


Operationsmuster
Die Pseudo-Terroristen sollten möglichst frei hinter den feindlichen Linien herumfahren können. Checkpoints sollten vermieden werden, der Kontakt zu Kämpfern der Gegenseite ebenso. Hier ist wie gesagt die Tatsache ein großer Nutzen, dass die ausländischen Kämpfer eine Sonderrolle einnehmen. Es wird eine Route in Abstimmung mit der Sicherungsgruppe verfolgt die durch das abgezielte Gebiet hindurch geht und nicht für den Rückweg benutzt wird.

Entlang der Route können Minen und Sprengsätze mit Zeitzünder verlegt werden, was eine Benutzung der Straße hinterher für die feindlichen Kräfte erschwert. Die Ostukraine teilt sich mittlerweile auf in mehrere kleine Gebiete die jeweils unter der Kontrolle eines Warlords sind. Die Kommunikation zwischen diesen Thiefdoms ist nicht sonderlich ausgeklügelt und sehr störanfällig. Wenn es irgendwo richtig Ärger gibt, dann will auch kein Warlord als schwach dastehen indem er um Hilfe bittet oder jeder erfährt, dass er sein Gebiet nicht kontrollieren kann.

Unsere Pseudos haben ebenfalls die Aufgabe nahe genug an die Insurgenten zu gelangen um bestimmte High Value Targets auszuschalten oder zu entführen. Dazu gehören die Warlords, ihre Leutnants und politische Figuren.

Die Überreste von Fieldcommander Alexander Bednov (Rufzeichen ,,Batman") und seinem Konvoi.

Trifft man auf eine größere Befestigungsanlage des Gegners macht es Sinn, dass die Pseudos sich dieser in friedlicher Absicht nähern und die LRRP Sicherungsgruppe dann einen Angriff auf diese Einrichtung inszeniert. Durch die Verwirrung werden die Pseudos als Unterstützung wahrgenommen und erhalten durch das Feuergefecht eventuell genug Sound Deckung um von Innen aufzuräumen. Das LRRP Team muss sich hierbei etwas verstreuen um größer zu wirken als es eigentlich ist, ordentlich Krach machen und blitzartig wieder verschwinden.

Der Bevölkerung Schaden zuzufügen beschädigt die Unterstützerbasis für die Insurgenten. Moralische Hemmungen sind hier unangebracht, da von der Volksrepublik bis zum Islamischen Staat hin sich der Pöbel immer dem unterwirft der gerade am stärksten erscheint und sich auch an seinen Gräueltaten beteiligt. Also scheiss auf diese Leute. Es reicht auch bereits wenn man so tut als wäre man betrunken und Scheiben einschmeißt. Falsche Checkpoints wo Geld erpresst wird sind auch eine gute Möglichkeit. Was wirklich die Bevölkerung gegen die Leute aufbringt die man gerade imitiert sind Entführungen, am besten von jungen Frauen. Dabei spielt es keine Rolle ob man sie tatsächlich den ganzen Weg bis in das eigene Gebiet mitnimmt oder einen Kilometer weiter einfach wieder absetzt, solange die Tat gesehen und am besten noch gefilmt wird.


Nachwirken
Hat man ordentlich Schaden angerichtet und Krach gemacht, so kann man das Chaos erst mal sich selbst überlassen. Wenn die Insurgenten reagieren wollen, dann sehen sie sich jetzt mit den eigenen Taktiken konfrontiert. Verminte Straßen erschweren die Bewegung und Verfolgung der Pseudos, Misstrauen unter den Einheiten kann jede Missverständlichkeit in einem Feuergefecht enden lassen. Wenn man die Möglichkeit hat den Funk zu stören und über sprachkundige Leute verfügt, so kann man auch die Einheiten der Insurgenten gegeneinander antreten lassen.


Happy Hunting



Siehe auch:
Die Reihe Insurgency
Pseudo Operations and Counterinsurgency: Lessons from Other Countries
Fremde Heere Teil 1


Kommentare:

  1. Die genannten Probleme mit Sprache, Ethnie, Terrain usw gründen mehrheitlich auf einem Einsatz in fremden Gebiet. Sowas ist nicht auf meiner Agenda.

    Wenn man das sucht, gehen die taktischen Vorschläge in einem solchen Bürgerkrieg in Ordnung. Man muss sich aber schon auch bewusst sein, dass sich der Gegner grundsätzlich ebenso verhält.

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    1. Das liegt daran dass als Beispiel der Ukraine Konflikt gewählt wurde.
      Warum sollte ein Deutscher da unbedingt mitmachen wollen?
      Es geht halt darum die im Einsatzgebiet übliche Sprache einigermaßen zu beherrschen, d.h. in D neben Deutsch evtl. Türkisch und Arabisch zB.

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