Freitag, 27. Februar 2015

Quit


Warum Menschen sich selbst aufgeben


Ich sehe Bilder von Massenhinrichtungen, bei denen eine relativ kleine Zahl an Henkern eine größere Zahl an Opfern tötet, und denke mir dabei immer wieder dasselbe: Warum lassen die das mit sich machen? Warum wehren die sich nicht? Was ist das schlimmste was noch passieren kann?

Hierbei muss man einige psychologische Grundaspekte verstehen.

Der sowjetische Militärjournalist und spätere Kritiker Wassili Grossman beschrieb in seinem von der Sowjetführung indizierten Buch Leben und Schicksal den psychologischen Effekt auf einen Menschen, wenn man diesen entkleidet. Er ist eben nackt und fühlt sich wehrlos. Die Nazis genau wie die Bolschewisten haben ihre Opfer vorher entkleidet und es somit einer Hand voll Henkern mit Zylinderverschlussgewehren erlaubt eine viel größere Zahl von Opfern eines nach den anderen zu ermorden, ohne dass diese irgendeine Gegenwehr leisten.
Mostovskoy once told him: ‘In the words of Heinrich Heine, “we’re all of us naked beneath our clothes.” But while one man looks miserable and anaemic when he takes off his uniform, another man is disfigured by tight clothing – you only see his true strength when he’s naked.’
In dem russischen Film Der Tschekist sieht man viel solche Nacktheit. Es ist nicht diese übliche Horrorfilm Nacktheit, wie man sie aus Filmen kennt wo sexy Teenager Nachts am See vom Machetenmörder gejagt werden. Es ist eine dumpfe Nacktheit in der Menschen den ganzen Film hindurch in den Keller geführt und erschossen werden. Die Dialoge dieser Menschen mit ihren Henkern verursachen eine Gänsehaut, weil es eben so real ist. Alle wissen das sie sterben werden, aber ihre Sorge dreht sich darum wer sich nun um ihre Katzen kümmern soll.


Ein Mensch aus einer Kultur in der Nacktheit als ein Tabu behandelt wird ist psychologisch total entwaffnet, wenn er einfach nichts mehr am Körper trägt.
In der Antike trainierten und teilweise kämpften die Griechen nackt und auch Angehörige von keltischen und germanischen Stämmen kämpften nackt, bis dieses irgendwann aus der Mode kam. Was eine Gesellschaft als Tabu wertet kann immer unterschiedlich sein. Wer gegenüber einem Tabu Schwäche zeigt, der zeigt gegenüber einem anderen Tabu genau so Schwäche und irgendwann landet man dann eben nackt in einer Grube. Womit Menschen kontrolliert werden bis zu diesem Punkt ist nicht wirklich Gewalt, es ist der gesellschaftliche Druck und eben Tabus, die einen dort hin lenken. Leute die über die "Nazi Keule" jammern und sich darüber Sorgen machen wie ihre Gruppe XY von den Medien dargestellt wird, die haben das nicht verstanden und zeigen weiterhin dem Folterknecht ihre größten Schwachstellen, dass er dort seine heißen Eisen reinstechen kann.


Fortsetzung folgt hier.


Siehe auch:
Leben und Schicksal oder Life and Fate von Wassili Grossman
Der Tschekist - Der Film ist auf russisch mit deutschen und englischen Untertiteln auf Youtube verfügbar


1 Kommentar:

  1. Es geht nicht nur um Nacktheit. Nix zu fressen, Haus verloren, dehydriert, schwitzen, frieren, den ganzen Tag rumlaufen, Familie verloren und das über Wochen und Monate, wer weiß, was die schon alles durchgemacht haben, bevor sie erschossen werden. Bei all dem Stress wird man entweder agressiv, oder depressiv. Die Agressiven wurden wahrscheinlich vorher schon platt gemacht und die Depris können sich einfach nicht wehren. Burn Out würd ich mal sagen, aber echter Burn Out und nicht der Scheiß, mit dem wir uns heute beschäftigen.

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