Donnerstag, 19. Februar 2015

Taktik: Aufklärer




Im Kleinkrieg ist ständige Wachsamkeit angesagt. Wenn der Konflikt zum Dauerzustand wird und jeden Moment ein Feind entscheiden kann, dass dies der richtige Zeitpunkt ist zuzuschlagen, dann ist ein Frühwarnsystem und Aufklärung überlebenswichtig. Den Sicherheitsradius um eine eigene Ortschaft zu vergrößern, Feinde zu überwachen oder Angriffsrouten für eigene Kräfte vorzubereiten ist in erster Linie die Aufgabe von Aufklärern am Boden. In einer Post Collapse Situation sind Drohnen eventuell nicht mehr vorhanden oder zu unzuverlässig um damit arbeiten zu können. Letztendlich sind Augen am Boden unersetzlich.


Auftrag
Der Auftrag von einem Spähtrupp ist nicht nur das Beobachten feindlicher Kräfte und die Frühwarnung der eigenen. Spähtrupps können in einer PC Situation ein Überwachungsnetz administrieren welches bspw. aus Wildkameras besteht, Fallen legen, Gefangene machen und gezielt HVTs entführen oder ausschalten, eigene Kräfte sichern und feindliche Kräfte die den Aktionsradius dieser verlassen wollen abfangen und umlenken. Ansonsten ist der Kontakt mit dem Gegner zu vermeiden. Die Hauptaufgabe ist aber das Beobachten.
Der jeweilige Auftrag kann sich über mehrere Tage oder Wochen hinziehen, wobei ich nahe lege das auf maximal eine Woche zu dehnen. Auch ist ein Einsickern in einen feindlichen Bereich per Gleitfallschirm oder Hubschrauber für den Survivalist nicht möglich, wie es bei modernen Fernspäheinheiten gemacht wird. Es ist aber auch nicht davon auszugehen, dass bei einer Post Collapse Kleinkriegssituation feste Frontlinien existieren die permanent überwacht werden. Sollte dies aber doch der Fall sein, so könnten eigene Kräfte in einem Bereich Gegner zurückdrängen, nur um dann wieder den Bereich zu räumen während das Spähteam sich dabei überrollen lässt. Die Teams sollten klein sein und zwischen drei bis maximal sechs Mann umfassen.


Personal
In einer Krisensituation kann man nicht wählerisch sein, aber hier ist es besonders wichtig nur geeignete Leute zu haben. Wichtig ist dass sie geduldig sind, nicht rauchen, nicht schnarchen(!), den körperlichen Anforderungen genügen und kein Problem damit haben eine längere Zeit draußen zu verbringen bei allen Wetterlagen. Die Teams sind einer vergleichsweise höheren Gefährdung ausgesetzt, weshalb es von Vorteil wäre hierfür ungebundene Männer zu finden. Bushcraft und typische Survival Kenntnisse sind durch die Auftragslage bedingt weniger wichtig.


Ausrüstung:
Der Survivalist und die Gruppe sollten sich hier an den Long-range reconnaissance patrol Einheiten der US Army orientieren, da diese auch viel besser dokumentiert sind als die deutschen Fernspäher.

- Tarnung
Alle Mitglieder einer Gruppe sollten möglichst die gleichen Tarnanzüge, oder zumindest stark ähnliche Tarnmuster, haben. Ein schlechtes Detail macht die Tarnung der ganzen Einheit zunichte.
Gesichter werden mit Tarnschminke unkenntlich gemacht, Waffen und Ausrüstung werden ebenfalls getarnt. Gerade für Rucksäcke können Stücke eines Tarnnetzes oder Eigenanfertigungen aus Netz und Rupfenstreifen bzw. Juteband helfen.
Körperpanzerung fällt durch die Auftragslage weg. Als Bekleidung nimmt man auch besser BDU Modelle und keine ACU, da diese Klettverschluss haben und Krach machen können. Im Notfall können Kleidungstücke auch eingefärbt und angemalt werden. Eigene Spuren müssen beseitigt werden (Das behinhaltet auch Exkremente. Frischhaltefolie einpacken, Klappspaten und Pfefferspray wegen der Spürhunde).

- Waffen
Bewaffnung kommt ganz darauf an wie der Auftrag ist. Rechnet man mit Kontakt oder soll einen Hinterhalt legen, so wären Sturmgewehre, ein Designated Marksman Rifle bzw. Präzisionsgewehr und ein leichtes Maschinengewehr angebracht. Soll der Kontakt vermieden werden, so sollten schon Maschinenpistolen ausreichen. Bei LRRPs waren auch Schrotflinten sehr beliebt, wobei hier wieder auf Geräuscharmut zu achten ist. Manche Vorderschaftrepetierer klappern wie eine Küche.
Generell ist aber wichtig mindestens ein Magazin mit mehr Schuss als den Standard bei sich zu haben. Für die AR-15 Versionen gibt es hier 40-Schuss-Magazine und bei AKs greift man gerne zu RPK Magazinen mit 45 Schuss. So kann länger Unterdrückungsfeuer gegeben werden, sollte diese nicht für den Kampfauftrag bestimmte Einheit auf Kontakt mit dem Feind stoßen. Wichtig ist es dann den Kontakt schnellstmöglich zu brechen. Auch Rauchmittel sind hierbei wichtig.

- Ration
Wie bereits erwähnt werden sich in einer Post Collapse Situation die Klassiker als Proviant durchsetzen, da MRE Pakete für die Einlagerung bis zum Krisenfall zu teuer sind und nur ein paar wenige Jahre halten, genau so wie diverses Trekking Food. Ziviles Trekking Food hat zudem den Nachteil, dass es erst gekocht werden muss, was bei einem Fernspähauftrag absolut nicht in Frage kommt. Rationen sollten bestehen aus Trockenfleisch, Dosenbrot, was man an wasserarmen Konserven hat sowie Studentenfutter aus Nüssen und Trockenfrüchten. Koffein als Pulver oder in der Hartschokolade empfiehlt sich zudem. Ein Wasservorrat sollte mit zwei Litern pro Tag eingeplant werden. Am Koppelzeug können hierfür zwei 1qt Feldflaschen getragen werden oder eine 2qt Feldflasche. Im Gepäck führt man den restlichen Wasservorrat am besten in faltbaren Trinkbeuteln mit, die zusammen gerollt werden können wenn sie geleert wurden. Wasserstellen suchen würde das Team unterwegs vom Auftrag ablenken und das Risiko der eigenen Entdeckung erhöhen.

- Kommunikation
Die Kommunikation der Gruppenmitglieder untereinander erfolgt nur durch Handzeichen oder direktes Flüstern in das Ohr des anderen. Abhängig von der Funktechnik welche die Gruppe zu Verfügung hat ist ihr eigener Aktionsradius, weshalb es notwendig sein kann eine Kontrolleinheit zu haben, die als Knotenpunkt zwischen dem vorgelagerten Spähteam und der Basis fungiert. Zu einer vorher festgesetzten Routine werden Klicks abgegeben als Lebenszeichen. Karten und Begriffe werden vorher codiert und Zonen festgesetzt, damit dringliche Funksprüche codiert abgegeben werden können. Es sollte auch ein Muster von wechselnden Frequenzen existieren.

- Zusätzliches Equipment
Was man sonst mitnehmen sollte hängt von Auftragslage und Jahreszeit ab. Siehe dafür auch Themen wie Trageausrüstung und so weiter. Bei einem Spähtrupp wäre mindestens ein Nachtsichtgerät von großem Vorteil, auch wenn Bewegungen bei Nacht nicht beabsichtigt sind.








- Trainieren
Long-range Recon oder Scouting ist eine Sache die kann man heute noch sehr leicht üben. Wer in Deutschland gemeldet ist kann sogar legal im Wald schlafen und ein Feuer zu machen ist sowieso nicht vorgesehen. Das ist allerdings kein lustiger Wochenendausflug, sondern da muss bei allen schon Wille dabei sein.


Siehe auch:
Trageausrüstung Teil 1 und Teil 2
Die Schützengruppe
US Army Long-Range Patrol Scout in Vietnam 1965-71 vom Osprey Verlag
Light Infantry Tactics For Small Teams von Christopher E. Larsen 
US Army Ranger Handbook
Tactical Hand Signals
Fieldmanual 5-20A Camouflage


Kommentare:

  1. Kleiner Wink an die Leute die meinen Taktisches Training sei Humbug... Break Contact Drills sind hier unerlässlich und müssen in Fleisch und Blut übergehen sonst war der erste Spähtrupp vieleicht der letzte...

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  2. Möglicherweise wäre auch Tarnkleidung des Feindes die beste Tarnung. "Aha, das ist einer von uns, dem können wir vertrauen" ... auch wenn es nur ein Späher und Spion ist.

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    1. Ich habe das in Fremde Heere Teil 2 beschrieben.

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