Donnerstag, 12. Februar 2015

Trageausrüstung Teil 2



Bevor man sich etwas anschafft und damit dann herum experimentiert macht es Sinn sich Fachliteratur und Handbücher über diverse Ausrüstungsgegenstände zu beschaffen. Für amerikanische Ausrüstung wären das Dinge wie das US Army Ausbildungsmerkblatt (Training circular) TC 10-19 für das ALICE Tragesystem, das speziell auf den ALICE Rucksack bezogene ALICE Pack Manual, Handbücher zu den Nachfolgesystem IIFS, sowie US Army Combat Equipments 1910-88 der Men at Arms Serie vom Osprey Verlag.


Dinge die man dabei haben sollte
Für kurze Scouts über zwei bis drei Tage im Sommer reichen acht Magazine plus eins in der Waffe, zwei Handgranaten, Rauchmittel bzw. Nebeltöpfe, Bug Juice bzw. Insektenschutzmittel, Kochgeschirr mit Besteck, zwei Liter Wasser plus Wasserreinigungstabletten und Trinkbecher, Messer, Taschenlampe mit Tarnblende, Rationen aus Trockenfleisch, Studentenfutter, Koffeinschokolade und Reis, Tarnstift, Regenponcho, Zeltbahn, Handtuch, Mückenschleier, Fußpuder, Desinfektionsmittel (bspw. Betadine, Propanol oder auch Vorlauf vom Schnapsbrennen), Waffenreinigungsset, was zum Feuer machen, Kompass, Paracord, Socken zum Wechseln und unter Umständen ein Set Kälteschutzkleidung für die Nacht. Handschuhe zählen eigentlich zur Bekleidung, aber ich erwähne es hier trotzdem noch mal. Das passt für Gewöhnlich alles in die Taschen am Koppel oder der Kleidung.


Für den Winter braucht man zusätzlich Isomatte, Schlafsack, Unterlage für diesen oder gleich einen Biwaksack, Klappspaten, Klappsäge zum Bau eines Shelters und zusätzlich einen Rucksack um das ganze besser transportieren zu können. Mehr zu dem Thema Gepäck in Zukunft.


Kombination mit einem Rucksack
Für etwas längere Unternehmungen muss oft mehr mitgenommen werden als an das Tragegestell passt. Hierfür einen leichten Rucksack zu nehmen der sich gut mit der Trageausrüstung kombinieren lässt ist eine große Hilfe.

Und hier möchte ich noch mal klarstellen, dass keiner mit irgendwelchen 300 Liter Rucksäcken in einer Post Collapse Situation "ausbuggen" oder Kommando Shit machen wird. Mit derartigem Gepäck können sich die meisten oft nur auf festen Wegen fortbewegen.

Als Rucksack in Verbindung mit dem Tragegestell reicht bereits ein ALICE Medium oder der deutsche Gebirgsjägerrucksack. Wenn dieser auf der Buttpack bzw. "Kampftasche"(blödes Wort) aufliegt trägt das Koppeltragegestell das Gewicht mit und verteilt es besser.

Hier wurde eine Tasche die eigentlich für ein MOLLE System gedacht ist mit ALICE Clips an einem US Lochkoppel befestigt. Normalerweise sind Buttpacks für Koppelsysteme oben mit extra D-Ringen ausgestattet in die das Tragegestell eingehakt wird um das Gewicht direkt zu tragen und weiter nach oben zu verlagern. In diesem Fall war das keine ideale Lösung, aber man kann damit arbeiten.


Modifikationen und Eigenbau
And what do you desire, Rick?
 -   Naaah, i make my own stuff.
Was man oft sieht ist, dass in die Koppeln streifen von zerschnittenen Isomatten getaped oder mit Schnur befestigt wurden, da diese bei längerem Tragen unangenehm scheuern können.

In Deutschland kann es im Krisenfall notwendig sein ansonsten nutzloses Material zu modifizieren um es wieder verwendungsfähig zu machen.

Typisches Beispiel für Verplanung im Militär ist das Bundeswehr Lochkoppel, wo jede Tasche einen Adapter benötigt. Dieses System wird noch begrenzt von der ungarischen Armee verwendet und man sah es auch oft als Spende in der Ukraine. Man könnte allerdings mit Gurtband zwei Reihen MOLLE-Streifen darauf nähen um Taschen anzubringen. Die Schultergurte taugen auch nichts, können aber ersetzt werden.

Was Leute oft tun ist die massenhaft verbreitete Individual Tactical Load Bearing Vest auszuschlachten, zwecks ihrer brauchbaren Schultergurte.

Der Autor der Seite themilsimperspective.com hat hier aus den Schultergurten und dem Rückenstück einer LBV Weste ein Koppeltragegestell gebaut, indem er vorne die Gurte und Magazintaschen entfernte und sie mit den Y-Aufhängern von zwei ALICE Koppeltragegestellen ersetzt hat.

Neuanfertigung für acht AK-47 Magazine die einfach mit den Schultergurten der IIFS Tactical Load Carrying Vest und dem Rückenteil kombiniert wird.

Bei deutschen Legalwaffenbesitzern ist in der Regel gut Geld da und diese sind auf derartige Improvisationen nicht angewiesen. Im Konfliktfall muss man sich bei der Bildung von Gruppen und Gangs aber auch um andere Menschen kümmern können, weshalb es wichtig ist improvisieren zu können. Bessere Ausrüstung erhöht den Aktionsradius der eigenen Kräfte und hebt auch die Moral.


Siehe auch:      
Trageausrüstung Teil 1
FM 21-15: Care and Use of Individual Clothing and Equipment 1977
Modular Lightweight Load Carrying Equipment MOLLE - Care and Use Manual
Use and Care of the Integrated Individual Fighting System


1 Kommentar:

  1. Interessante Anregungen.
    Was ich mich allerdings frage ist, warum die Militärfahrräder der schweizer und der schwedischen Armee abgeschafft wurden.

    Waren die nur taktisch uncool oder hatte das echte Gründe.

    Ansonsten sind die Dinger leise, schnell, belastungsfähig und unkompliziert.

    Opa erzählte auch immer mit Begeisterung, wie die Finnen in einem effizienten Ameisensystem Nachschub auf gut konstruierten Schlitten an die Ladogafront brachten.
    Im Sommer wurden die Kufen gegen Räder getauscht. Und gut wars.

    Die Annäherung an die Front erfolgte zunächst in aneinander gebundenen motorisierten Schlittenkonvois, die dann aufgelöst wurden und einzeln nach vorn gebracht wurden..

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