Mittwoch, 11. Februar 2015

Über Mode

Über Begierde und Lebensgefühl des Neuen


Für den Outdoormarkt gibt es ja alle mögliche Mode die letztendlich allerdings bei Leuten landet, deren krasseste Outdooraktivität es ist vielleicht einmal in der Woche im Regen vom Parkplatz zur Wohnungstür zu gehen. Das eigentliche Produkt der Outdoorindustrie ist das Lebensgefühl, nicht der Gegenstand selbst.

Mode in der Geschichte
Männer sind was Mode angeht oft so eitel wie die Weiber und genau so wie Weiber schmücken und verzieren sie sich nicht um das andere Geschlecht zu beeindrucken, sondern gegenüber dem eigenen einen Status zu unterstreichen. Keltische Krieger bemalten sich die Gesichter und rieben sich die Haare mit Kalk ein wenn sie in die Schlacht zogen. Bunte Schilde, Helmschmuck, Tätowierungen, Talismane und verzierte Waffen waren über Jahrtausende die Mode der Männer. Die deutschen Landsknechte des Spätmittelalters kauften sich von ihrem vergleichsweise hohen Sold oft die edelste Kleidung und der Reichstag befreite den Soldaten auch von der ansonsten recht strengen Kleiderordnung der Stände. Wenn man viel Geld macht aber jeden Tag sterben kann, so wirft man es oft mit beiden Händen raus. Was von damals bis in die heutige Zeit nachwirkt ist das Barett als typisches Kleidungsstück von Militärs auf der ganzen Welt. Ursprünglich ein Kleidungsstück der Schreiber aus der akademischen Schicht und Beamtenklasse fand es auch bei den Landsknechten Verbreitung.

Durch die Formierung der New Model Army und dem Trend der Uniformierung von Militärs verschwanden diese Freiräume allmählich. Erst in der Neuzeit gingen Soldaten wieder dazu über sich kommerziell Uniformen zu beschaffen. Ein Beispiel dafür ist die Verbreitung von kommerziellen Duck Hunter Tarnanzügen bei US Special Forces und Militärberatern in Vietnam.

Heute lebt die Tactical Modebranche von privaten Sicherheitsdienstleistern und Hobby-Kommandos die meinen, ein solches Outfit lässt sie besonders professionell wirken. Der eigentliche Zweck dieser taktischen Kleidung ist dabei nicht wirklich das taktische Element was eigentlich kaum vorhanden ist, sondern das formalisieren des Akteurs in der Umgebung seines typischen Einsatzbereiches.

Hier ist ein solches Auftreten absolut angebracht. Man sollte etwas formal, zivil und unauffällig sein, ergo nicht besser gekleidet als die Leute denen man dient. Im wirklichen Felddienst würde aber niemand helle Hosen tragen


Modeindustrie
Jedes Kleidungsstück muss nützlich sein bevor es schick ist. Alles andere ist Schmuck.
Die Modeindustrie heute lebt aber nicht davon Dinge zu verbessern, sondern einfach von dem Lebensgefühl des neuen. Als Teenager hatte eine Freundin von mir ein Modedesign Studium im Westeuropäischen Ausland angefangen, wobei sie in typisch weibischer Art glaubte irgendwie ihre beschränkte Kreativität ausleben zu können. Hin und wieder hab ich dabei "geholfen", aber letztendlich meine Klappe gehalten zu allem was praktisch, logisch oder nützlich hätte sein können. Ich will emanzipierte Frauen ja nicht mit meiner patriarchalischen Art an ihrer Selbstverwirklichung hindern und es war viel mehr Vorfreude darauf Sie mit ihrem Konzept auf die Fresse fliegen zu sehen, was sich zusammen gesetzt hat aus schlechter Kunst mit Botschaft, als ob man die Antwort für den Weltfrieden in einem Rubiks Würfel versteckt hätte. Wäre sie mal nicht so rechthaberisch gewesen. Dieses Studium kostete ihre Eltern viel Geld und kam mir als Betrachter vor wie der Kunstunterricht in der Grundschule verbunden mit einem ausbeuterischen Praktikum wo man sich privilegiert fühlen sollte narzisstischen Psychopathen der Modewelt dienen zu dürfen. Eine der Aufgaben die in dem Studium gestellt wurde war irgendwie aus französischen und deutschen Uniformen der 1920er bis 40er Jahre neue Stücke zu entwerfen, wobei alles was sie fabriziert hat zusammengeklebte Collagen waren. Kein Witz halt. Deutsche Uniformen sind von Hugo Boss und Neckermann entworfen worden. Wie kann man das bei so einer Vorlage versauen?! Am Ende des Tages hat sie das Studium geschmissen und eine Lehre in der Gastronomie angefangen. Richtig so. Mach lieber ein paar Sandwiches. Wer so eine Vorlage versaut hätte nicht mal ein paar Socken entwerfen können.

Die Modeindustrie selbst klaut nämlich auch nur.

Marc Jacobs hat ja als homosexueller Mann einen ganz besonders kreativen Ruf in der Szene, was diese Kopie ja so derartig amüsant macht. Für ursprünglich 558 US Dollar gab es diese Kopie einer sowjetischen Afghanka Jacke der roten Armee. Was sagt das über Kreativität aus, wenn jemand von den Sowjets kopiert?

Dieses Jäckchen hier ist eine Kopie der Bundeswehr Feldbluse von Leo Köhler. Die zwei Knöpfe sind ursprünglich dafür gedacht, dass dort eine Bundeswehrtaschenlampe festgemacht werden kann.

Dieses Stück von Billionare Boys Club erinnert ziemlich an Schlupfhemden der Waffen-SS. Der Tarndruck ist eine etwas abgeänderte Version des Eichenlaubmusters und die Taschen wirken wie nach außen gestülpt, wie sie oft bei Schlupfhemden getragen wurden. Die Mollestreifen sind wohl eher zur Zierde gedacht und ich bin mir bei diesem Stück nicht ganz sicher, ob es jemals dazu gedacht war wirklich getragen zu werden.

Dieses Bild ist auf einer GQ Modenschau gemacht worden. Die Schuhe sind Kopien französischer Dschungelstiefel wie sie für den Indochinakrieg entworfen und später auch von den Nordvietnamesen und der chinesischen Volksbefreiungsarmee verwendet wurden. Es ist ein bis heute beliebtes Design für Schuhe, da sie billig herzustellen und vergleichsweise langlebig sind. Die Sohle ist aus Hartgummi und der Rest aus stabilem Canvas Segeltuch. Ich hab solche Schuhe selbst für etwas mehr als zwei Monate in tropischen Verhältnissen zur Regenzeit getragen, wobei sie sich besser bewährt hatten als modernere Modelle. Das Schlupfhemd mit Kapuze erinnert an Modelle wie man sie von der Wehrmacht kennt.


Kopieren ist gut
Ob das wohl originale 5.11 Tactical Halbfingerhandschuhe sind, oder nur Kopien von einem Plagiator der auf einem großen chinesischen Außenhandelsportal anbietet? Wen interessierts!

Kopieren in der Modewelt ist wichtig um Trends zu markieren und verbilligt den Preis der Produkte. Ist ein Design erfolgreich werden viele andere dieses Design kopieren. Dieses Design wird so im Laufe der Zeit verbessert um weiterhin konkurrenzfähig zu sein. Von großen Modehäusern zu kopieren oder von anderen Herstellern wird auch oft mit der Redewendung Damnum absque injuria beschrieben, dem Verlust ohne zu Schaden. Sie machen keinen Gewinn mit Plagiaten, es entsteht aber auch kein messbarer Schaden. Leute die in prestigeträchtigen Modehäusern einkaufen wollen wo sie von Angestellten umschwärmt werden tun dies wegen des Lebensgefühls und werden das auch weiterhin tun, während den Leuten der unteren Einkommensschichten mit dem Plagiat eine Möglichkeit gegeben wird ebenfalls gut gekleidet zu sein.


Was bedeutet das für den Survivalist?
Tja, was kann das wohl bedeuten über Mode zu reden? Ist die Wirtschaft nach einem Kollaps Szenario am Boden, so muss man Konzepte und Ideen von den Wirtschaftszentren kopieren und plagiattieren, die noch funktionieren. Die USA und Deutschland haben dies zu Beginn des letzten Jahrhunderts getan und auf diese Weise England als Wirtschaftsmacht im Freihandel den Rang abgelaufen. Lizenzen und Verbreitungsrechte sind ein Luxus den man sich in einer Post Collapse Situation nicht nur nicht leisten kann, sondern die auch durch den Mangel an Durchsetzung bedeutungslos sind. Sollten andere Wirtschaftsräume Strafzölle verhängen wollen oder Produkte komplett vom Markt ausschließen, so kann der Plagiator immer noch den Markt durch Schmuggel fluten.

Das hier ist eine Feldflaschentasche von Maxpedition die für gewöhnlich nicht unter 20 Euro zu finden ist. Nur warum hat sie zwar MOLLE Streifen auf der Rückseite, aber keine Verschlüsse? MOLLE ist ein patentiertes System und das Anbringen der Verschlüsse mit Druckknopf bedarf eigentlich einer Lizenz. Andere Hersteller ignorieren dies einfach oder finden andere Lösungen, aber Maxpedition ist ganz schlau und verzichtet einfach komplett, wobei diese Feldflaschentasche als einzelnes Produkt nutzlos ist.




Siehe auch:

Post Collapse Economy: Neustart
Über Hosen
Schattenwirtschaft
Kleidung und Ausrüstung

The Complete Book of International Smuggling
The Knockoff Economy: How Imitation Sparks Innovation
Zur Geschichte der Kostüme


Kommentare:

  1. Schönes Beispiel, wie man eine AK vermurksen kann:
    Rails auf dem Deckel+Zielfernrohr für weite Distanz mit abartig hoher Montage. Ein Schuss und das Ding ist verstellt, weil der AK Deckel nicht fixiert ist.
    Eisenvisierung nicht mehr nutzbar. Und das auf dem Hintergrund, dass die Ak eine gute Seitenmontage ermöglicht.
    Und nein, das 75er Trommelmag ist nicht mit Vordergriff benutzbar. Hält sie deshalb auch wie einen Dildo.
    Was für ein konzentrierter Schwachsinn in nur einem Bild.

    Aber zum Thema. Ein Imageschaden, der bis heute nachwirkt ist das Rambo Survivalmesser mit Riesenklinge und hohlem Griff für diversen Survival Unfug.
    Bricht immer am Parierelement, weil die Klinge nicht durchgeht. Aber wird immer noch gut vertickt wg Stallone Image.
    Besser und irgendwie genial war der falsche Hinweis von Bruce Willis mit der deutschen Plastikpistole aka Glock, die man auf Scannern nicht erkennen könne.
    Hat einen irren Boom ausgelöst.
    Überhaupt Glock....echtes Profi Marketing. Buchempfehlung:
    The rise of America's Gun von Paul Barret.

    Mit welcher Cleverness die mit gutmenschlichen Waffengegnern Ping Pong gespielt haben und gleichzeitig die Glock zu einem Livestyle Produkt geformt haben....ganz grosses Kino mit einem chronisch notgeilen Gaston Glock als witzigem Nebendarsteller.

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  2. "mit der deutschen Plastikpistole aka Glock"

    Der Ordnung halber; Glock ist eine österreichische Firma.

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    1. Das war ja eigentlich der genau der geniale Marketing Scoop.

      Jeder Waffenkundige wusste, dass Willis was Falsches gesagt hatte und das wurde in endlosen Debatten in tausenden US Waffenforen wieder und wieder debattiert.

      Und alle fühlten sich h großartig, weil sie mehr wussten als Willis.

      Überall wurde über Glock debattiert. Monatelang... Am Ende wusste jeder über die Waffe jedes Detail und jeder wollte eine haben.
      Den Effekt hat die klassische Glock Titten Promotion, die parallel lief nie erreicht .

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  3. Ich empfehle jedem, der nach dem Motto "besser gut geklaut als schlecht erfunden" Textilien herstellen und vertreiben will, folgende Seite:
    http://tl.baainbw.de/AG-Bund/TL/ML_Suche_TL.asp?SV=DE
    In die Suchmaschine einfach Suchbegriffe wie Feldjacke, Hose o.ä. eingeben. Die Ergebnisse sind die TL-Anforderungen der Bundeswehr, die Textilien, Prüfungsanforderungen und vor allem Schnittmuster von Bekleidungen als Pdf enthalten. Diese können auch als Basis für Eigenentwicklungen verwendet werden.

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    1. Sehr guter Hinweis. Danke!

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