Freitag, 27. März 2015

Die Ausdünnung der Herde

Rückkehr natürlicher Selektion im Post Collapse Szenario


Gehen wir mal davon aus, wir haben zwei Arten von Zivilisation die nebeneinander existieren.
Die eine Art ist die einer urbanen Gesellschaft in Wohlstand und Frieden, da sie so wohlhabend ist, dass sie jedes Problem einfach wegbezahlen kann. Dadurch ist diese Gesellschaft auch sehr konfliktscheu geworden und der individuelle Bedarf an Kindern als Arbeitskräfte ist extrem rückläufig.
Die andere Gesellschaft ist eine mit geringeren materiellen Produktionsraten, weniger Wohlstand, hartem Konkurrenzdruck um wenige Ressourcen und Positionen innerhalb der Gesellschaft.

Ein solches Verhältnis der Gegenüberstellung sah man in der Geschichte bereits endlose Male und oft waren es die primitiveren Gesellschaften, in denen Konflikt und Konkurrenz den Alltag der Mitglieder bestimmt hat, die höher entwickelte Zivilisationen zu Fall gebracht haben.
Der primitiveren Gesellschaft kam hierbei immer zum zugute, dass sie Konflikt- und Entbehrungsgeprüft war, während die entwickeltere Gesellschaft sich vor diesen Dingen in Hedonismus und absolutistischen Schwachsinn flüchtet. Solche Gesellschaften entfernen Konflikte aus ihrem Alltag um das allgemeine Leben besonders Frauen- und Kinderfreundlich zu machen, wobei sie sich lediglich selbst schwächen und die Zähne ziehen. Je einfacher etwas wird, desto weniger Bemühungen wird man dafür aufbringen.

Bei der primitiveren Gesellschaft die oft unter Entbehrungen leidet gibt es kaum Müßiggänger und erst recht keine unproduktiven Mitglieder, für die sich die Allgemeinheit verschuldet um ihnen Sozialhilfe und Krankenversicherung zu finanzieren. Jeder macht irgendwas für den Selbsterhalt. Wenn er in einer Sache nicht gut ist, dann findet er eine Sache in der er gut ist, weil er keine andere Wahl hat.

In der westlichen Gesellschaft die wir heute haben ist Konkurrenzdruck nicht mehr vorhanden. Auf 100 Arbeitskräfte die in die Rente gehen wachsen überhaupt nur noch um die 72 Menschen nach, die das Arbeitsalter erreichen. Von diesen verbringt die Hälfte dann die nächsten Jahre erst mal im Studium, ein kleiner Teil sucht sich eine Lehrstelle und der Rest landet in der Sozialindustrie. Weil diese Dinge aber auch nicht knapp sind und keine Mühe oder Anstrengung mehr verlangen verlieren sie gegenüber den nachwachsenden Generationen an Wert, denn Wert wird definiert durch Verfügbarkeit und involviertem Risiko. Das Resultat ist nach dem Hedonismus der Verfall in die Überdrüssigkeit und der langsame Übergang von der Konfliktscheuheit zur Konfliktsuche.

Wer sich wie ein verbitterter alter Grufti über die jungen Menschen heutzutage beschweren will, wie schon Millionen von alten Gruftis vor ihm deren Knochen längst zu Staub zerfallen sind, der solle bedenken, dass er diese Generationen mit erschaffen hat. Was macht den Unterschied zu der Zeit als die Babyboomer jung waren und ein Mensch auf dem Mond gelandet ist zu heute aus? Ein junger Mensch damals musste keine Millionenheere von Transfergeldempfängern bezahlen. Heute sind die Nationen pleite, haben kein Geld und keine Hoffnung mehr. Junge Menschen suchen ihr Glück in der Fremde und lassen ihren Anteil an der Staatsverschuldung zurück. Zurück bleiben die sterilen Alten.

In der Ukraine ist eines besonders auffällig: Man sieht fast nur alte Weiber. Die Jungen sind entweder schon alle abgehauen oder wurden erst nie geboren. Hauptsächlich bleiben die kinderlosen Pensionäre zurück und warten auf humanitäre Hilfe. Der Unterstützerkreis der neo-sowjetischen Insurgenten findet sich vor allem bei den Alten, die jemanden wollen der sich um sie kümmert. Alte Leute stehen bei der Verteilung von Hilfsgütern aber nicht sonderlich weit oben auf der Liste.

Eine weitere Auswirkung welche die langsame Verelendung der Alten auf die Jungen hat, ist das sie deren moralisches Empfinden aufweicht. Alle diese Radikalen aus den 1960er Jahren führen heute ziemlich unglückliche Leben, wurden selbst wieder zum Establishment und der Lerneffekt für einen jungen Menschen ist, dass es einem überhaupt nichts bringt idealistische Prinzipien wie einen Bauchladen vor sich herzutragen oder auch nur doppelzüngig und verlogen vortäuschen zu wollen die Welt zu verbessern. Eine ganze Generation geißelte sich selbst wie die Flagellanten wegen Waldsterben, Umweltverschmutzung, sozialer Ungerechtigkeit und allem anderen was schlecht ist in der Welt, indem man sich selbst bestrafte mit Energiesparlampen, Feinstaubplaketten, hohen Abgaben im Ablasshandel und so weiter. Das eigene Leben wurde nicht besser, es wurde nur irgendwie moralischer. Das geht jetzt eine ganze Weile so und alles was passiert, ist das Menschen alle Hoffnung fahren lassen und sich nicht mehr vermehren eben weil es keine Hoffnung gibt. Die Leute können sich selbst geißeln wie sie wollen und trotzdem kommt kein Engel vom Himmel herab der sie für ihre Demut mit dem Paradies belohnt. Und die Jungen sehen das, die sehen das Tugendhaftigkeit und Regeln befolgen einem nur selbst schaden und einen ausbremsen.

Ich persönlich bin jemand, der vor Alter allein absolut keinen Respekt hat. Irgendwer hat diesen Hitler ja gewählt und es waren ganz sicher keine Teenager, die sich Sozialversicherung und Schulpflicht ausgedacht haben. Lediglich hohes Alter erreicht zu haben ist heute keine Leistung im Überlebenskampf mehr, sondern lediglich das Resultat von Passivität. Für unsere Spezies war es lange Zeit sinnvoll auf den Rat von älteren Angehörigen zu hören und diese haben auf der Basis ihres bisherigen Lebenswerkes an Arbeit und Vermehrung höhere Positionen in der Gemeinschaft besetzt. Es war die eigene Leistung materiellen Wert anzuhäufen und Söhne zu zeugen, die wiederum Söhne zeugen und einen zum Häuptling des eigenen Stammes machen. Das gibt es heute nicht mehr und die Deutschen blicken mit als Herablassung getarntem Neid auf die ausländischen Großfamilien und Clans, die aggressiv und expansionistisch mit der Hilfe vieler Söhne sich in der greisen Republik breit machen.

Der durchschnittliche Deutsche ist heute bereits 46 Jahre alt, Tendenz steigend. Bestrebungen das gesellschaftliche Klima in die Richtung der Altenverträglichkeit zu ändern, wie es bspw. der verstorbene Frank Schirrmacher in seinem Buch Das Methusalem Komplott behandelt, sind irrwitzige und zum scheitern verurteilte Vorstellungen, die lediglich den eigenen Untergang erträglicher gestallten sollen. Der Krisenfall trifft solche Gesellschaften wie ein Vorschlaghammer und Gewalteinwirkung wird nur einen sehr kleinen Teil des großen Sterbens ausmachen. Die Alten werden sich sehr schnell in zwei Gruppen aufteilen: Die eine Gruppe, die noch versucht sich nützlich zu machen und dabei genau weiß, dass ihr Überleben keine Priorität besitzt. Die andere Gruppe, die sich nicht mehr nützlich machen kann und relativ schnell auf natürliche Weise ausgedünnt wird.

Die erste Gruppe ist auf ihre eigene Initiative angewiesen und nur wenn sie spezielle Qualifikationen hat, die den jeweiligen Gruppen von Überlebenden nutzen können, werden diese Leute umworben. Jemand der 20 Jahre Chefchemiker bei DIEHL war wird gefragter sein als Jemand, der 20 Jahre lang von 9 bis 15 Uhr in der KFZ Zulassungsstelle seinen Stuhl gewärmt hat. Verbeamtete Schreibtischtäter verlassen den Genpool. Auch Vorstellungen von "Was Oma noch wusste" sind illusorisch, da Krisen früher die Menschen genau so getroffen haben. Ein Ausfall von Klimaanlagen, Menübringdiensten und Versorgungsketten für Medikamente wird den Pflegenotstand in zwei bis drei Wochen lösen. Krisen wie Seuchen, die auch bei Hungersnöten mehr Menschen töten als das Verhungern, fordern unter den Kindern und den Alten die meisten Opfer. Chronisch Kranke wie Diabetiker haben sowieso schlechte Chancen.

Es kommt bereits Pre Collapse gelegentlich vor, dass Menschen in ihrer Wohnung sterben und wochenlang nicht entdeckt werden, bis der Verwesungsgeruch durch die Tür kriecht. Auch wenn die Seuchengefahr durch Leichen oft übertrieben wird, so ist es wahrscheinlich, dass die Behörden beim großen Sterben die Müllverbrennungsanlagen zur Entsorgung der Leichen in Betrieb nehmen.


Persönlich halte ich es für wahrscheinlich, dass die Sozialingeneure in Europa in naher Zukunft versuchen werden das demografische Problem ihrer Gesellschaften durch Krisen zu lösen. Eine Finanzkrise wird es nicht geben, denn bei dieser könnte jeder auf den Auslöser mit dem Finger zeigen und das Potential für einen echten Kollaps ist viel zu gering. Eher wird dies im Zuge eines Krieges passieren, der immer schon von im Gefolge der drei anderen apokalyptischen Reiter aufgetreten ist und daher das meiste Potential mit sich bringt die Herde auszudünnen. Das große Sterben und Elend wird genau die jungen Menschen ansprechen, die heute noch den Konflikt in Ersatzmedien suchen wie Zombie Apokalypse Szenarien und dergleichen. Der Zusammenbruch und die anschließende Abwesenheit einer regulierten und befriedeten Gesellschaft gibt ihnen Luft zum atmen und Platz Dinge nach ihren eigenen Vorstellungen zu verwirklichen.



Siehe auch:
Minimum - Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft
Volk

Kommentare:

  1. Yep, war wohl in einem Fall nach der Pest im 14 . Jahrhundert so, dass alte Strukturen und Gewissheiten aufgebrochen wurden. Ein echter Glücksfall.

    Ohne Pest keine Renaissance, keine Piloten, die über die Ozeane navigierten etc.
    Aber das war imho der kurzen Zeit der akuten Katastrophe - und der Tatsache geschuldet, dass es keinen vollständigen Traditionsbruch gab.

    Das hätte auch durchaus anders ausgehen können.

    Aber wie auch immer, es wird Zeit, dass im Umkeis von 20 Lichtjahren bewohnbare Planeten entdeckt werden, damit die Pioniere einen neuen Horizont bekommen.

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    1. Ohne Pest wäre Französisch heute die dominierende Sprache weil die normanische Oberschicht Englands nicht dahingerafft worden wäre. Da hat es nicht die Falschen erwischt.

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    2. Yep, und Timur Lek hätte ohne Pest womöglich nicht in China, sondern in Europa Beute gewittert...Schwein gehabt.

      Im Übrigen bin ich wie seinerzeit die spanische Infantin Isabella der Meinung man sollte Leuten, wie Cortez oder Dir lieber eine Karavelle schenken, damit ihr über irgendeinen verdammten riesigen Ozean segeln - und jenseits des Horizontes Unruhe stiften könnt. :))

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    3. Klingt nach nem geilen Plan. Ich wär dabei.

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    4. Schon klar, aber Du wirst vorher von Experten umgeben sein, die Dir haarklein nachweisen, dass das, was Du planst nicht geht.
      Die Bedenken sollte man sammeln und in einer Messighülse als Mahnung und Belustigung für die Nachwelt an der Landungsstelle einbetonieren.
      Hab ich auch so ähnlich gemacht. Dazu einen Pfotenabdruck meiner damaligen Hündin, damit die Archäologen auch was zu grübeln haben...

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  2. Wie das so aussieht mit dem "Ausdünnen" wenn es hart kommt, kann man in diesem Tagebuch eines ostpreussisches Arztes nachlesen. Und die Leute damals waren etwas härter im Nehmen als unsere Generationen.

    http://www.horst-koch.de/deutschland-519/ostpreussisches-tagebuch-1945.html

    Hoffen wir einfach mal, dass uns sowas erspart bleibt.

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