Donnerstag, 12. März 2015

Fraktionen: Die Europäische Armee


Über die Rolle einer europäischen Eingreiftruppe in einem Krisenszenario in Europa


Pre Collapse

Die Forderungen nach der Schaffung einer Europäischen Armee sind Dekaden alt und tauchen meist dann immer wieder auf, wenn sich die Europäische Union wichtig machen und aufspielen will, in der Regel gegenüber den Vereinigten Staaten, die das bunte Treiben in dieser Mischung aus Tollhaus und Altenheim subventionieren.
Alle Papiere zur Schaffung einer Europäischen Armee, die von ziemlich allen Parteien schon mal heraus gebracht wurden, lesen sich durchweg als wären sie von einem Motivationscoach für ein Publikum aus fetten Hausfrauen, Langzeitstudenten und Aktionismus-Vegetariern geschrieben worden. Der erbärmliche Versuch dem ganzen Unterfangen Bedeutung einzuflössen drückt sich bei jedem Wort hervor wie Eiter aus infizierten Poren. Da wird endlos schwadroniert über Menschenrechte und auch die von Minderheiten, was dann europäische Werte repräsentieren soll. Um europäische Werte zu verteidigen würde auch das Polizeikorps von Luxemburg ausreichen.

Auch finden sich oft Sätze wie dieser:

Das Sicherheitsumfeld, in dem die Mitglieder der Europäischen Union gemeinsame Ziele erreichen wollen, hat sich seit Ende des Kalten Krieges grundlegend verändert.

Solche Sätze sind das Ergebnis davon, wenn Politik zum Aktionsfeld von Dynastien aus Berufspolitikern und ihren Interns wird, die sich alle nur gegenseitig wiederholen müssen um in der Organisation von unten nach oben durchzuwachsen.
Seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich kaum was verändert. Man hat weiterhin die gleichen Szenarien wie vorher auch. Es gab im Kalten Krieg keinen konventionellen Krieg bei dem 8000 sowjetische Panzer durch die Fulda Gap Westeuropa überrannt haben. Stattdessen sah man in Stellvertreterkriegen wie Vietnam, Angola, Chile, Nicaragua usw. genau dasselbe Vorgehen, von dem heute jeder Dumpfbacken Polithansel behauptet, die Taliban und Russland und Bungo Haram wären ganz neue Bedrohungen, weil sie asymmetrisch vorgehen und so. Jetzt, als man vor wenigen Jahren erst angefangen hat darauf entsprechend reagieren zu können, lacht sich Russland ins Fäustchen, dass man den konventionellen Krieg aus dem Auge verliert.

Auch gibt es seit dem Kalten Krieg bereits eine europäische Verteidigungsorganisation in Form der NATO. Im Rahmen des NATO Bündnis zahlen die USA 75% des europäischen Verteidigungshaushaltes an europäische Nationen, die im Durchschnitt weniger als 2% für ihren Verteidigungshaushalt ausgeben. Für das Jahr 2015 sind es allein 585 Milliarden US Dollar, was 3,5% des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts entspricht. Dies sollte man bedenken, wenn das nächste Mal irgendein Kasper davon spricht, dass die EU doch das viert größte Bruttoinlandsprodukt der Erde hätte. Die NATO Nationen streichen weiterhin ihren Verteidigungshaushalt zusammen und lediglich das winzige Estland hatte für 2015 angekündigt, dass seine Ausgaben für das Militär auch wirklich ganze 2% seines BIP betragen. Die großen Europäischen Nationen wie England, Deutschland und Frankreich krebsen bei 1,5% herum und sparen weiter. Der Schock bei den hochnäsigen und versnobten Eliten in Europa wird groß gewesen sein, als ihr Bruder im sozialistischen Geist Barack Obama angekündigt hatte das US Militär zusammen zu streichen, abzuziehen aus Europa und Europa nicht unbedingt nicht mehr verteidigen zu können, sondern es nicht verteidigen zu wollen. Eine Nation kann sich eben unmöglich auf lange Zeit Sozialstaat und Militär gleichzeitig leisten, weshalb es auch einzig und allein der US Army zu verdanken ist, dass die sozialistischen Musterstaaten in Skandinavien noch nicht von den sozialistischen Buhmann-Staaten, wie der Sowjetunion, besetzt wurden, oder selbst zu einem geworden sind. Man sollte aber auch bedenken, dass die NATO als Organisation unter der Charta der Vereinten Nationen agiert, wo sozialistische Länder die Stimmhoheit haben.
 
Letztendlich ist man genau wieder an einem fundamentalen Punkt angelangt, der bereits jetzt europäischen Armeen zu schaffen macht: Der Mangel an Personal. Mit einem europaweitem Abfall der Geburtenraten unter die nötige Reproduktionsrate gibt es einfach nicht genug Söhne, die man für so eine Truppe rekrutieren könnte. Was für europäische Werte will man hier verteidigen, wenn die europäischen Gesellschaften nicht mal an sich selbst und ihre eigene Zukunft glauben?
Solange die USA mit ihrer Wirtschaftsmacht, ein Ergebnis der freien Marktwirtschaft über die sich viele Europäer nur naserümpfend äußern, die sozialistischen Fantasieexperimente europäischer Nationen subventioniert, solange ist Kinder kriegen nur ein altruistischer Dienst an der Allgemeinheit und wir wissen, durch unzählige Beispiele belegt, dass Menschen durch Altruismus keine Motivation haben.


Das ganze Unternehmen ist von Anfang an eine Totgeburt und wird nur noch von den europäischen Eliten herumgereicht, die jetzt deutlich das Ende amerikanischer Gönnerhaftigkeit sehen können und selbst genau wissen, dass ihre eigenen verkorksten Missgeburten von Gesellschaften keine Chance haben gegenüber einem Aggressor wie Russland, wo sie dann früher oder später im Keller der Lubjanka erschossen werden würden.


Collapse
Eine EU Armee wird es niemals geben und sobald Russland und China mit einem Erstschlag die USA ausgeschalten haben wird Europa umgehend kapitulieren. Europa hat nichts. Es hat keine Identität und keinen Überlebenswillen. Dieses große Nichts dann Verteidigen zu wollen ist lächerlich, genau so wie die Schaffung einer EU Armee um International ernst genommen zu werden. Ich sehe absolut keine realistischen Chancen auf die Schaffung einer EU Armee. Es wird an den Zahlen scheitern. Fuck the EU.



Siehe auch:
Meine wahrscheinlichsten Szenarien
Kriegsvolk
Fremde Heere

Kommentare:

  1. "Ich sehe absolut keine realistischen Chancen auf die Schaffung einer EU Armee. Es wird an den Zahlen scheitern."
    Schon so, wenn man bedenkt, dass die Nato derzeit versucht eine "high ready irgendwas" Einheit, eine sogenannte "Speerspitze" aufzubauen, in der 5000 Mann innert 5 Tagen verfügbar sein müssten. Das ist ja kaum zu glauben, dass die das ernst meinen, da wäre ja die gesamte Schweizer Armee schon mobil gemacht.

    à propos:
    bitte setze nicht die EU mit Europa gleich, die Schweizer werden niemals kapitulieren (auch wenn die Regierung es tut), nicht vor der EU und auch nicht vor jemandem sonst ;-)

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  2. @spectator: Ich war hier selbst rund 10 Jahre in einer Alarmeinheit. Man muss aber schon einräumen, dass wir diese sehr starken Bereitschaftswerte auf heimischem Terrain erreicht haben und keinen Angriffskrieg im Hinterzigeunerland initieren mussten.

    Ansonsten kann man sagen, dass Europa heute keine ernstzunehmenden Armeen mehr hat.

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    1. @Anonym: Klar, aber 5'000 Mann sollten schon in kürzerer Zeit mobilisierbar sein, nicht? Selbst wenn es eine Angriffeinheit sein sollte, ist das ein lächerlicher Wert, zumal dann 5'000 etwas wenig wären. Offiziell soll es ja eine Eingreiftruppe sein, für den Fall, dass die Russen "im Osten" einmarschieren...

      Leider hast du Recht: eventuell noch F, GB und Polen...

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  3. Aber ein Blick auf praktisch alle derzeitigen Kriege/Konflikte zeigt auch auf, dass die Stage eh sehr rasch von Warlords und Söldner-/'Freiwilligen'-Trupps übernommen wird.

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    1. Bei diesen handelt es sich oft um Autodidakten, weshalb hier oft größere Motivation und Professionalität anzutreffen ist, als bei den Berufsarmeen, die um verwöhnte Einzelkinder werben müssen.

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  4. Mich erinnert dieses lächerliche Unterfangen an den Zustand der Österreich-Ungarischen Streitkräfte zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Die hatten unter ihrem Friedenskaiser Franz Joseph lange keinen Konflikt gesehen, Präventivkriegsführung war keine Option und erfahrenes Personal war nicht vorhanden. So ähnlich sieht es heute in der ganzen EU aus. Wen will diese EU Truppe also gefährlich werden? Die taugt nicht mal zur Verteidigung, weil Holländer und Belgier wohl kaum bis zur letzten Patrone um polnische Gehöfte kämpfen werden. Großmachtsfantasien halt.

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  5. "Wen will diese EU Truppe also gefährlich werden? Die taugt nicht mal zur Verteidigung,"

    Das ist durchaus richtig. Allerdings denke ich, dass dieser Krieg mit den Russen längst entschieden wurde. Und dies aus 2 Gründen.

    Was haben sie bisher erobert?
    Beute ist Ostukraine/Krim/ Dnjester und Co nicht. Selbst Westeuropa wäre das nicht. Eher massive Kostenfaktoren, die sich die Russen derzeit leider nicht leisten können. Neben den elementaren Versorgungskosten steigen auch die Kosten für Repression, sobald die Wirtschaftskrise massiv durchschlägt.

    Hatte wir schon mal unter Gorbatschow.

    2.Warum können sie es sich nicht leisten? Ganz einfach, weil sie ökonomisch nur ein relevantes Absatzprodukt (ÖL/Gas) haben und sich eine konkurrenzfähige Industrie ohne Rechtssicherheit nicht aufbauen lässt.
    Wenn sie Glück haben enden sie in ein paar Jahren als Tankstelle Chinas. Mehr ist nicht drin.
    Warum bleibt Öl/Gas unten?
    1.Die Amis haben mit Fracking einen Boden in den Ölpreis eingezogen..max 80$/barrel.
    2.Kostendegressionen bei Photovoltaik...derzeit 7%/Jahr und dies in Verbindung
    3.....mit dem entschlossenen Vorhaben insbesondere Chinas, Mobilität schnell und massiv zu reduzieren um die westlichen Patente im Motorenbau zu canceln und das eigene Know How in Akkutechnik auszuspielen. Ja und natürlich "saubere Luft" :D.

    Fazit: Keine Chance für die Barbaren. Kein Geld, keine Beute, keine Party...... selbst im dekadenten Westeuropa nicht..

    BTW. Komme gerade aus dem Urlaub in der verf..en Türkei. 2 Wochen 5* All Incl. 265€.
    Grund: Die Türken leiden Not. Kein russischer Tourist (50%in Side)zu sehen :))

    Noch Fragen?

    Also mit europäischer Armee werden die Barbaren aus dem Osten nicht kommen und ohne europäische Armee werden sie es auch lassen oder wie die legendäre Fussballweisheit lautet:

    Mal verlieren die Russen, mal gewinnt der versumpfte Westen.

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  6. Wenn die von EU-Armee reden meinen die wahrscheinlich Eingreiftruppen gegen die eigene Bevölkerung, welche sich in den Einzelstaaten gegen die EU zur Wehr setzen könnte.

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    1. Da sind wir wieder bei diesem "eigene Bevölkerung". Eine EU Truppe braucht man nicht um gegen die "eigene Bevölkerung" vorzugehen, sondern dann geht halt halt die EU Truppe gegen die jeweils andere Bevölkerung eines anderen Landes als des Herkunftslandes der Truppenangehörigen vor. Und selbst vor dem Szenario sind wir wieder bei Zahlen, an denen es einfach scheitern wird. Hier will sich Niemand zur Wehr setzen. Zu alt, zu schwach, kein "evolutionärer Druck".

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    2. Nehme mal an, daß du Wessi bist... bei euch drüben ist definitiv abkacken angesagt, jahrzehntelange Zersetzung und Dekadenz fordern halt ihren Tribut.

      Wo ich herkomme, sieht das noch anders aus, sowohl demographisch als auch in der Wehrbereitschaft. Tendenziell gebe ich dir allerdings recht, die Uhr tickt auch hier gewaltig, was auch der Grund ist, warum der Brand nicht früh genug kommen kann.

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    3. Ich hab lieber jahrzehntelange Zersetzung und Dekadenz als jahrzehntelange Zersetzung und Mangel. Wahlergebnisse für die Linkspartei/SED in den neuen Bundesländern weiterhin bei um die 20 bis 30%. Selbst geringere Geburtenraten als im Westen sowieso. Bild dir da noch was drauf ein.

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  7. Du, ich bin Hardcore-Antikommunist und mehr als froh, daß die Saubande endlich weg ist.

    Die wirtschaftliche Zerüttung war fast noch das Harmloseste, genau so schlimm war die enorme Umweltzerstörung. Bitterfeld z.B. galt mal als die schmutzigste Stadt Europas, ein aufgehängtes weißes Bettlaken war da nach einer Viertelstunde gelb, von den toten Flüssen mal ganz abgesehen.

    Der... "Lichtblick" war allerdings, daß die Sowietpropaganda so primitiv war. FDJ, Schwarzer Kanal, das hatte im Kern doch kaum ein Mensch ernstgenommen. Der Effekt war, daß das alte preußische Ethos weitgehend konserviert wurde, in Behörden, Betrieben und v.A. natürlich der Armee.

    Darum kann ich deinen Nihilismus in Bezug auf den National- oder Volksgedanken sehr gut nachvollziehen. Mehr noch als die Re-Education waren es bei euch die 68er, die alles in den Schmutz gezogen, jeden Gedanken von Heimat an sich mit Gülle übergossen haben. Hatte viele von uns tief schockiert, als die erste, konsumgetriebene Euphorie vorbei war.

    Alles was ich sage, ist, daß es im Osten noch echtes, authentisches Gemeinschaftssempfinden gibt, und sollte ein Kollapsszenario eintreten, werden sich diese Gegenden als widerstandsfähiger erweisen als Großräume wie z.B. Hamburg, Köln oder andere linke Rattennester.

    Aber wie du sagst, die demographische Uhr tickt.

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