Montag, 16. März 2015

Kindersoldaten

Leicht trennt nur die Jugend sich vom Leben



Seht ihr diesen kalten Blick? Ich weiß nicht welche Horror er gesehen hat die seine Augen so erkalten ließen, aber ich weiß schon mal womit er seine Zeit nicht verbringt. Er hängt nicht mit seinen dummen Freunden Freitagabend vor dem Supermarkt rum und schaut nach Leuten die ihm Alkohol kaufen können. Er sprüht keine Unterführung und U-Bahnen mit schlechten Graffitis voll. Für so einen Scheiss hat er keine Zeit, nein Sir, er hat eine ganze Agenda auf dem Plan.

Der Einsatz von Kindersoldaten ist so alt wie die Menschheit selbst. In primitiven Gesellschaften schwankt die prozentuale Zahl der männlichen Angehörigen die durch Krieg getötet werden zwischen 25 bis 60%. In existenziellen Konflikten ist es daher für eine Gesellschaft die bedroht ist erforderlich, dass sie alles mobilisiert was eine Waffe tragen kann. Das traditionelle Kampfalter beginnt in allen Kulturen immer um die 14 bis 15 Jahren. In der jüdischen Tradition liest ein Junge mit vierzehn Jahren zum ersten Mal aus der Tora, im europäischen Mittelalter begleitete ein Knappe ab 14 Jahren seinen Herren in die Schlacht.
Auch der preußischer Generalfeldmarschall, Militärhistoriker, Ausbilder und Militärberater Colmar von der Goltz beschreibt 1883 in seinem Werk Das Volk in Waffen von dem großen Potential jugendlicher Waghalsigkeit. Jugendliche im Alter von siebzehn Jahren empfiehlt er für die fordersten Linien. Die etwas älteren haben bereits Dinge in ihrem Leben, für die sie eben weiterleben wollen. Wer eine Verlobte zuhause hat, der riskiert nicht so viel, der will überleben, wieder Nachhause und ran an ihre Wertanlage. Sprechen heute emotional wenig gefestigte Journalisten von dem Leid der Kindersoldaten und beklagen dass diese keine normale Kindheit hätten, so wissen diese Leute meist gar nicht, dass diese Art der Kindheit die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte die Normalität war. Kindergärten, am besten noch kostenlose Schulen und Playstation, das sind die Ausnahmen die nur für eine kleine Zahl Menschen seit einer kurzen Zeit gelten. Wir sind die Freaks, nicht die 14 Jährigen mit den Kalaschnikows.


Wie bekommt man also als Warlord in einer Post Collapse Situation den Infant in die Infanterie?

Kinder imitieren Erwachsene. Kinder rauchen oft heimlich bzw. unter ihresgleichen, nicht weil das Rauchen an sich so toll ist, sondern weil es den Erwachsenen vorbehalten ist.
Etwas zu tun was nur den Erwachsenen vorbehalten ist, macht den Jungen selbst etwas erwachsener.

Kinder melden sich völlig alleine bei den verschiedenen Kriegsfraktionen, wollen kämpfen und lügen bei der Musterung über ihr Alter. Motivationen sind dabei so vielseitig wie bei den Erwachsenen und reichen von Rachegelüsten, bis Abenteuerlust oder einfach die Suche nach einer Versorgung. Es gibt in Krisenzeiten immer ungewollte Kinder die von der eigenen Familie nicht mehr versorgt werden können.

Wer brauchbare Kindersoldaten aus diesem Potential gewinnen will, der tut gut daran die Rolle seiner Kämpfer mit Status zu untermalen.

Eine Besonderheit bei der Verwendung von Kindern ist die Tatsache, dass man ihnen wirklich alles beibringen muss. Ein Kindersoldat der nicht lesen und schreiben kann, der nur mündlich gegebene Anweisungen befolgen kann, der hat einen eingeschränkten nutzen. Gerade wenn Kinder in der Logistik verwendet werden, wie bspw. die deutschen Pfadfinder im ersten Weltkrieg, sind Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Mathematik und eventuell Fremdsprachen wichtig.

Körperliche Anforderungen sind weniger problematisch als geistige Fähigkeiten. Fette Kinder lassen sich durch eine temporäre, karge Diät und regelmäßige Bewegung in einen annehmbaren Zustand bringen. Wir wissen selbst alle, dass Eltern von fetten Kindern eigentlich keine Entschuldigung haben und nur aufhören müssten, diese zu füttern. Die Kinder selbst haben kein Geld von dem sie all das Essen kaufen könnten. Nahrung kann hier auch in ein Belohnungssystem integriert werden, bei dem Erwachsene noch durch ihr erlerntes Anspruchsdenken aufbegehren würden.


Ansonsten lassen sich Kinder und Jugendliche genau so trainieren wie erwachsene Männer. Diese Horrorstories aus Afrika, wo der kleine Tumba entführt wird, seine Familie umbringen muss und nur geschlagen wird, sowas ist was für Amateure. Es macht das eigene Angebot auch attraktiver, wenn Minderjährigen in Aussicht gestellt wird, dass sich im Zuge ihrer militärischen Ausbildung Zugang zu Bildung erhalten und nach Überwindung der Krise Karrieremöglichkeiten offen stehen.


Und ich ruf es nach oben, der Himmel soll warten
hier unten is cool, hier sind Kinder Soldaten



Siehe auch:
Krieger und Kriegsvolk
PC Gesellschaft Teil 3: Männer



1 Kommentar:

  1. Die Infantilisierung der Infanterie wird erst wieder bei hohen Geburtenraten möglich sein. Solange die Deutschen nur noch verhätschelte Einzelkinder ausbrüten die dazu noch in dem mentalen Zustand der Kindheit bleiben bis sie Ende 20 sind, ist dies nicht machbar. Not hin oder her. Ein Kind das unter Stammesangehörigen aufwächst hat auch psychologisch ganz andere Anforderungen.

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