Freitag, 17. April 2015

Buchrezession: Collapse

Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen von Jared Diamond




Um es kurz zu machen: Das Buch ist schlecht und keine Empfehlung. Weiterlesen müsst ihr nur noch für Details.


Genau wie bei Guns, Germs and Steel zu deutsch Arm und Reich ist für Diamond alles nur ein Resultat der Umwelt. Es gibt keine menschlichen Ideen, Philosophien und Technologien, es gibt nur die Umwelt die darüber entscheidet wer floriert und wer scheitert. Das ist die dümmste Theorie ever und spiegelt die typische, hochnäsige Mentalität der neuenglischen Professorenkaste heraus. Wenn es wirklich so wäre, dann würde es auch keinen Unterschied zwischen Nord- und Südkorea geben oder zwischen den US Südstaaten und Mexiko. Der selbe Himmel, die selben Flüsse, der selbe Boden. Aber Niemand verlässt Californien um über den Grenzzaun nach Mexiko zu klettern.

Was den Westen am meisten Unterscheidet ist das es durch hellenische, lateinische und christliche Einflüße wissenschaftliche Debatten gibt die Redefreiheit benötigen, die Konkurrenz von Ideen und Konzepten und Kapitalismus bzw. den freien Markt, auf dem solche Ideen dann erprobt werden können. All das existiert für Diamond anscheinend nicht. Die Pharaonen hatten Ägyptens Agrarkultur vernachlässigt und ruiniert und als die Griechen dort neue Konzepte einführten begann sie wieder zu florieren. Europäische Bauern taten das gleiche in den Kreuzfahrerstaaten und später war es bei jüdischen Siedlern in Israel wieder genau das gleiche. Die spanischen Konquistadoren stellten in Mexiko und Peru ihr eigenes Schießpulver her aus Ressourcen, die sich die ganze Zeit dort quasi vor der Nase der Eingeborenen befanden, aber die nicht wussten wie man diese benutzt.

Nichts ist eine Ressource bevor man nicht weiß wie man es benutzt. Existiert für Diamond alles nicht! Für Diamond ist alles bloß Flußlauf und Überfischung und schlechtes Wetter und Klimaveränderung und sowas. Damit spielt dieses Buch auch den Baumknutschern in die Hände, die diese dumme Theorie verbreiten menschliche Existenz würde die Umwelt zerstören und wir müssten "nachhaltig"(ineffizient und primitiv) mit allem umgehen. Das waren auch so ziemlich die einzigen welche die Thesen in diesen Buch begrüßt haben. Kulturen scheitern nicht daran, dass irgendein blöder Vogel ausstirbt oder Brunnen versiegen, Kulturen scheitern an sich selbst.

Starker Titel, schwaches Buch.


Kommentare:

  1. Ich stelle mal den Link hier rein, weil es halbwegs passt:

    http://de.danielpipes.org/16522/aegypten-aethiopien-nil

    Ägypten hat ab 2016 das schwerwiegenste Wasserproblem der Welt. Der Nil wird durch die Inbetriebnahme der äthiopischen Staudämme sehr viel weniger Wasser führen.
    Diese Tatsache trifft eine muslimische Population mit absolut keinen technologischen Problemlösungsfähigkeiten.
    Sie haben deshalb die Wahl zu fliehen, in ihrem Land zu sterben oder mit Äthiopien zu kämpfen.
    Was nicht in dem Artikel von Pipes steht ist die Problematik des schnell sinkenden Wasserspiegels am Victoriasee, der durch den enormen Wasserverbrauch der Kraftwerke am Ausgang des Sees verursacht wurde. Deren Elekrtizität versorgt den grössten Teil Ugandas.
    Das wird ein echter Kollaps der gesamten Nil-Region.

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  2. Jared Diamond erfreut sich in akademischen Kreisen großer Beliebtheit. Dennoch sind seine Behauptungen aus archäologischer und anthropologischer Sicht fragwürdig. Weder deckt sich die kleine Eiszeit, die während der frühen Neuzeit Europa überzog, mit der von ihm postulierten Abhängigkeit kulturellen Scheiterns von Klimafaktoren, noch kann die Stagnation mesoamerikanischer Kulturen in einem quasi-chalkolithischen Entwicklungsstand durch mangelnde Rohstoffe erklärt werden. Gold- und Kupferverarbeitung waren auf dem amerikanischen Kontinent bekannt, alle Rohstoffe vorhanden, nur ihre totalitäre theokratische Gesellschaft erscheint für das Scheitern dieser Zivilisationen plausibel. Trotz der Popularität von Klimahypothesen dieser Art geraten Menschliche Faktoren für das Scheitern von Kulturen zunehmend in den Fokus der Forschung, auch weil die Verbreitung von Technologie und Wissen in der Geschichte nicht dem von Diamond postuliertem Muster folgt (teilweise unabhängig von natürlichen Recourcen).

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