Dienstag, 21. April 2015

Persönlichkeiten: Eric Rudolph


Es gibt eine dünne Linie auf der Menschen wie wir treten. Eric hat diese Linie überschritten. Er hat sich von dem ganzen Programm abgesetzt.

Eric Rudolph ist ein ehemaliger Fallschirmjäger der US Army und verbüßt momentan viermal lebenslänglich für Bombenanschläge auf die olympischen Sommerspiele 1996 in Atlanta, eine Abtreibungsklinik und eine Lesbenbar im Folgejahr, sowie eine weitere Abtreibungsklinik im Jahr darauf.

Durch seine christliche Erziehung begann er sich bald an dem kulturellen Wandel in den USA zu stören, für welchen er dem Kulturmarxismus die Schuld gab. Aus seinen Statements und Essays, welche er auch aus dem Gefängnis heraus publiziert, kann man klar seinen moralischen Kodex herauslesen und dass die Ursachen für sein Handeln nicht einfach blinde Raserei sind, sondern dahinter eine klare Strategie steckte und sich Rudolph als einer von den Guten verstand.
In the summer of 1996, the world converged upon Atlanta for the Olympic Games. Under the protection and auspices of the regime in Washington, millions of people came to celebrate the ideals of global socialism. Multinational corporations invested billions of dollars, and Washington organized an army of security to protect the games. The purpose of the attack on July 27th at Centennial Park was to confound, anger and embarrass the Washington government in the eyes of the world for its abominable sanctioning of abortion on demand.
........
There is no more fundamental duty for a moral citizen than to protect the innocent from assault. This in inherent in the values of all higher civilizations. You have the right, the responsibility and the duty to come to the defense of the innocent when the innocent are under assault.
- Erstes öffentliches Statement zu den Taten

Seine Motive sind klar moralischer Natur. Man muss sich zwar die Frage stellen wie sinnvoll es ist ein Statement gegen das Töten zu setzen indem man riskiert Menschen zu töten, aber die Antwort darauf bleibt jedem selbst überlassen. Sein Statement, seine Strategie, der Effekt dieser Taten war in einem anderen Kontext eingeplant.
My immediate goal was to destroy Bush’s candidacy. Confronted with four to eight more years of leftwing-Al Gore-policies, conservatives would, I hoped, become more radicalized. I believed a bloody attack on an abortion mill just before the election might do the trick.     
An attack on an abortion mill might be the catalyst to push those moderates into Al Gore’s camp. The Marxist media would pounce on the story, and they would hang the bombing around Bush’s neck. Bush’s moderates would change their votes. Key states would go for Gore, and Bush would go back to Texas to play cowboys and Indians on his big ranch. Eight years of Bill Clinton did more to radicalize the Right than anything in the last 30 years. I was hoping eight more years of such left-wing policies would push them into open revolt. That was the strategy.
 - Between the Lines of Drift

Seine Strategie sollte sich später auch bei einem anderen Terroristen finden, der durch offenen Terror gegen die politische Linke dieser einen Wahlsieg bescheren, damit die Konservativen seines Landes zum offenen Kampf zwingen wollte und damit genau so erfolglos war.

Während seiner fünfjährigen Flucht lebte Rudolph in den Hügeln und Wäldern von North Carolina anfänglich noch von Vorräten die ihm für zwei Jahre reichten. Danach begann er Wildpflanzen und gefangene Kleintiere wie Salamander zu essen, aus Gärten und Getreidesilos zu stehlen und den Müll der nahen Ortschaften zu durchstöbern. Am 31. Mai 2003 wurde er dann auch beim Dumpster Diving hinter einem Supermarkt von einem einzelnen Polizisten in seinem ersten Dienstjahr gestellt. Rudolph war unbewaffnet und leistete keinen Widerstand. Jahrelang war er den Hubschraubern und Rangern der Behörden entkommen, doch eine unvorsichtige Aktion beendete seine Flucht.


Was bedeutet das für den Survivalisten?

Man kann durchaus brauchbare Lektionen aus Erics Geschichte ziehen.

1. Man kann nicht retten, was nicht gerettet werden will.
Der Kampf gegen den kulturellen Verfall, den demografischen Niedergang und den Sozialismus im Westen kann nicht mit Gewalt geführt werden. Zumindest noch nicht. Die meisten Menschen sind nun mal hedonistisch und interessieren sich nicht für die größeren Zusammenhänge oder die Gründe, wieso sie denn Smartphones haben und Technoparties in Berlin, Lisabon und Tel Aviv stattfinden, aber nicht in Teheran, Havanna oder Pjöngjang. Aber das ist auch okay. Jeder ist der Herr seines eigenen Schicksals. Das beste was man für sterbende Zivilisationen tun kann ist kein Teil davon zu sein.
As for the living dead among the nations, We will not speak of them, but look, and move on.
 - David P. Goldman - Schlusswort von How Civilisations Die


2. Es gibt keine Wildnis mehr und die Welt wird kleiner
Es kommt noch hin und wieder vor, dass sich Leute im Wald verstecken und dort Jahre lang leben. Diese Leute flüchten allerdings meist nur vor dem komplexen Alltag oder höchstens der Privatinsolvenz, nicht aber vor dem FBI das einen wegen Bombenanschlägen sucht. Als Rudolph auf der Flucht war gab es kaum Drohnen und GPS. Von Überwachungskameras und Facebook Gesichtserkennung ganz zu schweigen.
I grabbed my binoculars and tracked the chopper through the sprawling branches of white pines. Gold - brown in color with a fish - bowl bubble front, it was the same chopper I’d seen several times at the task force headquarters. It was searching for me.
- Between the Lines of Drift

3. Die Einsamkeit
Rudolph war während seiner gesamten Flucht alleine. Andere Einsiedler sind dies ebenso, aber insgesamt können das nur erstaunlich wenige Menschen ertragen. Je nachdem brauchen Menschen eine unterschiedliche Dosis Oxytocin durch Sozialkontakte und man sieht auch oft, dass Menschen Beziehungen eingehen nur um Beziehungen einzugehen und so der eigenen Einsamkeit zumindest illusorisch entrinnen wollen.

Vermutlich hat Rudolph das dadurch kompensiert, ich nehme aber auch an er hatte nie ein besonders hohes Bedürfnis danach, indem er auf der Flucht viel gelesen hat. Ein guter Teil seiner Tonnentaucher Raids hatte zum Ziel Zeitungen und Bücher zu beschaffen.
I would think about the articles I had read that day, and engage in debates with myself about the latest issue of interest in the news, or I would invent comedy routines based upon something in the paper that I had found to be funny.
- Lick the Floor

Fazit:
Am Ende ist es die Tragik des Lebens, dass Eric Rudolph sein Potential verschwendet hat in einem Kampf gegen Windmühlen, anstatt es sinnvoller zu nutzen für eine Karriere, eine Familie, einen Clan. Hätte er dies getan, so hätte er die Kultur sinnvoll beeinflußen können durch eine Vorbildfunktion. Wir finden in seiner Biografie aber auch Stellen, in denen er von desillusionierenden Erfahrungen mit Frauen berichtet und daher wohl den Glauben an die Möglichkeit eines traditionellen Familienbildes verliert. Eric hat die Linie überschritten und das Boot verlassen, alles riskiert, und alles verloren.



Siehe auch: 
Between the Lines of Drift
Lick the Floor - Leben aus dem Land

Kommentare:

  1. Soll heißen; seine enttäuschenden Erfahrungen mit Frauen haben ihn so geprägt dass er keinen anderen Sinn in seinen Leben sah, um sich unsterblich zu machen, als mit Gewalt gegen die moralisch verkommene Gesellschaft vorzugehen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Möglich. Sein Buch ist verlinkt, lies es selbst und bild dir eine Meinung.

      Löschen
  2. Dein Avatar sieht aus wie das Cover von A.o.t.P. in death reborn,hehe.. geiles cover,noch bessere Mucke!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ist aus einer Reihe von Stock Photos und AotP hat eines davon für ihr Cover verwendet.

      Löschen
  3. In den 1930ern erhoffte sich die KPD von einem Wahlsieg der NSDAP ebenfalls einen Aufstand der Arbeiterklasse zu ihren Gunsten, da sie den Aufstieg des Nationalsozialismus als Gegenreaktion zur unvermeidlich erfolgenden Revolution ansah. (Vgl. H. Knabe, Honeckers Erben. Die Wahrheit über die Linke (Berlin 2009), 32ff.)
    Vertreter der Rechten sind nicht die einzigen, die mit solchen Strategien scheitern, die Geschichte des Sozialismus kennt noch weitere derartige Beispiele. Thälmann und Breivik haben (ihre großen Unterschiede unberücksichtigt) beide erfolglos versucht, auf diese Weise ihre Revolutionen loszutreten; dieser Artikel beleuchtet gut, warum solche Rechnungen nicht aufgehen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Auch der amerikanische Sezessionskrieg ist ein Beispiel dafür, dass die unteren Chargen nicht mobilisiert werden können. Den Sklaven wurde die Freiheit versprochen wenn sie gegen die Südstaatler aufstehen.

      Löschen
    2. Das betrifft allerdings bei weitem nicht nur die Unterschicht; Breivik hat versucht, den konservativen Mittelstand zu mobilisieren. Auch bezweifle ich, dass die Nationalsozialisten ihr (aktives) Personal in größeren Zahlen aus dem bürgerlichen Milieu rekrutierten. Reiche dürften, wenn überhaupt, bei politischen Bewegungen nur im passiven Unterstützerkreis zu finden sein.

      Löschen