Sonntag, 28. Juni 2015

Das dreckige Motiv

Ist es tatsächlich berechtigte Sorge oder morbide Kuriosität?


Letztens habe ich durch Zufall ein Addon zu einem Motocross Videospiel gesehen, mit dem man durch die Ruinen zerstörter Städte und postapokalyptische Landschaften fahren kann. Irgendwie scheint der Untergang der Welt, oder zumindest der westlichen Zivilisation, zur dreckigen, geheimen kleinen Fetisch-Fantasie von jungen Leuten zu werden. The walking Crap ist ja gerade so erfolgreich, weil es einen mit dem Szenario des totalen Zusammenbruchs konfrontiert und moralischen Gradwanderungen um die eigene Gruppe, den eigenen Stamm zu erhalten. Junge Leute fühlen sich zu dieser Fantasie hingezogen, weil alles in ihrem Gehirn auf die Konfrontation mit solchen Situationen programmiert ist. Menschen sind Kreaturen die für den knallharten Überlebenskampf geschaffen sind. Und egal was sie in der Öffentlichkeit darüber erzählen wie sehr sie auch mit der sozial-sozialistischen Meinungshoheit konform gehen, im Inneren wollen sie Waffen haben, Feinde bekämpfen und in Autos herumfahren die ihnen nicht gehören. Das Zombie Genre ist dabei gerade das perfideste, da es im Prinzip eine akzeptierte Art der Darstellung ist, Menschen den Schädel einzuschlagen, die ja aber eh schon tot sind. Zudem ist es diese Idee falscher Überheblichkeit die bedient wird, dass ja irgendwie immer alle anderen die Zombies sind und man selbst zu den verschonten Auserwählten zählt.

Das bringt uns dann zu den Motiven in der Survival und Prepperszene, auf die ich in der Vergangenheit schon eingegangen bin. Was ich bisher aber weniger behandelt habe ist die morbide Neugier und Sehnsucht nach dem Untergang. Die Sendung Doomsday Preppers wird auch oft mit ihrem Slogan "Ich hoffe ich bin verrückt" vorgestellt, was suggerieren soll diese Leute würden Krisenszenarien tatsächlich als Problem betrachten und dieses vermeiden wollen. Aber das stimmt in den meisten Fällen überhaupt nicht. In den meisten Fällen wollen die Menschen den Zusammenbruch der modernen Gesellschaft erleben und möglichst bequem aus der ersten Reihe beobachten. Darüber wird nur kaum einer offen sprechen, weil die Szene leider wirklich ein Querschnitt der Gesellschaft ist und dies, was immer als Argument für die Offenheit und Harmlosigkeit angeführt wird, sie zu genau so einer Ansammlung von den Menschen macht, wegen denen man diesen Untergang überhaupt erst herbeisehnt. Diese Sehnsucht nach dem Untergang wird auch am deutlichsten, wenn die Szenarien mit denen der Einzelne rechnet nur in seiner eigenen Vorstellung zu einem Kollaps führen können, wie bspw. Peak Oil oder sowas. Das Szenario ist nicht real oder hat nicht das Potential für eine richtige Krise, man will aber, dass es dieses hat.


Ich persönlich finde dieses Motiv nur allzu verständlich. Was mir Sorge bereitet ist nämlich nicht der Zusammenbruch oder das elendige dahinsiechen dieser Gesellschaft, sondern die Möglichkeit, dass dies nicht passiert. Dass diese abartige Missgeburt noch über hunderte Jahre bestehen wird, bis wir entweder alle vom Staat so verkümmert wurden dass wir wie Frauen denken, oder zu weißen Chinesen werden, die schon viel länger bürokratisiert werden als die Menschen des Westens. Das ist ein wirkliches Albtraum Szenario.


Siehe auch:
Sinnsuche
Andere Prepper


Kommentare:

  1. Zwiegespalten und fast schon schizophren hoffe der Familienvater in mir das es weiter ruhig bleibt, mein Ego jedoch preppt mental und materiell für eine breite Front an möglichen Katastrophen. Danke für deinen Artikel, reflektiert die Motive eines Preppers sehr gut, ich fand mich wieder.

    AntwortenLöschen
  2. "Preppern" eine Sehnsucht nach dem Untergang zu unterstellen dünkt mich zu kurz gegriffen. Wie ich solche Menschen einzuschätzen gelernt habe ist es eher eine Sehnsucht nach einer "frei(er)en Welt", also einer "besseren", lebenswerteren Welt. Nach knallhartem Überlebenskampf und Steinzeit sehnt sich überhaupt niemand. Das können nur Gemüter unterstellen die glauben wir stammen vom Affen ab mit gleichzeitig einseitiger Fixierung auf die "Brutalität" der Natur.
    Ab da wo man begriffen hat, dass intelligente Alternativen nicht wirklich gefragt sind, wird deutlich, dass es nicht ohne den Kollaps geht, weil der Kollaps zum gegenwärtigen System gehört wie auch der Aufschwung mit seiner Euphorie.
    Wer zu kurzsichtig ist um all diese Zusammenhänge zu verstehen, soll über "Prepper" denken und verbreiten was er/sie/es will und froh sein, dass er/sie/es keine anderen Probleme hat. :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Nach knallhartem Überlebenskampf und Steinzeit sehnt sich überhaupt niemand."
      Doch ich. Oft genug.

      "Das können nur Gemüter unterstellen die glauben wir stammen vom Affen ab mit gleichzeitig einseitiger Fixierung auf die "Brutalität" der Natur."
      Die Affen sind immer noch unter uns. Egal wo ich hinsehe. Manchmal reicht auch ein Spiegel.
      LL

      Löschen
    2. "Das können nur Gemüter unterstellen die glauben wir stammen vom Affen ab mit gleichzeitig einseitiger Fixierung auf die "Brutalität" der Natur."

      Offensichtlich liest du das erste mal Post Collapse. Das ist nämlich eine der fundamentalen Grundsteine von diesem Blog und seiner Philosophie.

      Löschen
  3. "Wie ich solche Menschen einzuschätzen gelernt habe ist es eher eine Sehnsucht nach einer "frei(er)en Welt", also einer "besseren", lebenswerteren Welt."

    So habe ich auch viele kennengelernt: die wollen mit ihrem Krempel sicherstellen, daß sie von den Weltverbesserern beerbt werden.

    Ich will einfach nur meine Ruhe und daß meine Kinder nicht mit weißer Schuld, Männerschuld und Deutschenschuld gegängelt werden.

    "Das können nur Gemüter unterstellen die glauben wir stammen vom Affen ab mit gleichzeitig einseitiger Fixierung auf die "Brutalität" der Natur."

    Hervorragend als Argument geeignet, allerdings nur für Leute, die denken, Leben sei Eiapopeia-Kuschel im Friede-Freude-Eierkuchenland.

    Daß wir als Eiapopeia-Kuschel im Friede-Freude-Eierkuchenland aufgewachsen sind, das haben wir Männern zu verdanken, die dieses Refugium seit Jahrtausenden mit Schweiß und Blut und Tränen geschaffen haben.

    Mir hängt dieses ganze "Buhuuu-die-wollen-alle-nur-hauen" so zum Hals raus, zumal es vor Dummheit strotzt, weil es eine gruppenevolutionär sinnvolle Strategie (gruppeninterne friedliche Kooperation zur Stärkung der Gruppe gegen andere Gruppen) verallgemeinert und damit die eigenen gruppeninternen An- und Absichten auf Aussenstehende projiziert.

    Aber ich verstehe jeden, der die freundliche Illusion der bösen Realität vorzieht, denn schließlich sind die, die arm sind im Geiste, selig. Nur impliziert diese Erkenntnis, daß solche Leute unter allem Umständen und mit allen Mitteln von der Macht ferngehalten werden müssen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Erzähl mir doch keinen Scheiss. Du bist ein Nazi und Kollektivist mit makelhafter Ideologie nach der du nicht in Ruhe gelassen werden kannst und niemanden in Ruhe lassen wirst. Das wäre widersprüchlich.

      Löschen
    2. Du irrst. Ich mag zwar ein "Nazi" sein, das bedeutet aber nicht, daß ich nicht aufrichtig bin oder die Realität nicht erkenne, wenn ich sie sehe.

      Löschen
    3. Alter, dass es manche immer noch nicht raffen. Halt doch deine Ideologiescheisse hier raus und erfreue dich an den (ausgezeichneten) Artikeln.

      Von mir ein großes Lob an diesen Blog. Lese mittlerweile seit einem Jahr hier mit. Hab "damals" über Recherche zu Milizen hier hergefunden und war sofort begeistert.

      Würde mich über mehr Beiträge zu Taktik und militärischer Organisation im post-collapse-Fall freuen. Vorausgesetzt du hast Bock. Wenn nich, auch egal, lese trotzdem weiter.

      Löschen
  4. Die Menschen kämpfen nicht aus Spass ums Überleben, sondern weil sie es müssen. Der Westen hat aber evolutionär gesehen einen Extremzustand erreicht, in dem das Überleben nicht mehr von irgendwelchen Fähigkeiten abhängig ist. Es wird heute so wenig aussortiert wie nie zuvor.
    Wir platzen nur deshalb nicht aus allen Nähten, weil wir eine Überbevölkerung in Bezug auf Raum haben, welche zu Stressreaktion führt die die niedrigen Geburtenraten verursachen. Diese verhindern aber auch das einzig denkbare Abenteuer in stabilen, wohlhabenden Gesellschaften, nämlich den Krieg nach Aussen.

    Da wir es nicht in der Hand haben müssen wir uns nicht entscheiden ob wir lieber einen baldigen Zusammenbruch erleben wollen oder weiteres Siechtum in einer Gesellschaft die uns nicht gefällt. Jahrhunderte wird es aber nicht mehr dauern, dazu schreitet die Entwicklung zum Glück zu schnell voran.

    AntwortenLöschen