Montag, 1. Juni 2015

Filmrezension: Mad Max - Fury Road







Natürlich habe ich mir den Film angesehen. Dafür bin ich sogar ins Kino gegangen, wo ich das letzte Mal war als ich mir, high und betrunken, Inglourious Basterds angesehen habe.

Meine Erwartungen waren nicht sonderlich hoch und aus vielen Ecken kam schon Kritik daran, dass der Film vermutlich sehr auf weibliche Protagonisten fixiert sein wird. Hierbei sollte man sich aber auch daran erinnern, dass die vorherigen Mad Max Filme alle ziemlich flach waren. Von der Story her sollte man daher keine falschen Erwartungen an die Reihe haben. Fury Road ist hier aber auch eine herausstehende Ausnahme und liegt vom Format her weit jenseits der Donnerkuppel.


Der Film startet wie im Trailer bereits gezeigt mit einem kurzen Zeitraffer von Stimmen aus dem Off, die oberflächlich den Weg der Welt in die Post Collapse Situation von Mad Max erklären sollen, ähnlich wie bei Road Warrior. Irgendwie wurde das Öl knapp und dann führt die Menschheit Kriege um Öl, doch dann stellt sich heraus dass das Wasser noch eher zur Neige geht und Menschen führen Kriege um Wasser. Der erste Mad Max ist mit seinem Katastrophenszenario 1979 noch im Schatten der beiden Ölkrisen entstanden, welche allerdings nicht dadurch zustande kamen, dass Öl nicht mehr vorhanden war, sondern durch die Erpressungspolitik staatlicher Ölkartelle. Die Idee von Wasserkriegen und der Kampf um das blaue Gold ist für Westler dagegen relativ neu. Das Thema spielt auch ein bisschen mit den Urängsten des Verhungerns. Moderne Zivilisationen brechen aber nie wegen Ressourcenmangel zusammen und meistens ist das Thema frei aus der Luft gegriffen um politisch instrumentalisiert zu werden. Die Mad Max Filme wechseln sich aber mit dem Katastrophenszenario ab. Zurück zum Film.

Max scheint mit dem ikonischen Interceptor gerade campiert zu haben und verputzt noch schnell eine Echse, bevor er selbst vor Verfolgern flüchten muss. Dann sehen wir auch schon wie der Interceptor in den ersten Minuten des Films geschrottet und Max zum Gefangenen wird. Seine neuen Meister tätowieren ihm die Blutgruppe und einen kurzen Text in dem unter anderem die Worte Road Warrior auftauchen auf den Rücken um ihn als "Universalspender" zu nutzen. Außerdem schneiden sie ihm seine Haare ab, was man so ähnlich schon in Thunderdome gesehen hat. Diese Szenen sind für den neuen Zuschauer gemacht, der die vorherigen Teile nicht kennt und für den dieser Charakter Mad Max erstmal neu präsentiert werden muss als eine Figur die gebrochen wurde und Verluste erlitten hat. Er halluziniert, hört Stimmen und sieht Bilder von Menschen von dem sein Unterbewusstsein meint, er hat diese sterben lassen. Wer diese Leute sind kann man aber nur vermuten.


Als man ihn dann mit dem Brandeisen markieren will probt er einen letzten Aufstand, überwältigt seine Bewacher und flüchtet durch Gewölbegänge und Werkstätten, verfolgt von nicht zu unterscheidenden männlichen Drohnen. Das ganze wirkt wie das Treiben in einem menschlichen Termitenbau.

Max befindet sich in der Zitadelle, der Felsenfestung des typischen Bösewichtes Immortan Joe. Gesundheitlich wohl völlig im Eimer führt er ein Leben als Post Collapse Darth Vader mit Beatmungsgerät und hat den brüchigen Körper in etwas gepackt, was wirkt wie ein Muskelpanzer aus durchsichtigem Plastik was wohl sowas wie eine Anspielung auf seinen Mehr Schein als Sein Status sein soll. Wir sollen diesen Typen nicht mögen. Immortan Joe wird von Hugh Keays-Byrne gespielt, derselbe Schauspieler welcher Toecutter, den Anführer der Bikergang im ersten Mad Max gespielt hatte.


Unterhalb seiner Zitadelle lebt eine ausgemergelte und verkrüppelte Unterschicht, die auf Wasser Almosen von Immortan Joe wartet, welches er ziemlich ineffizient verteilt indem es einfach geflutet wird und dann jeder der Zerlumpten versucht mit seiner Tasse soviel es geht von dem bedingungslosem Grundeinkommen für sich zu ergattern.


Der Zuschauer wird damit im Prinzip vor vollendete Tatsachen gestellt in denen er bereits rein vom emotionalen Empfinden her Gut und Böse ausmacht. Also Immortan Joe sitzt auf dem ganzen Wasser, lässt sich als Gott verehren, seine Leute fangen Sklaven und die armen Zerlumpten unterhalb seiner Festung sind für viele westliche Zuschauer bereits moralisch höherwertiger, einfach weil sie arm und Opfer sind. Auch wenn man sieht wie sie Immortan Joe als Erlöserfigur verehren und sich dann gegenseitig das ergatterte Wasser stehlen. Wie viel von dem Wasser verdunstet eigentlich bevor es überhaupt den Boden erreicht?

Eigentlich wäre es für Immortan Joe sinnvoller Rationen zu verteilen die man nur gegen Karte erhält, wie in The Book of Eli, welche damit auch gleichzeitig eine Währung darstellen würden. Aber hey, ist ja nur ein platter Actionfilm.


Man wird erstmal ein bisschen im Dunkeln darüber gelassen was es für einen Sinn hat diese Zerlumpten am Fuße der Zitadelle zu halten und das wirkt so überzeichnet wie diese eine Szene in "Der Namen der Rose", in der die Mönche aus dem Kloster ihre Abfälle hinunter zu den zerlumpten Bauern werfen. So eine historisch nicht gerade authentische Darstellung von mittelalterlichen Bauern ist auch schon in "Die Ritter der Kokosnuss" veralbert worden, wo die Bauern halt hauptsächlich da sind um schmutzig zu sein und im Dreck zu wühlen.


Jedenfalls wird uns dann die Powerfrau Furiosa vorgestellt, die in Immortan Joes Truppe sowas wie einen hohen Rang hält und den War Rig Tankzug fährt, mit dem Versorgungsfahrten zu Joes Enklaven gemacht werden.
Man hat schon bei den Trailern das Gefühl gehabt, der eigentliche Protagonist des Films wird nicht Max sein, sondern Furiosa. Die jedenfalls setzt sich dann mit dem Tankzug ab, begleitet von ein paar Fahrzeugen deren Besatzung natürlich nicht die Entscheidung des Vorgesetzten hinterfragt. Wir kriegen dann auch eine kleine Rundführung durch die Zitadelle, wo es Gewächshäuser gibt und Melkstationen, wo fetten Weibern die Muttermilch abgepumpt wird. Da es im Ödland keine Pflanzen und nur wenige Tiere gibt macht es für diese Leute absolut Sinn Muttermilch als Nahrungsquelle zu verwenden.


Abseits der Straße wird dieser Tankzug dann von einer anderen Gruppe Ödlandbarbaren angegriffen, die glaube ich russisch gesprochen haben. Dieser Road War, der Kampf zwischen den fahrenden Fahrzeugen soll dann sowas wie eine Vorschau auf die Kämpfe sein, die noch kommen werden. Dieser ist bereits imposant und actiongeladen und der Zuschauer hofft dann natürlich darauf, dass es noch krasser wird. Dazu erhält man einen weiteren Einblick in den Kult, als sich eine der Drohnen noch Chromfarbe auf die Zähne sprüht bevor er sich in einen Selbstmordangriff stürzt. Alle verbliebenen Drohnen rufen dann begeistert "Zeuge", denn natürlich hat der Kult eine besondere Rolle für Märtyrer. Das Wort Märtyrer stammt vom griechischen Wort Zeuge oder Zeugnis ab, genau so wie im arabischen Schahid gleichbedeutend mit Zeuge ist.

Max wird während Furiosa das Schlachtschiff auf Rädern durch die Wüste rast in einem Käfig gehalten und als Blutbeutel verwendet für den War Boy Nux. In diesem Lazarett sieht man noch andere War Boys herumliegen, von denen aber keiner äußerliche Verletzungen hat und eine Äußerung des "Arztes", dass der War Boy Nux austrocknet, legt die Vermutung nahe, die haben Leukämie durch das Leben im Ödland und brauchen Auffrischungen mit weißen Blutkörperchen, bevor sie umkippen.

Während also Max als Blutbeutel verwendet wird zieht Furiosa, mit Armprothese, im Alleingang so eine Art weiblichen Befreiungskampf ab, indem sie Immortan Joe seine besten Brüter gestohlen hat. Also junge Frauen die in einer Vault gehalten werden und ihm zu einem brauchbaren, nicht degenerierten Erben verhelfen sollen. Was ist deren größte Sorge im Angesicht der totalen Vernichtung der Menschheit und der verseuchten Umwelt? "Wir sind keine Dinge". Wow, wie emanzipiert und selbstbestimmend.

Später entfernen die Brüter sich dann ihre Keuschheitsgürtel mit dem Bolzenschneider, eine Szene die genau so mit mittelalterlichen Mythen arbeitet. Oder besser gesagt mit Mythen über das Mittelalter. Keuschheit an sich, als Konzept der Ehre einer Frau, ist eine komplett männliche Erfindung wie alles andere auch. Ein gutes Beispiel für sowas ist die Gesellschaft der Bonobo Affen, wo Männchen nichts zu melden haben und die Weibchen sexuell ausschweifend sind, auch miteinander. Sowas wie den Keuschheitsgürtel als reale Sache hat es aber nie, in keiner noch so patriarchalischem Gesellschaft gegeben. Eher haben Herrscher anderen Männern die Eier abgeschnitten um sie als Eunuchen und die Diener ihrer Frauen zu verwenden, als einer Frau einen Keuschheitsgürtel aufzuzwingen. Das Ding ist schwarze Propaganda aus der Barockzeit genau so wie das Recht der ersten Nacht oder Foltergeräte wie die eiserne Jungfrau.

Die Rollen sind im ersten Teil des Films schon mal klar verteilt worden. Die Protagonisten sind in der Postition der Machtlosen und der Antagonist sitzt buchstäblich ganz weit oben, damit der Zuschauer sich schon auf seinen tiefen Fall freuen kann.

Aber mal etwas zur Person des Immortan Joe:
Ich habe mir kurz vor dem Film noch den etwas zuvor erschienen Comic "Mad Max: Fury Road: Nux & Immortan Joe" angesehen, indem wortkarg und in einer für Comics leider typischen, simplifizierten, platten Sprache die Vorgeschichte von dem Antagonisten und dem War Boy Nux erzählt wird.

Immortan Joe war ein Militäroffizier der mit seiner Truppe nach dem Kollaps besser aufgestellt war als andere Organisationen und die Initiative ergriffen hatte.
Those who could, left the city to a slow death. Those with muscle and ruthlessness (...) ex-jarheads, devildogs with high and tight haircuts, caches of weapons and the will to use them, men in search of something more, a vision of a new world rising from the ashes of the old world. Their leader, the militant Colonel Joe Moore.
In Road Warrior sieht man auch wie Lord Humungus seine Waffe aus einer Schatulle nimmt in der Abzeichen und ein altes Foto liegen, was suggeriert Humungus kommt aus einer Familie mit militärischer Tradition, war selbst Militärangehöriger und die Waffe ist ein Familienerbstück, welches er immer noch sehr wertschätzt.

Moore und seine Truppe ziehen wie Heuschrecken auf der Suche nach Ressourcen durch das Ödland und fallen quasi in eine Art Kriegsführung der Steinzeit zurück, bei dem gebärfähige Frauen wieder zu einer Beute werden.


Es gibt in dem Film 28 Days later eine Szene, bei der die Überlebenden auf eine Gruppe Soldaten treffen, die sich in einem Schloss verschanzt hat. Anfänglich ist man noch freundlich gegenüber den Überlebenden, bis der Befehlshaber Major West dann Tatsachen präsentiert. Seine Soldaten können die Infizierten(Zombies) abhalten bis der letzte von ihnen verhungert, aber darin existiert für die Truppe kein Sinn. Deswegen hat Major West ihnen dann Frauen versprochen, weil Frauen eine Zukunft bedeuten. Dies klingt in seiner Erklärung sogar ehrlich, pragmatisch und fast schon nobel.
Im Grunde ist es aber fundamentale menschliche Überlebensstrategie. Siehe dafür auch Sex and Violence.

Colonel Moore macht im Prinzip nicht etwas sonderlich anderes als die frühen Römer beim Raub der Sabinerinnen. Und auch genau wie bei den Arabern leben die Menschen im Ödland in einer feindlichen Umgebung wo Wasser wertvoller ist als Gold, weswegen im Angesicht der Vernichtung der Spezies hier nicht sonderlich viel Platz für weibliche Selbstbestimmung sein kann. Auch die symbolische Befreiuung von sexueller Unterdrückung beim Aufbrechen des Keuschheitsgürtels wird an der Realität kein Stück ändern.

Die Zitadelle wurde anfänglich noch von anderen Einwohnern bevölkert, die mit seiner Truppe auch nicht gegen Frauen Wasser handeln wollten und eher das Feuer eröffneten. Während der anschließenden Belagerung erkundeten seine Späher die Umgebung wobei sie eine alte Bleimine und eine Ölraffinerie fanden.  Beim Endkampf um die Festung wurde Moore vom Rest seiner Leute abgeschnitten und nach einigen Tagen glaubte man ihn bereits tot, bis er am Ende lebend und triumphierend erschien. Damit war die Legende vom Immortan Joe geboren.


Die Bleimine wurde später zur Bullet Farm und die Ölraffinerie zu Gas Town. In der Zitadelle beförderten Pumpen Grundwasser an die Oberfläche und dort wurden Pflanzen kultiviert. Das ganze hält sich in einer stabilen Dreiecksbeziehung. Nur findet der Immortan Joe keinen Nachfolger für sein Vermächtnis, weil wie gesagt alle Kinder irgendwie beschädigt sind. Also hat er diese Vault gebaut um dort gesunde Frauen bei sauberer Luft und sauberem Wasser als Brüter zu kultivieren. Nicht gerade Verhältnisse wie bei Dschingis Khan, aber nachvollziehbar. Was wäre die Alternative? Sobald er sterben würde, würden irgendwelche kleineren Warlords versuchen alles an sich zu reißen und vermutlich würde es so enden wie in The Book of Eli, als dann der Pöbel einfach alles plündert was der Antagonist erschaffen hat. Die Zivilisation von Immortan Joe ist geschaffen worden wie jede andere auch und hat das meiste Potential im Ödland, trotzdem ist er der Buh-Mann und seine Taten werden an Pre Collapse Moralmaßstäben gemessen. Auch gegenüber Max äußert sich eine der Brüterinnen verablassend, dieser würde ja Echsen fressen, als ob es etwas abfälliges wäre und im Ödland ansonsten überall vegane Biosupermärkte gibt.

Unten vor der Zitadelle haben sich die Zerlumpten angesiedelt, weil dies für sie besser ist als die Alternative, welche darin besteht im Ödland anderweitig umzukommen. Gelegentlich wird dann dieser Pulk an Menschen abgegrast nach brauchbarem Material wie "Milch Mütter", Tretmühlratten für die niedere manuelle Arbeit und junge Männer die als Mechaniker und War Boys zu gebrauchen sind. Ein spiritueller Märtyrerkult mit Paradies im Jenseits, sowas wie die ewigen Jagdgründe, erscheint auch noch als das sinnvollste, was man an Leukämie sterbenden jungen Männern ohne Perspektive geben kann. Was wäre die Alternative im Ödland? Vielleicht Grundsicherung für soziale Gerechtigkeit und Mietpreisbremse?


Also wieder zurück zum Film. Nachdem Max entkommen und an Furiosa und die Brüter geraten ist, raufen die sich halt zusammen und Furiosa erzählt von ihrem Plan in das immer grüne Land zu flüchten, vermutlich sowas wie das Morgen-Morgen Land aus dem dritten Film, wo dann der Stamm der vielen Mütter hausen soll. Das ist dann die absolute Krönung nachdem man den ganzen Film mit diesen unrealistischen feministischen Inhalten gegängelt wurde. Als sie diese dann endlich erreichen gibt es kein immer grünes Land mehr und die vielen Mütter sind nur noch ein paar sterile Alte auf Motorrädern. Das war ein Punkt an dem ich aber fast vor Lachen aufgeschrieen hätte, denn in seinem Versuch feministische Fantasien zu portraitieren zeigt der Film tatsächlich nur unbequeme Realitäten. Die Brüter, welche in einem patriarchalischem System aufgezogen wurden, sind gesunde, schöne und feminine Frauen, während die matriarchalischen "vielen Mütter" nur noch ein paar abgerockte alte Weiber sind, die ihr "immer grünes Land" längst verloren haben, weil ja irgendwie die Umwelt diskriminiert hat und Agrarwirtschaft doch etwas komplizierter ist als platte Fruchtbarkeitssymbolik.

Mit dem War Boy Nux, den sie mehr oder weniger einfach aufgegabelt haben nachdem er seine dritte Märtyrer Mission versaut hat und nun niedergeschlagen und desillusioniert ist, fängt eine der Brüter sogar noch so eine Art kuschel Romanze an, die mich an Lance und das Playboy Bunny aus Apocalypse Now erinnert hat. Nux ist auf der einen Seite euphorisch, fanatisch und todessehnsüchtig weil sein Leben sowieso die Hölle ist, auf der anderen Seite ist er unschuldig weil er nichts anderes kennt als was der Kult ihm an Perspektive bietet.

Also die Männer sind entweder wortkarge, gebrochene Though Guys wie Max, die den Power Frauen als Gewehrauflage dienen dürfen wenn sie nicht gerade gerettet werden, oder sie sind verletzte kleine Jungs wie Nux die noch etwas Mitleidsliebe einer Madonnafigur bekommen. In einer Szene hält sogar eine der Brüter ihren schwangeren Bauch den Verfolgern und Immortan Joe entgegen den sie damit wie einen Schild für die anderen verwendet.
Eine spätere Szene zeigt sehr gut, dass der Film die männliche Gewalt, den Road Warrior, zur Abtrünnigkeit erklären will und stattdessen die weibliche Gewalt als moralisch Höherwertig darstellen will. In dieser Szene geht Max in die Dunkelheit hinaus um ein Verfolgerfahrzeug zu überfallen und kommt kurz darauf Blut beschmiert mit der Ausrüstung der Besatzung zurück. Daraufhin wäscht er sich das Blut, fremdes Blut, mit Muttermilch aus dem Tanklaster ab. Es ist sowas wie ein rituelles Reinigungsritual welches er ablegen muss um wieder in den weiblichen Stamm akzeptiert und aufgenommen zu werden, nachdem er dort draußen in der Dunkelheit ungesehen das getan hat, was Mad Max zum Road Warrior macht.

Letztendlich muss dann aber Max Furiosa vor sich selbst retten, indem er ihren Plan durch die Wüste zu fahren als sinnlos erklärt und man stattdessen lieber zur Zitadelle zurück fahren sollte, die mittlerweile unbewacht ist und eingenommen werden könnte. Das gelingt dann halt am Ende, Immortan Joe wird getötet und Max und Furiosa nehmen die Zitadelle ein. Während die Frauen gerade dabei sind den zerlumpten Pöbel mit auf den Aufzug zu helfen verschwindet Max in der Menge, was für mich absolut nicht überraschend war. Wäre ich Max, so würde ich an dieser Stelle auch schauen dass ich wegkomme, bevor das Matriarchat noch eine perfekte Sache total versaut. Wer sich ausmalen will wie es mit dem immer grünen Land zu Ende gegangen ist, der kann sich ja die Staffel Expeditie Robinson von 2002 ansehen, der niederländischen Fassung der Sendung Survivor. Ein ansonsten ziemlich langweiliges Format präsentiert hier wie ein rein weibliches Team auf einer tropischen Insel überlebt und wie ein rein männliches Team sowas macht. Das männliche Team findet schnell Arbeitsteilung und baut in wenigen Tagen eine kleine Zivilisation auf, während die Weiber alles nur mit Zustimmung der Gruppe machen und daher meistens nur in der Sonne liegen, die Vorräte auffressen und nicht mal eine Hütte bauen können.


Fazit
Geiler Actionfilm, dumme Story die einem aber egal sein kann. Unbedingt in 3D anschauen. Wer vorher Drogen nehmen will, so ist der Film mit seinen Effekten und schnellem Schnitt eher was für Uppers. Sollte ich noch mal reingehen, dann nehme ich mir auch eine Dose Lebensmittelfarbspray in Silber mit. Wilton Color Mist Spray findet ihr auf eBay.

Das Ende lässt wieder mal einen Nachfolger offen und ich könnte mir gut vorstellen, dass George Miller einen weiteren Mad Max dreht, der noch finsterer wird. Der erste Mad Max war ein platter C-Movie der nur mit Gesetzesbrüchen zustande kommen konnte und sich selbst nicht ernst genommen hat. Der zweite Film hatte immer noch seine bizarre Komik und der dritte wirkt eher noch wie ein postapokalyptischer Herr der Fliegen in den Max einfach so reingestolpert ist. Es war eigentlich absolut klar, dass bei der momentanen Beliebtheit von Post Collapse Formaten der bekannteste Urvater des Genres neues Leben eingehaucht bekommen muss und dabei sehr viel düsterer sein wird als die Vorgänger. Tom Hardy's Schauspielerische Leistungen als wortkarger Antiheld Max sind überzeugend.

Das einzige worüber ich mir hierbei sorgen mache ist, dass es an den Kosten scheitern wird. Fury Road musste im Prinzip zwei Mal gedreht werden, unter anderem weil Behörden im Drehland Nambia aka. Südwestafrika meinten, die Dreharbeiten würden die Wüste beschädigen.

Außerdem waren die Kinosäle bislang recht leer und ich habe die Befürchtung, dass dieser feministische Überton des Films männliche Fans vergraulen, aber keine weiblichen Fans anziehen wird. Die schauen sich lieber Tanz- und Weiberfilme wie Pitch Perfect 2 an. Und das obwohl doch Miller noch die Autorin von "Vagina Monologes" als Beraterin hinzugeholt hatte. Ich sehe hier auch wieder den Interessenkonflikt zwischen dem hedonistischen Teil der Gesellschaft der tanzen und feiern will und dem Teil, der sich in morbider Neugier danach sehnt, dass alles endlich endet.

Wahrscheinlich werde ich mir im September auch das Spiel zum Film holen.


Siehe auch:
Eigentum ist männlich


Kommentare:

  1. Als eine der abgehalfterten Alten dann aus ihrem Handtäschen dann so selbstgezogene Pflänzlein zog, war bei mir ein Schmerzpunkt erreicht.
    Lassen wir mal die ernsthafte Analyse eines solchen Unsinnes weg, welche wohl auch aus ästhetischen Gründen eher abstoßende Erklärungen beinhalten mussten, warum sie einen grünen Daumen und unbeschädigte Frischpflänzlein aus ihrer Tasche zaubert in der öden Wüste...
    Nicht genug, dass es die Übermütter (zumindestens des Namens nach) sind, nein, anscheinend ist eine von ihnen auch noch Mutter Gaia persönlich.

    Fand den Film aber persönlich voll in Ordnung. Hat sich da doch mal gelohnt, zum Kino dafür zu pilgern.

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  2. Eventuell sind ein paar Teaser-Szenen vom saudischen Weiberspiel "SGR" mit reingerutscht und sorgen für Verwechslungen. Zur Unterscheidung: Der Stamm der vielen Mütter besteht aus abgetakelten Unvermummten die ihre Fruchtbarkeit im Handtäschchen tragen, die "Saudi Girls Revolution" ist frisch, tolerant und natürlich verschleiert..

    >"Saudi Girls Revolution" (SGR), so heißt das Spiel für Smartphones, das in ein saudi-arabisches "Mad Max"-Szenario entführt und das bereits Monate vor seinem Erscheinen für Aufsehen sorgt. Acht Frauen sagen brutalen Tyrannen den Kampf an. Unter ihnen sind die Frauenrechtlerin Bandar, Leila aus der gestürzten Elite des Landes und die homosexuelle Hussa. Sie alle brausen auf aufgemotzten Motorrädern durch das zerstörte und korrumpierte Land.<

    Alles Klar?

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  3. Ist mir irgendwie zu angestrengt der Film, auch wenn Charlize Thron wg ihres Großvaters bei mir einen Stein im Brett hat.

    Aber ich kann ja gleich mal im Vorbeigehen den Film nennen, den ich mir letztens in meine Hall of Fame aufgenommen habe. Hat zwar nur eine post collapse Szene am Anfang, aber allein die ist schon cool mit einer Ratte als Mikrofon.
    Guardians of the Galaxy.
    Der transportiert nicht nur ein gutes Frauenbild als sie zerupft aus dem Frachtraum klettert nachdem er sein Schiff im Geysir gerettet hat. Und er hat sofort Probleme sich an ihren Namen zu erinnern.
    Nein, da bekommt man auch noch nebenbei klar, wie man, vertrauensselig wie man nun mal ist, von echten Kumpels verarscht wird, wenn die einen aus Jux gnadenlos in einen Krieg um eine Beinprothese schicken, die eigentlich keiner braucht.
    Und dann solche echten Erkenntnisse, dass man "sterben wird, umgeben von den Oberidioten der Galaxis".
    Oder das Finale:
    Peter:" Ok, was tun wir jetzt?? Was Gutes oder was Böses?
    Gamora: "Starlord, wir folgen Dir!"
    Peter: "Ok, machen wir von beiden etwas!"

    Das war der unterhaltsamste Film seit Bruce Willis mit seinem Nigger-Plakat im Ghetto auf der Kreuzung stand.

    MAD MAX nimmt sich dagegen einfach zu ernst.

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  4. Mir war der Film viel zu Comic-haft überdreht. Der beste und auch glaubwürdigste post collapse Film ist The Road mit Viggo Mortensen. Ich würde aber vorher alle geladenen Waffen wegsperren und auch nichts einwerfen oder mich ansaufen. Die Gefahr dass man sich nachher die Birne wegschießt, ist nicht von der Hand zu weisen.

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