Donnerstag, 9. Juli 2015

Finanzkrise II

Von Wertvernichtung


Momentan kann man bei griechischen Banken nur noch sehr begrenzte Bargeldbeträge von 60 Euro am Tag abheben und das Pensionärsvolk hat bald keine Kohle mehr. Sieht nicht gerade danach aus, als ob der Euro vor dem Zusammenbruch steht und die Hyperinflation droht. Trotzdem werden wieder diverse Geschäftemacher die Griechenlandkrise nutzen um ihr eigenes Krisenszenario und Lösungswege zu pushen, wie bspw. auch Gold und Silber, in der Hoffnung, dass der Krisenvorsorgeindustriekonsument nicht so genau hinsieht.
Wenn in Griechenland die Bankautomaten nichts mehr hergeben, was soll man dann mit Gold und Silber? Mit wem sollte man es tauschen? Welchen Wert besitzt es beim Edelmetallhändler, wenn bereits die Flucht in das Bargeld stattfindet? Wie bereits x-mal erwähnt und erklärt ist die neoklassische Lehre vom Gold als Naturgeld überholt und mit der momentanen demografischen Situation hätte selbst Geld ansich, selbst wenn es ein Naturgeld wäre welches immer und garantiert dieser Funktion nachkommen könnte, ein ganz anderes Problem: den Wegfall von Produktion und Konsumenten. Geld ist eine Tauschversicherung die durch zukünftige Produktion gesichert wird.
„Eine Gesellschaft, welche die Fähigkeit oder den Willen, produktiv zu sein, verloren hat, wird verhungern müssen, mag ihr Vermögen noch so groß sein. Das ist das zentrale Paradoxon der Vermögensillusion: Niemand kann vom Vermögen leben, wenn niemand mehr produktiv ist [...] GESAMTWIRTSCHAFTLICH IST DER REICHTUM STETS UND IMMER NUR DER GEGENWERT DER ZUKÜNFTIGEN PRODUKTIONSERTRÄGE [...] Wir alle, Arme und Reiche, sind schicksalhaft mit der Produktivität der gesamten Volkswirtschaft vernetzt [...] Was mein Vermögen wert ist, bestimmen immer die anderen.”
- Silvio Borner, Neue Zürcher Zeitung, 27.9.1989

Griechenland wird deshalb unter Deflation leiden, genau so wie alle anderen Nationen darunter leiden werden in denen die Subventionierten zahlreicher sind als die Produktiven und durch Geburtenschwund keine neuen Produktiven in den Arbeitsmarkt eintreten. Diverse Auflagen, Vorschriften und Verbote welche den Start in eine produktive Tätigkeit am Markt erschweren, behindern oder verbieten werden ihr übriges dazu tun. Diesen Trend sieht man bereits überall in der westlichen Welt und anstatt Reichtum zu schaffen lebt sie mehr und mehr von der Substanz. Ist diese Substanz dann irgendwann aufgebraucht und keiner findet sich der neue Subventionen in eine sterbende Zivilisation pumpen will, dann ist es halt vorbei.


Ein ähnliches Szenario zeichnet sich in China ab. In China überschreiten die geburtenstarken Jahrgänge der heute 45 bis 50 Jährigen die Ausgabengrenze und ihr Konsumverhalten geht weg von Lebensunterhalt zu Altersvorsorge. Da die chinesische Immobilienblase selbst für den obrigkeitshörigsten Parteigenossen sichtbar war, investierten die Chinesen noch eher in den Aktienmarkt und schufen dort eine neue Blase. Selbst wenn die chinesische Zentralbank Geld in diesen Markt pumpen würde, würde das gar nichts bringen. Platzen die Blasen am Markt werden Werte vernichtet und Deflation entsteht, verstärkt dadurch, dass die Betroffenen dann auch ihre übrigen Ausgaben zurückfahren werden. Trotzdem haben sie das gleiche Problem wie Europa, indem nicht genug Kinder und damit zukünftige Produzenten und Konsumenten nachkommen.



Siehe auch:
Finanzkrise Teil 1
Schattenwirtschaft
Zahlungsmittel

Kommentare:

  1. Wenn die Produktivität abnimmt, steigt der Wert der Güter, von denen es dann immer weniger gibt. Wie das zu Deflation führen soll ist mir schleierhaft. Es wird wohl eher so sein, dass Geld und Gold gleichzeitig an Wert gegenüber den Güter verlieren, an denen Mangel herrscht.

    Ob man nun demnächst mit Deflation oder Inflation rechnet, eines dürfte klar sein: In einem Krisenszenario in dem es ums nackte Überleben geht dürfte weder buntes Papier noch glitzerndes weiches Metall einen hohen Wert haben.

    Krisenvorsorge ist doch ganz einfach, man investiert sein Geld stufenweise in das was man braucht, wenn es soweit ist:

    1. Nahrungsmittel, Waffen und sonstige Gerätschaften
    2. Bug-out Location (dann wieder zurück zu 1 da mehr Lagerplatz)

    Wer danach immer noch zigtausende von Euros herumliegen hat, mit denen er ums verrecken nicht weiß was anfangen, der kann getrost in Gold und Silber investieren. Nicht um damit in der Krise einkaufen zu gehen, sondern um es seinen Nachkommen zu vererben für die Zeit in der es wieder aufwärts geht. Denn dann werden Edelmetalle mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mehr wert sein, als irgendwelche Euroscheine aus der Zeit vor dem Zusammenbruch.

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    1. Edelmetalle am Arsch, kauft lieber Wolfram. Und das meine ich nicht mal als Anspielung auf Geschosse, ich meine wirklich Wolfram anstatt Edelmetalle.

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    2. "Wie das zu Deflation führen soll ist mir schleierhaft."

      Ist ganz einfach.

      Ausgangsaussage:
      "in denen die Subventionierten zahlreicher sind als die Produktiven und durch Geburtenschwund keine neuen Produktiven in den Arbeitsmarkt eintreten."

      Die fehlenden Produktiven aufgrund von Geburtenschwund haben eine Doppelfunktion: sie sind nicht nur Anbieter von Produktion sondern auch Nachfrager und als solche fragen sie einen Teil ihrer künftigen Produktion als Wertäquivalent jetzt schon nach.

      Die Frage nach einem gesamtwirtschaftlichen deflationären Szenario ist nur mit weiteren Erklärungen zu beantworten. Erstens ist zu bedenken, daß ein deflationäres Szenario in gesamtwirtschaftlicher Sicht nicht bedeutet, daß alle sich überlagernden Produktmärkte im Wirtschaftsraum deflationär sind, sondern, daß in Summe der Wirtschaftsraum deflationär wird. Und zweitens sind Transferleistungsempfänger Nachfrager in Bedarfsprodukten: Essen, Wohnraum, (heute) Handy usw.
      In Bedürfnisprodukten sind die keine Nachfrager, weil die garnicht die Kohle dazu haben und die ihnen auch keiner gibt (weil sie eben nicht produktiv sind) oder weil sie - als Rentner - eben keine solche ausufernden Bedürfnisse mehr haben. Das führt zu einer Deflation bei höherpreisigen Produkten: der technologischen Spitze der Produktion. Typisch: KFZ, Informationstechnologie, Unterhaltungselektronik. Branchen, die das nicht durch Kostensenkung kompensieren können, verknappen das Angebot künstlich (KFZ).

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    3. Gold kann man nur mit anderen Assets vergleichen, z.B. mit Immobilien oder Beteiligungen, und nicht mit irgendwelchen Konsumprodukten. Gold wurde noch nie für als Zahlungsmittel für irgendwelchen Kleinkram eingesetzt.
      Gold nützt deshalb nicht wirklich was in der Krise - man braucht nicht meinen damit seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

      Wolfram ist ein reines Industrie-Metall (vor allem für Wolframstahl/Hartmetall) und kann nur verkauft werden wenn eine entsprechende Produktion dieses benötigt.

      Die Deflation kommt dadurch, dass Kredite ausfallen - das führt dann zu verminderter Kaufkraft, so dass die Preise sinken müssen oder die Produktion vermindert wird. Die Schuldenberge sind riesig.
      Alle die mit der Rückzahlung ihrer Kredite beschäftigt sind oder gleich ganz bankrott sind haben weniger Geld zum verkonsumieren.

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  2. Ich bin der Meinung, gerade weil Gold oder Werte allgemein schon in der Vergangenheit als überholt galten, sind wir überhaupt erst durch Aufzehren der Substanz in diese Situation gekommen. Dieses ungedeckte Geld, egal welche derzeitige Währung man auch nimmt, hat ja die Illusion genährt, das Schuldenmachen reich macht und das man auf Dauer auf Kosten der Produktiven Leben kann. Nun hat die Zahl der unproduktiven Schmarotzer die kritische Masse überschritten. Das rächt sich nun für alle. Das tröstliche an der ganzen Sache ist, dass die Schmarotzer, die es nie für nötig gehalten haben selbständig zu werden und Verantwortung zu übernehmen, also die Sozialisten, als erste von der Bildfläche verschwinden. Sie haben nie gelernt für sich selber zu sorgen, sondern kennen nur den Konsum. Für sie wird es am schwierigsten.

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    1. Du redest wieder vom ungedeckten Geld als ob es ein Naturgeld gäbe egal wie oft ich es erkläre. Das ist pseudo-libertäres Dummgelaber von dem Wunschdenken, dass Gold einen Wert haben müsste. Ist nicht so. Die einzige Deckung ist Produktion. Manche lernen es halt nicht mehr.

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    2. Verstehe ich eigentlich nicht so bei ihm in Richtung Naturgeld oder inhärenten Wert, sondern dass Notenbankgeld dem Staat zuviel Kontrolle gegenüber der Geldmenge gibt. Und das ist in der Tat Voraussetzung für solche Sozialstaatsexesse oder teure Kriege, weil eben die unmittelbare ökonomische Rückmeldung fehlt.
      Zu DM Zeiten hat diese Rückmeldung der Bundesbank noch funktioniert. Die haben gnadenlos die Zinsen hochgejagt, wenn die Regierung zuviel Wohltaten verteilt hat. Haben Jüngere vermutlich nicht mehr auf dem Radar, wie das ablief, aber diese harte Haltung der Bundesbank war der Grund für den DM Mythos.

      Im Übrigen bevorzuge ich Silber eben wg des industriellen Anwendungsspektrums. Und noch besser, wenn da ein Nennwert draufsteht.
      Dann hat man auch einen Fallschirm, wenn es so einbricht wie derzeit..
      Wolfram bekommst Du ja bald ohnehin, wenn Du beim Goldkauf nicht aufpasst

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    3. A, Du sitzt einem didaktischen Trugschluß auf.

      "Geld" als Begriff wird für zwei Dinge verwendet: ersten für abstrahierten Warenwert und zweitens für die Sache an sich, die diese Funktion ausfüllt oder ausfüllte.

      Wenn Du diese Unterscheidung nicht ganz klar machst, dann wirst Du immer auf scheinbare Unlogik in der Überlegung stoßen.

      "In Verwendung befindliches Geld" ist immer gedeckt - durch Ware. Das ist so, weil Geld abstrahierter Wartenwert ist.

      Geld, das nicht mehr in Verwendung ist - Zettel, Muscheln, Metallstückchen -, werden zwar als "Geld" bezeichnet, haben aber die Geldeigenschaft verloren.

      Das Problem der "Deckung", was Du meinst, ist eigentlich kein Problem der Deckung sondern ein Problem der Warenäquivalenz: eine Erhöhung der Anzahl der Geldeinheiten verringert bei gleichbleibender Warenmenge den Wert der einzelnen Geldeinheit. (Ist komplizierter: genaugenommen ist die im Markt befindliche Geldmenge äquivalent zur im Markt befindlichen Warenmenge und die damit erzielbaren Preise koppeln Rück auf die nicht im Markt befindliche Geldmenge und die nicht im Markt befindliche Warenmenge - aber der zugrundeliegende Mechanismus ist genau so: Geldmenge entspricht Warenmenge). Die "Deckung" nun soll garantieren, daß die "Geldmenge" nicht willkürlich gesteigert wird, weil für eine Geldeinheit eine bestimmte Menge Gold oder Silber oder was auch immer vorgehalten werden sollen. Dabei gibt es aber zwei Probleme:

      Erstens verbrieft "gedecktes" Geld nur einen Anspruch auf Lieferung dieser Menge Edelmetall und entzieht sich schon dadurch in der Praxis der Kontrolle, ob tatsächlich nur so viel Geldeinheiten ausgegeben werden, wie zur Deckung vorhanden sind.
      Und zweitens ist die "Deckung" eine Augenblicksentscheidung. Wenn ich heute sage: "für 1 EUR gebe ich 1 gr. Silber" (als Beispiel) und morgen sage: "für 1 EUR gebe ich 0,5g Silber" dann kann niemand irgendetwas tun, um das zu verhindern. Wenn die Masse für den EUR sich 3 Doppelsemmeln kaufen kann, dann ist denen EGAL wie viel Silber sie sich theoretisch bei der ZB oder sonstwo dafür abholen könnten. Da gibt es keine Revolution.

      Dein Trugschluß ist, daß Du die Mengenbegrenzung DURCH eine Koppelung der Geldmenge an die Edelmetallmenge gleichsetzt damit, daß dieses Geld dann erstens intrinsisch an die EM-Menge gekoppelt wäre und zweitens diese Koppelung aus sich selbst bestehenbleibt. Das ist beides nicht zutreffend.

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    4. es würde wohl nur eine sehr begrenzte Produktion ohne Geld geben. Ob diese Geld nun Gold sein muss sage ich nicht. vielmehr sage ich, dass sich jeder sein Geld aussuchen dürfen sollte. Also Konkurrenz als Schutz vorm Missbrauch. Und ich vermute mal, da es schon eine Zeit der freien Geldwahl gab und sich Gold durchgesetzt hat, es wieder so wäre.

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  3. Das Wurzel, der eigentliche Problem ist doch, dass der Mensch ein extrem bedürftiges Lebewesen ist:

    -Relativ langsame Fortbewegung (aber ausdauernd).
    -lächerliche Krallen mit der man nichts reissen kann.
    -mittelstarkes Gebiss und relativ kleine Zähne.
    -kein Kälteschutz
    -bestenfalls mittelmäßige Immunabwehr gegenüber Viren,Bakterien,Pilze e.t.c
    -Mittelmäßige Sehkraft und Hörvermögen, miserable Nachtsicht.
    -Mittelmäßige Verdauung (Energieverwertung)

    Somit braucht es ständig sauberes Wasser, nahrhafte Lebensmittel, Kleidung(in kälteren Regionen) und Unterkunft.

    Und all diese "Konstruktionsmängel" wird mit nur einem entschuldigt: "leistungsfähiges Hirn".

    Das auch noch Nebenwirkungen mit sich bringt wie das Bewusstsein über den bevorstehenden Tod.

    Ich weiss ja nicht wie ihr das seht aber ist das wirklich ein guter Deal?

    Die Zähne hätten ja aus Eisen sein können und das Speichel könnte natürliches "Rostschutz" beinhalten, somit wären zumindest lebenslange gute Beisser garantiert.

    Idealfall wäre wenn der Mensch all seinen Bedarf aus der eingeatmeten Luft beziehen könnte (wie wir wissen besteht die Luft ja aus viel mehr als nur Sauerstoff).
    Apropo: Saubere Atemluft braucht er auch ständig.

    Aber gut, ich will nicht meckern, ich erfreue mich guter Gesundheit und lebe im reichen Europa.
    Bitte Gott, sehe das nicht als Undankbarkeit, ich fürchte deine Strafen. Segne uns und lasse uns das Paradies zuteil werden, uns arme Seelen die sich heute in diesem Blog zusammengefunden haben und auch die anderen, die so auf der Erde wandern und um ihr Überleben kämpfen.






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  4. Einfach nur genial das Statement. Mehr davon! :D

    "Bitte Gott, sehe das nicht als Undankbarkeit, ich fürchte deine Strafen. Segne uns und lasse uns das Paradies zuteil werden, uns arme Seelen die sich heute in diesem Blog zusammengefunden haben und auch die anderen, die so auf der Erde wandern und um ihr Überleben kämpfen. "

    Nur das mit dem Paradies ist Schrott. In der Hölle wohnen die interessanteren Typen und die hübscheren Frauen.

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  5. da die weltbevölkerung insgesamt wächst, mache ich mir um gold und silber keine sorgen. die produktiven leben dann woanders und man importiert dann halt.

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    1. Die wollen aber keine deutschen Abgabenlasten zahlen, die gehen lieber nach Australien, Kanada und in die USA.

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  6. Wolfram ? Warum nicht Rhenium oder Osmium ? Der Wert all dieser Dinge liegt im Auge des Betrachters. Der Laie sieht eh nur Metall; die sehen alle gleich aus, nämlich silbern oder grau (bis auf Kupfer und Gold).
    Die Hälfte der Welt (Indien, China, Asien) denkt, dass Gold richtig was Wert ist. Im Vergleich zu Kupfer oder Wolfram wäre wenigstens nicht die Hütte voll mit Metall.
    Und schweiß dir dein Wolfram und co. schön luftdicht ein. Bereits bei Silber hat es große Augen gegeben, wie so Münzen nach Jahren aussehen können, wenn lotterhaft gelagert.

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    1. Hab ich in anderen Beiträgen und den Kommentaren dazu alles erklärt. Also lest das oder verpisst euch ihr Dummficker. Ich diskutiere hier doch nicht.

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