Freitag, 17. Juli 2015

Krisenprophezeiungskritik

Über Krisentheorie, die Vorsorgeindustrie und die Kritik daran

Über die Krisenvorsorgeszene wird aus dem, was viele den Mainstream nennen würden, oft ziemlich negativ, manchmal belustigt und manchmal verächtlich berichtet. Ich selber spreche absolut ungern vom Mainstream, da das was sich alternativ nennt in der Regel nur eine Unterkategorie von diesem ist und ihr Bastarde sowieso alle gleich seid.

Ich möchte hier zwei Beispiele anführen für Kritik an besagter Szene die ich selbst für legitim halte. Das soll aber nicht damit verwechselt werden, dass ich deren Meinungen für wichtig halten würde.

Das erste Beispiel ist ein Artikel aus dem Manager Magazin von Mark Böschen, das zweite Beispiel die Dokumentation Selbstversorger: Die Angst vor dem großen Crash von ZDF Info. Beide Beispiele greifen ganz gut ineinander, da in ihnen auch teilweise dieselben Personen vorkommen.

Mein grundlegendes Problem mit dem hier portraitierten Krisenszenario der Bankenkrise und des Wirtschaftszusammenbruchs habe ich hier auf dem Blog schon mehrere Male erläutert. Bankenkrisen oder Finanzkrisen haben nicht das Potential weite Teile der Wirtschaft lahm legen zu können. Wirtschaften brechen immer nur während eines Krieges der diese Wirtschaftsräume direkt betrifft zusammen. Die Vorstellung vom großen Zusammenbruch ist aber eine relativ bequeme Untergangsversion. Im Manager Magazin heißt es dazu:
Er ist Teil einer neuen Subkultur der Gelduntergangspropheten, die immer weitere Kreise in der Mitte der Gesellschaft ansprechen. Es ist eine liberal-bürgerliche Szene, die am System zweifelt. Diese Menschen wollen keine Revolution, sondern ihre Ruhe - Sicherheit für sich und für ihr Vermögen.
Ich denke damit hat man es sehr gut getroffen. Das spiegelt auch die demografische Situation in Deutschland wieder. Während in den USA, die mit einem Durchschnittsalter von 37,6 Jahren im Vergleich zu Deutschland wie ein junger Springinsfeld wirken, die Krisenvorbereitungsindustrie noch von dem Abenteuerfaktor lebt bei dem es darum geht zu schießen, zu kämpfen und diese Dinge, sind es in Deutschland Vorträge vor ergrautem Publikum.

Frank Eckhardt hält eine Powerpoint Präsentation über Krisenvorbereitung in der Zukunft vor Leuten, für die es eigentlich keine Zukunft mehr gibt.

Man beachte auch links oben im Bild was sich wohl um die jungen Verkaufsdamen handelt. Die einzigen in dem Raum die wohl noch nicht steril sind.

Eckhardt verkauft den sterilen Alten als Getaway Plan Grundstücke zur autarken Selbstversorgung in der kanadischen Pampa von der Halbinsel Nova Scotia. Als ob jemand der bereits jetzt alt und grau ist im kanadischen Winter auf einer kleinen Farm Selbstversorger spielen wird, nur um noch ein paar Jahre aus seiner eigentlich abgelaufenen Existenz zu quetschen. Macht für die Krisenindustrie aber Sinn, da dieser Markt relativ bequem, umgänglich und kaufkräftig ist.
Dass weitgehende Autarkie eine ziemlich unbequeme Angelegenheit ist, musste übrigens auch Frank Eckhardt schon feststellen. Vorigen Winter wurde er von einem Schneesturm überrascht und war auf seiner kanadischen Farm plötzlich drei Tage lang vom Strom abgeschnitten. Ein Versorgungsengpass, an dem das Finanzsystem allerdings überhaupt keine Schuld hatte: Es war einfach ein Baum auf eine Überlandleitung gestürzt.
In der Einöde von Nova Scotia soll so was häufiger vorkommen.

Weiter heißt es im Manager Magazin:

Die Autoren des meistverkauften Wirtschaftsbuchs des Jahres haben dazu eine klare Meinung. "Der große Knall ist unvermeidbar", sagen Marc Friedrich und Matthias Weik. Die beiden 37-jährigen Vermögensverwalter aus dem schwäbischen Göppingen haben bereits 70.000 Exemplare ihres Gemeinschaftswerks verkauft. "Der größte Raubzug der Geschichte", so der Titel, ist ein erstaunlicher Erfolg, auch weil das Buch der beiden zuvor völlig unbekannten Betriebswirte fast ohne Werbeetat beim kleinen Tectum-Verlag erschienen ist. Es ist eine Art Manifest der Krisenphobiker-Szene geworden, das sich über Mundpropaganda verkauft.
Ich habe das Buch vor einer Ewigkeit mal gekauft als es zu den SPIEGEL Bestsellern gezählt hat und das ganze Werk war ein Haufen Scheisse. Ich hatte sowieso keine großen Erwartungen an ein Buch mit dem Untertitel "Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden", aber letztendlich  bekommt man wirklich nur eine Aufzählung von Dingen die zu irgendwann mal im Fernsehen gesagt wurden. Das ist ein Teil der Krisenprophezeiungsindustrie der vor allem von Demagogie lebt, von der Empörung und dem Frust der Käuferzielgruppe. Der Untertitel addressiert ja bereits an Leute die sich fragen "ja aber ich bin doch so fleißig, wieso werde ich denn nicht reich?" und präsentiert ihnen Banker und den Verbrecher Hartz als Schuldigen. Dieser demagogische Scheissdreck ist vor einer Weile auch zu einer Youtube Dokumentation verarbeitet worden die sich so anschauen lässt wie sich das Buch liest. Wenn die bösen Banker jemanden finden der dumm und gierig genug ist um sich von ihnen in einem faulen Geschäft abziehen zu lassen, dann ist das der größte Raubzug der Geschichte. Wenn Demagogen ihrem Publikum Scheisse verkaufen, dann ist das Krisenvorsorge.


Die Krise hat den Erben des bundesrepublikanischen Wohlstands ihre Sorglosigkeit genommen. Gerade weil sie es so gut hatten, ist die Angst so groß. "Wir hatten eine tolle Zeit, auf Pump", sagt Weik. "So gut wird es unseren Kindern nie wieder gehen." Es ist ein Zeichen der unsicheren Zeiten, dass sich auch diejenigen um ihre Kinder sorgen, die gar keine haben, so wie Weik. Man kann das als Selbstironie verstehen, muss es aber nicht.
Hier sollte man anmerken; sofern sie denn Kinder haben. Meine Vermutung ist nämlich, dass Krisenvorsorge wie in dem gefüllten Vortragsraum auf den obrigen Bildern in Deutschland hauptsächlich Hobby für kinderlose Rentner ist, die auf die letzten Tage noch irgendeinen Anliegen brauchen womit sie sich beschäftigen können. Selbst haben sie die ganzen Jahre zuvor mitgemacht, den letzten Abschaum in die Politik gewählt, aber auf einmal soll eine Bankenpleite das große Erweckungserlebnis gewesen sein wie fragil die Welt auf Pump eigentlich ist. Da gehts nicht um "Krisenvorsorge" oder sowas, da gehts einfach um das Hobby.

Die Ratschläge der beiden Bestsellerautoren: Beteiligung an einem Bauernhof nahe dem Wohnort, eine Streuobstwiese, ein Stück Ackerland vielleicht oder auch etwas Wald. Im Übrigen, sagt Friedrich, sei es ratsam, den Bedarf an Nahrungs- und Pflegemitteln für mehrere Wochen im Keller zu lagern.
Auch hier wird nostalgisch verklärte Bodenständigkeit vom kleinen Bauernhof als Alternative angepriesen, obwohl große Mengen von Vorräten billiger und sicherer sind. Wer will denn da in der Krise, wenn Nahrungsmittel ein Problem werden sollten, diesen Hof bewirtschaften? Die sterilen Alten oder was? Da kann ich den Plünderern ja nicht mal böse sein.


Der Berater hat aber auch ein Alternativszenario. In dem kracht es richtig, weil die Menschen das Vertrauen in das Geld verlieren. "Wir können eine Inflation bekommen, einfach weil die Leute das Geld nicht mehr wollen", warnt er. "Wenn die Teuerungsrate 5, 6 oder 7 Prozent erreicht, flüchten die Leute aus dem Geld."
Wie in anderen Postings bereits erklärt sieht alles nach dem Szenario einer Deflation aus, nicht nach einer Inflation. Die bodenlosen Löcher in denen Geld versenkt wird sind mittlerweile so zahlreich, dass die Geldflut von EZB und gerade der Geschäftsbanken nicht ansatzweise ausreichen könnte hier eine Bargeldschwemme zu verursachen. Und die Leute werden weiterhin Euros wollen und kein Gold oder Silber, weil das für sie besser funktioniert und Geld lediglich Anspruch auf Produktion ist.

Erst falls wieder eine Vermögensteuer eingeführt würde, müsste jeder seine Schätze offenlegen und einen Teil davon abgeben - oder riskieren, sich ab dann als Steuerhinterzieher strafbar zu machen.
Und wenn die Vermögensteuer eingeführt wird, dann werden es nicht die gemeinen Banker sein die mit Zigarre im Mund die Notwendigkeit davon im Bundestag verkünden, es werden die linksgerichteten deutschen Wähler und ihre Lobbygruppen fordern, denn kein anderer Herrscher ist so korrupt und gierig wie König Volk. 



Für wen schreibt eigentlich Post Collapse?

Regelmäßig verletze ich die mehr oder weniger unausgesprochenen Dogmas der Szene die nur bestehen können, weil ahnungslose Leute sich gegenseitig nachlabern und bestätigen wollen. Post Collapse schreibt nicht für diese Leute. Was diese Leute machen ist alles nur Reaktion und Opfermentalität ohne eigene Ideen die letztendlich nirgendwo hin führt.
Mehr dazu in Zukunft.



Siehe auch:
Andere Prepper
Finanzkrise


Kommentare:

  1. Ich sehe die Sache differenzierter. Ich bin bei dir, dass mit dem Thema Krisenvorsorge viel Schindluder getrieben wird, aber als mündiger Bürger ist es nicht schwer die Spreu vom Weizen zu trennen. Wenn jemand so blöd ist sich eine Bugout Location am Ende der Welt andrehen zu lassen obwohl er nicht weiss wie er dort jemals hinkommen soll, ist er selber schuld. Auf der anderen Seite, sehe ich unser aktuelles Finanzsystem schon sehr problematisch. In Griechenland sieht man das sehr genau. Die Wirtschaft geht nicht baden, weil plötzlich das Geld fehlt, da gebe ich dir Recht, das Problem sind die durchgefütterten Sozialschmarotzer, die raviant werden, und dass ist für niemanden lustig.

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  2. Richtig, eine Tyrannei entsteht nicht durch eine einzige Person, einen Diktator oder so, sondern durch den gierigen, neidischen Pöbel, welcher den Führer auf den Thron hebt (wählt) - aus reiner Korruptheit.
    Die Menschen haben Angst. Angst davor etwas zu riskieren und ihren Besitzstand zu verlieren.
    Das sind so alte Leute die sich bei PEGIDA einreihen.
    Und wenn die Menschen dazu noch vom Status Quo profitieren, werden sie den Status Quo verteidigen bis zum Tod - eben aus reiner Korruptheit.
    Die Intelligentia sind die Schlimmsten von Allen. Die gehen los und sorgen dafür, dass die Faschisten noch mehr Macht bekommen.

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    1. "Das sind so alte Leute die sich bei PEGIDA einreihen"

      Das liegt vielleicht daran, dass sich alte Leute noch an eine Zeit erinnern können als D noch nicht das Scheißhaus der 3.Welt war.

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    2. Ey gib mir nicht dieses Gejammer vonwegen "Früher war alles besser". Das einzige was früher für diese alten Deppen besser war ist, dass deren Arsch nicht alt war.

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  3. Auch wenn der Autor es nicht gerne sieht:

    „Weißt Du, wie Du Gott zum Lachen bringen kannst? Erzähl ihm Deine Pläne.“

    -Pascal Blaise

    In diesem Sinne, nicht so viel fragen, planen und sorgen, sondern leben. Keine Sau weiss letztendlich was in 2, 5 oder 10 Jahren passieren wird. Und das Schicksal schlägt meist aus einem toten Winkel zu, da kannst du dich noch so vorbereiten. Und wenn es soweit ist, lieber den Tod akzeptieren.

    Rund 100 Milliarden Menschen kamen und gingen, willst du denn ewig leben????

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  4. Na, mich hat das ganze Gelaber der Szene dazu gebracht Alles zu überdenken.
    Nachdem ich mir die unteren zwei Stufen der Bedürfnispyramide gesichert habe, ergaben sich die Restlichen von alleine.
    So wurde ich unabhängiger, kann meine Sache machen und hab Spaß dabei.
    Und ja, es kostet Schweiß, es macht stärker.
    Wenn ich zu alt bin sind da noch meine Kinder.
    So ist es immer schon gelaufen; man macht das Alles auch für die nächste Generation.
    Die Weitergabe von Wissen und Material.
    Die Jungen haben zur Zeit viel Anderes im Kopf, haben aber Potential für rauhe Zeiten.
    Und da kommen die "sterilen Alten" ins Spiel als Erfahrungs- und Fertigkeitenspeicher.
    (Nach meiner Erfahrung reicht aber ein Tropfen zur richtigen Zeit am richtigen Ort um fruchtbar zu sein...)
    So können die Verluste in der Zeit des Übergangs bei meinem Blut eventuell gemindert werden.

    Nach Aussage eines Kumpels kauft der Herr Eckhard wohl gerne Gimmiks ein um sein Wohlsein im Zusammenbruch zu halten, kann aber keinen Nagel in die Wand schlagen...
    Tolles Konzept.

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    1. Der Großteil der Jungen besteht aus leistungsarmen degenerierten Konsumtrotteln. Deren Eltern haben in ihrem Wahn("meinem Kind soll es besser gehen als mir" als wenn es den heute 40-50 Jährigen schlecht gegangen wäre) immer jede Belastung vom eigenen Balg ferngehalten. Kommen raue Zeiten, ist eine ganze Generation traumatisiert und erledigt.

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    2. Und die Generation davor waren zugedröhnte Discofixxer und die Generation davor ungewaschene Gammler und und und.....
      Typisches Früher-war-alles-besser Gejammer.
      Meine Großväter waren auch nicht härter als mein Jahrgang, als sie eingezogen wurden. Traumatisiert waren sie doch damals fast alle, aber erledigt? Nein.
      Harte Zeiten bringen harte Menschen hervor.
      LL

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