Donnerstag, 9. Juli 2015

Why we fight: Duelle

Warum Männer gerne kämpfen und warum eine Duellkultur wichtig für die Gesellschaft ist

Männer mögen Gewalt. Das ist ein Fakt. Testosteron ist nicht nur ein Sexualhormon welches den Bart und die Muskeln wachsen lässt, es ist auch eine Kampfdroge die aggressiv macht. Westliche Kultur hat deswegen bestimmte Regularien geschaffen um diesen Drang nach Gewalt und die Gewaltbereitschaft in geregelte Abläufe zu lenken. Das Ergebnis einer solchen Herangehensweise war nicht nur das Duell selbst, sondern auch eine Kriegerkultur mit eigener gesellschaftlicher Kaste welche man in den meisten anderen Kulturen so nicht findet. Ritterlichkeit ist ein europäisches Konzept. Andere Gesellschaften die von Priester- oder Beamtenkasten geführt wurden kennen diese Konzepte nicht und konnten auch nie die Dominanz erreichen, wie sie die Menschen des Westens erreicht haben.

Gewalt ist in unserer Kultur schon immer etwas gewesen das fester Bestandteil des Lebens war. Es wurde nicht wie heute unter den Teppich gekehrt oder als Problem welches es zu lösen galt behandelt, es war da um Probleme zu lösen. Vom gemeinen Mann bis zu den Edelleuten konnte jeder zu einem ritualisierten Duell herausfordern um Streitigkeiten beizulegen, wobei es dabei eher selten zu Todesfällen kam. Wurde dabei aber jemand getötet, so wurde der Sieger nicht als Mörder geächtet, sondern konnte seinen sozialen Status sogar verbessern. Mit fortschreitender Institutionalisierung der westlichen Gesellschaft wurde ein solcher Sieger in der Regel auch begnadigt. Während der Herrschaft von Heinrich IV. starben in 18 Jahren um die 4.000 Adelige bei Duellen. Unter seinem Nachfolger Ludwig XIII. wurden noch mal doppelt so viele Begnadigungen ausgestellt für "Morde in Assoziation mit dem Duell".

https://www.youtube.com/watch?v=TqdyCtO1ZT0
 Vice President Aaron Burr verwundet Finanzminister Alexander Hamilton im Duell tödlich


Das Ritual
Ein Kampf auf Leben und Tod wegen Ehrabschneiderei, übler Nachrede und dergleichen wird im Duell damit beigelegt, dass der eine den anderen erst herausfordert, dieser ablehnen oder annehmen kann und dann ein Treffpunkt, die Zeit sowie die Wahl der Waffen vereinbart wird. Begleitet wird jeder der beiden Duellanten dabei von seinem Hausarzt und einem guten Freund als moralischen Beistand. Als Richter dient ein Beamter der örtlichen Gemeindeverwaltung, ähnlich wie diese auch als Zeugen für Hausdurchsuchungen erbeten werden können. Das Duell ist vorbei wenn einer aufgibt oder tot ist.


Verbannung des Duells
Gerade in Deutschland gab es seit dem Spätmittelalter immer wieder Duellverbote. Im Jahre 1514 erlaubte Kaiser Maximilian I. von Habsburg es Studenten Waffen zu tragen. Dies war eine rein pragmatische Entscheidung, da Studenten oft auf Reisen waren auf den von Banditen heingesuchten Straßen und der Kaiser nicht die Fachkräfte von Morgen an ein paar Strauchdiebe verlieren wollte. Dies führte dann aber immer wieder zu Konflikten mit der übrigen Bevölkerung sowie den Studenten untereinander, die sich oft wegen, im Kontext betrachtet, Nichtigkeiten gegenseitig duelliert haben. Ende des 19. Jahrhunderts war es dann fast überall in der westlichen Welt verboten, hauptsächlich weil eben Adelige/Offiziere darin partizipierten, die vorher auf Kosten von Steuergeldern vom Staatsapparat ausgebildet wurden. Die Todesraten kamen reiner Verschwendung von Human- und Finanzkapital gleich.


Fehlen einer Duellkultur
Das Verschwinden einer Duellkultur lässt aber die Gewalt nicht verschwinden. Es sorgt nur dafür, dass diese Gewalt sich andere Bereiche sucht und andere Formen annimmt. Das ritualisierte Duell selbst ist eine gesellschaftliche Institution die den Drang nach Gewalt reguliert. Ein gutes Beispiel für das Gewaltpotential durch das Fehlen einer Duellkultur sind moderne Gefängnisse. Diese werden dominiert von Gangs, die in erster Linie dem Schutz der einzelnen Mitglieder dienen. Gewalt, obwohl Verboten, gehört in so einem Umfeld zur Tagesordnung und kündigt sich eben nicht an, weshalb jedes Individuum in so einem Umfeld permanent auf der Hut sein muss und den Schutz von Gangs sucht. Gäbe es hier die Institution des Duells, so würden Konflikte unter den Häftlingen anders gelöst werden und die Notwendigkeit der Gang zum Selbstschutz wird vermindert.

Ohne diese Möglichkeit der Konfliktaustragung wird Gewaltkultur wie gesagt nicht abgeschafft, sie wird komplett entkulturisiert und das macht sie erst so gefährlich. Wer weiß, dass diese Möglichkeit existiert, der überlegt es sich genauer wofür er Ärger anfängt. Gerade in einem Duell mit Waffen ist jeder Gegner potentiell extrem gefährlich. Dies sorgt generell für eine gewisse Demut und mindert das Bedürfnis und die Bereitschaft dazu, anderen Leuten auf den Zeiger zu gehen. Wer sich auf Kosten eines anderen amüsieren will, der wird dies nicht um den Preis einer Kugel oder Klinge im Bauch tun. Von daher sorgt die bloße Existenz dieser Möglichkeit bereits für einen gewissen Grat an sozialer Hygiene.



Siehe auch:
Why we fight


Im nächsten Teil: FIGHT CLUB!


Kommentare:

  1. Da passt mal wieder der schöne Satz von Robert Heinlein: "Eine bewaffnete Gesellschaft ist eine höfliche Gesellschaft."

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  2. Nicht umsonst werden auf 100 Mädchen eben 104 Buben geboren.
    Die Natur berücksichtigt solche Verluste!

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    1. Da hängen noch andere Faktoren mit drin als einfach nur "Natur". Reibungsverluste sind auch so einkalkuliert, Frauen sterben dann halt durch andere Sache. Dazu haste eher die Situation, dass in Deutschland heute die Einzelkinder nichts mehr riskieren dürfen aber es trotzdem 480.000 surplus Söhne gibt deren weibliches Gegestück nie geboren wurde.

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  3. Eine Duellkultur im allgemeinen sowie der germanische Brauch des gerichtlichen Zweikampfes waren der Grund, warum sich im Spätmittelalter Fechtschulen als wichtiges Betätigungsfeld für Bürger von Städten etablierten; zumal der Besitz eines Schwertes für einen Bürger häufig wurde. Diese Fechtschulen boten nicht nur eine Kampfausbildung für den an Selbstverteidigung Interessierten oder einen Teilnehmer an einem gerichtlich angeordneten Duell an, sondern waren auch Ort für Unterhaltung und Wettkampf. Diese miteinander rivalisierenden Fechtschulen waren ähnlich wie Dojos, nur ohne die ganze Esoterik, die die Japaner insbesondere in der Moderne lieben (Wer "Spiritualität" wollte, ging damals einfach in die Kirche). Schwertkampf, wie er von Thalhofer und Lichtenauer überliefert wurde, ist ohne Duell und gerichtlichem Zweikampf nicht denkbar, die Fechtbücher beschäftigen sich größtenteils damit.

    A. Schulze, Mittelalterliche Kampfesweisen. Der Kriegshammer, Schild und Kolben (Mainz 2007). (U. a. Bücher dieser Reihe)

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  4. Warum wird nicht einfach der reguläre Faustkampf wieder eingeführt?
    Gewalt ohne sich gleich umzubringen, und anstrengender als nur abzudrücken.

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    1. Hier geht es um Duellkultur und Faustkämpfe taugen dafür nicht.

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    2. "Warum wird nicht einfach der reguläre Faustkampf wieder eingeführt?"

      Ich schwanke zwischen "Mach doch mal ne Petition" und "Ob der dort reinpaßt, wo er eingeführt werden soll"?

      Ne Prügelei muß nicht "eingeführt" werden. Die entsteht auch so. Aber kannst ja, wenn Du in eine gerätst, die Runde darauf hinweisen, daß das nicht erlaubt ist. Hilft bestimmt.

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    3. " daß das nicht erlaubt ist. "

      Ein Freund von mir hatte heute eine Gerichtsverhandlung weil das ja nicht erlaubt ist.

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    4. Klar, wird nachträglich sanktioniert.

      Mein Punkt war: HIER die rhethorische Frage zu stellen, warum "XYZ" nicht wieder eingeführt wird (in der gegenwärtigen Ordnung, wohlgemerkt) ist doch recht sinnbefreit.

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  5. Die Möglichkeit zu sterben, setzt normalerweise eine Reflektion voraus, für welche Dinge es lohnt sich einem solchen Risiko auszusetzen.
    Die Tatsache, dass Tod in der Gegenwart in westlichen Gesellschaften weitgehend aus dem Blick geraten ist und in unsichtbare Randbezirke ausgelagert wurde, vermeidet diese Reflektion weitgehend.
    Schließlich kann man sich problemlos unsterblich fühlen. Tod ist ein Unfall oder eine Folge ungesunden Lebenswandels.
    Aber sowas wie Churchill nach dem Eintritt der USA in den Krieg zu sagen:
    " Von nun an wusste ich, dass wir überleben würden. Auf jeden Fall als Nation und mit Glück auch als Individuum."
    Das können keine Leute, die sich für unsterblich halten. Die hätten längst das Gespräch mit dem Gegner gesucht..um jeden Preis.

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    1. Noch Nachtrag.

      Simone de Beauvoir , "Alle Menschen sind sterblich."

      Der existentialistische Entwurf des Sinns der Sterblichkeit in Romanform.

      Der Romanheld ist unsterblich und verfällt deshalb wg der Gleichgültigkeit seiner Existenz über die Jahrhunderte zunehmend in Depressionen.

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