Freitag, 2. Oktober 2015

"Moderate Rebellen"

Ein Oxymoron an dem falsche Hoffnungen hängen



Als das begonnen hat was man damals den "arabischen Frühling" nannte, da war es für die meisten Kommentatoren bequem sich einer haltlosen Euphorie anzuschließen, dass es sich bei den "Revolutionären" Facebookfreunden um moderate Kräfte handele die in der arabischen Welt ein erleuchtetes Zeitalter einleuten und sie nach Vorstellung von Euro-Sozialisten gestalten würden.

The deposed President of Egypt, Hosni Mubarak, was an American ally, at least in appearance. In place of allies, America now has Facebook friends. The image of tech-savvy young people deposing a dictatorship captured the imagination of a credulous Western media. A month after the Egyptian uprisings began, a search in Google News turned up more than five thousand news reports including the search terms “Facebook,” “Egypt,” and “revolution.” The search terms “Egypt,” “revolution,” and “genital mutilation” turn up just seven stories in Google News. But female genital mutilation is in fact still much more common in Egypt than Facebook use; the Egyptians who “circumcise” their daughters have many more votes than the Egyptians who hang out at internet cafés. For two reasons, the Facebook revolutionaries of Tahrir Square have scant hope of ruling Egypt. The first is that there are very few of them; as of the most recent data (for 2007), Egypt had only 437,000 broadband Internet connections for a population of nearly 80 million, or a penetration rate of five per one hundred residents, about the same as Iran and Pakistan.
- David P. Goldman, How Civilizations Die

Letztendlich wurden die Facebook Aktivisten von den Schlägern der Muslimbruderschaft davongejagt und Leute übernahmen das Ruder, die eher die Bevölkerung islamischer Länder repräsentieren als die halbstarken Wichtigtuer aus der kleinen Mittelklasse.

Genau so verlief es mit den Revolutionen in Libyen und Syrien. Der Westen, wo die Meinungshoheit demografisch bedingt bestimmt wird von linksgerichteten Dummschwätzern, die lediglich an der eigenen Popularität und am verbreiten einer positiven Stimmung um sich jeder besser über sich selbst fühlen zu können interessiert sind, hat sich selbst getäuscht und unter den Revolutionären irgendwelche akzeptablen Kräfte gesucht, die es weder dort, noch irgendwo sonst gibt.

Man muss sich mal verdeutlichen, dass man im Westen nicht mal der eigenen Kriegerkaste mehr traut und dieser immer ablehnender gegenüber steht, während man aber irgendwelche islamischen Engelchen rekrutieren will die für die eigenen Ideale kämpfen sollen. Das ist widersprüchlich, das ist absurd.


Unsere Gesellschaft kann nur bestehen weil sie von Männern mit Waffen geschützt wird, die bereit sind anderen Menschen Gewalt anzutun. Genau so werden Gesellschaften in Blut und Schmerzen geboren und nicht etwa durch Facebook Likes oder Hashtag Kampagnen. Diesen Realitäten verweigert man sich im Westen allerdings, wo Fleisch aus dem Supermarkt kommt und Bequemlichkeiten nicht mehr mit Mühen verbunden sind, oder auch nur im Kontrast zu Mühen stehen die halt längst nicht mehr existieren.

Brechen diese Dinge dann weg und es kommt zu einer Kollaps Situation wie bspw. einem Bürgerkrieg, dann bleiben alle sensiblen Hedonisten schnell auf der Strecke und rauere Geister übernehmen das Ruder. Es ist absurd anzunehmen, dass eine "moderate" Mittelschicht die Deutungshoheit in einer Situation übernehmen kann in der Waffen und Gewalt Realitäten schaffen, wenn diese all die Jahre zuvor genau diese Dinge tabuisiert und aus ihrer Mitte verbannt hat. Ein "Extremist", jemand der bereit ist für seine Vorstellungen zu töten, der macht sich sehr, sehr viele Gedanken darüber wie er das am besten anstellt und bringt in einer solchen Situation Fähigkeiten mit, die diese "moderaten" Leute nicht haben.

The civilian revolutionaries who filled the early days of the uprising with so much promise are today largely spread across the globe, living in Turkey and Lebanon and Europe as refugees or long-distance activists. For some of these original moderates, the end of the revolution came as soon as demonstrators took up arms against a better-armed regime. For many more, the exodus was brought on by the rise of ISIS, in the middle of last year.
- Goodbye to the Last of Syria’s Good Guys

Allein die Wortkombination "moderate Rebellen" ist ein Oxymoron. Rebellen sind Leute die hardcore für ihre Überzeugungen einstehen und Gewalt anwenden. Sie tun das aber nur für ihre Überzeugungen und nicht für die des Nachbarn, der in der Zeit bequem zuhause hockt, um nachdem andere ihr Blut vergossen haben am ersten freien Wahltag wieder alle errungenen Freiheiten zunichte zu machen. In Deutschland hat man diese Erfahrung bereits 1525 im Bauernkrieg gemacht. "Es kann nicht sein, dass die einen die alten Rechte erkämpfen, während die anderen zuhause hocken", hieß es damals. Was für einen Grund gibt es also auch nur im Entferntesten anzunehmen, dass Rebellen in islamischen Ländern für "moderate" Politik von Demokratie, Frauenwahlrecht, Toleranz und am besten noch Schwulenehe kämpfen würden?

Die USA oder viel mehr Obama, für den der Ruf zum Morgengebet das schönste der Welt ist, sind mit ihrer Unterstützung für "moderate" Rebellen in Syrien grandios gescheitert, oder zumindest sieht man das so. Vielleicht ist es auch gar nicht so gescheitert. Für 500 Millionen US Dollar gibt es am Ende "vier oder fünf" moderate Rebellen.


Und deren Waffen, wie dieses Mk14, landen dann bei den nicht-moderaten Kräften wie der Al-Nusra.


Das absichtliche Versagen des Westens nutzen dann Demagogen wie Vladimir Putin aus um sich als starke Männer zu präsentieren, die ordentlich durchgreifen. Die russische Luftwaffe will jetzt von der CIA ausgebildete Rebellen in Syrien bombardiert haben. Vielleicht sogar alle fünf von ihnen gleichzeitig. Dabei haben gerade die russischen Dienste gezeigt, wie in sie Oppositionslagern extremistische Gruppen aufbauen um anschließend nicht nur die moderaten Kräfte zu bekämpfen, sondern auch die Deutungshoheit erlangen.

Der Großteil der Menschen ist unbeteiligt und wird seine zweifelhafte Loyalität immer dem geben, der gerade in seiner Nachbarschaft das Sagen hat. Gerade in Krisenzeiten verlangen diese Leute dann nach Protektionismus und einem starken Paten, der ihre Sicherheit gewährleisten kann. Für diese Leute bedeutet dann mit Hardcore Extremisten assoziiert zu sein mehr Sicherheit, als eine Assoziation mit "moderaten" Waschlappenaktivisten die Kalaschnikows lediglich ihre Flyer und Pamphlete entgegenzusetzen haben. Ist der Stern dieser Extremistengruppe dann wieder am sinken und die Vorteile verschwinden die sich aus der Assoziation ergeben haben, dann schwindet auch die Loyalität wieder.


Lektionen für den Ernstfall
Im Post Collapse Fall werden sich auch in Mitteleuropa verschiedene Fraktionen bilden und keine davon wird irgendwie als "moderat" gelten. Selbst jene Einflussgebiete, die ein sicherer Hafen für Freigeister, Kunst, Wissenschaft und Zivilisation sein werden, werden nicht beherrscht und nach außen verteidigt von liberalen Humanisten, sondern von Männern die Gewaltanwendung professionalisiert haben. Für diese Männer wäre es das Klügste nach Innen Freiräume zuzulassen die vielleicht ihrer eigenen Weltsicht missfallen, was aber der Bevölkerung die ihre Freiheiten ausleben möchte ermöglicht weiterhin produktiv zu bleiben um die Kriegerkaste zu stützen. Liberale Ärzte und Anwälte taugen sowieso nicht als Kriegsvolk und ihre Talente wären hier verschwendet.

Das wird eine große Herausforderung sein, da das menschliche Ego hier das größte Hindernis ist. So effektiv vielleicht ein Freikorps, das rein aus Neonazis besteht, an der Front ist, so werden diese Leute eigene Vorstellungen vom Leben haben und sich eventuell daran aufreiben, dass in der Gesellschaft für die sie ihr Leben riskieren keine Rassengesetzgebung existiert oder Rauschgift nicht geächtet ist. Der einzige Weg damit wirklich umgehen zu können ist der, dass die Menschen, die sich von der Gesellschaft in der sie leben noch am meisten repräsentiert fühlen, sicht selbst professionalisieren, selbst ihre Ressourcen bündeln und selbst ihre Interessen wahrnehmen. Für klassische Liberale in Deutschland würde das bspw. bedeuten, dass man sich nicht auf Wirtschaftstheorie, Talkrunden, Vorträge und Seminare verlässt und darauf am Ende doch wieder alles besser gewusst zu haben, was unter den jungen Leuten sowieso keinen anspricht, sondern selbst ein Drohpotential schafft, damit der eigenen Überzeugung das Gewicht zukommt, welches sie braucht um zu bestehen. Momentan begnügt man sich mit der Defensive, welche die schlechteste Verteidigungsstrategie ist, indem man sich nur weiter gegen Aggressionen wehrt, aber nie selbst nie in die Offensive geht und den Kampf aggressiv zum Gegner trägt. Schafft man es nicht hier umzudenken, dann wird man im Ernstfall getötet, versklavt oder bestenfalls verjagt, während die Menschen das Ruder übernehmen, die bereit sind für ihre Ideen zu töten und zu sterben. Als Unterlegener bekommen man weder Unterstützer noch Anhänger.



Siehe auch:
Goodbye to the Last of Syria’s Good Guys
SOFREP: Putins hidden influence agents within ISIS, Part 1, Part 2 and Part 3



Kommentare:

  1. Was hälst du davon dass man bei den Neurechten und auf PIss-News in den letzten Tagen langsam martialischer redet vom Bürgerkrieg und sowas?

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    1. Ich hab das auch erst gestern gesehen. Bestenfalls für diese Leute handelt es sich um Rückzugsgefechte, denn wenn bisher nichts brauchbares aus dieser Ecke kam kommt auch sonst nicht mehr was. Man muss sich verdeutlichen, dass es sich dabei um Menschen handelt, für die das ganze ironischerweise wirklich "alternativlos" ist. Alle anderen packen ihre Koffer und gehen. Auch hab ich mir so nen Vortrag gegeben wo zwei prorussische Vertreter der Neurechten Ankündigungen machen irgendwie mehr Druck aufbauen zu wollen, wobei sie sich von nützlichen Idioten bequatschen lassen. Einer hat schon so einen Aufruf an Bundeswehrsoldaten gestartet, was als prorussischer Demagoge natürlich super funktioniert. Diese Leute kann man alle in die Tonne treten, das sind wandelnde Tote.

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    2. Habe ich auch gelesen. Pi sehnt den Bürgerkrieg herbei. Klar, auch der einen Seite stehen randalierende Horden von Asylforderern. Aber wer steht auf der anderen? Etwa der deutsche Wohlstandsbürger mit Riesterrente und Eigenheim?
      Ganz bestimmt nicht. Blöd nur, dass diejenigen, die noch wehrfähig und wehrentschlossen sind (zähle mich auch dazu) keine Lust haben, für die Scheißer, die uns das eingebrockt haben, die Kohlen aus dem Feuer zu holen!
      Nach zwei verlorenen Weltkriegen sollte klar geworden sein, dass die Kämpfer nie zu den Profiteuren gehören. Schützt eure Familie, eure Straße, euer Dorf.
      Aber lasst euch nicht nochmal für das deutsche Wohlstandbürgerlein verheizen.

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    3. "Aber wer steht auf der anderen?"
      Russische Soldaten auf Urlaub. Darum gehts denen doch. Die wissen ganz genau, dass sie mit ihrem Mob aus unzufriedenen Rentnern und Dummschwätzern nicht genug brauchbare Leute zusammen kriegen um Truppen aufzustellen die ihren Willen durchsetzen. Also schmeisst man sich an Russland ran, weil Russland sein Personal knallhart zwingen kann. Am Ende ist es dann nur mehr Subversion und das schaffen von Chaos. Die Anstifter werden natürlich nicht mit Posten belohnt. Die wollte man nicht mal bei RT deutsch.

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    4. Brauchbare Leute gibt es hier auch, aber man lässt sie nicht arbeiten.

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    5. ".. aber man lässt sie nicht arbeiten."
      Zeichnet sich der Rebell nicht gerade dadurch aus, dass er dem zuwider handelt was andere ihn "machen lassen". Das ist doch kein Argument, das ist nur wieder eine Ausrede.

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    6. Man lässt sie nicht? Und ich dachte als Rebell krieg ich eine Krankenkassenkarte und Sozialversicherungsnummer! Wie siehts aus mit Rentenansprüchen? Na ohne wird das bei mir so nix mit der Rebellion!

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    7. Ich meinte eher: es fehlt die allgemeine Zustimmung, ohne die es keine Motivation gibt.

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    8. Bitte? Zustimmung als Motivation? Popularitätswettbewerb? Wie arm ist denn das? Willst du dich beklatschen lassen wie diese Trottel auf ihren Vorträgen wo sie zum Chor predigen und ohne wird nix gemacht? Was zum Teufel.... ey geh einfach weg.

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  2. Sehe das auch so wie anonym oben...
    Mann kann auch garnicht überregional in die Schlacht ziehen, da Gebiet und Gegenbenheiten fremd oder nur teilweise bekannt sind.
    Jeder sollte sich in SEINER Region Gedanken über Zusammenschlüsse mit Gleichgesinnten machen und zwar mit welchen die einsatzfähig sind...Labertaschen werden nur zur Last.
    Das ganze aber “ vorgestern “ , den es ist 5 vor 12.

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    1. Mich interessiert das "überregionale" auch nicht. Labertaschen gibt es sicherlich überall, die bekommen dann halt passende Aufgaben und sind damit auch irgendwie nützlich.

      Zum Thema 5 vor 12: Da sich die Umwelt sozial und politisch fließend wandelt und es abgesehen von den üblichen Katastrophen Szenarien keine plötzliche Veränderung anbahnt, muss man sich von solchen Vorhersagen nicht verrückt machen lassen.

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  3. http://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/syrische-milizen-gr%C3%BCnden-milit%C3%A4rb%C3%BCndnis/ar-AAfmrpw?ocid=mailsignoutmd

    Vor Kurzem soll eine aus Kurden und Arabern gebildete "Koalition demokratischer und säkularer Syrer" amerikanische Waffenlieferungen erhalten haben.
    Es erscheint fraglich, ob diese "demokratische" Alianz in Syrien wirklich ein ernsthaftes Militärbündnis ist oder Einzelne, die sich demokratisch nennen, um amerikanische Hilfeleistungen zu kassieren. Die meisten Presseberichte über die Koalition stammen noch aus der Anfangszeit des Bürgerkrieges; es scheint sich eher um ein politisches Aktionsbündnis mit Vertretern fragwürdiger Parteien zu handeln. Da die Koalition in Paris während einer Veranstaltung von einigen Exilsyrern gegründet wurde, stellt sich die Frage, ob hier eine Pseudooperation am Laufen ist. (http://www.worldtribune.com/worldtribune/WTARC/2011/me_syria1193_09_23.asp)
    Ich habe keine Hinweise auf reale Kampfeinsätze dieser Alianz finden können. Die FSA und die Kurden, aus denen diese Alianz außerdem noch bestehen soll, haben Wikipedia zufolge nur sporadisch miteinander kooperiert und falls sie es taten, waren es nur diese Gruppen und niemals unter dem Namen dieser Koalition.

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    1. Da beginnt jetzt die Suche nach Patenschaften nachdem die Russen sich wieder breit machen, auch um ihre Verluste in der Ukraine zu übertünchen. Kann eine Pseudooperation sein, kann real sein. Am Ende steht vielleicht ein angolanisches Szenario. Während diese vergleichsweise jungen Völker aber händeringend um Unterstützer werben laufen in Deutschland alte Rentnerdeppen mit Schildern wie "Ami go home" auf den Pegideppen Demos rum. Es ist völlig absurd.

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