Dienstag, 12. Januar 2016

Verwundetentransport


“but few ambulances were to be seen—And they were all full of dying and desperately wounded men. Thin streams of blood ran out of the sides and bottoms of these vehicles, while the drivers were lashing the horses, and going over stumps in a reckless manner, jolting the remaining life out of the occupants.”
 - Robert Knox Sneden, General der Union, 29. Juni 1862

Man sollte meinen im Zeitalter von motorisierten Fahrzeugen und allem wäre der Transport von Verwundeten und Toten besser organisiert, doch ein paar Blicke in die Krisengebiete dieser Welt offenbaren dass er das nicht ist. Ich habe Bilder gesehen aus Syrien, da scharrt der "Chabara Chabara" schreiende Mob sich um die Ambulanz, können nicht helfen, stehen nur im Weg und am Ende reist einer der Idioten die Tür des bereits am Hang stehenden Krankenwagens auf als dieser losfahren will, worauf einer der Verwundeten herausfällt. Für einen reibungslosen Ablauf der Verwundetenversorgung ist ein gewisser Level von Professionalität notwendig, der sich nicht einfach spontan herstellen lässt.


Wichtigkeit von Verwundetenversorgung für die Truppenmoral
Die Existenz und Anwesenheit eines Sanitätsdienstes ist sehr wichtig für die Truppenmoral und Einsatzbereitschaft des einzelnen. Jeder einzelne Truppangehörige ist bereit mehr Risiko einzugehen und dabei mehr Einsatz zu zeigen, wenn er weiß, dass ihm im Falle einer Verwundung schnell und professionell geholfen wird.
Früher war es noch so, dass Sanitäter einen eigenen Trupp darstellten der immer gerade dort hinging wo er gebraucht wurde. Heute ist es so, dass einem Trupp ein Combat Medic, Corpsman angehört bzw. Soldaten als Combat Medic ausgebildet werden. Diese sind dann auch nicht nach der Genfer Konvention gekennzeichnet und tragen natürlich ihre Waffen. Das hat sich einfach durch die Einsicht ergeben, dass der unbewaffnete und gekennzeichnete Sanitäter der laut Genfer Konvention keine Waffe tragen muss, besonders gerne unter Feuer genommen wird und diese Regelung realitätsfremder Blödsinn ist, der sich einfach nur Gut anfühlen soll für Leute die selbst keinen Krieg führen müssen.


Mann getroffen - was tun?
Ein Truppmitglied wird getroffen, das kann andere erstmal in Schock versetzen und das eventuelle Geschrei lenkt ab und geht auf die Moral, wenn dieser Erstfall nicht trainiert wurde.

Wie so etwas bei Amateuren abläuft seht ihr hier:
Es gibt keine vereinbarte oder einstudierte Vorgehensweise im Falle von Verwundung und so lässt die gesamte Gruppe sich von einem einzigen Treffer ablenken und unterbricht den Feuerkampf, wohingegen es gerade in so einem Fall wichtig ist Deckungsfeuer geben zu können, bis der Verwundete in Sicherheit gebracht wurde. Gerade bei Amateuren kann eine Verwundung eines Teamkameraden gerne dazu genutzt werden sich vor dem weiteren Kampf zu drück, was die Körpersprache und die Bewegungen der "Männer" in diesem Video nahelegen. Dazu später mehr.

Wichtig ist, dass jedes Teammitglied eine Grundausbildung in Sachen Kameradenhilfe bzw. Verwundetenversorgung hat und in einem solchen Fall Erstversorgung leisten und den Verwundeten in Sicherheit bringen kann. Das macht dann entweder derjenige der als Medic ausgebildet wurde, oder einfach derjenige, der am nächsten dran ist bis der Medic kommt.


Rettungsgriff
Die allermeisten Westen haben Rettungsgriffe auf der Rückseite, die einerseits als Tragegriff dienen zum Transport der Weste, andererseits eben um daran einen Verwundeten ziehen zu können.



Transport mit Hilfe des Koppeltragegestells

Wird jemand so getroffen dass er selbst nicht mehr laufen kann, dann ist es sinnvoll ihn mit Hilfe des Koppeltragegestells, heißt ja mittlerweile "Battle Belt", huckepack zu nehmen. Sollte man natürlich erst machen wenn Erstversorgung geleistet und die Blutung gestillt wurde.


Tragen improvisieren
Tragen kann man relativ leicht improvisieren indem man zwei Feldhemden von der Innenseite nach Außen mit den Ärmeln auf zwei Stangen auffädelt. Kleidung ist ein Verbrauchsgegenstand. Das Problem ist eher zwei passende Stangen zu finden. In der Natur eignet sich bspw. der Haselnussbaum ganz gut dafür.

Bevor man aber improvisiert sollte man besser Dinge haben wie einen Leichensack und eine Rettungsdecke. Jeder im Trupp sollte diese Dinge am Mann haben. Auch Militärschlafsäcke sind oft für so einen Zweck konzipiert als Verwundetentragehilfe genutzt werden zu können, siehe EVAC Bag.

Das man aber Stangen an einer Trage hat wird dann wichtig, wenn man Verwundete mit gebrochenen Wirbeln hat, die fixiert werden müssen.



- Verwundetenfürsorge als Vorwand
Auf den Gängen zu den Regimentern begegneten mir des öfteren junge Soldaten, welche einen Leichtverwundeten mit Streifschuß höchst überflüssig begleiteten. Ich nahm sie mit gutem Zureden zurück zur Truppe, ohne daß daraus Folgerungen gezogen wurden. Durgehen konnte man solche Dinge nicht lassen, schon aus Rücksicht auf die Kameraden welche eisern standhielten.
-  Kriegsnah Ausbilden, Seite 130

Wie bereits erwähnt wird Verwundetenfürsorge von manchen als Grund genommen sich zu drücken und ihren Posten zu verlassen.

Wieder ein Beispiel aus Syrien. Es stehen mindestens sieben von diesen Clowns völlig nutzlos in der Gegend herum anstatt ihre Stellung zu halten. Somit bedeutet das für die Gegenseite, dass sie nur einen einzigen Kämpfer verwunden muss um die gesamte Gruppe zu vertreiben oder abzulenken. Die Verwundetenversorgung selbst ist völlig unprofessionell.


Transport mit Fahrzeugen
Wenn man Schwerverletzte transportieren muss, dann wäre es besser diese liegen in einem Fahrzeug nicht direkt auf dem Boden und die Vibrationen desselben rütteln nicht das letzte Leben aus ihnen raus oder bringen fixierte Brüche nicht wieder aus der Haltung.

Innenraum eines Dodge WC-54 Ambulance

Für diesen Fall wäre es am besten dafür vorgesehene Fahrzeuge zu haben wie bspw. Kastenwagen, in die man Rahmengestelle für Tragen oder die Zeltliegen von Feldbetten eingearbeitet hat.



Transport wohin?

Vorher sollte für jedes Operationsgebiet ein Hauptverbandsplatz festgelegt werden. Also ein Platz wo man Erstversorgte hinbringt für weitere Behandlungen durch Ärzte bzw. Chirurgen, die dann Wunden professionell versorgen. Im Konfliktfall wäre es für jede Gruppe besser sie kann solche Einrichtungen seperat von der zivilen Infrastruktur aufrecht erhalten, da Krankenhäuser oft von irregulären Kräften besetzt werden und von regulärer Kräften beschossen werden. Dazu werden diese Einrichtungen während des gesamten Konfliktes auch von Unbeteiligten aufgesucht.

Südossetien; Krankenhaus wird in den (sowjetischen) Keller verlegt

Eine solche Einrichtung sollte neben dem Generator für Strom und Beleuchtung über ein Narkose-/Beatmungsgerät und EKG Gerät verfügen. Das ist relativ wenig Einrichtung, da man diese Einrichtungen als Ganzes auch möglichst mobil halten sollte. Medizin bzw. Chirurgie lebt heute immer noch vor allem von dem Können der Ärzte. Im Zuge eines Konfliktes können diese ihr Wissen um Wundversorgung auch schneller weitergeben. Nach dem Krieg gab es in Deutschland viele Frontsanitäter die sich als Ärzte ausgegeben haben, die Dokumente konnte man als durch den Krieg verloren angeben, die aber Erfahrung hatten.


 > Fortsetzung folgt <




Siehe auch:
FM 4-25.11 Combat first Aid
Medizinische Ausrüstung
Morbides Persönliches



Kommentare:

  1. leicht OT, aber Krücken (am besten die oldschool Version bis unter die Achseln) gibts oft gebraucht für 5€. Auch ein klappbarer Rollstuhl kann sich als sehr nützlich erweisen, denn nicht jeder Verletzte muss unbedingt immer getragen werden. Einfach mal beim örtlichen Krankenhaus am Müllcontainer vorbeischauen...

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    1. Krücken sind nicht Einsatztauglich.
      http://www.investigativeproject.org/pics/582_large.jpg

      Wer soll das Zeug mit sich rumtragen?

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    2. Nicht jeder Einsatz ist ein Kampfeinsatz und ein Verletzter soll evtl nach der Bergung/ Versorgung wieder möglichst schnell mobil sein.
      Klar trägt niemand sowas rum, aber im Impro-Lazaret ist es nützlich.

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  2. Ist es für die Versorgung/Transport von Verwundeten sinnvoll, Schutzwesten mit Schnellabwurfsystem auszugeben? Oder reichen da konventionelle Westen mit Klett oder Steckschließe?

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  3. Nimm einen Fleischerhaken.

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    1. ... und Martinshorn Geräusche dazu machen
      https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/2/25/The_Hills_Have_Eyes_2_Soundtrack.jpg

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