Samstag, 30. Januar 2016

Wochenendprojekt Bürgerwehr

Deutschlands Bürgertum experimentiert mit Selbstverteidigung

In meinem Freundes- und Verwandtenkreis tauchte auch schon kurz vor Silvester immer wieder das Thema Selbstverteidigung und Ausnahmezustand auf, in der Regel von Leuten die nicht wissen wie ich drauf bin und womit ich mir die Zeit vertreibe. Da hat dann jemand eine 14 jährige Nichte, die ihren Vater dazu drängt den Jagdschein zu machen damit Waffen im Haus sind. Man fragt mich nach Details zum kleinen Waffenschein und den Kauf von Gaspistolen. Ein Bekannter aus einer Stadt weiter im Westen erzählte letztens, dass in seiner Gegend sich ein paar Männer und ein Hund zu einer Bürgerwehr formiert hätten, bis sie nach drei ereignislosen Tagen keine Lust mehr hatten. Leute die ihren Frust nicht länger bei Facebook ausleben können beginnen Bundeswehr EPA Pakete zu horten. In meinem engeren Freundeskreis redet man wie immer ganz selbstverständlich über Gewalt und Waffen, wobei sich nur die Rahmenhandlung abwechselt in der man seine eigenen Tötungstriebe auszuleben gedenkt. Ich erlebe verschiedene Entwicklungsstufen von Selbsthifeversuchen und Radikalisierungsprozessen.

Was mir dabei Gedanken macht ist der Mangel von Professionalität  mit dem viele Leute an das Thema herangehen, nicht direkt in meinem eigenen Umfeld, sondern die breite Öffentlichkeit, für die Gewalt bisher ein fremdes Thema war, etwas von Exotik, das man eher aus Filmen oder professionellen Sportarten kennt.

http://www.thelocal.dk/20160126/danish-teen-fought-off-her-attacker-with-pepper-spray-now-shell-face-fine
Wir sehen an Hand eines Falles in Dänemark, bei dem sich eine 17 Jährige mit Pfefferspray gegen einen einzelnen Angreifer zur Wehr setzen konnte, wie postmoderne Gesellschaften mit Selbstverteidigung umgehen. Der Besitz und die Verwendung von Pfefferspray ist in Dänemark für Privatpersonen illegal und dieser Fall wird die einheimischen Dänen weiter von ihren Polizeibehörden distanzieren und unnötig eine feindselige Stimmung gegenüber diesen aufbauen. Ich denke wir werden in Deutschland etwas ähnliches sehen im Bezug zu Gas- bzw. Schreckschusspistolen, sobald Möchtegern-Pistoleros die Teile gegen Angreifer verwenden, dies extreme Verletzungen verursachen kann und, wie bereits erwähnt, sich ideologisch motivierte Staatsanwälte auf diese Fälle stürzen. Als Resultat wird man in nächster Zeit wahrscheinlich eine ganze Reihe von Anklagen wegen Notwehrexzess bzw. Notwehrüberschreitung sehen. Ich denke auch, dass der Trend durch bestimmte Verhaltensweisen der Polizeibehörden dazu gehen wird, dass Leute nicht länger die Polizei alarmieren und als nächste Entwicklungstufe einfach illegale Waffen zum Selbstschutz verwenden werden.


"Bürgerwehren"
Bürgerwehren zu bilden ist nicht immer die sinnvollste Maßnahme. Zuerst muss ich wissen mit was für einer Bedrohung ich es überhaupt zu tun habe. Gegen einen unsichtbaren Feind wie bspw. Einbrecher kann das Patrouillieren die einzige Möglichkeit sein, auch wenn dieser Gegner sich aussucht wo und wann er zuschlagen kann. Hier ist man in die Defensive gedrängt, sollte sich aber darüber Gedanken machen in der Defensive so effektiv wie möglich vorzugehen. Ergo bspw. Kameras aufstellen, wobei man das Verbot von Videoüberwachung in öffentlichen Räumen ignorieren muss.

Gruppen von Taschendieben und Vergewaltiger tendieren allerdings dazu auf der Lauer zu liegen und haben auch Treffpunkte die aufgeklärt werden können, damit man den Kampf zum Gegner tragen kann. Wenn möglich muss man immer die Initiative halten. Find them, fix them, fight them, finish them.

http://www.mopo.de/hamburg/blutige-selbstjustiz-auf-dem-kiez-fluechtlinge-verpruegelt--es-waren-zuhaelter-830818

Für solche Offensivhandlungen braucht man allerdings nicht den Familienvater mit Hund und Pfefferspray der seine Nachbarschaft abläuft, für solche Aktionen braucht man Straßenkämpfer die überhaupt keine Probleme damit haben Leuten die Nase zu brechen und die Bullen anzulügen. Was die bürgerliche Mitte in Friedenszeiten als Asoziale betrachtet, dass wird in Krisenzeiten mit Orden behängt immer in die erste Reihe geschickt. Tommy's Drama eben. Immer wenn Zivilisationen zerbrechen streunen Gruppen junger Männer durch ihre Ruinen die damit beginnen die nächste Zivilisation aufzubauen.

Die Realität ist nun mal die, dass jedes Territorium, jeder Sicherheitsperimeter von Männer die Gewalt anwenden geschützt wird. Wenn die Deutschen jetzt dahin tendieren wollen Pfefferspray und Schreckschusswaffen zu kaufen, dann sind vorher bereits jede Menge Verteidigungslinien gebrochen worden und man sieht sich in einer unguten Defensive, bei der sich der Gegner aussuchen kann wann und wo er zuschlagen wird, während man selbst nur abwartet und reagieren kann und im Ernstfall von Kriminellen oder/und dem Staat auf die Fresse bekommt. Das ist keine gute Lage in der man sein sollte und bevor so etwas eintritt sollte man die Initiative ergreifen.




Kommentare:

  1. Hier sind zwei Dinge zu unterscheiden: erstens Bürgerwehren, die sich in einer abstrakten Bedrohungssituation entwickeln und aus drei Nachbarn mit einem Hund (am besten noch ein Dackel) bestehen und die Taschenlampen und Trillerpfeifen dabei haben, und zweitens Bürgerwehren, die sich in einer konkreten Situation der Dauerbedrohung bilden. Letztere sind deutlich wehrhafter, vor allem dann, wenn das Bedrohungsgefühl nicht nur antizipiert ist, sondern aufgrund konkreter Vorkommnisse etabliert.

    Was den meisten allerdings auf die Füße fallen wird, das ist, daß die sich selbst damit darstellen wollen: "Seht her, WIR machen eine Bürgerwehr!"
    Dann sehen geneigte Kräfte hin und das war's dann.

    Dagegen, sich mit NAchbarn abzustimmen, ist überhaupt nichts einzuwenden. Allerdings sind drei Dinge absolute Notwendigkeiten:

    a) staatliche Stellen sind außen vorzulassen
    b) keine Öffentlichkeit - weder selbst herstellen, noch mit der Presse reden
    c) wer sich nicht daran hält, fliegt raus UND wird nicht geschützt, der kann dann ja die Polizei rufen

    Aus jeder Gruppe, in der das nicht durchsetzbar ist, würde ich mich rausziehen.

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    1. a)..
      b)..
      c)...
      Sachse, Gotham braucht Dich! :D

      Ich würde noch sagen
      d) Schiesstraining/Fitnesstraining
      e) klare Befehlsstruktur

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  2. Ja, auch in den Schützenvereinen gibt es Zulauf wie nie. Neuinteressierte wollen Mitglied werden, um an die WBK zu kommen. Altmitglieder kommen plötzlich wieder zum Training, weil sie um ihre WBK fürchten. Und in der Tat kann ja damit gerechnet werden, dass "der Gesetzgeber" in den nächsten Monaten den Sack weiter zumacht (EU-Feuerwaffenrichtlinie, Halbautomatenverbot etc.). Die meisten haben eh nicht den langen Atem, auch nur ein Jahr am Ball zu bleiben und das Geld aufzubringen. Und alles was auf WBK registriert ist, wird der Staat auch jederzeit einziehen können. Grundsätzlich müsste man den Leuten wohl sagen: Wer Angst hat, sich vorsorglich auf dem Schwarzmarkt einzudecken, würde sowieso auch für den Gebrauch im Ernstfall zu feige sein.

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  3. Bürgerwehr ist ein doofes Geschäftsmodell.
    Besser ist derzeit, was in der Türken Communtity gemacht wird.
    Security Firma, Schwerpunkt Flüchtlingslager bewachen und beliebige Auftragsausweitung nach "fremdenfeindlichem Brandanschlag" :D

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    1. Vor Jahren gab es mal Vandalismus an Kirchen von solchen dreckigen Muzzis und der Pfaffe hat dann Security beauftragt die "einen besonderen Draht zu den Jugendlichen" hatte.

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    2. Na ja, das ist eine klassische verdeckte Schutzgeldzahlung.

      Faszinierend bei dem Security/Flüchtlingsheim Modell ist, dass die Leute den Bedarf des Marktes nach "fremdenfeindlichen Anschlägen" erkannt haben und bedienen.

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    3. Es ist eine Sache wenn Rockergruppen das im Türstehermilieu machen, es ist etwas anderes wenn sich die Institutionen einer Gesellschaft darauf einlassen. Dann ist diese Gesellschaft verdammt.

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