Sonntag, 29. Mai 2016

Post Collapse: POW

Umgang mit Geiseln und Kriegsgefangenen in einer Post Collapse Situation


Es ist eine einfache Vorstellung, dass im Konfliktfall alle die sich als Kämpfer beteiligen für ihre jeweilige Fraktion bis zum letzten Mann und bis in den Tod kämpfen werden. Die Realität zeigt jedoch, dass viele Männer sich ergeben sobald ihre Anführer gefallen sind und/oder sie sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befinden. In dieser Situation sollten besser organisierte Gruppierungen wissen, was sie mit den Gefangenen der Gegenseite tun und wie man mit der Gefangennahme eigener Kräfte umgeht.


Thematisierung
Das Thema der möglichen Gefangennahme muss vorher mit allen beteiligten gründlich behandelt werden. In modernen Armeen die sich im Kampf mit Islamisten befinden beläuft sich diese Thematisierung meist auf wenige Sätze die den Rekruten vermitteln, dass die Gegenseite nicht an Gefangenen interessiert ist und diese nur am Leben hält, um sie ein paar mal für Propagandavideos zu filmen bevor man ihnen den Kopf abschneidet.


"Pardon"
In den frühen Tagen des amerikanischen Bürgerkrieges wurde Gefangenen Gegnern noch ein Pardon gegeben, was bedeutet diese können nachhause gehen unter dem Versprechen nicht wieder an den Kämpfen teilzunehmen. Das Pardon wurde aus einer Mischung viktorianischer Romantik der Oberschicht und dem Glauben geboren, der Krieg würde sowieso nicht lange dauern. Nach kurzer Zeit wurde kein Pardon mehr gegeben und die Möglichkeit des Pardon behält man sich für das Ende von Konflikten wie bspw. Bürgerkriegen auf, um der Gegenseite ein Signal von gutem Willen und Versöhnungsbereitschaft zu geben.


Gefangenenaustausch
Während des Ukrainekonfliktes kam es zwischen der Regierung und den Rebellen oft zum Gefangenenaustausch, wobei gerade die russischen Rebellen immer wieder dadurch auffielen Gefangene misshandelt, gefoltert und öffentlich gedemütigt zu haben. Obwohl russische Kriegsgefangenenschaft und ihre sadistische Mobmentalität berüchtigt sind haben sich immer wieder ukrainsche Kämpfer den Russen ergeben, da es trotz Demütigung und Folter zumindest eine Chance darauf gab ausgetauscht zu werden und nachhause zu kommen.

Auf lange Sicht zieht dieses System des Gefangenaustausches aber einen Konflitk unnötig in die Länge. Kämpfer die man selbst austauscht werden auf der feindlichen Seite sofort wieder eingegliedert und eine Zementierung dieses Systems untergräbt die Bereitschaft der eigenen Kämpfer den Kampf als die Angelegenheit von Leben und Tod zu betrachten was es eigentlich ist.

It is hard on our men held in Southern prisons not to exchange them, but it is humanity to those left in the ranks to fight our battles. Every man released on parole or otherwise becomes an active soldier against us at once, either directly or indirectly. If we commence a system of exchange which liberates all prisoners taken, we will have to fight on until the whole South is exterminated.
- Gen. Grant, August 18, 1864 in a dispatch to Gen. Butler.


Lösegeldsystem
Im Mittelalter war es üblich Gefangene zu nehmen damit diese sich von demjenigen der sie gefangengenommen hat wieder freikaufen konnten. Der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich hatte einen gut organisierten Lösegeldmarkt. Zudem finden sich Regularien über den Umgang mit Kriegsgefangenen, deren Sicherheit für Leib und Leben Verantwortung desjenigen war, der sie gefangen genommen hat und natürlich selbst ein Interesse an der Unversehrtheit seines Gefangenen hatte, da er selbst einen konkreten Gewinn dadurch erlangt.

Im Irak, wo der Islamische Staat massenweise entführte junge Frauen als Sklavinnen und Geiseln hält, hat sich ein Lösegeld Broker System etabliert, welches durch heftige Prozente des Lösegeldes der Aufgabe annimmt für Familien ihre vermissten und entführten Verwandeten aufzuspüren und freizukaufen. Im Zeitalter von Social Media wäre es dabei für Geiselnehmer einfacher ihre Geiseln direkt anzubieten und die Familien könnten die Provision für solche Broker umgehen.

https://www.youtube.com/watch?v=ZGWKKI2ky8w

Exikutionen
Was machen Armeen ohne Ressourcen die mit Gefangenen überfordert sind? Sie bringen diese um. Auch Spezialeinheiten die in Feindesland operieren nehmen keine Gefangenen. Dieses Vorgehen verhärtet die Fronten in einem Konflikt, was aber völlig egal ist wenn sich dieser Konflikt nur darum geht die Gegenseite auszulöschen, wie es bspw. in ethnischen Konflikten der Fall ist. Hinrichtungen von Gefangenen können sich auch ereignen wenn die siegreiche Seite sich rächen will und kein vertrauen darauf hat, dass Institutionen und Justiz die Gegenseite bestrafen werden.
MEXICO CITY — In the history of modern war, fighters are much more likely to injure their enemies than kill them. But in Mexico, the opposite is true. According to the government’s own figures, Mexico’s armed forces are exceptionally efficient killers — stacking up bodies at extraordinary rates.
The Mexican authorities say the nation’s soldiers are simply better trained and more skilled than the cartels they battle. But experts who study the issue say Mexico’s kill rate is practically unheard-of, arguing that the numbers reveal something more ominous.
“They are summary executions,” said Paul Chevigny, a retired New York University professor who pioneered the study of lethality among armed forces.
- Mexican Military Runs Up Body Count in Drug War
NY Times, MAY 26, 2016


Siehe auch:
Post Collapse Sklaverei
Post Collapse Justiz



Kommentare:

  1. Also ich habe noch in den 70ern bei der BW gelernt, dass ein toter Gegner nicht anzustreben ist.
    Wenn man schon keine Gefangenen machen kann oder will, ist ein schwer verletzter Gegner, der die gegnerischen Ressourcen (Sanitätsdienste) weiter beansprucht, die beste Option.

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    1. Es gibt aber auch gegnerische Gruppen die sich kaum um eigene Verwundete kümmern, oder kümmern können. Besonders bei Gruppen mit viel Menschenmaterial und wenig humanistischer Weltansicht.

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    3. Um das Verwunden kümmern sich Landminen, Boobytraps und die Gefechtgsumstände von ganz alleine. Aber wenn ich auf jemanden anlege, dann in der Absicht seine Vitalfunktionen zu beenden und nicht um ihn zum Krüppel zu schießen. Verwundete Gegner die auf dem Schlachtfeld herumliegen werden bloß zur Gefahr wenn man selbst wieder über selbiges vorrücken muss. Unterm Strich sind solche Vorschläge sinnbefreiter Sadismus für das sich der Vorschläger selbst wieder Vorschläge verdient hätte.

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  2. Das Weib auf dem Foto würde mir als Geisel bestimmt auch gefallen.

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