Mittwoch, 8. Juni 2016

Filibuster

Es gibt bei Libertären häufig die irrige Vorstellung, dass Kriege nur durch Staaten geführt werden, aber das ist absurd. Menschen haben Kriege geführt lange bevor es Staaten oder Regierungen gab.

Seit der Existenz von Staaten und Regierungen geht es weniger darum Kriege zu verhindern, als viel mehr Gewalt zu managen. Trotzdem bewegen sich Gruppen oft außerhalb dieses institutionalisierten Rahmens und führen auf eigene Rechnung Kriegshandlungen aus. Selbst gewöhnliches Banditentum ist nur eine Art von Kriegsführung.
Staaten alimentieren manchmal solche Banditen welche die Feinde ihrer Feinde überfallen durch Kaperbriefe.

Der englische Begriff Filibuster leitet sich von dieser Freibeuterei ab. Damit wurden in den USA die vielen manchmal halb-staatlichen und meist privaten Militärexpansionen bezeichnet, die Bürger der USA in die Länder von Mittelamerika unternommen haben.


Filibustering pre und post collapse
In der postmodernen Zeit verlieren Staaten zunehmend ihre Kontrolle über regulierte Produktionsmittel und Waren, was sie als gesamtes immer unbedeutender werden lässt. Bereiche die der Staat nicht weiter bedienen kann werden eingenommen von NGOs, die selbst wieder zu Regierungen werden wollen.

Die Praktik des klassischen Filibustering sah man u.a. während des syrischen Bürgerkrieges, als Rebellengruppen aus Syrien Grenzgebiete benachbarter Staaten angegriffen haben um die Rückzugsräume konkurrierender Fraktionen zu stören, oder im ukrainischen Bürgerkrieg, als sich Freiwilligenbattalione bildeten, die sich teilweise komplett außerhalb staatlicher Kontrolle befanden und Operationen nach dem Auftrag ihrer Gönner gestaltet haben, bestimmte Wirtschaftsgüter wie Produktionseinrichtungen zu erobern.

Wenn die europäischen Nationen demografiebedingt mehr und mehr die Kontrolle verlieren über ihr Territorium, dann werden NGOs diese Lücke füllen und Filibustering Operationen von Freiwilligen und Söldnern könnten von der Restregierung ignoriert oder allimentiert werden.
Europäische Nationen lassen sich von Staaten an ihrer Südgrenze erpressen, wenn diese Länder quasi mit ihrer eigenen Instabilität drohen, dass ein ausbleiben der Tributzahlungen eine Flüchtlingswelle zur folge hätte, die Europa überrennen könnte, oder zumindest die Soziale Ordnung gefährdet.
Offiziell können europäische Nationen hier eigentlich nur weiter den erpresser Bezahlen, weil die Konsequenzen für den postmodernen Wähler nicht tragbar sind. Wenn ertrunkene Flüchtlinge an den Mittelmeerstränden von EU Ländern angeschwemmt werden, dann ist dieser Wähler damit überfordert. Wenn die EU allerdings dafür zahlt, dass diese fordernden Nationen Grenzzäune mit Stacheldraht an ihrer Grenzen errichten, dann bekommt man das nicht mit. Menschen kümmern sich nur um das, von dem man ihnen erzählt sie müssten sich darum kümmern und wie sie sich dabei zu fühlen hätten.

In Nationen mit dünnerer ökonomischer Decke als Mittel-, Nord- und Westeuropa bilden sich Gruppierungen, die dazu übergehen Flüchtlinge auf dem Mittelmeer zu überallen, auszurauben und ihre Boote zu zerstören, oder sie patrouillieren die Landesgrenzen, wo angetroffene Landfremde teilweise physisch angegriffen und ausgeraubt werden, wofür nicht mal Schusswaffen benötigt werden. Meine persönliche Einschätzung ist es, dass  man davon in Zukunft noch mehr sehen wird. Angesichts der verfallenden Demografie werden verstärkt Motive hinzukommen wie Organhandel, wenn kranke Europäer für Geld Organe kaufen werden die aus getöteten Landfremden geschnitten werden. Die Automatisierung der Wirtschaft wird dazu wieder menschliche Resourcen freistellen die man in solchen Unternehmungen verbrennen kann, weswegen es nicht unrealistisch ist, dass in den Instabilen Regionen Nordafrikas Europäer versuchen werden Beute zu machen und Territorium zu erobern, da Territorium und die Bodenschätze darin der einzige Wert sind, den es dort gibt. Regierungen können dazu übergehen das zu alimentieren, da das Konfliktpotential mit dem diese Fraktionen dort unten Drohen könnteh bereits eh hier ist und wenn diese hier Ärger machen, dann kann man auch dort richtig Ärger machen. Am Ende des Tages gibt es keine Stelle bei der sich diese Nationen beschweren könnten, da das einzige was westliche Nationen davon abhält sie alle platt zu machen die moralischen Prinzipien dieser selben Nationen sind. Ist diese verlogene Moral nicht länger aufrecht zu erhalten, dann werden auch wieder andere Methoden verwendet.





Kommentare:

  1. "Es gibt bei Libertären häufig die irrige Vorstellung, dass Kriege nur durch Staaten geführt werden, aber das ist absurd."
    Das kommt wohl daher, dass viele Weichei-Libertäre verkappte halbe Sozialisten sind, die den "Naturzustand" nicht im Sinne Hobbes' (bellum omnium contra omnes), sondern Lockes oder gar Rousseaus sich vorstellen. Wobei das sowieso meistens nicht bewusst reflektiert ist, sondern ein dumpfes Vorverständnis. Dabei entscheidet sich schon hier, ob man Sozialist ist oder Libertär.

    Man könnte zu obigem noch auf die Freikorps-Aktionen nach dem I. WK hinweisen und dass solche Gruppen dann scheinbar irgendwann auch versuchen, den "ganzen" Reststaat zu kapern und einen neuen Staat mit festeren Strukturen zu errichten.

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    1. Was Libertäre behaupten ist, dass Staaten einen größeren Anreiz dazu haben Kriege zu führen oder überhaupt Gewalt anzuwenden als die einzelnen Mitglieder des Staates zusammen. Wenn sich zum Beispiel eine Interessensgruppe die Rohstoffe eines anderen Landes packen möchte, und die Kriegsausgaben nicht dem Steuerzahler des eigenen Landes aufbürden könnte, dann wäre ein Angriff verglichen mit freiem Handel sehr wahrscheinlich unrentabel und der Krieg würde nicht stattfinden.

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    2. Ich wollte eh schon länger was über Hobbes und Rousseaus schreiben. Die Idee vom Social Contract ist einfach an der Zahl der Bevölkerung völlig außer Kontrolle geraten und Rechtfertigung für jeden Scheiss geworden, während kein Mensch mehr einen 150 Kopf Stammesverband zusammenhalten könnte bzw. nichts darüber weiß wie er funktioniert.

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    3. Ja wäre super, hier auch ein paar mehr theoretische ("ideologische") Grundlagensachen zu lesen. Hab selbst ein bisschen was dazu geschrieben, schick ich dir vielleicht mal.

      Tausend mal lieber Hobbes (oder Locke) als Rousseau. Rousseau ist der Urvater des totalitären Gesinnungskontroll-Staates. Der Stammvater der Linken. Rousseaus perverse Vorstellung des "Gemeinwillens" ist die krankste Erfindung der letzten 1000 Jahre in der politischen Philosophie. Sowas wie die stalin'schen Schauprozesse lassen sich da noch als Konsequenz davon begreifen. Rousseau ist ein verdammter Lügner und Wortverdreher. Ich hasse ihn für fast alles was ich bei ihm gelesen habe. Man muss verkackter Akademiker sein, um das noch gut und überzeugend finden zu können. Wie klar und scharfsichtig dagegen Hobbes.

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    4. Die US Gründerväter waren Schüler von Locke, was sich in den Federalist Papers widerspiegelt. Lockes Schlussfolgerung für menschliches Miteinander ist, dass die Verhinderung von Gewalt keinen totalitären Staat rechtfertigt, dieser aber mit genug Gewalt drohen muss um Tribalismus zu verhindern, was in den FPs "Faction" genannt wird.

      Die meisten dieser linken Urdenker scheinen irgendwie immer aus dem Herz der Übelkeit, Frankreich, zu kommen und die Linken bilden sich was darauf ein, dass sie diese Lügnern wie Rousseau oder Voltaire anhängen und eigentlich einen Scheiss wissen über das menschliche Wesen.

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    5. Aha, ich dachte bislang, in den FP geht es vor allem um Verfassungsfragen und so. Factions, interessant. Allerdings auch direkt auf die heutige BRD zu beziehen. Der Staat scheint da schon nicht mehr in der Lage zu sein, solche Strukturen zu zerschlagen. Oder genauer gesagt, ich denke, dass hier aus irgendwelchen Gründen der Wille fehlt.
      So oder so verliert der Staat damit schleichend seine Legitimation und ist selber nur noch als eine Faction zu behandeln. Ist ja auch hier immer wieder zu lesen.

      Mir ist schon vor Jahren aufgefallen, dass diese Linken Vollidioten ständig irgendwas von Marx faseln, aber sobald man mal nachfragt, stellt man fest, dass die meistens nicht mal eine Seite in seinen scheiss Büchern gelesen haben. Warum sollten sie auch? Ist ja anstrengend, ist ja großenteils Volkswirtschaftstheorie. Und von Wirtschaft haben diese kleinen Wichser sowieso gerade nur so viel Ahnung, dass sie wissen, wo sie sich ihr Che Guevara-Poster am billigsten bestellen können.

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    6. In den FPs heißt das Kapitel über Tribalismus "The Utility of the Union as a Safeguard against Domestic Faction and Insurrection". Der erste Teil ist ausgerechnet von Hamilton, der zweite zu dem Thema von Madison.

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    7. Nunja, Hobbes ist natürlich v.A. im Kontext des englischen Bürgerkrieges zu verstehen. Er wollte wohl insbesondere auch die Herrschaft des englischen Königs legitimieren.
      Locke als "Vorbild" der Gründerväter ist ebenfalls aus dem historischen Kontext heraus zu verstehen, gibt er doch einige ideologische Begründungen für die Inbesitznahme (Nord)Amerikas. Nicht, dass mich das stören würde, nur wären die entsprechenden "Ideologien" heute neu zu entwickeln, resp. die vorhandenen entsprechend weiter zu entwickeln. Gerade mit einem der grössten Probleme, der überbordenden Beamtenschaft und dem Etatismus scheinen beide gar nicht gerechnet zu haben. Denen ging es zumeist und zuerst um grundlegende Dinge wie das Eigentums- und das Strafrecht. Quark wie Datenschutz und dergleichen hatten die natürlich gar nicht auf dem Radar. Wäre interessant, was die heute schreiben würden. Leider gibt es wenige gute Denker heute und ich bin selbst nun mal nicht kreativ genug...

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