Samstag, 24. September 2016

Death Squads IV


Im Konfliktfall kann man sich nicht auf die ideologische oder idealistische Motivation anderer verlassen. Materielle Motive sind immer eine stärkere Triebkraft als altruistische Ideale. Dazu haben Idealisten meistens die dumme Eigenheit, dass sie im Laufe ihrer ideologischen Entwicklung verschiedene Phasen durchleben und einfach jeden Scheiss glauben und sich in Halbjahresabständen immer wieder neu erfinden können, was sie chronisch unzuverlässig macht. Opportunismus ist zwar auch bei materieller Motivation stark ausgeprägt, diese neigt aber dazu ein stabiles Verhältnis zu pflegen solange materielle Motive bedient werden.


Hedonistic Comfort Killers
Materielle Motive ziehen zudem kriminelle Elemente an, was den ganzen Prozess vereinfacht. Was sind Staaten auch anderes als organisierte Gaunerei? Und Kriege sind nichts anderes als Bandenkriege zwischen rivalisierenden Gangs um diesen krummen Markt.

"I have described the intelligence service as a socially acceptable way of expressing criminal tendencies," he said. "A guy who has strong criminal tendencies -- but is too much of a coward to be one -- would wind up in a place like the CIA if he had the education. I'd put John Hart in this category -- a mercenary who found a socially acceptable way of doing these things and, I might add, getting very well paid for it. 
- Douglas Valentine, The Phoenix Program

Die Verwendung von Kriminellen und die Rekrutierung in der Halbwelt-Gesellschaft erspart zudem der produktiven Bürgergesellschaft Verluste. Es macht keinen Sinn irgendwelche Abiturienten unter Zwang irgendwo antanzen zu lassen und zu versuchen aus diesen produktiven, freundlichen und harmlosen Schafen die Killer zu formen, die man für soetwas braucht, wenn man bereits kriminelle Elemente zur Verwendung hat, die dazu noch entbehrlich sind.

For example, Fulcher watched while Israeli agents taught El Salvador's major landowners how to organize criminals into vigilante death squads, which, using intelligence from Salvador's military and security forces, murdered labor leaders and other opponents of the oligarchy.
- Douglas Valentine, The Phoenix Program


Right wing guns for hire
Im klassischen Sinne werden rechtsgerichtete Todesschwadronen für bestimmte Zwecke angeheuert wenn es darum geht für ein größeres Bauprojekt Eingeborene von ihrem Land zu vertreiben oder zu exterminieren, oder kleine ländliche Gemeinden, oder Gewerkschaftsstrukturen zu zerschlagen. Das passiert meistens in Grenzregionen und Schwellenländern wo der Staat keine großen Einfluss hat. In einer Postmodernen Gesellschaft sind die Ziele anders, auch wenn es Überschneidungen gibt.
Es gibt kein Grenzland von dem ein Indianerstamm vertrieben werden muss, dafür gibt es umso mehr Strukturen die parasitär an produktiven Unternehmungen partizipieren wollen und erpresserische Strukturen Mehrwert zerstören und die bessere Entwicklung der Lebensverhältnisse bremsen, blockieren oder regressiv beeinflussen. Dies sind sowohl ökonomische Akteure, wie auch Akteure die kulturellen Einfluss ausüben um das kulturelle Rahmenwerk einer Gesellschaft zu unterminieren. In einer wohlhabenden Gesellschaft die wenig inneren Konkurrenzdruck hat ist dies noch nicht problematisch bis hin zu dem Punkt, wo man es nicht einfach durch Schutzgeldzahlungen und Tribut und Opfergaben beschwichtigen könnte. In einer Situation des gesamtgesellschaftlichen Abstiegs bzw. einer Neuverteilung nach einem Wegbrechen bestehender Strukturen, wird das allerdings umso kritischer. Selbst wenn es am Ende nur noch um einen symbolischen Prozess geht, dass jemand für den Zusammenbruch als Sündenbock ausgemacht werden und dafür bluten muss.

In der deutschen Unternehmerbranche existiert viel Hass auf linke Institutionen und die Behörden welche von ihnen beeinflusst und geleitet werden. Dieser Hass kann sich bisher nur äußern in Publikationen welche Interessenverbände herausbringen, hat allerdings keine Möglichkeiten Potential in Aktion umzusetzen, da eigentlich auch keine richtigen Lobbygruppen existieren die aggressiv dagegen vorgehen und keinen gemeinsamen Konsens, wie dies aussehen sollte. Unternehmen haben wichtigere Dinge zu tun als sich in politischen Ränkespielchen zu involvieren und wenn doch, dann reichen ihre Expertise und ihre Mittel gerademal um defensive Rückzugsgefechte zu führen gegen eine Entwicklung, die längst zu weit vorangeschritten ist.

Ein Verband kann sich eine stabilere Basis schaffen, indem er mehrere Sponsoren findet und damit sein Portfolio erweitert. Ein Verband welcher einen einzigen Sponsor hat, einen Megakonzern oder einen Oligarchen, der ist an diesen Gebunden und extrem abhängig von dessen Interessen. Dazu sind diese Leute durch ihren Wohlstand abgeschirmt von den Konsequenzen und dem tatsächlichen Ausgang eines Konfliktes, da sie mit ihrem Vermögen einfach das Land verlassen können.

http://www.telesurtv.net/english/news/12000-Colombian-Business-People-Probed-for-Death-Squad-Funding-20150510-0012.html

Eine größere Zahl an Sponsoren und Auftraggebern hat zudem den wichtigen Effekt der gesellschaftlichen und moralischen Legitimation. Keiner dieser Unternehmer gibt eine Summe von der er denkt diese allein bezahlt für den Mord an einem feindlich gesinnten Funktionär, keiner dieser Sponsoren denkt er ist der alleinige Verantwortliche wenn er von anderen Sponsoren weiß oder sie auch nur vermutet. Die ersten Aktionen und Anschläge sind daher immer pro bono, welche als Arbeitsnachweise und Werbemittel dienen und weitere Interessenten anziehen.

Zudem stellt es die Gegenseite vor ein Problem, wenn nicht ein feindbildkonformer Großkonzern als Unterstützer verantwortlich gemacht werden kann wie Coca Cola, sondern die Ermordung einer subversiven Randbewegung aus der Mitte der Gesellschaft heraus gebilligt und unterstützt wurde.


Kannibalisierung
Verschiedene Einkommensquellen verhindern zudem, dass ein einziger großer Finanzier die Möglichkeit hat einen Verband dazu zu missbrauchen Konkurrenzunternehmen die keine strategische Bedeutung und keine relevanten Verbindungen besitzen zu übernehmen und den Markt zu monopolisieren.
If you own what most outsiders need here—for example, a hotel—it is big business. Everyone who comes needs somewhere to stay. This brings big money if you are getting outside business from foreigners who are staying at your hotel. This is not so good if you own a nearby hotel that isn’t getting that business. But still, it is not worth killing over, right? But if that person is from a different clan, well…that’s worth fighting over here in Somalia.
So the answer is simple: Hire the local gunmen. In this case, it’s Al-Shabaab, because they are a terror group and want to make a point. They don’t just kill the one man they were hired to kill because that would look too suspicious. But they are a terror group, so they kill everyone, and the rest of the world can sleep easy at night knowing that it’s just another terrorist strike. The other business owner can sleep easy knowing that people will now take their business to him.

Gleichzeitig ist es wiederum eine andere Sache, wenn mehrere Akteure einen Schlag gegen ein bestehendes Monopol mit staatlicher Deckung oder eine staatliche Stelle selbst ausführen wollen.


Demobilisierung
Nach einem Konflikt kann ein Verband demobilisiert werden, wobei Angehörige die sich aus materiellen Motiven beteiligt haben dazu übergehen könnten Infrastruktur und Fähigkeiten dazu zu benutzen kriminell tätig zu werden und bspw. Drogenkartelle bilden könnten.
Insurgencies attract criminals and mercenaries. Fighters who joined for money will probably become bandits once the fighting ends and may engage in criminal activity during the fighting. This category includes opportunists who exploit the absence of governing authority security and law enforcement to engage in economically lucrative criminal activity, such as kidnapping, smuggling, or theft.
- TC 7-100.3 , 1.15

Ein solcher Verhand der hauptsächlich durch materialistische Motive rekrutiert hat wird daher am besten demobilisiert, sprich die Beteiligten werden selbst ermordet und die sich von ihnen abgetrennte Kommandostruktur bleibt davon unangetastet, was eben am einfachsten ist wenn vorher kriminelle Elemente rekrutiert wurden die keiner vermisst. Man verbrennt dabei degenerierten Abschaum um anderen degenerierten Abschaum zu verbrennen.
My training as a Special Forces officer helped me to remain objective. The SF instructors had encouraged a very cold-blooded, detached approach to “the guerrilla force.” Some Q course classes dealt specifically with the demobilization phase—the phase when the U.S. government has decided that it is in our interests to see the guerrillas disarmed and demobilized. We were told to use our ingenuity to come up with ways to carry out the demobilization— guerrilla sentiments be damned. In one exercise, a student came up with what we later called the “ballistic demobilization technique.” The Gs were being recalcitrant about demobilization, so the advisers pretended to sympathize. A weapons maintenance class was organized. As soon as the guerrillas removed the bolts from their weapons, the U.S. advisers stepped back and a prepositioned machine gun violently demobilized the G force. The young captain who designed this maneuver was perfunctorily criticized by the instructors, but it was obvious that his ingenuity and ruthlessness were, to a certain extent, admired. By the time I got to the contras I was well prepared to be very cold-blooded in my dealings with them.
- Contra Cross


zu Teil 1, zu Teil 2, zu Teil 3.

<Fortsetzung folgt>


Siehe auch:
Sponsoring

Kommentare:

  1. Solltest du eines Tages erwägen, ein Buch zu schreiben, lass es mich wissen!
    Ich denke, auch ein Großteil deiner anderen Leser wären daran interessiert.

    Inhaltlich hat mir der Artikel wieder sehr gut gefallen, ermöglicht er doch einen spannenden Ausblick auf die Zukunft!

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    1. Und dann such ich FoxSauerkraut im Telefonbuch? In dem Post allein sind Verweise auf drei Bücher, wieso sollte ich dann noch eines schreiben. Ich schreib hier keine Romane für Leute auf den Zuschauerplätzen.

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  2. Wenn du mich mithilfe eines Telefonbuchs kontaktieren möchtest, gerne, Google+ wäre jedoch einfacher.

    Versteh mich nicht falsch, ich weiss die Literaturverweise sehr zu schätzen, und nutze sie auch seit geraumer Zeit.
    Mit meiner Anmerkung wollte ich bloß deine Arbeit hier wertschätzen; sieh es nicht als Forderung, oder gar als Kritik.

    Eines noch, auf den Zuschauerplätzen wirst du mich nicht finden, falls das mit dem Telefonbuch nicht klappen sollte.

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    1. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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    2. Danke, ich werde euch eine Mail schreiben.

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