Donnerstag, 29. September 2016

Sicario

Don't get shived!

Die Sicarii waren eine Splittergruppe jüdischer Zeloten die während der römischen Besatzung mit ihren Sicae Dolchen römische Soldaten und jüdische Kollaborateure angegriffen haben. Es gehört zur Ironie der Geschichte, dass heute Palestinenser jüdische Soldaten und Bürger ebenfalls mit Messern attackieren, die sie als Besatzer betrachten.

Die Sicarii wussten, dass sie keine Chance hatten eine römische Legion auf dem Schlachtfeld zu besiegen, doch mit spontanen Attentaten und Dolchattacken, auch wenn der Attentäter kurz darauf gestellt und selbst getötet wird, die Besatzungsmacht frustrieren, demoralisieren und von der Zivilbevölkerung entfremden lönnen indem sie Paranoia verbreiten und diese zu Vergeltungsmaßnahmen provozieren. Es ist eine billige Taktik die sich ein asymmetrisches Verhältnis zu Nutzen macht.

Heute sehen wir im Zeitalter von ferngezündeten Sprengsätzen im Westen wieder ein Aufkommen dieser Sicarii Taktik. Der Islamische Staat hat in mehreren Aufrufen die wahren Gläubigen dazu aufgefordert Ungläubige mit Kraftfahrzeugen zu attackieren und eben auch mit Messern.


Bei der Polizei verbreitet es sich, dass Beamte von Sondereinsatzkommandos mit modernen Kettenhemden ausgestattet werden, wenn diese mit einem Zugriff beauftragt werden, der in Räumlichkeiten und damit auf engem Raum stattfindet, wo die Beamten ihre Schusswaffen nicht wirklich voll ausspielen können und ein Angreifer mit einem Messer sehr schnell den Kontakt hergestellt haben könnte.

Ich habe in einer früheren Version eines Beitrages über Körperpanzerung das Kettenhemd noch oberflächlich behandelt, dies dann allerdings verworfen, da es immer zuviele Kurzschlussleuchten gibt, die diese Informationen nicht richtig verarbeiten können und diese dann so interpretieren, als wäre ein Kettengeflecht als Stichschutz die schlaue Idee wenn man sich in Gegenden aufhält, die man nach Einschätzung der Sicherheitslage längst hätte verlassen sollen. Zuviele Idioten meinen sie seien Vorbereitet wenn sie sich mit einer Sicherheitsbrille in den Messertornado begeben, anstatt die Konfrontation mit einer nicht zu kontrollierenden Situation auf einem Schlachtfeld wo man nur defensiv reagieren kann gänzlich zu vermeiden.

Die Kettenhemden welche jetzt an die Sondereinsatzkommandos ausgegeben werden sind moderne Anfertigungen, keine Kostüme vom Mittelaltermarkt. Die handelsüblichen Kettenhemden verwenden Ringe mit einem Durchmesser von 10mm, was noch gut gegen Schnittverletzungen schützt, bei Stichen allerdings bereits kritisch wird, gerade wenn es um Werkzeuge geht die für so etwas oft von Gangs verwendet werden, wie bspw. Schraubenzieher. Die Ringe der Kettengeflechte welche die Polizei verwendet haben einen deutlich kleineren Durchmesser. Ein weiteres Beispiel für ein modernes Geflecht ist der Shark Suit von Neptunic, welcher Taucher vor Haiattacken schützen soll.

Dazu kommt die Problematik der Wundversorgung wenn es doch zu einer Verletzung kommt. Die Sondereinsatzkommandos haben ein ganzes Protokoll bei einem solchen Einsatz und sind auf Eventualitäten vorbereitet. Am wichtigsten ist jedoch, dass sie im Team arbeiten. Eine Einzelperson, welche dachte das Kettenhemd ist eine ganz schlaue Idee und man spiele hier quasi eine Jokerkarte gegenüber fiesen Messerstechern, wird allerdings dieselben Erfahrungen machen, wie sie bereits seit jeher gemacht wurden seitdem Kettenhemden in die Schlacht getragen werden. Um eine Wunde zu versorgen muss das ganze Kettenhemd zuerst abgelegt werden, wofür sich der Träger nach vorne überbeugen muss und was ohne Hilfe wertvolle Zeit kostet und für eine verletzte Person auch nicht gerade schneller geht. Streifenpolizisten wird man nicht mit Kettenhemden antreffen.


Was die Wiederbelebung von Kettenhemden als Körperpanzerung der Polizei für die Gesellschaft bedeutet kann man sich ausmalen. Anschläge werden billiger, damit häufiger und irgendwer verdient wieder zu gut an Verteidigungsmaßnahmen um diese durch Gegenangriff beseitigt zu sehen. Für die Sicarii hat ihre Anschlagswelle in der Zerstörung ihrer Festungen, Tempel und der gesamten Stadt Jerusalem geendet, der moderne Messerstecher muss solche Vergeltungsmaßnahmen dank Völkerrecht nicht fürchten. Ebenfalls passt das Kettenhemd dazu, dass wir nun auch modisch angebracht in eine poströmische Dunkle Zeit nach dem Ende des Pax Americana gehen können.



Siehe auch:
Ratgeber über bewaffneten Nahkampf
Pretorianer



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen