Sonntag, 2. Oktober 2016

Combat Footage: Kolumbien


Die mediale Dauerpräsenz der Konflikte im Irak und Syrien lässt fast vergessen, dass es weltweit noch um die 38 weitere bewaffnete Konflikte gibt, von denen die meisten keine vergleichbare mediale Erfassung haben, dafür aber als Beispiele mehr bieten können für ein Konfliktszenario in Europa, speziell im deutschsprachigen Raum.

Eines dieser Beispiele ist der Bürgerkrieg in Kolumbien zwischen der Regierung und marxistischen Narco-Terroristen deren prominenteste Fraktion die FARC ist. Regierung und FARC haben am 26.September ein Friedensabkommen unterzeichnet, während dieser Beitrag noch in Arbeit war, da die FARC und die Regierung beide nicht mehr genug Fußsoldaten rekrutieren können und für die Linken ein Marsch durch die Institutionen eher bevorzugt wird.

Beide Seiten halten bis jetzt Territorien mit Produktionsstätten und beide Seiten erfüllten Regierungsfunktionen. Das Staatsgebiet von Kolumbien insgesamt ist dabei größer als Deutschland und Frankreich zusammen und besteht zum Großteil aus unkultivierter Wildnis. Die klimatischen Bedingungen sind typisch für die Region mit einem heißen Sommer und Monsunregen im Winter.


Die Guerilla der FARC operiert überwiegend in Grenzgebieten entlang der Staaten die zur KomIntern gehören, oder ihr nahestehen.

Was den Konflikt interessant macht als Beispiel ist, dass die Geographie der Mitteleuropas ähnlicher ist als die Wüste Iraks und Syriens. Die Regenzeit lässt sich vergleichen mit dem Begin eines deutschen Herbstes, wenn es lange Zeit regnet und das Klima vergleichbar ist mit den dortigen Bergregionen. Im gegensatz zum Syrienkonflikt ist der Guerillakrieg in Kolumbien extrem untermotorisiert und die FARC benutzt mehr Esel als Fahrzeuge.


Die Begebenheiten lassen es nicht zu Pickup Trucks einzusetzen oder mit Waffenplattformen auszurüsten. Die wenigen Straßen durch das Gebirge und den Dschungel werden in der Regenzeit für viele Fahrzeuge unpassierbar. Dazu ist die Einsatzmöglichkeit großer Waffen durch die Geografie und Vegetation sehr beschränkt. Es lohnt sich einfach nicht ein Fahrzeug aufzurüsten, nur damit es vorgegebenen Wegen folgt die eventuell vermint sind, die das Militär durch Lufthoheit einsehen kann, oder dass es einfach stecken bleibt. Dieser Fokus auf den Infanteristen hat zu einer weiträumigen Verminung des Landes geführt, da dies die einzige Möglichkeit ist individuelle Bewegungen einzuschränken. Die FARC legt weiträumige Minengürtel um ihre Rückzugsräume um die Infiltration dieser durch Regierungskräfte und rechtsgerichtete Paramilitärs zu verhindern.


Kampfhandlungen
Die FARC hat eine Medienarbeit, die genau wie ihre ergrauten Babyboomer Kommandanten immer noch in den 1970er Jahren feststeckt. Solche Aufnahmen sind daher relativ selten und noch seltener in guter Qualität.

Eine Gruppe von FARC Guerilleros greift einen Polizeiposten irgendwo im Hinterland von Kolumbien an. Die Gegensätze zu den Filmaufnahmen aus der irakischen Wüste könnten nicht größer sein. Es ist sumpfing und eine dichte Vegetation schränkt den Sichtkontakt mit dem Gegner extrem ein. Ein Markenzeichen der Guerilla und wie sie sich von den Regierungssoldaten unterscheidet sind die Gummistiefel. In dichter Vegetation ist Tarnkleidung auch wichtig, da der Gegner die Luftüberlegenheit hält, eine Aufklärung dadurch erschwert wird und es nicht wie in trockenen Klimazonen die verräterischen Staubwolken gibt, die beim Feuern von Schusswaffen entstehen und die Position zu erkennen geben.

Granatwerfer und Optiken sind bei der FARC relativ häufig zu sehen. Wenn der Fokus auf dem Infanteriekampf liegt, dann müssen und können auch mehr Mittel eingesetzt werden die Feuerkraft des einzelnen Kämpfers zu steigern. Das Training allerdings ist schlecht bis mangelhaft. Geschossen wird in erster Linie zur eigenen Beruhigung, was dazu führt das in manchen Momenten mehrere Schützen ausfallen, weil sie alle ihre Magazine nachladen müssen. Eine Formation und eine Kommandostruktur sind nicht klar erkennbar, da ihr offenbar nicht folge geleistet wird.

Es ist nicht klar ob ein grünes Barett oder eine Baskenmütze einen Kommandeur auszeichnet, oder lediglich zur Identitätsstiftung beitragen soll. Wenn es sich dabei allerdings um den Kommandeur handelt, der mehrmals hinteinander Befehle wiederholen muss und durch sein herumlaufen zeigt dass er den Überblick über die Formation verloren hat, dann wäre es überhaupt seine Aufgabe gewesen selbst nicht direkt Kampfhandlungen durchzuführen. Das Granatwerfer wäre daher bei einem anderen Schützen besser aufgehoben und eine Optik dient dem Truppführer in erster Linie zur Aufklärung.
Dazu stehen wieder mal alle zu dicht beieinander, was gerade durch die Verbreitung von Granatwaffen sehr kritisch sein kann. Der sumpfige Boden führt allerdings auch dazu, dass Granaten mit Aufschlagszünder häufig nicht explodieren. Mörser werden von der FARC so gut wie gar nicht eingesetzt und die beschlagnahmten Funde der Regierungstruppen beschränken sich auf Eigenbauten, gegen die Fertigungen aus syrischen Werkstätten wirken wie Smartbombs (zu sehen hier).


Das nächste Beispiel gefilmt von der Gegenseite der kolumbianischen Bundespolizei, bei Kampfhandlungen gegen die kleinere ELN, ist genau das Szenario, welches schweizer Major von Dach Fans in feuchten Träumen sehen. Wenige Kräfte blockieren Bergpässe und sowas.


Wenn die Straße dicht ist, dann ist die Straße dicht und die eigenen Kräfte können dann herumsitzen und auf Luftunterstützung warten.

Es gibt bessere Methoden um die eigene Position zu markieren als mit einem weißen Tuch auf einem Kiesweg. Für sowas werden für gewöhnlich orangene Tarps oder Rauchmittel verwendet. Eigene Rauchmittel scheinen nicht vorhanden zu sein, sonst hätte man damit bereits die Straße vernebeln können.



Siehe auch:
Combat Footage



Kommentare:

  1. Minengürtel hätte ich eher bei Regierungstruppen erwartet. Haben die keine Hubschrauber auf Regierungsseite?
    Im 1. Irakkrieg haben die Amerikaner eine ganze Basis unbemerkt hinter den feindlichen Linien aufgebaut.

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    1. Klar haben die Hubschrauber, die brauchen sie ja gerade weil alles vermint ist. Für die Rebellen ist es eine billige Methode Territorium abzustecken und die allermeisten Minen gehen auf deren Kappe. Nur hinterlassen die auch keine Namensschilder dort wo sie die platzieren. Die Regierung kann hier nur reagieren und da kann man Minen schlecht einsetzen. Du kannst ja nicht präventiv irgendwas in deinem eigenen Land verminen nur weil da später eine Rebellenbasis, Cocafeld oder Drogenlabor auftauchen könnte.

      Dafür werden übrigens oft selbstgebaute Minen mit chemischen Zündern verwendet wie ich sie hier schon öfter beschrieben habe. Also mit Schwefelsäure und so.

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  2. Heute ist in Kolumbien per Volksentscheid der Friedensschluss mit der FARC abgelehnt worden. Es ist ja gerade das fastzinierende an diesem Konflikt, nicht dass die FARC schon so lange kämpft, sondern dass ihr so lange Widerstand geleistet wird.
    Fick diese scheiss Kommis, die sollen alle getötet werden.

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