Sonntag, 30. Oktober 2016

Der Westen

Westliche Kultur verstehen


Die westliche Kultur als Fundament westlicher Zivilisation existiert in der öffentlichen Wahrnehmung heute überhaupt nicht mehr wenn Politiker davon sprechen, dass man zum Erhalt von Kultur Blockflöte spielen und Schweinebraten essen soll. Und da auf Post Collapse immer der Westen als das Non plus Ultra von Zivilisation erwähnt wird, hier eine kurze Einführung in das, was der Westen überhaupt bedeutet.


Westliche Kultur definiert sich nach den Zivilisationen aus deren Summe sich seine kulturellen Errungenschaften zusammensetzen, sprich Hellenismus griechischer Stadtstaaten und germanisiertem Christentum.

Das Fundament von Hellenismus baut auf Eigentumsverhältnissen auf, die eine erfolgreiche Agrarkultur von selbst anstrebt, weil die produktive Klasse, sprich die Farmer, ihren Erfolg an die nächste Generation weitergeben wollen. Dies resultiert wiederum in Familienverhältnissen von Monogamie um den Mann zumindest zu gewährleisten, wenn auch nicht zu garantieren, dass hierdurch ein biologischer Erbe zustande kommt. Familien werden dazu produktiver als Individuuen, da egal wie wohlhabend sie auch sind, es ihre Bestrebung ist, dass es den Kindern besser geht.
Erst durch die Aufteilung der Machtverhältnisse in einer Gesellschaft wo viele Familien vergleichbar wohlhabend und damit vergleichbar gefährlich sind, ist die Etablierung von stabilen staatlichen Strukturen in einem demokratischen Rahmen möglich. Solche Gesellschaften halten sich durch die Ambitionen ihrer einzelnen Gruppierungen selbst im Zaum, da absolute Herrschaftsausführung nicht möglich ist, wenn jede Entscheidung der Führung potentiell hinterfragt werden kann.
Meinungsfreiheit braucht diese Verhältnisse um zu existieren, da Meinungsfreiheit im wesentlichen ein Wettbewerb ist für neue Konzepte Investoren zu finden, was nur möglich ist wenn es etwas zu investieren gibt. Nur wer sein Haus und seinen Acker besitzt kann diese verpfänden, Geld generieren und dieses als garantierten Wert tauschen und investieren. Ob das Gold ist oder nicht ist völlig egal. Viele Zivilisationen haben Gold als Zahlungsmittel verwendet, aber die wenigsten waren derartig erfolgreich wie der Westen. Ohne diese Umstände ist eine wissenschaftliche Debatte kaum möglich.

Die Germanisierung des Christentums hat dazu beigetragen, dass durch die Kirche Stammesstrukturen aufgebrochen wurden, dadurch, dass durch ritualiserten Austausch durch Wallfahrten und Pilgerreisen eine natürliche Vermischung gefördert wurde und mit dem lateinischen Christentum Staatsstrukturen verbreitet wurden, die völlig unbekannt war, wobei sich das Christentum gleichzeit de-institutionalisiert hat. Germanen kannten keinen Staat, an der Spitze jeder Gemeinschaft stand lediglich ein Kriegsfürst und sein Gefolge, der keine staatliche Autorität besas und durch den vorherrschenden Analphabetismus überhaupt nicht die Möglichkeiten hatte staatliche Macht auszuüben. Auch gab es keine religiösen Institutionen in Form einer Druidenkaste, bei deren Konvertierung der Rest der Gemeinschaft gefolgt wäre. Eine Religion wie das Christentum, eine Sekte welche auf die urbanen unteren Gesellschaftsschichten abzielte, musste so abgeändert werden, dass sie an Werte anschließt welche einer Agrar- und Kriegerkultur wichtig sind. Germanien war den früheren griechischen Stadtstaaten ähnlicher als dem Römischen Reich, weshalb sich hier voerst unterschiedliche Strömungen verbreiteten.


Und genau wie die griechischen Stadtstaaten und das Römische Reich scheitert der Westen heute an seinem eigenen Erfolg. Wohlstand hat zu lange Schwäche subventioniert und man hat vergessen, was uns vom Rest der Welt unterscheidet. Selbst jene die angeblich westliche Werte verteidigen wollen, können diese nicht definieren und verfallen in fatalistische Zufallstheorien. Dazu steht die Anglosphäre, geprägt von erwähnten Faktoren, im eigenen Lager den Resten der schlimmsten Aspekte von gallischer und romanischer Kultur entgegen und Richtung Osten den schlimmsten Aspekten slawisch-asiatischer Kultur, die sich beide versuchen in das eigene Lager zu schleichen und die Brunnen zu vergiften. Wer nicht versteht wer er selbst ist, der versteht nicht was die Anderen so anders macht, abseits vom Narzissmus der kleinen Unterschiede.

Politiker in der westlichen Welt geben dumme Ratschläge über in die Kirche gehen und Schweinefleisch, weil sie sich selbst bereits aus einer degenerierten Generation zusammensetzen und den Westen nicht verstehen und sich dafür auch nicht interessieren. Sie tragen dazu bei, dass die Skala nach unten erweitert wird und wir nach Merkel und Nahles und Leyen keinen Bismarck bekommen werden, genau so wenig wie die Römer nach Nero und Commodos und Elagabalus keinen Cato oder Cicero bekamen, weil die Besetzung der Führungsrolle längst nicht die dringendste Angelegenheit ist. Die politsche Kaste, mit ihrer Blutverwandschaft in Stiftungen, Medien und Interessenverbände, ist längst das genaue Gegenteil dieser Kultur geworden.
Die einzige Selbstkorrektur das subventionierte Schlechte loszuwerden und den positiven kulturellen Werten eine Existenzberechtigung zu bewahren ist Chaos.



Siehe auch:
The Other Greeks: The Family Farm and the Agrarian Roots of Western Civilization von Victor Davis Hanson
The Germanization of Early Medieval Christianity: A Sociohistorical Approach to Religious Transformation von James C. Russell



Kommentare:

  1. Wissenschaftsprinzip würde ich noch addieren.

    Hypothese gilt bis zur Falsifikation der geltenden Theorie.

    Dies statt irgendwelcher theologischen/ideologischen, ewig geltenden Vorgaben.

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    1. Sokratisches Denken ist Hellenismus und die Frage ist ob theologische Ideen und Ideologie soetwas begünstigt oder nicht. Newton hat bei seinen Feststellungen davon gesprochen, dass die Gesetze der Physik Gottes Gesetze sind die sich nicht beeinflussen oder ändern lassen und ewig gelten.

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  2. Noch ein Aspekt der Anführerselektion römischer Soldatenkaiser ist die katholische Kirche bei der sie nach wie vor mit Erfolg bei der Papstauswahl praktiziert wird.

    Erfolg gemessen in der Dauerhaftigkeit der Institution.

    Katholische Kurie und Orden sind die dauerhaftesten Strukturen des Westens.

    Ein wesentliches Element ist dabei die Vermeidung von Nepotismus durch Zölibat.

    BTW Diokletian und Marc Aurel waren absolut fähige Kaiser in krisenhaften Zeiten.

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    1. Römische Soldatenkaiser haben sich ähnlich diverer Diktatoren aus der dritten Welt an die Macht geputscht und selten länger als 1-4 Jahre regiert. Das kann man nicht wirklich mit der katholischen Kirche oder den Ritter/Mönchsorden vergleichen.

      Diokletian hat die Wirtschaft des Reiches so nachhaltig ruiniert, das Archäologen nicht einmal einen Namen für die Währungseinheiten haben, die als Alltagszahlungsmittel verwendet wurden. Sogar der Kleingeldgebrauch kam im 5 Jhdt. aufgrund der Naturalienwirtschaft, einer Konsequenz Diokletianischer Wirtschaftspolitik (und seiner Nachfolger), auser Gebrauch. Er ist nicht umsonst der "Sozialistenkaiser".

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