Freitag, 14. Oktober 2016

Eine Ortschaft absichern Teil III - Befestigungen



In einem Konfliktgebiet stecken die Fraktionen ihr Einflussgebiet in der Regel nur nach Knotenpunkten ab die für sie wichtige Bedeutung haben. Selbst Ackerland hat nur eine untergeordnete Bedeutung, wenn man kein Personal hat dieses zu verteidigen und internationale Märkte hier ein klares Kosten-Nutzen Verhältnis vorgeben. Dazu hat es keinen Nutzen quer durch solche Felder Grenzen zu ziehen und sie dabei aufzuwühlen, wenn bestehende Wege bereits Grenzen darstellen.


Frontverlauf zwischen dem Islamischen Staat(schwarz) und syrischen Rebellebgruppen(grün)
(man beachte die Fahrzeugspuren durch die Felder)

https://videos.files.wordpress.com/SjltpjPa/jabhat-al-nuscca3rah-22coverage-of-the-fortification-campaign-upon-the-fronts-of-the-southern-sector-of-eastern-al-ghucc84tcca3ah22_dvd.mp4
In einem Videobericht zeigt die Al-Nusra Front Erdarbeiten wie sie Wälle um ihr Territorium errichtet. Wie auf der obrigen Karte zu sehen dienen Straßen als Grundlinien und Erdwälle werden dadurch errichtet, indem die Straße einfach in ihrer breite halbiert und die eine Seite mit Erde aufgeschüttet wird. Der Erhalt der Felder ist eine Geste des guten Willen gegenüber der lokalen Bevölkerung und ist oft mit der Vergabe von Privilegien verbunden, dass einer Person die sich kooperativ zeigt neue Parzellen zugeteilt werden, von jemanden dem man sie vorher weggenommen hat.

Diese Ziehung von Grenzen erinnert dabei stark an die Landwehrgräben in europäischen Nationen, welche bereits in einem vorherigen Teil erwähnt wurden.

Während diese Gräben früher noch simple Grenzmarkierungen waren und eher den Wind aus den frisch ausgesähten Ackerflecken halten sollten als Banditen, so dienen sie in Syrien dazu motorisierte Bewegungen einzuschränken und Schrapnelle abzufangen.

Splitterwirkung


Strongpoints
Gerade in der irakischen Wüste werden entlang der Highways und wichtiger Verbindungsstraßen Strongpoints errichtet. Diese waren bisher entweder hastig aufgeschüttete Sandwälle oder untergebracht in bereits bestehenden Strukturen.

https://videos.files.wordpress.com/prSnAPgN/the-islamic-state-e2809cthe-epic-battles-of-constancy-3-e28093-wilacc84yat-dijlahe2809d_dvd.mp4
Beispiel für einen solchen Kontrollpunkt. Der BMP zeigt Richtung Wüste, obwohl die wahrscheinlichste Angriffsroute die Straße sein wird. Bereits die Franzosen mussten feststellen, dass ihre ganzen Feldbefestigungen von den deutschen Panzern über die gut ausgebauten Landstraßennetze einfach umfahren wurden.

Der Kontrollpunkt wird von den Angreifern des Islamischen Staates im Handstreich genommen. Die Angreifer können hier aus einer Richtung bereits beide Eingänge der beiden Schanzen aus einer Position unter Feuer nehmen und der BMP könnte nicht mal abhauen.

Das nächste Beispiel sind Kontrollpunkte die in bereits bestehenden, vermutlich zivilen Strukturen untergebracht wurden.  Quadratische Grundrisse sind keine und waren nie gute Festungskonstruktionen. Nicht mal die Normannen, die sehr quadratische Strukturen gebaut haben, haben ihre Trutzburgen so konstruiert. Diese Form eignet sich nicht, aus Gründen die wir gleich sehen.

Die Dschihadisten verwenden den Einsatz von Selbstmordattentätern wie Airstrikes. Hier kann sich ein Fahrzeug ungestört dem Außenposten und den dort abgestellten Fahrzeugen nähern...

.., und sich in die Luft sprengen.

Dazu sind die beiden gegenüberliegenden Strukturen sehr anfällig im Handstreich übernommen zu werden, was durch die erhöhten Strukturen den Angreifern ermöglicht dann in den gegenüberliegenden Bereich hineinzuschießen, wie beispielsweiße hier zu sehen ist.

https://videos.files.wordpress.com/dEKJLAEC/the-islamic-state-e2809clion-of-the-battlefield-4-e28093-wilacc84yat-al-barakahe2809d_dvd.mp4
Wegen der Gefahr durch VBIEDs, bzw. Selbstmordattentätern in Fahrzeugen, werden Strongpoints mittlerweile so konstruiert, dass sie Gräbe verfügen und als reine Infanteriebasis nur durch kleine Brücken begehbar sind.


Grundlegende Fehler dieser Aufbauten haben sich aber nicht geändert.

Gräben werden um bereits bestehenden Strukturen gezogen und folgen damit zivilen Mustern. Dazu werden die Eingangsbereiche nicht geschützt und lassen offene Stellen durch welche der Innenbereich in zwei geteilt werden kann.


Festungsbau
 Festungsdorf Bourtange , Niederlande

Seit dem Schießpulverzeitalter werden Festungen anderes konstruiert und in einer Form, die möglichst viel kinetische Energie aufnehmen kann.
Trifft ein Geschoss schräg auf einen Festungswall, dann muss des dabei mehr Masse durchdringen als würde es Senkrecht darauf treffen. Dazu wurden moderne Festungswälle mehr und mehr zu Erdwerken, da Steinwälle nicht nur unnötig hohe Ziele abgeben, sondern Mauerwerk auch zu tödlichen Geschossen werden kann.

Ein schräger Aufbau und der Aufbau von Schanzen ermöglicht dazu, dass ein Feind nicht direkt einen einzelnen eigenen Kampfstand bekämpfen kann, ohne in dass Feuer mehrerer eigener Kampfstände zu geraten. Dazu wird der zu überwachende Bereich für den Kampfstand kleiner. Ein zu weiter Bereich bietet dem Gegner die Möglichkeit quasi aus dem großen Unbekannten zuzuschlagen. Genau so werden tote Winkel vermieden.

Special Forces Camp in Vietnam. Anstelle von Schanzen gibt es hier an den Eckpunkten Betonbunker mit Beobachtungsposten. Special Forces Camps waren häufig in den Formen Pentagon, Hexagon, Octagon und sternförmig konstruiert. An allen Eckpunkten befanden sich Bunker mit Maschinengewehren und im Inneren befand sich ein weiterer Wall, meist quadratisch oder dreieckig angelegt.



Siehe auch:
Teil 1 und Teil 2



Kommentare:

  1. Interessanter Artikel, ein par Sachen ist mir aufgefallen.
    Wenn die Posten Gräben haben sind die meisten sehr lang und gerade, sollten die nicht mehr Ecken haben und kürzer sein.
    Ist das inzwischen "veraltet" , mir wurde es nur mal so erklärt das die vielen Ecken verhindern sollen das eine Granate aufgrund der Splitter viele Leute auf einmal ausschaltet. Oder ist das einfach wegen den Fahrzeugen so, währe es da nicht weniger Aufwand einfach einen Minen Gürtel zu legen.
    Oder wurde das nur im WW1 so gemacht?

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    1. Wollte ich in diesem Teil behandeln, hab es aber auf den nächsten Teil verschoben. In Syrien ziehen sie mit Baugerät lange und breite Gräben und eben gerade, da diese als Fahrzeugsperren angelegt sind. Infanteriegräben sind zick-zack damit eindringender Gegner nicht von einem Punkt aus in beide Richtungen den gesamten Graben unter Beschuss nehmen kann. Ist auch gegen Tieffliegerangriffe ausgelegt. Wie gesagt, nächster Teil.

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  2. Vauban Festungsbau mag für Postcollapse nach wie vor aktuell sein.

    Für gegenwärtige Militärtechnologie der Industrienationen aber imho völlig wertlos.

    Allein schon, sobald die alten, drahtgelenkten Milans ihren Weg durch die Bürgerkriegsparteien in Nahost machen, sitzen alle Stützpunktbesatzungen auf dem Präsentierteller.

    Wär richtig gut, wenn die Lenkwaffen ein elektronisch gesteuertes Verfallsdatum hätten, bevor man sie dorthin abgibt.

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    1. Wenn du ein Gebiet kontrollieren willst musst du irgendwo Truppen platzieren. Überall wo Truppen sind werden diese angreifbar durch verschiedene Waffen. Zu sagen dass es dann wertlos ist diese Truppen durch Befestigungen zu schützen, weil ja trotzdem Waffentyp XY diese angreifen kann, ist wertloser Defätismus. Vielleicht sollten wir ja überhaupt gar nichts mehr machen, weil ja irgendiwe immer angreifbar bleiben.

      Was die Milan Raketen angeht haben diese GPS und GPS kann man mit Geo Fancing einschränken.

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    2. Keine Ahnung, wie defaitistisch ich bin. Kommt vermutlich darauf an, mit welchen Halsabschneidern ich es zu tun bekomme.

      Die Milan habe ich genannt, weil sie gerade freundlicherweise an die Kurden geliefert wird, uralte 70er Jahre Technik ist (drahtgesteuert ohne GPS) und dem IS Selbstmordkommandos mit Sprengstofflastern cancelt.

      Dass Truppenkonzentrationen in Feldbefestigungen wie noch in Vietnam bei einem Gegner mit Lenkwaffen vermieden werden sollte, kann man auf beiden Seiten der nordlibanesischen Grenze zwischen Hisbollah und Israelis beobachten.
      Hisbollah ist in Tunnelsysteme verschwunden.

      Die IDF hat zwar noch klassische Feldlager, aber die Perimetergrenze auf 7km ausweiten müssen. Das ist ein hoher Preis.

      Schweiz und Taiwan legen sogar ihre teuren Bunkersysteme still.

      Ich kann nicht abschätzen, in welchen Umfang alte Ostblocksysteme wie beginnend mit Sagger in den Schwarzmarkt gelangt - und wie langlebig sie bei fehlender Wartung sind.

      Sicher sind es von der Langlebigkeit her gesehen keine RPGs, aber wenn sie in einem Konflikt verfügbar sind, ist es tödlich für befestigte Feldlager.

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    3. Die syrische Armee hat selber Milan Systeme seit mindestens den 80er Jahren und die sind dort neben Ostblock Systemen im Umlauf. Trotzdem bauen die befestigte Außenposten weil es dazu keine Alternative gibt und deine Bedenkenträgerei da auch nicht weiterhilft.

      Wie Rumsfeld gesagt hat:
      "You go to war with the army you have---not the army you might want or wish to have at a later time.---You can have all the armor in the world on a tank and it can (still) be blown up."

      Nur weil man immernoch angreifbar ist, ist das kein Grund das man einfach garnichts macht. Und das mit der Hamas ist überhaupt kein Vergleich. Die haben einen Gegner der davor immer noch zurückschreckt Zivilbevölerung zu bombardieren und können sich halt dahinter verstecken. Die müssen überhaupt kein Gebiet halten. Aber hauptsache du hast was gesagt.

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  3. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  4. Das römische Reich machte ähnliche Erfahrungen im Bau von Befestigungen. Während die rechteckigen Wälle der Legionslager in der frühen Kaiserzeit ähnlich heutiger Stützpunkte primär als Annäherungshindernisse für Nichtangehörige konzipiert waren, wurden in der Spätantike aufgrund der hohen Mobilität und Kompetenz der Germanen ernsthaftere Befestigungsanlagen errichtet, die denen des Mittelalter teilweise stark ähneln.

    http://www.freiwilligenagentur.landkreis.neu-ulm.de/var/cache/thumb_4072_1060_1_1200_1200_r2_jpeg_archaeologischer_park_kellmuenz_turntable_graben_neu1.jpg
    Bei Festungsanlagen wie Caelius Mons wird das Konzept von Bastionsartigen Türmen zur Eigensicherung sowie zur Bestreichung der Mauer teilweise aufgegriffen.

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