Montag, 24. Oktober 2016

Potshot snipers

Heckenschützen- ein Abriss über Einsatz und Möglichkeiten
 - Ein Gastbeitrag von ZweiEl


Ein Heckenschütze ist kein militärischer Scharfschütze, sein Aufgabe ist der Angriff auf die gegnerische Moral und Idee.
Hierbei ist er eher die Ergänzung zu Sprengfallen und IEDs und nicht das primäre Mittel der Wahl um dem Gegner hohe Verluste einzutragen.
Das Ziel sind Truppen des Feindes, Repräsentanten feindlicher Strukturen und Führungskräfte.
I'm a sniper
The signs I set
Are painted
In deepest red
Coroner - Semtex Revolution


Im Gegensatz zum Scharfschützen benötigt er weder herausragendes Training noch teure Sonderaustattung um seine Rolle erfüllen zu können.
Natürlich steigen mit zunehmenden Fähigkeiten und besserer Ausrüstung die Erfolgschancen, aber ein ausgebildetes Sniper Team zieht man nicht eben mal aus dem Hut um sie mit solchen Aktionen möglicherweise schnell zu verheizen. Was uns zum nächsten Punkt bringt.

Die Effektivität des einzelnen Heckenschützen hängt vor allem von der Planung, der Unfähigkeit des Gegners, der gegnerischen Ausrüstung und Glück ab.

Geeignete Kandidaten stechen physisch nicht heraus, sind körperlich fit und haben ein gewisses Grundlevel an Fähigkeiten.


Vorgehen&Planung

"What car do you want for your birthday son? - A blue 1990 Chevrolet Caprice!"

Vereinfach man stark so handelt es sich bei einem guten Heckenschützen um einen Spezialisten für Hin-&Wegkommen.

Wie kommt man zu seiner Stellung, wie kommt man von dieser weg? Wie kommt die Waffe dort hin?

Bei den Beltway sniper attacks wurde kurzehand die komplette Stellung in Form eines Autos wegverlegt.
Im Irak war es gängig, dass die Waffe von Frauen und Kindern zur Stellung gebracht und wieder entfernt wurde.
Eine Alternative bei der Annäherung mit Fahrzeugen war die Waffen in einem Fahrzeug mit Sicherheitsabstand hinter dem Spähfahrzeug zur Freisetzungsposition zu transportieren.
Bei Kontakt mit einer Strassensperre konnte das Folgefahrzeug rechtzeitig reagieren.


Optik
Bei den Beltway sniper attacks wurde ein Reddot benutzt, Oswald kam mit einem 4x20 Zf aus. Genau wie das Kaliber und die Waffe ist es eigentlich egal.
Allerdings sollte es mindestens 4x20 bzw x32 sein und nicht größer als 6-8fach, da es sonst zu groß wird und euer Sichtfeld zu eng.


Bewaffnung
Der effektive Einsatzbereich liegt zwischen 50 und 500m. Betrachtet man den Irak und Tschetschenien liegt der Haupteinsatz auch meistens näher den 50m als den 500m.
Wichtig ist vor allem die Waffe:
a) leicht zur ausgewählten Position und davon weg bringen zu können ohne Verdacht zu erregen
b) gut verstecken zu können
c) zu dämpfen. Dadurch verringert sich das Risiko enorm.

Kalibertechnisch gibt es keinen Goldstandard. Alles kann funktionieren.
Make do with what you got.
Die Breite kann vom gekürzten&gedämpften KK-Einzellader bis zum jagdlichen 98er gehen.
KK? Ist der verrückt? Nein, nur dreist. Kein Gesicht ist kugelsicher.
Die für Deutschland typischen ebenerdigen Kellerfenster bieten sich geradezu an und sollte in der Nähe ein Motor laufen ist es unmöglich eure Position aufgrund des Knalls oder des Mündungsblitzes aufzuklären. Zumal viele Fahrzeuge ihre Bordwaffen eh nicht genug neigen können um euer Fenster zu beharken.

Bei Wilderern, die ein entfernt verwandtes Einsatzspektrum haben, sind die Contender-Kipplaufpistolen mit Klappschaft weit verbreitet. Vorherrschend sind die Kaliber .22 hornet .222 rem, .44 mag/special und mittelfristig wird sich .300 whisper/blackout dazugesellen.



Einzellader/Repetierer/Halbauto. Alles komplett egal. 2 Schuss aus der gleichen Stellung sind riskant. 3 Schuss sind lebensmüde. Aus der persönlichen Erfahrung ist die .222 rem aus einem 10" Lauf völlig ausreichend bis 250m und lässt sich akzeptabel dämpfen. Zwecks einfacherer Munitionsversorgung ist die .223 sinnvoller.

Vom schiessen um zu verwunden halte ich nichts. Verwundete entstehen schon genug durch Sprengfallen und die Schüsse eines Heckenschützen sollten Furcht im Feind sehen.
Er ist nirgendwo sicher. Er sieht den Tod nicht kommen. Seine Schutz rettet ihn nicht. Kein Medic kann was für ihn tun. 
Sein Stresslevel ist immer am Anschlag.



So now I know where snipers come from
Peeping down through my scope with an amoral code...




Empfehlungen zum Thema:
Die Guerilla sniper Reihe von The Immortal auf Youtube
Einiges von The tactical Hermit
John West: Fry the Brain - The Art of Urban Sniping and Its Role in Modern Guerrilla Warfare

Kommentare:

  1. Eine simple zuschießende Konstruktion, oder ein Repetierer mit einem kurzen gedämpften Lauf in .22 Kurz; kann man mit Epoxidharz in einem nochmals gedämpften Systemkasten einbetten.
    Dann sind Schussknall, Mündungsfeuer und Systemgeräusche so stark reduziert, dass man auch ohne laute Umgebungsgeräusche arbeiten kann.

    Das Ganze sähe dann eher quadratisch und unscheinbar aus, handlich wäre es trotzdem noch, und eine Ausführung als Selbstlader wäre denkbar, auch wenn ein Repetierer für diesen Zweck natürlich sinnvoller erscheinen mag.

    So eine Waffe lässt sich auch leicht als etwas anderes tarnen.

    Will man jedoch größere bzw. potentere Kaliber nutzen, würde sich der Aufwand ungleich erhöhen, die Materialkosten steigen natürlich auch.
    Es kommt sehr darauf an, welche Distanzen der Schütze abdecken soll.

    Interessanter Artikel jedenfalls, so etwas lese ich furchtbar gerne!

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    1. .22 Kurz ist schon nicht ausreichend für manche Waschbären.
      Da nimmt man für Pelzträger aus Russland besser was größeres.

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    2. Du kannst deine Munition im besten Fall ohnehin selber herstellen, und optimal an deine Waffe anpassen.
      Dann stellt sich diese Frage gar nicht.

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    3. Hab es schon geschrieben, aber expandierende .22 Munition wie Remington Yellow Jacke oder CCI Stinger bilden einen ähnlichen Wundkanal wie ein 9mm FMJ Geschoss.
      Das reicht allemal für Waschbär, Fuchs und Co.
      Gibt es aber leider nicht als Unterschall Munition .

      Zur Schalldämpfung:
      Ein .223 Unterschallgeschoss hat praktisch die gleiche Energie wie ein .22 er Unterschall- Projektil.
      Unterschallgeschoss muss sein, weil der Überschallknall sich nicht dämmen lässt.

      Es wird in nicht so gesetzestreuen Kreisen geredet, dass legale F Schalldämpfer für Luftgewehr problemlos an KK Waffen funktionieren.

      Sollte man als Legalwaffenbesitzer unbedingt vermeiden, weil das nämlich verboten wäre!

      Wirksamste Munition für Schalldämpferwaffen sind Pistolenkaliber ab 9mm.

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    4. Klar, die Geschossgewichte unterscheiden sich kaum, die .22 LfB mit 40 irgendwas zu 50-60 irgendwas Grain der .223.
      Wenn es unbedingt ein Pistolenkaliber sein soll, würde ich mich auf die .45 ACP beschränken, die ist dafür einfach wie geschaffen.

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    5. 45 ACP hast Du technisch gesehen durchaus recht.

      Die US Spähtrupps in WK 2 waren nicht zuletzt wegen ihrer effizient gedämpften Thompson MPs gefürchtet.

      Für SHTF Situationen aber keine Option in Europa, weil es ein sterbendes und damit rares Kaliber ist.

      9mm ist dagegen ok.

      Wirksam und etwa eine 9mm Steyr AUG ist allein schon ungedämpft mit Unterschallmunition (Magtech) so leise, dass man sie ohne Gefährdung des Gehörs in geschlossenen Räumen abfeuern kann.

      Wichtigstes Kaliber wird aber so oder so 22lfB sein, auch für Pistole.

      Für Pistole deshalb unbedingt einen 22 lfB Aufsatz mit Gewinde passend für F Schalldämpfer kaufen!

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    6. Ich empfehle die .45 ACP, weil sie in gängigen Laborierungen ab Werk eine Unterschallpatrone ist.

      Auch schätze ich, dass man im Krisenfall womöglich beinahe ausschließlich Vollmantelgeschosse in 9x19mm Patronen einsammeln wird, mit all ihren Vor- und Nachteilen.
      Da wäre mir persönlich ein Thompson SMG in .45 ACP lieber, aber das ist ein stets umstrittener Standpunkt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

      Man hätte jedoch ab Werk eine breite Auswahl an Unterschalllaborierungen, und dazu noch meist sehr wirksame Geschosse.
      Ich sehe nicht, dass derzeit ein Munitionsengpass in diesem Kaliber hierzulande bestünde, man kann die .45 ACP also durchaus kaufen.

      Ein Steyr AUG ist gewiss eine feine Sache, wenn man auf diesen etwas seltsamen Abzug steht, aber es hat auch einen stolzen Preis.
      In geschlossenen Räumen würde ich so eine Konstruktion aber ohne Gehörschutz definitiv nicht abfeuern, wenn nicht mein Leben davon abhinge.

      Aber Recht hast du, der .22 lfB und all ihrer Derivate wird im Krisenfall nebst den 12/76 Patronen wohl die größte Rolle zuteil werden.

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  2. https://homemadeguns.wordpress.com/2016/02/02/poachers-silenced-takedown-gun/

    Professionelle Auftragsschützen scheinen kleinkalibrige Waffenplattformen zu bevorzugen. Dieses Einzelladergewehr mit abschraubbarem Lauf lässt sich leicht in seine Einzelteile zerlegen, ohne dass diese als Komponenten einer Waffe erkennbar sind. Normale Menschen können oft nicht einmal reguläre Waffenteile erkennen; ich habe erlebt, wie auf einem Flohmarkt ein Mausergehäuse für 50 Cent den Besitzer wechselte, weil der Verkäufer es für Altmetall hielt.

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    1. Das Auftragskiller .22 bevorzugen wird auch in "Hit Man: A Technical Manual for Independent Contractors" erwähnt. Das Buch ist angeblich von einem Auftragskiller unter dem Pseudonym "Rex Ferell" geschrieben worden, Clair Wolf meint aber es war eine Hausfrau die eine Menge Fernsehen geschaut hat.
      Für Wilderer ist .22 eine billige und einfache Beschaffung, auch wenn man fast nur mit Lungenschüssen arbeiten kann.

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    2. Wilderer bevorzugen derzeit Armbrust.

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  3. Kleinkaliber dringt über Weichregionen wie Augen und Nase in den Kopf ein, kann diesen durch den Schädelknochen aber nicht mehr verlassen und lässt ihn somit intakt. Dazu ist die Waffe leicht zu handhaben mit geringem Rückstoß und ich habe die andere Hand währenddessen zum Wichsen frei.

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    1. Ist das der Grund wieso du das Fadenkreuz auf die Stirn legst? Weil du beim Zielen wichst?

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